Garden | Spring über den Schatten - Buch 2 - Warum? | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch

Reihe: vss-Verlag

Garden Spring über den Schatten - Buch 2 - Warum?


1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-96127-464-2
Verlag: vss-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

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ISBN: 978-3-96127-464-2
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Endlich scheint Leni auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Sie verlobt sich mit Adrian, den ihre Kinder ohne Probleme als neuen Papa akzeptieren. Die Hochzeit wird geplant und zu ihrer großen Freude haben sie auch ein neues Zuhause gefunden, in dem sie alle vier genügend Platz haben. Einer glücklichen Zukunft scheint nichts mehr im Wege zu stehen.

Aber das Schicksal schlägt erneut zu und die Schatten der Vergangenheit lassen sie nicht los. Verzweifelt fragt sich Leni: „Warum?“

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Es war ein tränenreicher Abschied, und kaum war Adrian abgereist, fühlte Leni sich furchtbar einsam. Die bevorstehenden zwei Wochen kamen ihr vor wie eine Ewigkeit. Sie ging zunächst mit den Kindern auf den Spielplatz und spielte dann bis zum Abendessen Memory mit ihnen. Aber nachdem die Kinder im Bett waren, hatte sie Sehnsucht und rief Adrian an, der zunächst zu seinen Eltern nach Heidelberg gefahren war.

„Hallo Spatzi, na, ist die Rasselbande im Bett?“, begrüßte er sie liebevoll.

„Ja, das sind sie, und jetzt fühle ich mich wirklich einsam ohne dich“, gab sie zu.

„Hey Süße, du fehlst mir auch. Aber da müssen wir nun mal durch.“

„Ja, ich weiß“, seufzte sie.

„Sieh’s doch mal so, du bist jetzt zwei Wochen frei und kannst tun und lassen, was du willst“, versuchte er, sie aufzuheitern.

„Ja, okay, dann melde ich mich jetzt gleich bei einer Dating-App an“, neckte sie ihn.

„Untersteh dich!“, kam sofort ein massiver Protest.

„Ach so, da muss ich wohl was missverstanden haben“, meinte Leni lachend.

„Du wolltest dir doch was nähen, hast du gesagt. Jetzt hast du Zeit und ich bin dir nicht im Weg.“

„Hm, ja, stimmt, aber im Moment kann ich mich zu nichts aufraffen.“

Sie plauderten noch einige Minuten miteinander, bis Adrians Vater nach ihm rief.

„Du, Leni, ich muss jetzt mal Schluss machen. Ich ruf’ dich später vom Hotel aus noch einmal an. Pops fährt mit mir nach Frankfurt und bleibt bei mir im Hotel bis morgen früh. Da können wir uns in aller Ruhe unterhalten. Bis später, ich liebe dich, mein kleiner Spatz.“

„Ja, ich dich auch. Bis später.“

Nach dem Telefonat fühlte Leni sich etwas besser und suchte tatsächlich das Schnittmuster für den Rock, den sie sich nähen wollte, heraus. Sie schnitt die Teile für ihre Größe aus dem Papierschnitt aus, setzte sie mit Klebestreifen zusammen und hielt sie sich an. Zum Zuschneiden des Stoffs fühlte sie sich aber doch zu müde. Das wollte sie lieber mit klarem Kopf in Angriff nehmen. Sie überlegte, ihre Mutter um Hilfe zu fragen, damit sie den Stoff nicht versaute. Die Idee gefiel ihr, und sie rief spontan bei ihrer Mutter an.

„Ma puce, was gibt’s? Ist etwas passiert?“

„Nein, nein, ich dachte nur, also, ähm, Adrian ist doch heute für zwei Wochen weggefahren und ich wollte fragen, ob ich morgen zu dir kommen kann. Ich möchte mir einen Rock nähen und wollte fragen, ob du mir beim Zuschneiden helfen kannst.“

„Hm, ja schon, aber wir haben nichts fürs Mittagessen eingekauft“, gab Stéphanie zu bedenken.

