E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Baccara
Garbera Wenn die Sehnsucht im Herzen brennt
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7515-0477-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Baccara
ISBN: 978-3-7515-0477-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Überzeugt, dass alle Männer nur hinter ihrem Geld her sind, steht die reiche Erbin Kara den Flirtversuchen von Gui de Cuaron skeptisch gegenüber! Doch irgendwann kann sie dem Charme des attraktiven spanischen Conde nicht länger widerstehen. Ein Fehler, wie sie bald darauf feststellt!
USA-Today-Bestsellerautorin Katherine Garbera hat schon mehr als neunzig Romane geschrieben. Von Büchern bekommt sie einfach nicht genug: ihre zweitliebste Tätigkeit nach dem Schreiben ist das Lesen. Katherine lebt mit ihrem Mann, ihren Kindern und ihrem verwöhnten Dackel in England.
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1. KAPITEL
Das Ereignis war als Hochzeit des Jahres angekündigt worden – Manhattans romantischstes Paar gibt sich das Jawort. Und soweit Kara de Montaine es beurteilen konnte, hatte die Presse tatsächlich nicht zu viel versprochen. Kara stand am Eingang der Saint Patricks Cathedral, umgeben von den oberen Zehntausend der New Yorker High Society. Dies war ihre Welt, in diesen Kreisen war sie zu Hause. Und trotzdem fühlte sie sich einsam und verloren, während sie darauf wartete, den Gang entlang zu ihrem Platz geführt zu werden.
Die unerwartete Hochzeit des erfolgreichen Verlegers Tristan Sabina hatte sich zu dem Ereignis der Frühlingssaison entwickelt. Kara wäre froh gewesen, das Ganze einfach als irgendeine weitere Party abtun zu können, aber sie war fast dreißig, noch immer Single und ohne Aussicht, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern könnte. Und eben das machte jede Hochzeit, zu der sie eingeladen war, zu einer Qual, einer Art Ausdauertest – immer wieder aufs Neue machte es ihr klar, dass sie wohl niemals in die Rolle der Braut schlüpfen würde. Kara versuchte die trübe Stimmung abzuschütteln, die sich wie ein Hermès-Schal um sie zu schlingen drohte. Aber es wollte ihr einfach nicht gelingen.
Mit der Braut hatte das rein gar nichts zu tun. Kara wusste wenig über Sheri Donnelly, aber sie hatte nur Gutes von ihr gehört. Von ihrer Schwester Rina hatte sie zudem erfahren, dass Sheris Brautkleid einzigartig und wunderschön sein sollte.
Kara verspürte eine Sehnsucht, die sich in letzter Zeit immer häufiger in ihr breitmachte. Die Sehnsucht, ein blütenweißes Kleid zu tragen und ihren Bräutigam am Altar ungeduldig auf sie warten zu sehen. Die Sehnsucht, zwischen den Sitzreihen einer Kirche entlangzuschreiten, während die Hochzeitsgäste sie mit neidischen Blicken betrachteten – sie, an diesem Tag die schönste Frau auf Erden.
Tränen traten Kara in die Augen bei der Erinnerung an gemütliche Stunden im Bett ihrer Mutter mit Plaudereien über die Traumhochzeit, die ihr ganz sicher eines Tages bevorstehen würde. Ganze Sonntagvormittage hatten sie und ihre Schwester so im Doppelbett ihrer Eltern verbracht. Rina hatte sich immer rechts von ihrer Mutter zusammengerollt, Kara links. Damals hatte sie nicht wissen können, dass sie niemals eine solche Märchenprinzessin sein würde. Auch nicht, wie sehr Männer eine Größe von knapp eins achtzig und eine kräftige Statur Männer abschreckte.
Resigniert schloss sie die Augen und hörte im Geist wieder die sanfte Stimme ihrer Mutter. Alisha de Montaine war gestorben, als Kara sechzehn gewesen war, kurz bevor sie in die Gesellschaft eingeführt werden sollte. Rina hatte ihr Debüt bereits ein Jahr zuvor gegeben.
