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E-Book, Deutsch
Reihe: vss-Verlag
Garden Spring über den Schatten - Buch 3 - Erfülltes Leben
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-96127-474-1
Verlag: vss-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch
Reihe: vss-Verlag
ISBN: 978-3-96127-474-1
Verlag: vss-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Endlich sind Leni und Adrian in den Hafen der Ehe eingelaufen und nach der Hochzeitsreise kündigt sich auch bald der langersehnte Nachwuchs an. Zu Lenis großem Schrecken erwartet sie erneut Zwillinge. Adrian wechselt den Job und arbeitet in einer Klinik, was den Alltag nicht unbedingt erleichtert. Erneute Schicksalsschläge lassen Leni zwar manchmal verzweifeln, aber Adrian steht unerschütterlich an ihrer Seite. Als dann die Töchter Isabelle und Jasmin geboren werden, geht es rund bei Familie Kaiser. Aber Lenis Bruder und Großvater, sowie der Lebenspartner ihrer Mutter stehen ihr zur Seite, auch wenn ihr Leben noch einige unerwartete Überraschungen für sie bereithält.
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Fast eine halbe Stunde später als vereinbart rauschte Lenis Mutter in das Krankenzimmer.
Leni war schon früh wach geworden und war total aufgeregt. In ihrer Kosmetiktasche hatte sie zum Glück einen Rasierer gefunden und sich die Achsel- und Beinhaare sowie die Bikinizone rasiert. Dann hatte ihr eine Schwester beim Duschen und Haare waschen geholfen. Sie hatte ihr auch die Haare so in Form geföhnt, dass man die rasierte Stelle an ihrem Kopf nicht so gut sah. Zunächst hatte sie sich wieder ihre Kleidung vom vergangenen Tag angezogen und gefrühstückt. Doch vor lauter Aufregung bekam sie kaum einen Bissen runter. Danach hatte sie sich ins Badezimmer gerollt und hatte sich, so gut es ging geschminkt. Während sie auf ihre Mutter wartete, wich ihre Aufregung allmählich einer Lethargie und sie fragte sich, ob sie die Hochzeit nicht doch lieber verschieben sollte, bis ihre Erinnerungen wieder da waren. Sie wurde immer verzweifelter.
Stéphanie Kaiser fand eine fast geistig abwesende Tochter vor, als sie endlich angekommen war. Sie gab Leni die Unterwäsche und die verzog sich ins Bad, um sie anzuziehen.
„Sag mal, hast du deine Tage?“, fragte Stéphanie, als sie die Binde in Lenis Slip sah. „Da habt ihr aber ein verdammt schlechtes Timing.“
Leni schüttelte leicht den Kopf und sagte mit schleppender Stimme: „Ich hab das Baby verloren.“
„Du warst schwanger? Warum weiß ich das nicht?“, kam sofort der Vorwurf.
„Wir wussten es doch auch erst seit ein paar Tagen.“ Schon traten Leni wieder Tränen in die Augen und ihre Mutter nahm sie kurz in den Arm.
„Maman, hast du mir keine Strumpfhose mitgebracht? Soll ich etwas barfuß heiraten?“, fragte Leni jetzt doch etwas panisch geworden.
„Merde! Ich wusste doch, dass ich was vergessen habe. Dann müssen wir unterwegs eben noch schnell eine kaufen.“
Leni sah auf die Uhr und drängte ihre Mutter zum Aufbruch, die meinte aber nur, dass ohne sie keine Trauung stattfinden würde. Maurice, der im Gang gewartet hatte, fuhr Lenis Rollstuhl und Stéphanie trug ihre Tasche. Zum Glück hatte ihre Mutter ihr ein kleines blaues Täschchen mitgebracht, in das sie einige Tampons, Taschentücher und ihren Pass steckte. Einige Pfleger hatten sich noch von ihr verabschiedet und die Entlassungspapiere steckten in der Tasche an der Rückseite der Lehne des Rollstuhls. Leni saß in sich zusammengesunken und mit abwesendem Blick während des ganzen Weges bis zum Parkplatz in ihrem Rollstuhl. Sie mochte es nicht, wenn die Leute sie mitleidig ansahen, außerdem fand sie es blöd in einem schicken Kleid und mit nackten Beinen unterwegs zu sein. Im Sommer wäre das ja in Ordnung gewesen, aber es war ein kühler Herbstmorgen.