„Kein Problem, Maman, ich esse mit den Kindern zu Hause und bring dann was zum Kaffee mit. Wäre das ok?“

„Ja klar, es freut uns, wenn ihr kommt.“

Die beiden Frauen verabschiedeten sich und Leni ging zu Bett. Sie versuchte zu lesen, aber es fiel ihr schwer, sich zu konzentrieren. Deshalb war sie froh, als Adrian anrief.

„Na Spatzi, wie viele Dates hast du schon vereinbart?“, fragte er scherzhaft.

„Bis jetzt erst eins“, antwortete sie gelassen.

„Wie jetzt?“ Im Ernst?“, fragte er verunsichert.

„Ja klar“, erwiderte Leni lachend und ergänzte nach einer kleinen Kunstpause: „Ich fahre morgen Nachmittag zu meiner Mutter.“ Sie konnte hören, wie er erleichtert aufatmete. „Sie hilft mir, den Rock zuzuschneiden, den ich mir nähen will. Ich bin etwas aus der Übung und habe Angst, dass ich den schönen Stoff versaue, der war nämlich nicht billig.“

„Na, da bin ich aber auf das Ergebnis gespannt. Ich hoffe, du ziehst ihn dann auch mal an. Meistens seh’ ich dich ja nur in Hosen.“

„Ja, ganz bestimmt, es wird ein luftiger Sommerrock. Wenn es heiß ist, dann trag’ ich gerne mal einen Rock, allerdings nicht bei der Arbeit. Ich kann ja kaum im Rock auf der Baustelle herumturnen.“

Sie redeten noch einige Minuten miteinander, bis Adrian meinte, dass er jetzt aber versuchen wolle, ein paar Stunden zu schlafen, da er morgens um vier wieder aufstehen müsste.

Leni konnte nicht schlafen und dachte über sich und Adrian nach. Und unweigerlich gingen auch die Gedanken zurück zu Johannes. Eigentlich gegen ihren Willen drängte sich ihr der Vergleich zwischen den beiden Männern auf. Sie hatte Johannes abgöttisch geliebt, das war keine Frage. Aber die Liebe zu Adrian fühlte sich so vertraut und richtig an. Es war nicht diese Vernarrtheit wie bei Johannes, sondern es war eine Liebe, die allmählich gewachsen war. Äußerlich wie auch charakterlich waren die beiden Männer grundverschieden. Johannes, blond, kräftig gebaut und sehr introvertiert. Adrian dagegen dunkelhaarig, schlank und offen für alles. Sie dachte daran, dass sie mit Adrian ohne große Scheu über alles reden konnte und er mit nichts hinter dem Berg hielt.Johannes war oft so wortkarg gewesen, dass sie es manchmal kaum ausgehalten hatte. Auch beim Sex waren die beiden Männer komplett verschieden. Während Johannes beim Liebesspiel in der Regel stumm geblieben war, sprach Adrian mit ihr, während er sie streichelte, und fragte manchmal, ob es ihr gefiele, was er machte. Dann fiel ihr auch ein, dass Johannes sie, abgesehen von der Fahrt in die Flitterwochen, immer nur im Bett geliebt hatte. Er hatte sie dorthin dirigiert oder sie oft einfach auf den Arm genommen und zum Bett getragen. Sie musste lächeln, als sie daran dachte, wie er im Laufe ihrer Schwangerschaft gestöhnt hatte, dass sie immer schwerer geworden war. Dann sprangen ihre Gedanken wieder zu Adrian, der sie nahm, wo sie gerade waren. Sie liebten sich in der ganzen Wohnung, wenn die Kinder nicht da waren oder schliefen. Leni seufzte und wünschte sich, dass es einfach Wusch machen würde und Adrian wieder da wäre. Sie hatte schon in der ersten Nacht große Sehnsucht nach ihm.

Am Sonntagnachmittag rief Adrian nochmals an, um ihr zu sagen, dass er gut in Eritrea angekommen war. Dann hörte Leni zwei lange Wochen nichts mehr von ihm. Erst als er den Rückflug antrat, rief er wieder an und versicherte ihr, dass er am nächsten Tag wieder zu Hause sein würde. Sie war vollkommen aufgelöst vor Freude und Erleichterung.

? ? ? ? ?

