Gayle | Und täglich grüßt die große Liebe | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 376 Seiten

Gayle Und täglich grüßt die große Liebe

Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96148-232-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 376 Seiten

ISBN: 978-3-96148-232-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Kann man sein Herz über das Telefon verlieren? Die warmherzige Komödie »Und täglich grüßt die große Liebe« von Mike Gayle jetzt als eBook bei dotbooks. Eine große Party zum Geburtstag? Der junge Lehrer Will kann sich Schöneres vorstellen - und verbringt das Wochenende lieber allein auf der Couch, um in Ruhe über das Leben zu philosophieren. Doch dann läutet das Telefon Sturm und stürzt Will mitten ins Gefühlschaos. Warum verdreht jedes Gespräch mit seiner Ex-Freundin ihm noch immer den Kopf? Und warum sprühen zwischen ihm und seiner Vormieterin plötzlich die Funken, wenn sie eigentlich nur anruft, um nach einem verloren gegangenen Brief zu fragen? Die große Liebe scheint in der Luft zu liegen! Will braucht dringend Rat von seiner besten Freundin - doch Alice hat ein Geheimnis, das Wills Leben plötzlich kopfstehen lässt ... Herzerwärmend romantisch und urkomisch zugleich - mit feinstem britischen Humor à la Nick Hornby und mit dem Charme von Helen Fielding schreibt Mike Gayle über die Pleiten und Pannen des Lebens. »Ein prickelnd leichtes Buch voller Situationskomik und messerscharfer Beobachtungen.« The Independent on Sunday »Witzig, trendy und der Super-Tip für Freundinnen mit Liebeskummer.« Freundin Jetzt als eBook kaufen und genießen: Die charmante Liebeskomödie »Und täglich grüßt die große Liebe« von Bestseller-Autor Mike Gayle. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Mike Gayle wurde 1970 in Birmingham, England, geboren. Nach seinem Studium der Soziologie zog es ihn nach London, wo er als Journalist für die Sunday Times Style und die Cosmopolitan arbeitete. Als 'Kummerkastenonkel' für mehrere Jugendzeitschriften konnte er Stoff für seine turbulenten Romane sammeln. Mit seinem Romandebüt Und täglich grüßt die große Liebe gelang ihm sofort der Sprung auf die Bestsellerlisten. Heute lebt Mike Gayle als etablierter Schriftsteller mit seiner Frau und seinen zwei Kindern wieder in Birmingham. Bei dotbooks veröffentlichte Mike Gayle seine Romane: 'Wenn aus Chaos Liebe wird' 'Und täglich grüßt die große Liebe' 'Man liebt sich immer zweimal'
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Achtzehn Uhr fünf


Mr. Kelly, für welches Fußballteam sind Sie?«

Während ich am Rande des Spielfeldes entlangschlenderte, unter jeden Arm einen Fußball geklemmt, dachte ich sorgfältig über Martin Acker und seine Frage nach. Er war der letzte meiner Schüler gewesen, der das Spielfeld verließ, und ich wußte, daß er ganz absichtlich getrödelt hatte, um mir diese Frage zu stellen, nicht nur, weil er sich ernsthaft für meine fußballerische Loyalität interessierte, sondern auch, weil er keine Freunde hatte und ich sein Begleiter auf dem langen und einsamen Weg zurück in die Umkleidekabinen sein sollte. Er war buchstäblich von oben bis unten vom Fußballfeldschlamm der Wood-Green-Gesamtschule bedeckt, was eine ziemliche Leistung war für einen Jungen, der den ganzen Nachmittag über den Ball nicht ein einziges Mal berührt hatte. Was seine spielerischen Fähigkeiten anging, so hegte ich nicht den leisesten Zweifel, daß er der schlechteste Fußballer war, den ich je erlebt hatte. Er wußte es, und er wußte, daß ich es wußte, und doch brachte ich es nicht über mich, ihn aus dem Team zu nehmen, denn was ihm an Fertigkeiten fehlte, machte er mit seinem Enthusiasmus mehr als wett, was mir selbst großen Mut verlieh, weil es bewies, daß die Sinnlosigkeit einer Beschäftigung für manche noch lange kein Grund war, gleich aufzugeben.