Am Auto angekommen huschte doch ein kleines Lächeln über ihr Gesicht, denn Maurice hatte das Auto mit einem Blumengesteck und weißen Bändern über der Motorhaube geschmückt. Er half Leni auf den Rücksitz des Autos und verstaute Rollstuhl und Tasche. Auf der Fahrt zum Rathaus dirigierte Stéphanie ihn zu einem Dessous-Geschäft, wo sie ein paar Strümpfe für Leni besorgte. Maurice war schon leicht ungeduldig geworden, bis seine Lebenspartnerin endlich wieder auftauchte, während Leni mit leerem Blick aus dem Fenster sah.
Leni öffnete die Packung, die ihre Mutter ihr gereicht hatte und sagte entsetzt: „Aber Maman, das ist keine Strumpfhose, das sind ja Strümpfe!“
„Ma puce, es ist deine Hochzeit, willst du da etwa eine Strumpfhose tragen?“
Leni gab keine Antwort, denn sie hatte Angst, dass man die Binde unter dem engen Kleid erkennen konnte und hatte gehofft, das mit einer Strumpfhose besser kaschieren zu können.
Auf dem Parkplatz am Rathaus angekommen, bat sie ihre Mutter, sich vor sie zu stellen und zog die Strümpfe an. Dann stand sie langsam auf und bat ihre Mutter, sie festzuhalten, während sie die Strümpfe so hochzog, wie es nur möglich war. Sie hoffte inständig, dass niemand sie beobachtete. Dann stieg sie wieder in ihre Schuhe. In der Zwischenzeit hatte Maurice den Rollstuhl aufge-klappt und an ihre Seite gefahren. Leni setzte sich vorsichtig hinein und ihre Mutter stürmte los. Als sie fast am Rathaus angekommen waren, fiel Maurice ein, dass sie die Blumen vergessen hatten. Er warf Stéphanie ärgerlich den Autoschlüssel zu und bat sie, die Blumen zu holen, während er den Rollstuhl weiter schob. Sie waren die letzten, die im Foyer vor dem Trauzimmer ankamen und Leni konnte sehen, wie Adrian erleichtert aufatmete. Er stand mit Lenis beiden Kindern, seinem Vater und Moritz zusammen. Leni fand, dass er umwerfend aussah in seinem hellen, graublauen Anzug. Unter dem Jackett trug er ein weißes Hemd und eine Fliege sowie eine Weste, die farblich genau zu ihrem dunkelblauen Bolerojäckchen passten. Dann kam auch ihre Mutter total außer Atem angerannt. Sie balancierte eine Schachtel auf den Händen. Maurice entnahm der Schachtel den Brautstrauß und gab ihn Leni in die Hand. Der Strauß war aus blauen, weißen und altrosafarbenen Blumen zusammen-gestellt. Dann setzte ihre Mutter ihr einen zum Brautstrauß passenden Blumenkranz ins Haar. Leni lächelte geistesabwesend. Es kam ihr alles so unwirklich vor. Sie beobachtete wie ihre Mutter Adrian, Maurice und Moritz kleine Blumen, die ebenfalls zu ihrem Brautstrauß passten, ans Revers steckte. In dem Moment öffnete sich die Tür des Trausaals und sie wurden hereingebeten.
Als Maurice Leni neben Adrian in den Saal schieben wollte, sagte sie plötzlich: „Halt! Nein!“
Alle sahen sie verwundert an. Sie gab Viktor ihr Täschchen in die Hand und bat Maurice, ihr aus dem Rollstuhl zu helfen. Dann hakte sie sich bei Adrian unter und sagte: „Ich möchte auf meinen eigenen Beinen gehen.“ Maurice nahm ihr den Brautstrauß ab und gab ihr den Arm, damit sie sich an ihm festhalten konnte. Es fiel ihr zwar schwer, die wenigen Meter von der Tür bis zu ihrem Stuhl zu laufen, aber das wollte sie sich nicht nehmen lassen. Sie zitterte, als Adrian ihr half, sich auf den Stuhl zu setzen, aber sie lächelte ihn dankbar an und als er sich neben sie gesetzt hatte, flüsterte sie ihm ins Ohr, dass er fantastisch aussah, was er lächelnd zur Kenntnis nahm und „Danke, gleichfalls“, raunte. Maurice gab ihr den Strauß wieder in die Hand und nahm neben ihr Platz. Während Moritz sich auf dem Stuhl links neben Adrian setzte.