Leni konnte Adrians Ankunft kaum erwarten. Nach dem Frühstück duschte sie ausgiebig, föhnte ihr Haar sorgfältig in Form, entfernte die Achsel- und Beinhaare und rasierte die Bikinizone. Sie war so aufgeregt wie vor ihrem ersten Mal und war wirklich glücklich, als er vom Flughafen aus anrief, dass er in Frankfurt gelandet sei und mit dem Zug nach Heidelberg fahren würde, um sein Auto abzuholen. Er versicherte ihr, dass er nicht in Heidelberg übernachten, sondern sofort nach Hause kommen würde.

„Oh Adi, Liebster, ich freue mich so wahnsinnig auf dich“, beendete Leni lachend und weinend zugleich das Gespräch.

„Ja, mein Spatzilein, ich freue mich auch. Dann bis später.“

? ? ? ? ?

Adrian saß neben seinem Vater im Auto. Er hatte sich ausgiebig geduscht, frische Sachen angezogen und noch eine Kleinigkeit gegessen. Er wollte sich dann auf den Heimweg machen. Aber schon beim Essen fielen ihm die Augen fast zu und sein Vater meinte, dass er doch in seinem Zimmer übernachten und erst am Morgen weiterfahren sollte. Aber das lehnte Adrian ab, da er Leni versprochen hatte, gleich nach Hause zu kommen. Sie einigten sich dann darauf, dass der Vater ihn fuhr und bis Mittwochnachmittag in Freiburg blieb und dass Adrian ihn dann wieder zurückfuhr und sein Auto abholte.

Gerold merkte, dass sein Sohn mit ihm reden wollte, aber nicht den Anfang fand. Deshalb fragte er: „Was ist, Adrian, willst du mir etwas sagen?“

„Hm, ja, ich weiß nicht“, druckste Adrian herum. „Ich weiß nicht, wie ich mich Leni gegenüber verhalten soll.“

„Warum? Du bist doch wohl nicht fremdgegangen.“

Adrians Schweigen sagte genug.

„Sag mal, das war doch sicher nicht nötig. Ich dachte, sie ist so perfekt.“

„Das ist sie ja auch. Es war auch nicht beabsichtigt, aber es ist halt passiert.“

„Hm, dumme Sache. Und jetzt?“

„Ja eben. Ich weiß nicht, ob ich es ihr sagen soll oder lieber nicht. Sie hat mich gewarnt, dass sie rasend eifersüchtig ist, und zu Beginn unserer Beziehung haben wir uns versprochen, dass wir uns treu sind.“ Adrian schwieg einen Moment, bevor er nachdenklich fortfuhr: „Eigentlich wäre ich gerne ehrlich zu ihr, aber ich glaube, dann geht sie. Und ich möchte sie keinesfalls verlieren.“

„Dann halt den Mund und sitz dein schlechtes Gewissen aus. Es war doch hoffentlich keine Einheimische.“

„Nein, natürlich nicht. Es war Barbara, die italienische Krankenschwester, mit der ich schon seit Jahren zusammen in einem Team bin, und bis jetzt haben wir auch immer in den zwei Wochen, die wir zusammen im Einsatz waren, miteinander geschlafen. Aber ich habe ihr dieses Mal gleich bei meiner Ankunft gesagt, dass ich das nicht mehr möchte, weil ich eine Verlobte habe und dieses Jahr noch heiraten werde.“ Er seufzte und fuhr fort: „Aber sie wollte das einfach nicht akzeptieren, und irgendwann bin ich dann halt doch schwach geworden.“

„Vielleicht solltest du in Zukunft auf diese Einsätze verzichten, du hast ja schließlich bald eine Familie.“

Adrian nickte und murmelte: „Daran habe ich auch schon gedacht.“

Wie aufs Stichwort klingelte Adrians Handy und Barbara berichtete ihm, dass sie gut zu Hause angekommen sei und wie sehr sie ihn schon vermisse. Adrian bat sie kühl, ihn nie wieder anzurufen, und blockierte anschließend ihre Nummer. Er wollte ein für alle Mal einen Schlussstrich unter diese dumme Geschichte ziehen. Er liebte Leni und nahm sich fest vor, sie nie mehr zu betrügen. Ihm war ganz elend bei dem Gedanken, ihr bald in die Augen sehen zu müssen.