Martin war zwar ein hoffnungsloser Kicker, aber bei allem anderen rund um den Fußball kannte er sich bestens aus. Ich hingegen konnte diesen langweiligsten aller Zeitvertreibe weder spielen noch unterrichten noch so tun, als interessiere ich mich überhaupt dafür. Aufgrund der Stellenkürzungen im Sportbereich und des Bedürfnisses, meinen Vorgesetzten zu imponieren, lag die Verantwortung für den bunt zusammengewürfelten Haufen an Dreizehnjährigen, die die B-Mannschaft der achten Klasse bildeten, allein bei mir. Mister Tucker, der Direktor, war sehr beeindruckt gewesen, als ich mich freiwillig für diese Aufgabe gemeldet hatte, doch die Wahrheit sah weniger uneigennützig aus. Sie lautete: Fußball oder Theater-AG. Der Gedanke, zwei Mittagspausen in der Woche daran zu vergeuden, die Kinder fürs Theater zu interessieren und Beihilfe zu leisten, wenn sie My Fair Lady, das diesjährige Stück, meuchelten, ließ Fußball weniger deprimierend erscheinen, wenn auch nur um Haaresbreite. Ich war Englischlehrer – geschaffen, um Bücher zu lesen, tassenweise zuckersüßen Tee zu trinken und Sarkasmus als höhere Form des Witzes zu verbreiten. Ich war nicht dazu geschaffen, an frostig-kalten Herbstnachmittagen in kurzen Hosen herumzulaufen.

Ich sah genau in dem Augenblick zu Martin hinab, als er hinaufblickte, um zu sehen, ob ich seine Frage vergessen hatte.

»Manchester United«, log ich ihn an.

»Aber Sir, jeder ist für Manchester.«

»Ach, wirklich?«

»Ja, Sir.«

»Und für welche Mannschaft bist du?«

»Wimbledon, Sir.«

»Und warum?«

»Ich weiß nicht, Sir.«

Ende der Unterhaltung. Wir gingen schweigend weiter und konnten noch nicht mal den Schwarm verstädterter Möwen aufscheuchen, die sich an der Eckfahne versammelt hatten und im Schlamm herumstaksten und pickten. Ich hatte den Eindruck, als wollte Martin mich weiter in ein Gespräch über Fußball verwickeln, aber ihm fielen wohl keine Fragen mehr ein.

Martins Mannschaftskameraden brüllten und kreischten derart laut, daß ich mir die Verwüstung schon gut vorstellen konnte, noch bevor ich überhaupt an der Tür zum Umkleideraum angelangt war. Drinnen herrschte blankes Chaos – Kevin Rossiter hing kopfunter an der Heißwasserleitung, die sich durch den ganzen Raum zog, Colin Christie peitschte mit seinem Handtuch nach James Lees blankem Hinterteil, und Julie Whitcomb, die keinerlei Notiz von dem Geschehen rund um sich herum nahm, hockte in einer Ecke des Umkleideraum und war in Wuthering Heights vertieft, einen der Kerntexte, die ich in diesem Schuljahr in der achten Klasse unterrichtete.

»Hast du vor, dich umzuziehen?« fragte ich sie höhnisch.

Julie zog ihre sommersprossige Nase aus dem Buch, blinzelte, als sie den Kopf hob, und erwiderte meinen Blick. Ihr verwirrter Gesichtsausdruck machte deutlich, daß sie die Frage nicht verstanden hatte.

»Dies sind Umkleideräume, Julie«, stellte ich klar und schüttelte ungläubig den Kopf. »Jungenumkleideräume, um genau zu sein. Da du weder ein Junge bist noch dich umkleiden willst, dürfte ich vorschlagen, daß du verschwindest?«

»Ich würde ja gern, Mr. Kelly, aber ich kann nicht«, versuchte sie zu erklären. »Ich warte auf meinen Freund.«

Meine Neugier war geweckt. »Und wer ist dein Freund?«

»Clive O'Rourke, Sir.«

Ich nickte. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, wer dieser Clive O'Rourke war.

»Ist er in der achten Klasse, Julie?«

»Nein, Sir, in der elften.«

»Julie«, sagte ich und versuchte ihr die Nachricht so schonend wie möglich beizubringen, »die elfte Klasse hat heute nicht Fußball.«

»Wirklich nicht, Sir? Aber Clive meinte, ich soll hier nach dem Fußball auf ihn warten und mich nicht wegrühren, bis er kommt.«

Sie ließ das Buch in ihren Rucksack fallen und griff ganz langsam nach ihrer Jacke, so als entzögen ihr die Denkprozesse alle Energie, wie bei einem Computer, auf dem zu viele Programme gleichzeitig laufen.

»Wie lange gehst du denn schon mit Clive?« fragte ich nebenher.

Sie begutachtete eingehend die abgewetzten Sohlen ihrer ausgelatschten Nikes, bevor sie antwortete. »Seit dem Mittagessen, Sir«, gestand sie leise. »Ich hab ihn gefragt, als er in der Essenschlange stand, um sich in der Kantine Pizza, gebackene Bohnen und Fritten zu kaufen.«

Ich war richtig gerührt, als ich diese Geschichte einer leidenschaftlichen Hingabe hörte, in der sogar die Details eines Mittagessens des Geliebten vorkamen. Ich warf einen Blick auf meine Uhr. Viertel nach sechs. Die Schule war schon seit fast drei Stunden aus.

