E-Book, Deutsch, 200 Seiten
Garrett Das wahre Leben von Billy the Kid
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7460-2368-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 200 Seiten
ISBN: 978-3-7460-2368-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wer war Billy the Kid, und wie kam es, daß der Kleinstadtjunge einer der berüchtigtsten Banditen des Wilden Westens wurde? Geboren im November 1859 als William Henry McCarty, begann Billy seine kriminelle Karriere bereits im Alter von zwölf Jahren, als er einen Mann im Zuge einer Kneipenschlägerei erstach. Danach fuhr er bis zu seinem Tode damit fort, Pferde und Vieh zu stehlen, zu spielen und zu morden. Er behauptete später, 21 Männer getötet zu haben, einen für jedes Jahr seines Lebens. Ob es wirklich so viele waren, ist nicht bekannt; aber es ist gewiss, dass er mehrere Männer getötet hat, dass er verhaftet und wegen Mordes zum Tode verurteilt wurde, bevor er die verhängnisvolle Flucht wagte, die ihm letztlich nicht die ersehnte Freiheit, sondern den Tod brachte. Mehr als 130 Jahre nach Billy the Kids Tod im Jahr 1881 erfreuen sich Bücher und Verfilmungen über diesen Gesetzlosen des Wilden Westens immer noch großer Beliebtheit. Und sie alle gehen auf eine Quelle zurück: "The Authentic Life of Billy the Kid", jene spannende Biographie, die nur acht Monate nach seinem Tod ausgerechnet von dem Mann veröffentlicht wurde, der ihn tötete, Sheriff Pat Garrett. Alle späteren Bücher und Verfilmungen, die sich auf Billy the Kid beziehen, basieren auf Garretts hier vorliegendem Buch, das uns Schritt für Schritt durch Billy the Kids Leben begleitet. Deutsche Erstausgabe.
Weitere Infos & Material
5. Kapitel.
Ein Wanderer – Schon wieder Jesse Evans – Billys Auftritt im Alter von siebzehn Jahren – Billy und Jess – Freiwilliger im Kampf gegen die Mescaleros – Blutige Arbeit – Mit einer Axt in den Kampf gegen Indianer.
Nachdem sie Chihuahua verlassen hatten, gingen Billy und Segura zum Rio Grande, wo sie sich trennten, aber nur auf kurze Zeit. Billys weiterer Weg war bis zum Dezember 1876 unbeständig, und es ist unmöglich, seine Abenteuer lückenlos zu verfolgen; viele von ihnen sind zweifelsohne für die Geschichte verloren. Er traf wieder mit seinem alten Gefährten Jesse Evans zusammen, und alles, was von Billys Heldentaten der folgenden Monate bekannt ist, wird aus Jesses und seinen eigenen voneinander getrennten Erzählungen gewonnen. Dieses jugendliche Duo machte sich im Westen Texas‘, Nord- und Ostmexiko und am Rio Grande in New Mexico durch hunderte waghalsiger Verbrechen einen Namen. Der junge Jess hatte sich bereits den Ruf eines mutigen, aber skrupellosen Banditen erworben, und an Mut und Geschicklichkeit mit tödlichen Waffen waren er und Billy einander ziemlich gleich. Sie waren zu dieser Zeit fast gleich groß. Jess war wahrscheinlich ein oder zwei Jahre älter, während Billy der Größere und ein wenig schwerer war. Billy war im November 1876 siebzehn Jahre alt und beinahe so groß wie am Tag seines Todes. Ein hellbrauner Bart begann sich auf seiner Oberlippen und seinen Wangen zu zeigen; sein Haar war von einem dunkleren Braun, glänzend und dicht; seine Augen waren tiefblau, mit Sprenkeln von haselnußbrauner Farbe, und sie blickten sehr munter, ausdrucksstark und intelligent. Sein Gesicht war von ovaler Form, das auffälligste Merkmal waren zwei vorspringende obere Vorderzähne, welche wohlinformierte Zeitungskorrespondenten, die weder den Mann noch die Schauplätze seiner Abenteuer je gesehen hatten, als „Reißzähne“ bezeichneten, „die seinem Gesicht einen äußerst grausamen und mörderischen Ausdruck verliehen.“
Nichts kann weiter von der Wahrheit entfernt sein. Daß diese Zähne in seinem Antlitz ein hervorstechendes Merkmal waren, ist wahr; auch stimmt es, daß sie, wenn er in ein Gespräch vertieft war oder lächelte, auffielen; aber sie gaben seiner stets gefälligen Miene kein grausames Aussehen, noch deuteten sie auf Mord oder Verrat hin. Alle, die Billy jemals kannten, werden bezeugen, daß seine höfliche, herzliche und aufrichtige Körpersprache Vertrauen erweckte und Schutz versprach – das erstere verriet er niemals, und den Letzteren verweigerte er niemals. Diejenigen, die ihn am besten kannten, werden Ihnen erzählen, daß er selbst in seinen wildesten und gefährlichsten Stimmungen stets ein Lächeln im Gesichte trug.
