E-Book, Deutsch, 240 Seiten
Geissen Die geheime Insel der Stars
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-455-00496-0
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-455-00496-0
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Oliver Geissen gehört zu Deutschlands bekanntesten und beliebtesten Fernsehmoderatoren. Er moderierte u.a. top of the pops, Die Oliver Geissen Show, mehrfach die Echo-Verleihungen sowie Deutschland sucht den Superstar. Er lebt mit seiner Frau, drei Söhnen und einer Tochter in Hamburg.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Cover
Titelseite
»Alle Träume können wahr [...]
Prolog
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
Über Oliver Geissen
Impressum
1
Guten Tag, oder wie wir in meiner Heimat zu sagen pflegen: Das bedeutet wörtlich: Was perfekt zu meinem Beruf passt. Mein Name ist Adschei – und ich bin Butler.
Bei aller Bescheidenheit, ich erlaube mir jetzt, Ihnen ein Versprechen zu geben. Die Geschichte, die ich Ihnen zu erzählen habe, wird Sie auf die wohl ungewöhnlichste Reise Ihres Lebens führen. Auf eine Insel, die einzigartig ist. Eine Insel, die mein Leben verändert hat. Eine Insel, die das Leben eines jeden verändert, der auf ihr lebt.
Wer zu uns auf die Insel kommt, lässt die Welt und den Trubel seines bisherigen Daseins hinter sich. Bei uns achtet jeder auf sich wie auch auf die anderen. Wir lassen es uns schmecken, kennen das rechte Maß, denn wir wissen nicht nur aus Erfahrung, dass in diesem Leben alles seine Zeit hat. Die lauten und großen Momente genauso wie die leisen und kleinen. Und dass ich, mit Verlaub, trotz meines fortgeschrittenen Alters immer noch im Vollbesitz meiner geistigen und körperlichen Kräfte bin, bringt meine Tätigkeit einfach mit sich. Wenn Sie tagtäglich mit den kreativsten Menschen ihrer Epoche Umgang pflegten, ginge es Ihnen nicht anders.
Wichtig ist natürlich, dass man mit sich selbst im Reinen ist. Früher – bevor ich auf die Insel kam – habe ich Leute gesehen, die sich emsig wie Hamster in Laufrädern abstrampelten, immer schwitzend, immer hechelnd, weil sie meinten, der Sprung auf die nächste Sprosse der Karriereleiter sei der Schritt zum ganz großen Glück. Hin und wieder kommt mir zu Ohren, dass es solche Leute noch immer geben soll. Ganz ehrlich: Über solche Biographien muss ich den Kopf schütteln, und am Ende tun mir diese Menschen einfach leid. Ich bin niemand, der sagt, nur Verzicht mache glücklich. Aber es ist wichtig zu wissen, was im Leben wirklich zählt. Und oft sind es die kleinen Dinge, die das große Gelingen ausmachen – sei es ein kleiner Spaziergang in der Morgensonne oder ein kurzer Blick auf den abendlichen Tanz der Seeschwalben.
Man sollte wissen, wer man selbst ist. Und wie man seine innere Mitte findet. Ich zum Beispiel nähere mich ihr jeden Morgen aufs Neue mit dem Sonnengruß. Ich trete hinaus auf meine kleine Veranda, kurz bevor die ersten Strahlen sie erreichen. Wenn der Himmel von seinem Schwarz über ein sattes Indigo allmählich in immer stärker leuchtendes Blau übergeht, stehe ich da und atme. Ein und aus.
Sobald dann der erste Sonnenstrahl auf meine Füße trifft, beginne ich. Strecke mich und beuge mich. Genau zwölf Mal wiederhole ich die zwölf Asanas des Sonnengrußes, und bei jedem einzelnen Mal merke ich, wie ein kleines Quäntchen Energie in mich zurückkehrt. Ich spüre sie regelrecht in mich hineinströmen, und nachher kommt es mir immer so vor, als würde ich von Fuß bis Kopf leicht und unmerklich federn. So mache ich das seit Jahrzehnten und wünsche mir nichts anderes. Nach dieser Morgenroutine kann kaum etwas meine Gelassenheit und meinen Optimismus trüben.
Das geht nicht nur mir so.
Alle Bewohner unserer Insel – das lässt sich mit Fug und Recht behaupten – sind glücklich. Gelassen und glücklich auf ihre ganz eigene Art und Weise. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir alle mit einem Heiligenschein herumwandeln. Jeder bei uns ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, alle haben ihre Stärken und Schwächen. Und jedem muss es zugestanden sein, seine Launen und Marotten auszuleben. Aber die Inselbewohner wissen, dass sie am ehesten glücklich sein können, wenn sie erleben, dass es ihren Nachbarn genauso gut geht.
