E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Gaston Die Leidenschaft der Pianistin
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-1296-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-1296-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Phillippa liebt ihre Auftritte als Pianistin im Masquerade Club. Hier gilt nicht alle Aufmerksamkeit ihrer Narbe im Gesicht - und ausgerechnet der attraktive Xavier Campion macht ihr den Hof. Ihr Glück scheint perfekt - bis eine makellose Schöne beginnt, gegen sie zu intrigieren ...
Schon immer war Diane Gaston eine große Romantikerin. Als kleines Mädchen lernte sie die Texte der beliebtesten Lovesongs auswendig. Ihr Puppen ließ sie tragische Liebesaffären mit populären TV- und Filmstars spielen. Damals war es für sie keine Frage, dass sich alle Menschen vor dem Schlafengehen Geschichten ausdachten. In ihrer Kindheit musste sie als Tochter eines Armeeoffiziers oft umziehen. Sie lebte in Japan, Alabama und Washington DC, wo sie auch heute noch wohnt. In ihrer Jugend lernte sie Werte wie Pflichtbewusstsein und Disziplin schätzen, aber auch Einsamkeit kennen, wenn sie wieder einmal in einer neuen Stadt Fuß fassen musste. Doch inmitten ihrer Bücher war sie nicht wirklich allein. Mit Lesen vertrieb sie sich die Zeit. Romantik durfte in ihrer Lektüre noch nie fehlen. Romane mit Happy End, etwa 'Jane Eyre', zog sie dramatisch-düsteren Werken wie 'Sturmhöhe' vor. Doch erst als sie anfing zu studieren, entdeckte sie die Faszination romantischer Liebesromane. Und da sie für ihr Leben gern las, beschloss sie, englische Literatur als Hauptfach zu wählen. Später entschied sie sich jedoch für ein Psychologiestudium, um nach ihrem Abschluss Menschen helfen zu können, ihr eigenes Happy End im Leben zu finden. Auch nach ihrer Heirat und der Geburt ihrer beiden Kinder arbeitete sie ganztags als Psychologin. Irgendwann kehrte dann genug Ruhe in ihren Alltag ein, und sie fand wieder Zeit zum Lesen insbesondere romantischer Liebesromane. Nachdem sie einen ziemlich schlecht geschriebenen Bestseller gelesen hatte, dachte sie sich: Das kann ich besser! Der Erfolg kam nicht über Nacht, doch schließlich wurde ihr erster Regency-Roman veröffentlicht, und sie gewann sogar einen Preis. Diane gab ihren Beruf auf, um sich ganz der Schriftstellerei zu widmen, und hat damit die Erfüllung ihres Lebenstraums erreicht.
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PROLOG
London, Frühling 1814
Mr Xavier Campion!“, verkündete Lady Devines Butler mit tiefer Stimme.
„Adonis“, wisperte ein Mädchen, das in Phillipa Westleighs Nähe stand. Auch die anderen Debütantinnen musterten ihn verstohlenen.
Phillipas Freundinnen hatten schon den ganzen Abend über ihn geredet. Würde er zum Ball erscheinen? Wie konnten sie erreichen, ihm vorgestellt zu werden? Seit sie ihn am Vorabend in der Oper erblickt hatten, war er das Hauptgesprächsthema. „Er ist ein echter Adonis!“, hatte eine der jungen Damen verkündet, und diese Bezeichnung setzte sich durch.
Phillipa war am Vorabend nicht in der Oper gewesen, hatte jedoch gehört, dass er sich in der Stadt befand. Auch sie warf einen Blick zur Türöffnung und sah einen großen, schlanken, athletisch gebauten jungen Mann mit breiten Schultern. Sein Haar war schwarz wie die Ebenholztasten eines Hammerklaviers. Er trug es ein wenig länger, als es gerade in Mode war, was sein attraktives Gesicht mit den kräftigen Brauen und dem sinnlichen Mund besonders gut zur Geltung brachte.
In die rote Paradeuniform der East Essex-Infanterie gekleidet, bot Xavier Campion den prachtvollsten Anblick, den man sich vorstellen konnte.
Mit seinen strahlend blauen Augen schaute er sich im Zimmer um, bis er Phillipa entdeckte. Er lächelte ihr zu und nickte freundlich, bevor er sich umdrehte, um Lord und Lady Devine zu begrüßen.
„Er hat uns zugelächelt!“, flüsterte eine von Phillipas Freundinnen aufgeregt.
Nein, er hat mir zugelächelt.
Phillipas Wangen röteten sich.