Er aß und lachte, trank und lachte, ritt und lachte, redete und lachte, kämpfte und lachte, tötete und lachte. Kein lautes und ausgelassenes Gelächter, sondern ein angenehmes Lächeln oder ein sanftes und melodisches „perlendes“ Lachen. Diejenigen, die ihn kannten, achteten darauf, ob Wut in seinen Augen stand. Hätten seine Biographen festgestellt, daß der Ausdruck seiner Augen – für jemanden, der ihn lesen konnte – in wütender Stimmung grausam und mörderisch war, hätten sie eine vollkommenere Kenntnis des Mannes gezeigt. Man konnte kaum glauben, daß diese funkelnden, haßerfüllten Augen und dieses lachende Gesicht von demselben Geist beherrscht wurden.
Billy war zu dieser Zeit etwa 1,71 m groß, pfeilgerade, wog ungefähr 68 kg und war so leichtfüßig, beweglich und anmutig wie ein Panther. Seine Gestalt war wohlgeformt, kompakt und wunderbar muskulös. Es war ihm eine Freude, wenn er eine Meinungsverschiedenheit mit einem größeren und stärkeren Gegner hatte, der ihn aber wegen seiner Geschicklichkeit mit Waffen fürchtete, seinen Waffengürtel zu lösen, seine Arme fallen zu lassen und zu sagen: „Komm schon, Kumpel: Ich hab jetzt keinen Vorteil mehr. Laß es uns mit Fäusten austragen.“ Für gewöhnlich gewann er seine Kämpfe; wenn er aber verlor, trug er es dem anderen nicht nach.
Seine Großzügigkeit war grenzenlos. Er ließ Freunde, Fremde und sogar seine Feinde an seinem Geld, seinem Pferd, seiner Kleidung oder allem anderen, was er zu jener Zeit besessen hatte, teilhaben. Die Alten, die Armen, die Kranken, die Unglücklichen und Hilflosen baten Billy nie vergebens um Hilfe.
Bei einigen Menschen herrscht die Meinung vor, daß Billy in seinen Gewohnheiten, Unterhaltungen und Verhaltensweisen über die Maßen grob, gottlos und gemein war. Das Gegenteil ist der Fall. Eine Mehrheit der „allzu sehr“, „zutiefst empörten“, „lockenköpfigen Lieblinge“ der Gesellschaft könnte sich an Billys höflichen und vornehmen Verhalten zu ihrer eigenen großen Verbesserung und zur Erleichterung vernünftiger Männer ein Beispiel nehmen. Es wäre merkwürdig, wenn Billys mit seinem speziellen Umfeld nicht gotteslästerlich dahergeredet hätte. Er tat es; aber seine Flüche wurden in der elegantesten Weise ausgedrückt, und, wenn die Reinheit der Konversation geprüft würde, würden Hunderte der prominenten Bürger von New Mexico eher für Banditen gehalten werden, als der junge Bonney.