Die Trauzeremonie begann und Tobias nahm die Trauung mit einer Kamera auf. Während der Rede des Standesbeamten bekam Leni allmählich einen Panikanfall. Sie sah links von sich Adrian sitzen und rechts Maurice und fragte sich: „Was mache ich hier?“ Sie atmete immer schwerer und gerade als der Standesbeamte ansetzte, um Adrian zu fragen, ob er sie zur Frau nehmen wollte, stockte er. Er sah in Lenis von Panik erfülltes Gesicht. Gleichzeitig merkten auch Adrian, Maurice und Tobias, dass etwas nicht stimmte. Mittlerweile röchelte Leni und Adrian sprang auf und kniete sich vor sie hin. Er fragte, ob jemand eine Plastiktüte dabei hätte. Zum Glück fand der Beamte in seiner Schublade eine Plastikverpackung von Prospekthüllen, die er Adrian reichte. Der hielt Leni die Tüte vor das Gesicht und forderte sie auf, ganz ruhig in die Tüte zu atmen, während Maurice ihr sachte den Brautstrauß abnahm und ihn Cora in die Hand drückte, um dann Lenis Puls zu fühlten. Adrian und Maurice redeten leise beruhigend auf Leni ein, während die ganze Gesellschaft vor Schreck den Atem anhielt. Nach einigen Atemzügen beruhigte sich Leni allmählich wieder. Adrian kniete immer noch vor ihr und fragte sie leise, ob sie wieder okay wäre. Sie sah ihn nur mit großen Augen an, denn sie war total durcheinander. Was will dieser Mann von mir, fragte sie sich. Adrian kniete immer noch und sah sie mit einem sowohl besorgten als auch flehenden Blick an. Leni sah ihm in die Augen und allmählich konnte sie wieder klarer denken. Dieser Blick, den kenne ich doch, dachte sie. Und gerade als der Standesbeamte die Trauung abbrechen wollte, da die Braut offensichtlich nicht in der Lage war zu heiraten, lächelte sie Adrian an. Adrian hob die Hand und bat noch um einen kurzen Moment Geduld.
„Jetzt weiß ich es“, flüsterte sie Adrian zu. „Es war beim Asiaten, eine Kerze stand auf dem Tisch. Dann kam ein Teller, darauf waren eine Rose, ein Blatt und dieser Ring“, wobei sie auf ihren Verlobungsring deutete.
Jetzt war es Adrian, dem Tränen in die Augen traten. „Ja genau, und du weißt doch auch, was ich dich gefragt habe, oder?“
Leni nickte. „Ja, und auch daran, wie du mich überzeugt hast.“ Sie strahlte Adrian plötzlich total verliebt an.
Adrian lächelte und fragte sie, ob sie jetzt mit der Trauung weitermachen könnten, woraufhin sie nickte.
Adrian setzte sich wieder auf seinen Stuhl, fasste mit seiner rechten Lenis linke Hand, die immer noch deutlich von der Kanüle gezeichnet war, die dort während ihres Klinikaufenthalts eingeführt war, und bat den Beamten, mit der Trauung fortzufahren. Der vergewisserte sich jedoch erst bei Leni, ob wirklich alles in Ordnung wäre, was sie nickend bejahte.
„Sind sie sich wirklich sicher?“, fragte der Beamte nochmals nach.
„Ja, absolut sicher“, bestätigte sie mit etwas kratziger Stimme.