Rina und Kara waren so verschieden, wie zwei Frauen nur sein konnten. Während Rina klein und schlank war und für ihre Schönheit bewundert wurde, war Kara groß, etwas stämmig und eher für ihre karitativen Tätigkeiten bekannt.
Kara schniefte und blinzelte, weil sie wusste, dass es zwar völlig legitim war zu weinen, wenn die Braut erschien, aber als großer Fauxpas angesehen wurde, wenn man schon schluchzte, bevor die Trauung überhaupt angefangen hatte.
Da legte sich eine Hand auf ihre Schulter, ein weißes Taschentuch erschien vor ihren Augen. Die Hand, von der es gehalten wurde, war gebräunt, maskulin und groß.
„Eine Hochzeit ist doch ein Tag der Freude“, sagte der Mann mit einer tiefen, kräftigen Stimme und einem leichten spanischen Akzent.
Kara blickte in die braunen Augen des Mannes. Er sah unglaublich gut aus und betrachtete sie mit ernster Miene. Außerdem war er größer als sie, mindestens ein Meter neunzig. Kara räusperte sich und wischte sich hastig über die Augen. „Das sind Freudentränen.“
Der Mann zog skeptisch eine Augenbraue hoch. Es wirkte leicht arrogant. „Ich kenne Frauen.“
Zweifellos, dachte Kara. Er strahlte einen unglaublichen Sex-Appeal aus, der vermutlich mehr Frauen anzog, als ihm lieb war. Andererseits machte er den Anschein, als könnte er es mit jeder Situation aufnehmen, selbst mit einer Horde von Frauen, die sich auf ihn stürzten. Okay, jetzt wurde sie langsam ein wenig hysterisch. Kara holte tief Luft. Haltung war schließlich eine ihrer nobelsten Eigenschaften. Es wurde Zeit, dass sie ihre Selbstbeherrschung wiedergewann und ihre Gefühle unter Kontrolle bekam.
„Sie mögen vielleicht die Frauen kennen“, sagte sie, „aber mich kennen Sie nicht.“
Er nickte. „Das sollten wir ändern. Ich bin Guillermo Conde de Cuaron y Bautista de la Cruz. Und Sie?“
Kara kannte den Namen. Die Medien waren voll mit Berichten über den Grafen und seine Eskapaden. Außerdem gehörte er zu Rinas Bekanntenkreis.
Guillermo hatte stets eine wunderschöne Frau an seiner Seite. Niemals eine mollige Erbin wie Kara. Verflixt, sie tat ja ihr Bestes, um sich in ihrem Körper wohlzufühlen, aber es gelang ihr einfach nicht. Genauso wenig wie es ihr gelang, sich auf eine kleinere Kleidergröße herunterzuhungern. Es war einfach unmöglich, trotz der unzähligen Diäten, die sie in ihrem Leben schon gemacht hatte.
„Kara de Montaine“, sagte sie und streckte ihm die Hand entgegen.
Er nahm sie und hob sie galant an seine Lippen. „Jetzt, da wir nicht länger Fremde sind … was treibt Ihnen an solch einem freudigen Tag die Tränen in die Augen?“
Sie schüttelte den Kopf. Als ob sie ausgerechnet diesem atemberaubend gut aussehenden Mann erzählen würde, wie traurig sie war, weil sie niemals solch eine Bilderbuchbraut sein würde. „Das würden Sie ohnehin nicht verstehen.“
„Stellen Sie mich auf die Probe.“
„Señor Conde …“
„Meine Freunde nennen mich Gui.“
„Gui“, sagte sie, ohne es eigentlich zu wollen. Sie mochte es, wie sein Name aus ihrem Mund klang. Und sie mochte seine Stimme. Der Akzent war so faszinierend, sie hätte Gui den ganzen Tag lang zuhören können.