Erinnerte er sich an sie? Als Kinder waren sie gute Freunde gewesen. Ihre Familien hatten regelmäßig die Sommer gemeinsam in Brighton verbracht. Vor allem in jenem Sommer, in dem sie unglücklich gestürzt war, hatten sie sich gut verstanden.
Phillipa strich mit einer Hand über die gezackte Narbe auf der linken Wange, die ihr Gesicht entstellte. Nicht einmal die lange Feder, die ihre Mutter an Phillipas Kopfbedeckung hatte anbringen lassen, konnte die Verunstaltung verbergen.
Natürlich erinnerte er sich an sie. Wie viele narbengesichtige Mädchen würde ein so gut aussehender Mann wie Xavier Campion schon kennen?
Sie wandte sich ab, während die anderen Mädchen kicherten und miteinander flüsterten. Es war ihr unmöglich, sich an der Tuschelei zu beteiligen. Wie es wohl wäre, wenn der Sturz sie nicht für immer gebrandmarkt hätte? Wie sehr sie sich das makellose Aussehen ihrer Freundinnen wünschte. Dann hätte sie die Haare nur mit einem hübschen Band geschmückt, anstatt sich unter dem dummen Hut mit der auffälligen Feder zu verstecken.
Plötzlich wurden ihre Begleiterinnen ganz still, und Phillipa vernahm eine männliche Stimme. „Phillipa?“
Sie wandte sich um.
Vor ihr stand Xavier.
„Ich habe gleich gesehen, dass du das bist.“
Er hat mich an meiner Narbe erkannt, meint er wohl.
„Wie geht es dir? Es ist Jahre her, dass wir einander zuletzt begegnet sind.“
Die anderen Debütantinnen starrten ihn ungläubig an.
„Guten Abend, Xavier“, erwiderte Phillipa und senkte den Blick. „Ja, du bist lange im Krieg gewesen.“ Sie wagte es, ihn anzusehen.
Als er sie anlächelte, machte ihr Herz einen Sprung.
„Es ist gut, wieder in England zu sein“, sagte er.
Eine ihrer Freundinnen räusperte sich.
Phillipa legte die Hände an die Wangen. „Oh!“ Sie blickte von Xavier zu den hübschen Mädchen, die sie umgaben. Mit einem Mal verstand sie, weshalb er sich ihr genähert hatte. „Ich möchte dich meinen Freundinnen vorstellen.“
Nach dem Austausch der Namen erkundigten sich die jungen Damen, die ihn umringten, nach dem Krieg und wollten wissen, in welchen Schlachten er gekämpft hatte.
Phillipa trat einen Schritt zurück. Sie hatte ihre Schuldigkeit getan. Jetzt, da sie ihn den Freundinnen vorgestellt hatte, konnte er jede der bezaubernden Debütantinnen zum Tanz auffordern. Sie malte sich aus, wie ihre ehemaligen Schulkameradinnen insgeheim seinen Marktwert abschätzten. Er war nur der jüngere Sohn eines Earls, doch sein Äußeres machte den fehlenden Titel mehr als wett. Überdies stand er in dem Ruf, über gute Einkünfte zu verfügen.
Bei ihren Freundinnen drehte sich alles um den Heiratsmarkt. Alle waren in der Erwartung aufgewachsen, am Ende der ersten Saison das perfekte Verlöbnis einzugehen. Phillipas Hoffnungen waren rasch bescheidener geworden, und ganz gewiss dachte sie gar nicht erst daran, den attraktivsten und aufregendsten jungen Mann, der sich gerade in London aufhielt, für sich zu gewinnen. Kein halbwegs heiratswürdiger Gentleman schenkte ihr auch nur die geringste Beachtung. Warum sollte es ausgerechnet bei Xavier Campion anders sein?
In Brighton, als sie noch ein albernes junges Mädchen gewesen war, waren sie beinahe unzertrennlich gewesen. Obgleich er ein paar Jahre älter war, hatte er sich auf ihre Kinderspiele eingelassen. Gemeinsam hatten sie am Strand Eimer mit Sand gefüllt und große Burgen daraus gebaut. Manchmal hatte sie mitten im Spielen innegehalten und war angesichts seiner Schönheit vor Ehrfurcht erstarrt. Viele Nächte war sie mit dem Wunschtraum eingeschlafen, dass Xavier eines Tages, wenn sie groß war, wie ein Prinz zu ihr reiten würde, um sie zu einem romantischen Schloss zu entführen.
Mittlerweile war sie erwachsen, und in der Realität interessierte sich kein Mann für eine junge Dame mit einer Narbe im Gesicht. Sie war achtzehn Jahre alt, und es wurde Zeit, die Kinderträume zu begraben.