Man konnte hören, wie alle Gäste erleichtert aufatmeten. Die Trauungszeremonie ging weiter und da außer Adrians Vater niemand von seinem Namenswechsel wussten, waren alle überrascht, als der Standesbeamte bekannt gab, dass der Familienname Kaiser wäre und der Bräutigam ebenfalls den Namen Kaiser tragen würde. Am Ende der Zeremonie wollte Leni Adrian nur ein kleines Küsschen geben, aber damit ließ er sich nicht abspeisen. Es war Leni zunächst peinlich, dass er sie vor allen Leuten so innig küsste, aber dann ließ sie es zu. Erst als Moritz reklamierte, dass es bis zur Hochzeitsnacht noch ein paar Stunden hin sei, löste Adrian sich langsam von Leni und grinste seinen Freund an. Glücklich nahmen sie die Glückwünsche des Standesbeamten und der Gäste entgegen. Für ein paar Fotos stand Leni von ihrem Stuhl auf und ließ sich von Cora ihren Strauß geben. Adrian umfasste sie danach fest mit seinem rechten Arm und führte sie zu ihrem Rollstuhl.
Als sie das Rathaus verließen, waren sie sehr über-rascht, denn dort standen ihre Arbeitskollegen Spalier. Links standen Adrians Chef und die Praxisassistentinnen, alle in weißen Hosen und Arztkitteln und mit einem Stethoskop um den Hals, mit dem jeder, an dem Adrian vorbeikam, sein Herz abhörte und ein bedenkliches Gesicht machte. Rechts standen Andreas und die Kollegen von Leni in Jeans, T-Shirt und mit einem Schutzhelm auf dem Kopf. Sie hielten alle einen ausgeklappten Zollstock über das vorbeigehende Brautpaar. Was Leni besonders freute, war die Tatsache, dass auch Ralf Steiner dabei war. Mit dieser Überraschung hatten sie beiden nicht gerechnet und sie freuten sich sehr darüber. Sie luden die Kollegen spontan in ihr asiatisches Lieblingsrestaurant ein, in dem das Hochzeitsessen stattfinden sollte. Adrian rief rasch dort an und reservierte die Plätze.
Dann schob er Leni zum Parkplatz und half ihr behutsam in das Auto. Nachdem er ebenfalls eingestiegen war, nahm er sie glücklich in den Arm. Er schaute auf den Ring an seinem rechten Ringfinger und murmelte: „Ich kann es immer noch nicht glauben.“
Leni legte ihre rechte Hand auf seine und sagte neckisch: „Schau mal, ich hab auch so einen Ring.“ Sie küssten sich erneut leidenschaftlich, während Maurice sie mit ausdauerndem Hupen, in das die anderen Autos ebenfalls einfielen, bis zum Restaurant fuhr. Adrian half Leni fürsorglich aus dem Auto und in den Rollstuhl.
„Du Adi, ich müsste als erstes zur Toilette.“
„Ja klar Spatzi, kein Problem.“
„Ich brauch aber meine Tasche, da sind die Tampons drin.“ Sie sah sich nach Viktor um und ließ sich ihr Täschchen geben. Dann drückte sie Cora den Strauß in die Hand, worauf diese vor Stolz fast platzte.
Adrian begleitete sie bis vor die Damentoilette und fragte: „Kommst du alleine klar?“
„Hm, ja, ich denke schon. Hier drin ist es so eng, da kann ich mich überall festhalten. Bleib einfach hier stehen, damit ich dich rufen kann, falls ich doch Probleme habe.“
Adrian öffnete die Tür, hielt sie mit dem Fuß auf und half Leni aus dem Rollstuhl. Sie hangelte sich vom Türrahmen zur Tür der Kabine und als sie auf der Toilette saß, war sie froh, endlich einen Moment für sich alleine zu sein. So viele Menschen war sie nicht mehr gewohnt und in ihrem momentanen Zustand war es ihr auch etwas zu viel. Am liebsten wäre sie einfach mit Adrian allein gewesen. Außerdem war es ihr peinlich, dass sie sich weder an Adrians Vater noch an Moritz erinnern konnte. So blieb sie noch etwas länger als notwendig sitzen und hing ihren Gedanken nach, bevor sie sich seufzend erhob.