„Kara, erzählen Sie es mir. Ich habe drei Schwestern und zahlreiche Cousinen. Ich bin ein guter Zuhörer.“ Der Ausdruck in seinen Augen zeugte von so viel Mitgefühl, dass Kara ihm am liebsten die traurige Wahrheit anvertraut hätte. Dass sie selbst vermutlich nie die Hauptrolle auf einer so wunderbaren Hochzeit wie dieser bekommen würde. Dass sie die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, einen Mann zu finden, der sie so vergötterte. Dass sie wohl niemals eine Braut werden würde, die von aller Welt beneidet wurde. Aber das konnte sie diesem Mann natürlich nicht sagen. Er sah so fantastisch aus – genau genommen schon fast schön mit seinen klassischen Gesichtszügen, dem dunkelblonden Haar und den ausdrucksstarken Augen. Ein Traummann, während sie eine Frau war, die man allenfalls wegen ihres Geldes heiratete. „Es ist albern.“
„Ah, das bedeutet, dass es etwas sehr Persönliches ist. Etwas, was Ihnen viel bedeutet“, erwiderte er.
Himmel, hoffentlich ging sein Einfühlungsvermögen nicht so weit, tatsächlich zu erraten, was in ihr vorging. Sie hatte – wenn auch widerstrebend – ihren Frieden geschlossen mit sich und ihrem Äußeren. Und sie hatte inzwischen auch akzeptiert, dass alle Welt anzunehmen schien, sie sei zufrieden und glücklich damit, stets im Schatten ihrer Schwester zu stehen. Denn meistens war sie es ja auch. „Bitte nicht.“
„Was soll ich nicht?“
„Versuchen Sie nicht, mir weiszumachen, es sei Ihnen wichtig, was ich zu sagen habe oder was mich bewegt. Ich bin doch wohl kaum eine der Frauen, mit der Sie sich normalerweise abgeben.“
Er zog sie aus dem überfüllen Foyer der Kirche in einen etwas ruhigeren Seitengang. Kara liebte diese Kathedrale. Obwohl ihre Familie nicht katholisch war, hatte sie diese Kirche schon häufig besucht, einfach um darin herumzuschlendern, die Ruhe zu genießen und die Architektur zu bewundern.
„Was wissen Sie von mir? Wir haben uns doch gerade erst kennengelernt, oder?“, fragte er. Sie musste an die Geschichten denken, die sie über ihn gehört hatte. Tristan kannte sie seit Jahren, weil ihre Schwester mit seiner Schwester Blanche befreundet war. Also kannte sie auch die Geschichten des Dreiergespanns Gui, Tristan und Christos. Sie hatte von „Seconds“ gehört, der Nachtklub-Kette, die die drei auf der ganzen Welt betrieben, und natürlich waren ihr auch Berichte über die wilden Partys zu Ohren gekommen. Und etwas neidisch hatte sie registriert, dass er stets von den schönsten Frauen umgeben war.
„Ich bin Rinas Schwester“, sagte sie, als würde das alles erklären.
„Ach ja? Und was hat Rina von mir erzählt?“, wollte er wissen.
Rina beschützte Kara wie eine Glucke ihre Küken. Sie hatte Kara gewarnt, sich mit Männern wie Guillermo einzulassen. Von Männern, die über zu viel Selbstvertrauen und zu gutes Aussehen verfügten und deshalb davon überzeugt waren, jede Frau für sich gewinnen zu können.
„Nur dass … Hören Sie, können wir die Sache nicht einfach auf sich beruhen lassen?“
„Nein.“
„Nein?“, fragte sie fassungslos.
„Ich glaube, es bedeutet dasselbe in fast jeder Sprache, querida.“
„Ich bin nicht Ihr Liebling!“, presste Kara zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und verfluchte wieder einmal die Tatsache, dass sie so nah am Wasser gebaut war. Wäre es nicht so, hätte Guillermo sie niemals bemerkt, und sie bräuchten diese idiotische Unterhaltung nicht zu führen.
„Warum werden Sie denn gleich böse?“
...



