Gardner | Im Schatten der Wächter | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 199 Seiten

Gardner Im Schatten der Wächter


5. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7725-4019-6
Verlag: Freies Geistesleben
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 199 Seiten

ISBN: 978-3-7725-4019-6
Verlag: Freies Geistesleben
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Elliots Leben ist außer Kontrolle geraten. Wenn er es nur wieder in die Hand bekommen könnte! Jetzt, an seiner neuen Schule, sieht er die Chance, von vornherein ein anderes Image von sich aufzubauen. Er wird einen neuen Elliot erfinden, der so kaltblütig und abgebrüht ist, dass ihn nie wieder jemand verletzen kann. Das Ergebnis übertrifft seine kühnsten Träume - bald aber auch seine schlimmsten Alpträume. Du musst in der richtigen Weise bemerkt werden - das hat Elliot aus den bitteren Erfahrungen an seiner alten Schule gelernt. Jetzt wird er sich nicht mehr in die Opferrolle drängen lassen, sondern sich als einer geben, den nichts rühren kann.Die aus Angst geborene Strategie geht in ungeahnter Weise auf: Das Opfer wird zum Augenzeugen, eine Maske bedingt die nächste. Wer ist er selbst? Kann er wirklich die Machtphilosophie übernehmen, nach der die im Geheimen agierende Gruppe der Wächter eine ganze Schule beherrscht? Zum ersten Mal im Leben hat Elliot Macht. Aber die Macht hat einen furchtbaren Preis, und er sieht sich einer unlösbaren Aufgabe gegenüber, als er bestimmen soll, gegen wen er sie einsetzen will. Graham Gardners Roman, inspiriert von George Orwells 1984, ist dicht, eindringlich schonungslos offen und dramatisch. Er schildert Elliots Kampf ums Überleben mit einer Intensität, der man sich nicht entziehen kann.

Graham Gardner forschte auf dem Gebiet der Sozialen und Politischen Geografie und ist heute an der Bibliothek in London und als Literaturberater tätig. Er ist außerdem leidenschaftlicher Musiker, spielt Rock und Klassik auf dem Klavier. Sein Debüt als Jugendbuchautor mit dem Roman 'Inventing Elliott' ('Im Schatten der Wächter') wurde von der Kritik in England begeistert gefeiert. Die Jugendjury zeichnete ihn mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2005 aus.
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Weitere Infos & Material


Prolog Kapitel 1 Kapitel 2 Kapitel 3 Kapitel 4 Kapitel 5 Kapitel 6 Kapitel 7 Kapitel 8 Kapitel 9 Kapitel 10 Kapitel 11 Kapitel 12 Kapitel 13 Kapitel 14 Kapitel 15 Kapitel 16 Kapitel 17 Kapitel 18


Kapitel 2


Um einen neuen Elliot zu erschaffen, brauchte er zunächst einmal Geld. Viel Geld.

In seiner Spardose hatten sich einhundertzweiundneunzig Pfund und neunundachtzig Pence befunden. Jeder Geldschein und jede Münze, die er sich verdient hatte, indem er fünf Tage in der Woche früh aufgestanden war und Zeitungen ausgetragen hatte. In Gedanken hatte er das Geld für unberührbar erklärt, bis zu dem Tag, an dem er etwas finden würde, was er sich wirklich wünschte.

Seine Geldbörse war ganz prall von den Scheinen und Münzen, als er jetzt durch das Einkaufszentrum streifte.

Er konnte jederzeit wieder anfangen zu sparen, für etwas, das er sich wirklich wünschte. Aber im Augenblick war wichtiger, was er wirklich .

Nachdem er die Sporttasche gekauft hatte, waren allein für seine Schulausstattung schon über hundert Pfund angefallen, und das, obwohl er Glück gehabt und ein gut erhaltenes Secondhandjackett gefunden hatte. Die Schuhe kosteten weitere vierzig Pfund.

Nach seinem Einkauf ließ er sich die Haare schneiden. Anstelle seiner kindisch langen schwarzen Strähnen ließ er sich die Haare an den Seiten abrasieren und sich die Spitzen blond färben.

Langsam kam ein neuer Elliot zum Vorschein.

Auf dem Heimweg war seine Geldbörse so leicht wie eine Feder.

Die Reaktion seiner Mutter auf den Haarschnitt und die Kleider war weit weniger spektakulär, als er erwartet hatte. Der einzige Kommentar, den sie abgab, als er durch die Haustür marschierte, war: «Nun, wenn du unbedingt dein Geld zum Fenster rauswerfen willst, warum nicht? Das ist deine Sache.» Die Tatsache, dass er ihr sowohl Zeit als auch Geld gespart hatte, indem er die Sachen selbst gekauft hatte, würdigte sie mit keinem Wort.