Nach dem Händewaschen klopfte sie an die Tür und bat Adrian, die Tür zu öffnen, während sie sich am Waschbecken festklammerte. Behutsam half er ihr in den Rollstuhl zurück und schob sie zum Tisch, wo er ihr auf ihren Stuhl half. Der Restaurant-besitzer und das Personal gratulierten ihnen und schenkten Sekt ein. Die Gäste stießen mit dem Brautpaar an und wünschten ihnen Glück. Leni nippte nur an ihrem Glas, denn sie hatte keine Ahnung, wie sich der Alkohol mit ihren Medikamenten vertrug. Nach dem Aperitif verabschiedeten sich einige der Kollegen, während die übrigen sitzen blieben und auch zu Mittag aßen.
Der Koch hatte ein wunderbares Buffet für die Hochzeitsgesellschaft vorbereitet. Da war für jeden Geschmack etwas dabei. Adrian, der vor lauter Glück strahlte, füllte zunächst einen Teller mit Vorspeisen für Leni, bevor er sich selber bediente. Maurice half Cora und Tobias kümmerte sich um Viktor. Es gab keine Tischordnung, aber Viktor wollte unbedingt neben seiner Mutter sitzen, während Cora neben Adrian saß.
„He Spatzi, du bist so still, was ist los?“, fragte Adrian sie leise.
„Nichts, es ist alles in Ordnung, ich bin nur etwas müde.“ Dies entsprach einerseits den Tatsachen, aber andererseits war Leni in Gedanken versunken und überlegte, ob es wirklich eine gute Idee war, sich zu der Trauung drängen zu lassen. Sie hatte immer noch große Gedächtnislücken und konnte sich kaum an ihr Zusammenleben mit Adrian erinnern. Aber das konnte und wollte sie ihm nicht sagen, denn er sah so glücklich aus.
„Nach dem Essen fahren wir nach Hause, da kannst du dich bis zum Kaffeetrinken etwas hinlegen“, sagte er und streichelte sanft ihre Wange.
„Meinst du wirklich? Ist das nicht unhöflich den Gästen gegenüber?“
„Die wissen doch alle, dass es dir noch nicht so gut geht und haben sicher Verständnis dafür.“
Leni nickte und aß schweigend weiter, kritisch beäugt von ihrer Mutter, die ihr gegenüber zwischen Maurice und Adrians Vater saß. Selbst Viktor war für seine Verhältnisse sehr ruhig, er genoss es, seine Mutter neben sich zu haben und kuschelte sich immer wieder mal an sie, was ihnen beiden gut tat und auch Leni ein glückliches Lächeln ins blasse, angespannte Gesicht zauberte. Das Essen zog sich hin und Leni fielen fast die Augen zu, als das Dessertbuffet eröffnet wurde. Adrian legte ihr liebevoll den Arm um die Schultern. Sie lächelte ihn dankbar, aber müde an und er zog besorgt die Augenbrauen nach oben.
„Was hältst du davon, wenn ich uns einen Kaffee bestelle?“
„Oh ja, bitte, sonst falle ich gleich vom Stuhl.“
Er gab ihr einen kleinen Kuss und flüsterte: „Mein armer kleiner Spatz, aber du hast es bald geschafft. Ich richte dir jetzt einen wunderschönen Dessertteller.“
„Oje, ich platze ja jetzt schon fast.“
„Aber ein bisschen Eis und Früchte geht doch sicher noch. Es hat auch Lychees, die magst du doch so gern.“
„Hmm, oh ja. Gerne.“
„Mama, was ist das?“, wollte Viktor wissen.
„Das sind Früchte, geh doch mit dem Papa mit zum Büffet, dann kann er es dir zeigen und dir auch gleich ein Dessert richten.“
„Oh ja, ich will auch“, und schon war Cora von ihrem Stuhl geklettert und Adrian fand sich mit beiden Kindern am Büffet wieder.
„So ihr beiden, ihr schaut jetzt erst mal, was es gibt und ich richte ein Schälchen für die Mama.“ Während er die Dessertschale für Leni füllte, erklärte er den Kindern, was es alles gab, da sie die exotischen Früchte nicht kannten. Adrian bat dann Viktor seiner Mutter die Schale zu bringen, was dieser dann auch mit angestrengter Miene tat. Um ja nichts zu verschütten, ging er ganz vorsichtig. Leni nahm ihm erfreut das Dessert ab, strich ihm über das Haar und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange.
