E-Book, Deutsch, 240 Seiten
Reihe: Edition Blau
Ganzoni / Herzog / Künzli Der Verlag
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-03973-092-6
Verlag: Rotpunktverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman
E-Book, Deutsch, 240 Seiten
Reihe: Edition Blau
ISBN: 978-3-03973-092-6
Verlag: Rotpunktverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Nola bewirbt sich, halb aus Not, halb aus Neugier, um die Leitung eines Kleinverlags. Und tatsächlich, sie bekommt den Job, obwohl sie in dieser Welt nichts und niemanden kennt – außer der Lyrikerin Susanna Meinradi, für die sie seit ihrer Schulzeit schwärmt. Meinradi ist das literarische Aushängeschild des Verlags und hat verspochen, pünktlich zum Verlagsjubiläum ihren ersten Roman vorzulegen. Doch anstatt zu schreiben, taucht sie fast täglich im Verlag auf und fragt, ob Post für sie gekommen sei. Worauf sie so ungeduldig wartet, sind die Postkarten von Peter, einem Feldforscher, der seit Jahren in bizarrer Mission rund um die Welt reist. Peters Kartengrüße sind allerdings so verschlüsselt, dass nur die Übersetzerin und Dechiffrierkünstlerin Pénélope sie entziffern kann. Langsam beginnt Nola zu ahnen, dass Susanna, Peter und Pénélope unter einer Decke stecken.
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Papier. Papier überall. Ordentlich abgelegt in bunten Ordnern, angepinnt an den Wänden, sortiert in Hängeregistern, und besonders furchteinflößend: aufgetürmt zu mehreren schrägen Bergen auf dem Schreibtisch. Nola hat seit Jahren nicht mehr so viel Papier in einem Raum gesehen, schon gar nicht in einem Büroraum. Sie dreht sich zum Eingang, vergewissert sich, dass der dunkle Vorhang wirklich gezogen ist.
Im Verlag ist es ruhig, sogar die Straße vor der verglasten Wand ist still; die Skaterinnen weg, die Schulkinder sowieso, und das laut knutschende Pärchen, das sie vorhin im Park mit einem finsteren Blick taxiert hat, endlich außer Hörweite. Nola legt sich der Länge nach aufs dunkelblaue Sofa und schaut zur Decke. Immerhin, da oben kein Papier.
Sie spürt, dass sie vorhin mehr getrunken hat, als für einen Montagabend gut ist, und sie demnächst einschlafen wird, wenn sie hier liegen bleibt.
Aber vielleicht ist das gar nicht die dümmste Idee – vielleicht ist das sogar das am wenigsten Dümmste an der Tatsache, dass sie hier ab sofort Verlagsleiterin sein soll.