„Phillipa?“ Wieder hörte sie seine Stimme.
Sie sah ihn an.
Xavier streckte die rechte Hand aus. „Darf ich dich um diesen Tanz bitten?“
Sprachlos nickte sie und glaubte ihren Ohren nicht zu trauen.
Ihre Freundinnen ließen ein enttäuschtes Seufzen verlauten.
Xavier geleitete sie auf die Tanzfläche. Gerade begann das Orchester, die ersten Takte einer Melodie anzustimmen, die Phillipa mit Leichtigkeit wiedererkannte. Sie merkte sich jedes Lied, das sie hörte.
Der Tanz begann.
Als ob ihr Körper selbst Teil der Musik geworden wäre, passten sich die Bewegungen ihrer Beine und Füße ohne Mühe der Tanzformation an. Es war, als ob sie durch die Luft schwebte, und ihr wurde ganz leicht und froh zumute.
Xavier lächelte und blickte sie an – sah ihr direkt in die Augen.
„Was hast du gemacht, seit wir das letzte Mal am Strand gespielt haben?“, fragte er, als die Formation sie wieder zusammenführte.
Erneut mussten sie einander loslassen, und Phillipa war gezwungen, bis zum nächsten Aufeinandertreffen zu warten, bevor sie antworten konnte. „Ich bin zur Schule gegangen.“
Im großen Ganzen war die Schulzeit für sie erfreulich verlaufen. Viele der Mädchen waren nett und freundlich zu ihr gewesen, auch wenn Phillipa nur wenige als echte Freundinnen bezeichnen konnte. Leider hatte es auch ein paar grausame Ausnahmen gegeben, und die verletzenden Worte hatten sich in ihr Gedächtnis eingebrannt.
Er schmunzelte. „Und du bist groß geworden.“
„Das ließ sich nicht verhindern.“ Verdammt! Hätte ich nicht etwas Klügeres antworten können?
Er lachte. „Das habe ich bemerkt.“
Die Tanzformation trennte sie erneut, doch die Musik verband sie – die Heiterkeit der Flötentöne, der Gesang der Violine, die tiefe Leidenschaft des Kontrabasses. Phillipa würde keine Note vergessen. Sie hätte wetten können, jeden Ton auf dem Pianoforte nachspielen zu können, ohne ein Notenblatt vor Augen zu haben.
Musik bedeutete Glück – in diesem Fall, das Glück, den Freund aus Kindertagen zurückzuhaben.
Voller Zuneigung erinnerte sie sich an den Jungen, der er gewesen war, und war fasziniert von dem Mann, zu dem er geworden war. Als er ihre Hände berührte, erschien es ihr so, als ob die Musik anschwellen würde und die Musiker einen Refrain auf den Traum anstimmten, den sie als kleines Mädchen gehegt hatte.
Doch schließlich verklang der letzte Ton, und Phillipa blinzelte, als ob sie aus einer Verzauberung erwachen würde.
Xavier brachte sie an den Platz zurück, an dem sie zuvor gestanden hatte.
„Möchtest du ein Glas Wein haben?“, fragte er.
Sie befürchtete, dass er sich eigentlich lieber von ihr verabschiedet hätte und nur aus Höflichkeit gefragt hatte, doch der Tanz hatte sie durstig gemacht. „Ich hätte gern ein Glas Wein, aber nur, wenn es dir keine Umstände bereitet.“
In seinen blauen Augen funkelte es belustigt. „Dein Wunsch ist mir Befehl.“
Das Herz schlug ihr bis zu Hals, als sie ihm hinterhersah, während er sich entfernte. Rasch kehrte er zurück und reichte ihr ein Glas. „Ich danke dir“, murmelte sie.
Nichts deutete darauf hin, dass er von ihrer Seite weichen wollte. Höflich erkundigte er sich bei ihr nach der Gesundheit ihrer Eltern und den Aktivitäten ihrer Brüder Ned und Hugh.
Während sie sich unterhielten, kam es ihr vor, als ob ein Teil von ihr abseitsstünde und sie kritisch beobachtete. Keine ihrer Antworten zeichnete sich durch den Witz aus, den ihre Freundinnen beim Plaudern unter Beweis stellten, doch Xavier schien das nicht zu stören.
Sie wusste nicht, wie lange sie miteinander gesprochen hatten. Es mochten zehn Minuten oder vielleicht sogar eine halbe Stunde gewesen sein, als sich seine Mutter zu ihnen gesellte.
„Wie geht es Ihnen,...