„Sag mal, wer soll das alles essen?“, fragte Leni ihren Mann, als er wieder neben ihr Platz genom-men hatte und zeigte auf ihre übervolle Dessert-schale.
„Das ist doch nur Obst und ein wenig Eis, das schaffst du schon“, meinte er lachend.
Und er hatte Recht, so nach und nach löffelte Leni ihr Dessert leer, denn es schmeckte ausgezeichnet. Auch die Gäste waren voll des Lobes über die leckeren Speisen und Desserts. Der Kaffee hatte Leni wieder etwas munterer gemacht und sie lächelte zeitweise, vor allem wenn sie Adrian oder ihre Kinder betrachtete. Aber dennoch war sie froh, als Adrian die Tafel aufhob. Miriam brachte die Großeltern nach Hause, die ebenfalls müde waren und alle anderen fuhren mit zu Leni und Adrian nach Hause.
Maurice hielt direkt vor ihrer Gartentür und Adrian wollte Leni in den Rollstuhl helfen.
„Sag mal, mein lieber Schwiegersohn, willst du deine Frau nicht über die Schwelle tragen?“, fragte Stéphanie vorwurfsvoll.
Adrian grinste seine Schwiegermutter jungen-haft an und meinte: „Ah ja, gut, dass du mich daran erinnerst, ich wusste doch, dass da noch was war.“ Dann hob er Leni, die einen kleinen spitzen Schrei ausstieß, schwungvoll hoch und trug sie bis ins Haus. Er bat die Gäste, es sich erst mal im Wohn-zimmer bequem zu machen und trug Leni gleich die Treppe hoch bis ins Schlafzimmer und legte sie aufs Bett. Er zog ihr vorsichtig die Schuhe und die Jacke aus, nahm ihr behutsam den Blütenkranz ab und fragte, ob er ihr mit dem Kleid helfen sollte.
Leni zierte sich zunächst, da er die Strümpfe und die schöne Unterwäsche eigentlich erst am Abend sehen sollte. Aber in dem schönen Kleid zu schlafen, wäre auch nichts gewesen.
„Ich weiß nicht, ob du dann nicht einen unruhi-gen Nachmittag haben wirst.“
Adrian grinste sie mit funkelnden Augen an und meinte: „Ich kann ja die Augen zumachen.“
Sie lächelte ihn etwas verlegen an. Dann erklärte er ihr, dass er mit Moritz zur Praxis fahren würde, um ein Ultraschall von seinem Familienschmuck zu machen und anschließend würden sie die Kuchen abholen. Von unten kamen schon Rufe, dass die Hochzeitsnacht erst in einigen Stunden wäre, was beide lächelnd zur Kenntnis nahmen.
„Schick mir meine Mutter, damit sie mir mit dem Kleid hilft. Ich will nicht, dass du mich jetzt schon so siehst.“
„Ja gut, mach ich.“ Er verabschiedete sich mit einem ausgiebigen Kuss. „So, jetzt leg dich hin und ruh dich aus, Spatzi.“ Als er das Schlafzimmer verlassen wollte, standen die beiden Kinder in der Tür und sahen ihn mit großen Augen an.
„Hört zu, die Mama ist müde und muss etwas schlafen, aber ihr könnt zu ihr gehen und ihr ein Küsschen geben. Dann geht ihr am besten in euer Zimmer, bis ich mit dem Kuchen zurück bin.“
Die Kinder stürmten sofort in das Zimmer und Viktor drängte sich an seine Mutter.
„Oh meine süßen Kiddies, ich hab euch beide so lieb.“ Leni nahm ihre Kinder in den Arm und drückte sie so lange, bis ihre Mutter kam und ihr aus dem Kleid half. Leni legte Cora den Blumenkranz auf den Kopf und die strahlte vor Stolz.
„So ihr Lieben, lasst ihr mich jetzt bitte alleine? Ich muss eine Runde schlafen, bevor es weiter geht.“ Die Kinder verließen gehorsam zusammen mit ihrer Großmutter das Zimmer und Leni war innerhalb von wenigen Sekunden eingeschlafen.