Sie sah müde aus. Sein Vater schaute sich ein Fußballspiel an. Der Ton war laut gedreht. Mit ziemlicher Sicherheit hatten sie sich gestritten, während er weg gewesen war.

Eigentlich, dachte Elliot, war ‹Streit› das falsche Wort. Zu einem Streit gehörte mehr als eine Person, aber die Einzige, die herumbrüllte und weinte, war seine Mutter. Sein Vater saß einfach nur da.

Das Abendessen verlief in unbehaglichem Schweigen. Elliot schaufelte Spagetti Bolognese in sich hinein, ohne irgendetwas zu schmecken. Alles würde hier genauso sein wie früher. Nichts würde sich ändern.

«He.» Seine Mutter beugte sich über den Tisch und legte ihre Hand auf seinen Arm. Sie lächelte: ein echtes Lächeln, nicht die erschöpfte Grimasse, die sie sonst allenfalls zustande brachte. «Ich habe heute zwei Jobs gefunden. Morgens habe ich die Frühschicht als Putzfrau in der Papierfabrik und zweimal in der Woche arbeite ich nachts in einem Altenheim.»

Er war nicht besonders glücklich darüber. «Wann willst du an den beiden Tagen denn schlafen? Du musst doch direkt von einem Job zum nächsten.»

Sie drückte seinen Arm. «Mach dir keine Sorgen. Ich schaff das schon. Und das bedeutet, dass ich zu Hause bin, wenn du aus der Schule kommst.»

, wollte er sagen, doch er schwieg. Sein Einwand wäre nach all der Mühe, die sie sich gegeben hatte, ein Schlag ins Gesicht gewesen.

Sie lächelte wieder. Zum ersten Mal bemerkte er graue Strähnen in ihrem schwarzen Haar.

«Es wird uns hier gut gehen», sagte sie. «Ich fühle es. Ein neuer Anfang für uns alle. Für dich, für mich und …»

Sie blickte seinen Vater an, der von seinem Teller aufschaute. Elliot versuchte in seinen Augen zu lesen. Gab es dort irgendetwas, das anders war? Ein Glimmen des alten Feuers hinter der Stumpfheit? Er redete sich ein, dass es so war, dass er nur nicht gründlich genug hinschaute.

Nach dem Abendessen ging er ins Badezimmer und zog seine Schuluniform an. Die dunkelgrüne Krawatte wirkte an ihm zu groß, aber das konnte er nicht ändern. Doch abgesehen davon sah er ganz in Ordnung aus, dachte er erleichtert. Ein überaus wichtiger Punkt.

Er betrachtete sein Gesicht im Spiegel. Der Haarschnitt tat seine Wirkung. Er machte seine Züge schärfer und älter. Härter. Das war nicht mehr das Gesicht eines Kindes.

Aber seine Größe (klein) und sein Körperbau (leicht) brandmarkten ihn immer noch als Kind. Er würde auffallen – die Größe war das Erste, was die anderen bemerkten. Daran konnte er nichts ändern.

Er hatte sich gerade ins Bett gelegt, als es an der Tür klopfte und seine Mutter hereinkam. Sie setzte sich auf die Bettkante, etwas, das sie nicht getan hatte, seit sie hierher gezogen waren.

«Du musst Geduld mit ihm haben, Elliot. Er ist krank. Depression ist eine Krankheit. Und er leidet immer noch unter seinen Verletzungen. Es ist nicht seine Schuld, das musst du begreifen. Wir beide müssen das begreifen.»

«Ich wünschte nur …» Er schwieg. Er konnte nicht aussprechen, was er sich wünschte.

Sie beendete den Satz an seiner Stelle: «Du wünschst dir, dass alles so wäre wie vorher. Ich weiß. Mir geht es genauso. Aber es wird nie wieder so sein. Und wir müssen das akzeptieren.»

Er wandte den Blick zur Seite und dachte an die Nacht, in der sein Vater nicht nach Hause gekommen war.

Als das Geschäft schließlich florierte, hatte Elliots Vater angefangen, fast jeden Tag bis spätabends zu arbeiten. Elliot war darüber nicht besonders erfreut gewesen, denn oft war sein Vater nicht einmal zum Abendessen zu Hause. Elliot vermisste die gemeinsamen Mahlzeiten und die Tischgespräche über Gott und die Welt. Er vermisste das Gefühl, eine Familie zu haben.

Auch die Samstage verliefen nun anders. Meistens war sein Vater unterwegs zu einem Kunden und konnte Elliot nicht zur Bücherei bringen. Stattdessen begleitete ihn seine Mutter. Elliot war ganz zufrieden damit und später, als er älter wurde, ging er sowieso allein. Aber manchmal hatte er den Eindruck, dass es nicht mehr so viel Spaß machte wie früher.