? ? ? ? ?

Da es für Anfang Mai relativ kühl war, hatte Leni ihr Strickkleid angezogen. Seit Adrian angerufen hatte, dass sie in Heidelberg losgefahren waren, stieg ihre Vorfreude auf ihn ins Unermessliche. Nervös tigerte sie durch die Wohnung und schaute immer wieder aus dem Fenster. Dabei wusste sie genau, dass sie sicher nicht innerhalb der nächsten zwei Stunden da sein würden. Als sie endlich den Schlüssel im Türschloss hörte, sprang sie vom Sofa auf und lief ihm in den Flur entgegen. Adrian ließ seine Reisetasche fallen und nahm Leni, die auf ihn zugestürzt kam, in den Arm.

„Oh Struppi, ich habe dich so sehr vermisst.“ Sie lachte und weinte gleichzeitig und küsste ihn liebevoll, bis Gerold sich bemerkbar machte und fragte, ob er denn auch hereinkommen könnte.

„Oh ja, sorry, wir blockieren den ganzen Flur.“ Sie begrüßte Adrians Vater und bat die Männer, hereinzukommen. „Wollt ihr noch etwas essen?“, fragte sie fürsorglich.

„Nein, Spatzi, ich bin zum Umfallen müde, ich möchte einfach nur schlafen. Könntest du Pops’ das Sofa herrichten?“

„Hab’ ich schon gemacht, nachdem du angerufen und gesagt hast, dass er mitkommt.“

„Prima, aber sei mir bitte nicht böse, ich gehe gleich schlafen. Gute Nacht.“

Leni war erstaunt und enttäuscht zugleich und schaute Gerold fragend an.

„Er ist bei uns zu Hause schon während des Essens eingeschlafen, deshalb bin ich mitgefahren. Lass ihn erst mal schlafen, du siehst ja, wie mitgenommen er aussieht.“

„Ja, sicher, dann gehe ich auch mal zu Bett, sonst störe ich ihn. Du kennst dich ja aus, oder? Ich habe dir ein frisches Handtuch auf die Waschmaschine gelegt.“

„Ja, sicher, Leni, mach dir bitte keine Sorgen, ich komme schon zurecht. Schlaf gut, meine Liebe.“

Leni sah den nachdenklichen Blick, der auf ihr ruhte, und fragte sich, was da wohl im Busch war.

Als sie ins Schlafzimmer kam, hatte Adrian sich schon zur Seite gedreht und schien zu schlafen. Vollkommen enttäuscht zog sie sich ihr Kleid alleine aus und kroch, nachdem sie sich ihr Nachthemd übergestreift hatte, vorsichtig ins Bett. Sie konnte es sich aber nicht verkneifen, sich an ihn zu kuscheln. Sie hörte ihn etwas murmeln, konnte aber nicht verstehen, was er meinte. Sie lag schlaflos da und verstand die Welt nicht mehr. Seit fast zwei Wochen hatte sie sich ausgemalt, wie es sein würde, wenn er wieder zurückkäme, und jetzt diese Enttäuschung. Unruhig wälzte sie sich hin und her, bis Adrian sich umdrehte und sie wie üblich in den Arm nahm. Er murmelte wieder etwas Unverständliches und schlief weiter. Irgendwann schlief sie dann auch endlich ein.

Am frühen Morgen wurde Leni wach, weil Adrian sie zärtlich streichelte. Sie schmiegte sich enger an ihn und er schob seine Hände unter ihr Nachthemd und begann, sie zu liebkosen. Leni war zwar noch im Halbschlaf, aber ihr Körper reagierte trotzdem blitzartig auf die Berührungen. Zu lange hatte sie sich auf diesen Moment gefreut.