»Tut mir leid, aber da hat dich wohl jemand angeschmiert«, sprach ich es aus, für den Fall, daß der Groschen noch nicht gefallen war. »Irgendwie habe ich das Gefühl, daß Clive wohl nicht auftauchen wird.«

Sie sah mich kurz an, bevor sie sich wieder ihren Turnschuhen zuwandte. Offenkundig war der Liebeskummer größer als ihre Verlegenheit, sie blinzelte und versuchte verzweifelt die Tränen zurückzuhalten, und sie preßte die Lippen zusammen, um die Schluchzer zu unterdrücken, die ihr zu entrinnen drohten. Schließlich erlaubte sie sich den Luxus eines sorgsam kontrollierten Seufzers, erhob sich und nahm ihren Rucksack.

»Alles in Ordnung?« fragte ich, obwohl offenkundig nichts in Ordnung war.

»Ja, Sir.«

Ich schaute ihr bis zur Tür des Umkleideraums nach, und bis sie dort ankam, war ihr Kummer unüberhörbar geworden. Manch anderer Lehrer hätte wohl keinen Gedanken mehr an sie verschwendet, ich aber nicht. Ihr Bild ging mir noch eine Weile im Kopf herum, denn in den wenigen Augenblicken, die wir geteilt hatten, erkannte ich, daß Julie Whitcomb mir näher war als sonstjemand, dem ich je begegnet war. Sie war eine von uns – eine, die jede Niederlage, ob nun groß oder klein, als Ergebnis eines persönlichen Rachefeldzugs des Schicksals betrachtete. Clive O'Rourkes Name würde unvergessen bleiben, war ihr unauslöschlich ins Hirn gebrannt, so wie mir der Name meiner Exfreundin. Und irgendwann in der Zukunft, höchstwahrscheinlich bei der Abschlußprüfung ihrer Reise durch die Schulzeit, würde sie erkennen, daß ihr lebenslanges Schmachten nach den Clive O'Rourkes dieser Welt sie verbittert und verklemmt genug hatte werden lassen, um sich dem Lehrerberuf zu widmen.

Der Lärm eines kleinen Jungen, der ein Geräusch von sich gab, daß sich ungefähr anhörte wie »Wwwuuuhhhrrrooooaaaahhh!«, signalisierte mir, daß Kevin Rossiter von einer adrenalintreibenden Extremsportart zur nächsten gewechselt hatte und nun durch den hinteren Umkleideraum tobte, nackt, wenn man mal von der Unterhose auf dem Kopf absah. Ich konnte nicht mal im Ansatz einen Grund für dieses Kunststück erkennen, brachte aber auch nicht die Energie auf, ihn so kurz vorm Wochenende daran zu hindern. Also seufzte ich schwer, verschwand unbemerkt in dem winzigen Kabuff, das als Büro für die Sportlehrer diente, und zog die Tür hinter mir zu.

Ich wühlte in meiner Tasche herum und fand die Zigarettenschachtel, die vom Gewicht der Bücher meiner achten Klasse leicht zerdrückt war – ich hatte noch eine Kippe. Im Geiste ging ich die anderen durch, die schon den Weg alles Irdischen genommen hatten: fünf auf dem Weg zur Arbeit, zwei im Lehrerzimmer vor der Einschreibung, drei in der Frühstückspause, zehn in der Mittagspause. Schwer festzustellen, welcher Gedanke der deprimierendere von beiden war: die Tatsache, daß ich – der ich erst vor drei Jahren den Sprung vom mitverantwortlichen zum unverantwortlichen Raucher vollzogen hatte – es geschafft hatte, so viele Zigaretten zu qualmen, daß ein Elefant Lungenkrebs gekriegt hätte, oder die, daß ich es erst jetzt bemerkt hatte.

Als das Nikotin zu wirken begann, entspannte ich mich und beschloß, so lange in der kleinen, aber perfekten Zuflucht zu bleiben, bis das Gewürm verschwunden war. Nach einer halben Stunde ebbte das Gebrüll und Geschrei zu einem sanften Stimmengewirr ab und wich gnädiger Stille. Ich machte die Tür einen Spalt auf, versperrte dem Rauch den Weg und linste hinaus, um sicherzugehen, daß die Luft rein war. Sie war es nicht. Martin Acker war immer noch da. Hemd und Jacke hatte er bereits an, doch in die Hose zu steigen bereitete ihm sichtlich Probleme, vor allem, weil er schon die Schuhe anhatte.

»Acker!«

Völlig verwirrt sah sich Martin im ganzen Raum um, bevor...



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