Dennoch kamen die drei mit der Situation zurecht. Es gab immer noch die Sonntage, an denen sein Vater den ganzen Tag zu Hause blieb und alles wieder so war wie in den alten Zeiten. An den Sonntagen saßen sie gemeinsam am Küchentisch, aßen, redeten und lachten. Und wenn er an den Werktagen abends nicht rechtzeitig zum Essen zu Hause war, kam er trotzdem jedes Mal zu Elliot ins Zimmer, um mit ihm zu reden oder ihm einfach nur gute Nacht zu wünschen.

Eines Nachts war es schon sehr spät und sein Vater war immer noch nicht heimgekommen. Elliot hatte im Bett auf ihn gewartet und schlief schon halb, als es an der Haustür klingelte. Er hörte, wie sich die Tür öffnete, hörte fremde Stimmen und das Geräusch der Tür, die ins Schloss fiel. Danach das Scharren von Stühlen auf dem Küchenfußboden.

Nur mit seinem Schlafanzug bekleidet, schlich er sich die Treppe hinunter. Die Küchentür war zu.

Er lauschte.

Er konnte nicht genau verstehen, was gesagt wurde. Alles, was er hören konnte, waren vereinzelte Wörter und Satzfragmente: «… Überfall … zahlreiche Verletzungen … Krankenhaus … operieren jetzt …»

In Elliot wuchs die Angst. In seinem Magen machte sich eine nagende Unruhe breit, die schon bald zu seinem ständigen Begleiter werden sollte. Er wollte, dass die Stimmen weitersprachen; so lange sie redeten, war alles in Ordnung. Nichts würde sich verändern.

Dann hörte er, wie Stühle zurückgeschoben wurden. Schwere Schritte näherten sich, und die Tür wurde geöffnet. Zwei uniformierte Polizisten – ein Mann und eine Frau. Ihr Blick fiel auf Elliot. Sie blieben stehen, schauten einander an und nickten. Die Frau trat zurück in die Küche, während der Mann auf Elliot zukam und ihn anlächelte. Aber es war ein mühsames Lächeln, als ob er sich ständig selbst ermahnen müsste, es nicht abzulegen.

«Hallo. Hast du gelauscht?»

Elliot sagte nichts.

«Kannst du bitte nach oben gehen und dich anziehen? Deine Mutter wird gleich fertig sein.»

Elliot schwieg weiterhin. Er dachte nur immerzu: Das war etwas, das nur im Fernsehen passierte – der Streifenwagen vor dem Haus, das Klopfen an der Haustür, die Gestalten in Uniform, die ruhigen Worte und die mitfühlenden Gesichter. Das war nicht das wirkliche Leben. Es würde erst real werden, wenn er Anteil daran nahm. Also würde er das nicht tun.

«Dein Dad wurde verletzt. Wir bringen dich zusammen mit deiner Mutter ins Krankenhaus,...


Ernst, Alexandra
Alexandra Ernst, geboren 1965 in Wiesbaden, studierte Literaturwissenschaft und war als Presse- und Werbeleiterin in einem Verlag tätig. Seit 2000 arbeitet sie als Übersetzerin von historischen Romanen, Fantasy und Jugendliteratur. Hierfür wurde sie u. a. mehrfach für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und auch mit ihm ausgezeichnet. Neben ihren Übersetzungen veröffentlicht sie auch Beiträge als Journalistin und Literaturkritikerin. Alexandra Ernst lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in der Nähe von Mainz.

Gardner, Graham
Graham Gardner wurde als zweitältestes von zehn Kindern in Worcestershire, England, geboren. Er studierte an der Universität von Aberystwyth, Wales. Nach seiner Promotion mit einer Arbeit über die Zusammenhänge zwischen Macht, Gemeinschaft und sozialen Veränderungen in ländlichen Regionen war er dort über zehn Jahre als Forscher und wissenschaftlicher Autor tätig. Danach wurde er Bibliothekar an der St. Marylebone School in London. Heute leitet er die Bibliothek der Abingdon School in der Nähe von Oxford. Außer der Literatur liebt er die Musik. Er spielt Klassik und Rock auf dem Klavier.
Sein Roman ›Inventing Elliott‹ (›Im Schatten der Wächter‹) wurde von der Kritik in Großbritannien begeistert gefeiert und in mehr als zehn Sprachen übersetzt. Für die deutsche Ausgabe wurde Graham Gardner 2005 von der Jugendjury mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

Graham Gardner forschte auf dem Gebiet der Sozialen und Politischen Geografie und ist heute an der Bibliothek in London und als Literaturberater tätig. Er ist außerdem leidenschaftlicher Musiker, spielt Rock und Klassik auf dem Klavier. Sein Debüt als Jugendbuchautor mit dem Roman "Inventing Elliott" ("Im Schatten der Wächter") wurde von der Kritik in England begeistert gefeiert. Die Jugendjury zeichnete ihn mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2005 aus.



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