„Oh, Adi“, murmelte sie. „Das habe ich so sehr vermisst“, was ihm ein kleines Lachen entlockte.
„So hast du das, mein kleiner Spatz.“

„Und wie“, gestand sie. „Du etwa nicht?“

„Ja, klar, und ob.“

Nach dem Höhepunkt klammerte Leni sich fest an Adrian und sagte: „Ich lasse dich nie wieder fort.“

Adrian legte seinen Kopf auf ihren und murmelte: „Musst du auch nicht.“

Bevor sie wieder einschlief, sagte sie noch: „Übrigens, der Mietvertrag ist gekommen, wir können zum ersten Juli einziehen. Du musst nur noch unterschreiben. Die Kaution habe ich schon überwiesen.“
„Hm, ja, das ist prima.“

Als Leni wieder erwachte, sah sie, dass Adrian sich auf einen Ellbogen gestützt hatte und sie aufmerksam betrachtete. Sie lächelte ihn glücklich an und sie begannen ein neues Liebesspiel. Danach kuschelte sie sich glücklich an ihn und er streichelte sie zärtlich.

„Ich glaube, ich sollte mal Frühstück machen. Gehst du heute schon in die Praxis oder hast du noch freigenommen?“

„Ich gehe arbeiten.“

„Hm, ja, schade, aber unterschreibst du bitte noch den Mietvertrag, bevor du gehst? Ich habe ihn auf den Esstisch gelegt.“

„Ja klar, mach’ ich.“ Sie blieben noch ein paar Minuten eng aneinandergeschmiegt liegen, bis Adrian plötzlich fragte: „Sag mal Leni, was wäre, wenn ich dir gestehen würde, dass ich fremdgegangen bin?“

„Was ist das denn jetzt für eine blöde Frage? Das weißt du ganz genau, was ich machen würde. Ich würde auf der Stelle meine Sachen packen.“

„Es war nur eine rein hypothetische Frage“, erklärte Adrian beschwichtigend.

„Was soll das, wieso fragst du das? Bist du etwa fremdgegangen?“

„Nein natürlich nicht.“

„Aber warum fragst du dann?“

„Einfach so.“

War sie vor wenigen Momenten noch restlos glücklich gewesen, schrillten bei ihr jetzt sämtliche Alarmglocken.

„Einfach nur so?“ Ihr Ton war schärfer geworden. „Adrian, das glaubst du doch selbst nicht. Ich frag’ dich doch auch nicht einfach nur so, was du tun würdest, wenn ich untreu geworden wäre, weil ich nie auf die Idee käme, es zu tun.“

„Mann, Leni, jetzt mach doch nicht gleich so einen Aufstand. Es kam mir einfach nur so in den Sinn.“

Sie hatte Mühe, ihm das zu glauben, und rückte von ihm ab, aber er zog sie wieder an sich.

„Hey Spatzilein, da war nichts, glaub mir doch.“

„Das will dir aber auch geraten haben!“, sagte sie drohend. „Aber wenn da nichts war, warum fragst du dann?“, bohrte sie nach.

Adrian wurde sauer: „Ich hab’ dir doch gesagt, es war einfach so ein Gedanke.“ Er stand abrupt auf und ging ins Badezimmer.

„Na Leni, so nachdenklich?“, fragte Gerold, als sie später zu zweit am Frühstückstisch saßen. Er war schon früh aufgewacht und hatte sowohl das Liebesspiel als auch die spätere Diskussion und den halbherzigen Abschied mitbekommen.

„Hm, ich weiß nicht. Sag mal, redet Adrian mit dir eigentlich über alles?“

Gerold lachte verlegen und antwortete: „Wir reden über vieles miteinander, aber ob das alles ist, weiß ich natürlich nicht. Warum, was plagt dich?“

„Ich habe das Gefühl, dass Adrian nicht ehrlich zu mir ist.“

„Aber warum sollte er nicht ehrlich zu dir sein?“

„Er hat mich gefragt, was ich tun würde, wenn er fremdgegangen wäre. Das ist doch eine blöde Frage. Er weiß ganz genau, dass ich das nicht akzeptieren würde“, erwiderte sie aufgebracht.

„Du bist aber hart“, versuchte Gerold sie zu beruhigen.

„Nein, warum? Das war von vornherein klar. Und er hat mir versprochen, dass er in einer Beziehung absolut treu ist.“

„Dann wird das doch auch so sein. Mach dir doch nicht so viele Gedanken und interpretiere seine dumme Frage nicht falsch.“ Gerold wusste nicht mehr, wie er diese Klippe umschiffen sollte. Er wollte seinen Sohn nicht verraten, sah aber auch die berechtigten Zweifel seiner zukünftigen Schwiegertochter.