Billy war, wenn die Umstände es erlaubten, makellos sauber und elegant gekleidet. Einige Zeitungskorrespondenten haben ihn in fantastischem italienischen Briganten- oder mexikanischem Guerilla-Stil gekleidet, mit goldener Spitze im Wert von einigen hundert Dollar, usw., die sein Kleid schmückten; aber sie kleideten ihn ohne seine Zustimmung solcherart ein. Für gewöhnlich trug er schwarze Kleidung, einen schwarzen Gehrock, eine dunkle Hose und eine Weste, hübsche Stiefel für seinen kleinen, wohlgeformten Füße und (das einzige Ausgefallene an seiner Kleidung) einen mexikanischen Sombrero. Er trug einen solchen aus Bequemlichkeit, nicht zur Selbstdarstellung. Sombreros haben eine sehr breite Krempe, schützen das Gesicht vor Sonne, Wind und Staub und sind sehr langlebig. Sie sind teuer, aber Billy besaß nie einen, der Hunderte von Dollars kostete. In Chihuahua sind sie für 10 bis 50 Dollar zu haben. Ein dummer Kerl, mit einem Überschuß an Geld und einem Mangel an Verstand, hätte seinen Hut vielleicht mit Medaillen und Goldspitze im Wert von tausend Dollar überladen, aber Billy war kein solcher.
Billy und Jess verkürzten sich die wenigen Monate, die sie zusammen hatten, indem sie hunderte Gesetzesübertretungen verübten – zuweilen begingen sie Raubzüge in Mexiko und flohen über den Rio Grande nach Texas oder New Mexico und umgekehrt, bis Hunderte von Ranchern in beiden Republiken auf der Jagd nach ihnen waren; und sie entkamen wie durch ein Wunder in vielen Scharmützeln auf beiden Seiten des Flusses der Gefangennahme, und somit dem sicheren Tod. Es gab keinen noch so hohen Berg, keinen noch so steilen Abhang, keinen noch so wilden Strom, keinen noch so reißenden Fluß, keine noch so tiefe Höhle, als daß diese zwei sie auf ihren waghalsigen Fluchten in die Freiheit nicht versuchten. Mehr als ein kühner Verfolger biß bei diesen Gefechten ins Gras, und es wurde ein Kopfgeld für die Ergreifung der Geächteten ausgelobt, ganz gleich ob tot oder lebendig.
Die Mescalero-Apachen aus dem Fort Stanton-Indianerreservat in New Mexico pflegten häufig Überfälle ins alte Mexiko zu verüben und griffen oft Auswanderer entlang des Rio Grandes an. Bei einer Gelegenheit traf eine Gruppe aus Texas, bestehend aus drei Männern und ihren Familien, die auf dem Weg nach Arizona waren, in der Nähe des Rio Miembres auf Billy und Jess. Sie aßen gemeinsam zu Abend und die Texaner redeten den zwei naiven Jungen gut zu, was für eine Gefahr es für sie bedeutete, daß sie ungeschützt durch Indianergebiet reisten, und schlugen vor, daß sie ihre Reise in Gesellschaft fortsetzen sollten. Sie stellten sich als alte und erfahrene Indianerkämpfer dar, die in Texas Hunderte von Comanchen, Kickapoos und Lipans erschossen hätten. Die Jungen lehnten es ab, auf die langsamen Ochsenwagen zu warten, und ritten nach dem Abendessen weiter.
Gegen Mitte des Nachmittags entdeckten die Jungen eine Gruppe Indianer, die sich in südlicher Richtung entlang des Vorgebirges in Richtung Osten bewegte. Sie spekulierten über die Möglichkeit, daß ihre neuen Freunde, die Auswanderer, mit diesen Indianern zusammentreffen könnten, bis sie anhand von Hufspuren zu erkennen glaubten, daß ihnen ein indianischer Bote vorausgegangen sei. Und als sie die beiden losen Enden verknüpften, wurde ihnen klar, daß die Gruppe Indianer, die sie gesehen hatten, auf keiner anderen Mission waren, als die Auswanderer anzugreifen. Sofort wendeten die jungen Recken ihre Pferde und preschten über die Prärie auf die Berge zu, um den Indianern den Weg abzuschneiden. Dies gelang ihnen, und sie fanden heraus, daß die Gruppe aus vierzehn Kriegern bestand, die ihren Kurs so lenkten, daß sie die Auswanderer sicher abfangen oder aber im Lager angreifen könnten. Die erschöpften Pferde ließen...