Leni zuckte die Schultern und murmelte: „Ich weiß wirklich nicht, was ich davon halten soll.“ Sie seufzte tief und verließ das Esszimmer, um die schmutzige Wäsche, die Adrian mitgebracht hatte, zu waschen. Obwohl sie es selbst absolut blöd fand, konnte sie sich nicht beherrschen und kontrollierte zunächst jedes Teil auf verräterische Spuren. Aber die Wäsche war so schmutzig und stank absolut widerlich, dass sie dieses Vorhaben schnell wieder aufgab. Ihre Gefühle fuhren Achterbahn. Einerseits würde sie ihm gerne glauben, aber andererseits nagte der Zweifel an ihr.

Sie ging einkaufen, während Gerold sich mit den Kindern beschäftigte. Während des Kochens beruhigte sie sich etwas. Aber als Adrian dann heimkam, hatte sie das Gefühl, dass er ihrem Blick auswich. Er hatte sie zwar zärtlich begrüßt, dann aber gleich gesagt, wie fein es nach Mittagessen duftete. Die Unterhaltung während des Essens bestritten vor allem die Kinder.

„Hört mal, macht es euch etwas aus, wenn ich mich noch einmal aufs Ohr lege? Ich bin immer noch vollkommen geschafft“, sprach Adrian nach dem Essen seinen Vater und Leni an.

Leni zuckte die Schultern und murmelte: „Nee, mach nur, wir gehen mit den beiden zum Spielplatz, damit du deine Ruhe hast.“

Adrian stand vom Tisch auf, stellte die Teller auf die Spüle, umarmte Leni, die noch am Tisch saß, von hinten, gab ihr einen kleinen Kuss und verschwand dann im Schlafzimmer.

Während der nächsten Tage war die Stimmung ziemlich angespannt. Leni belauerte Adrian, der sich zärtlich und zuvorkommend zeigte. Aber sie hatte den Eindruck, dass er ihrem Blick auswich, wenn sie ihn direkt ansah. Sie schliefen zwar miteinander, aber Leni war so angespannt, dass sie nicht zum Höhepunkt kam.

Als Gerold dann am Mittwochnachmittag mit Adrian im Auto nach Heidelberg fuhr, sprach er seinen Sohn an: „Hör mal, mein Lieber, das hast du aber ganz schön verbockt. Leni ist doch nicht dumm. Warum konntest du deinen Mund nicht halten?“

„Wieso? Was meinst du?“

„Na ja, sie kann doch eins und eins zusammenzählen, wenn du sie fragst, was wäre, wenn.“

„Hm, ja, ich weiß auch nicht“, druckste Adrian herum. „Ich würde es ihr ja gerne sagen, diese Lügerei schafft mich, aber ich habe solche Angst, dass sie es wahr macht und geht.“

„Da musst du durch, Adrian. So wie die Situation jetzt ist, hilft dir wohl nur noch die Wahrheit. Wer A sagt, muss auch B sagen. Warum hast du denn nicht geschwiegen?“

„Ich weiß doch auch nicht. Als ich sie so glücklich daliegen sah, wurde mir bewusst, wie sehr ich sie liebe. Eigentlich wollte ich es ihr gestehen, um reinen Tisch zu machen. Dann hab’ ich aber irgendwie nicht die Kurve gekriegt.“

Einige Minuten später wechselten sie das Thema und der Vater berichtete, dass er die Scheidung eingereicht habe, dass sich seine Frau aber weigere, aus der Villa auszuziehen.

„Ich hoffe, du hast einen guten Anwalt, Pops“, sagte Adrian. „Das Haus steht ihr ganz sicher nicht zu.“

„Ich habe dieses ganze Affentheater so satt. Ich hatte so sehr gehofft, dass wir uns in Güte trennen könnten.“

„Das kann ich verstehen, allerdings fürchte ich, dass ich dir gar nicht helfen kann. Aber ich versichere dir, dass ich voll auf deiner Seite stehe und, soviel ich weiß, Kati auch.“

Den Rest der Fahrt waren die beiden Männer jeweils in ihre eigenen Gedanken vertieft.



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