Das ist nicht selbstverständlich. Vielleicht kennen Sie die Geschichten von Meutereien aus fernen und nicht so fernen Tagen oder von Leuten, die auszogen, um in Eintracht und Frieden zu leben – und sich dann früher oder später bis aufs Messer bekriegten. Es braucht natürlich etwas mehr als nur guten Willen und paradiesische Strände unter Palmen, um wirklich glücklich zu sein.
Sir Richard, mein verehrter Arbeitgeber, sagte mir kürzlich: »Adschei, zum vollkommenen Glück braucht es besondere Menschen, Menschen wie dich.«
Ehrlich gesagt, hat mich dieses Lob überrascht (Sir Richard lobt selten, wie die meisten Vorgesetzten) und verlegen gemacht. Wenn auch nur der kleinste Funken Wahrheit darin verborgen sein sollte, würde mich das sehr freuen. Denn eines kann ich nicht leugnen: Ich bin erst dann richtig zufrieden, wenn ich weiß, dass es den Menschen um mich herum an nichts mangelt. So habe ich fast mein ganzes Dasein dem Glück anderer gewidmet und darin meine Erfüllung gefunden. Ich will nicht verhehlen, dass ich – gerade in meinen ersten Jahren auf unserer Insel – kleine Momente des Zweifels erlebte. Auch wenn ich bei weitem nicht alle Ecken der Welt kannte, hatte ich doch schon das eine und andere gesehen. Die Verlockungen fremder Welten, das Glitzern der Metropolen – all das hat auch mich als junger Mann einmal gereizt. Aber nun bin ich mir sicherer denn je, dass ich für mein Leben die richtige Entscheidung getroffen habe.
Vielleicht fragen Sie sich nun, weshalb Sie von einer Insel, die so paradiesisch ist wie die unsere, noch nie gehört haben. Ist sie möglicherweise von geheimen Mächten vor den Blicken der Menschheit versteckt, mit allerlei neuzeitlichen Mitteln geradezu unsichtbar gemacht worden?
Mitnichten. Unsere Insel liegt mitten im Indischen Ozean, und sie ist auf allen Karten verzeichnet. Wer schon einmal auf sie gestoßen ist und etwas recherchiert hat, wird vor allem zwei Dinge erfahren haben. Erstens: Für Laien gibt es auf ihr nichts Interessantes zu entdecken (was ein Irrtum ist). Zweitens: Sie ist ein Naturschutzgebiet, welches nicht betreten werden darf (so die offizielle Sprachregelung).
Allerdings gibt es keine reguläre Karte von unserer Insel. Dafür ist sie einfach zu klein. Aber das ist kein Problem. Seit einiger Zeit existiert erstmals eine Skizze, die den Zwillingen einen Überblick über die Insel gibt. (Welchen Zwillingen, fragen Sie? – Ich muss Sie um ein kleines bisschen Geduld bitten. Ich werde es Ihnen bald erzählen.)
Oberflächlich betrachtet, erinnert unsere Insel an ein luxuriöses Ferienresort, von denen es in Äquatornähe so einige gibt. Wir haben zwei Strände: einen im Westen mit einer Strandbar und einen im Osten, wo die Hütten stehen. Wir nennen sie »Hütten«, dabei handelt es sich um exklusiv ausgestattete Bungalows, die, ehrlich gesagt, mehr mit einer Villa als mit einer Hütte gemein haben. Aber »Hütte« klingt heimeliger. Wir pflegen auf unserer Insel ein gewisses Understatement, und unsere Bewohner sind aus ihrem früheren Leben so viel Luxus gewöhnt, dass es ihnen darauf kaum noch ankommt. Die Einrichtung ist zeitlos und gediegen, und ich muss sagen, das hat sich bewährt.
Im Süden der Insel gibt es eine Plaza, wo sich die Inselbewohner zum Gespräch oder Gedankenaustausch treffen können. Daneben liegen das Fitnesscenter und ein komfortabel ausgestatteter Spa. Unweit davon ist das Personal in einer kleinen separaten Siedlung untergebracht. Bei uns ist es nicht wie in manch anderen Fünf-Sterne-Resorts, wo für die Gäste alles exquisit und perfekt hergerichtet ist, das Personal dagegen bei der Unterbringung deutliche Abstriche machen muss. Das würde der Philosophie von unserem ehrenwerten Sir Richard zutiefst widersprechen. Auch all seine Mitarbeiter sollen sich auf unserer Insel wohl und heimisch fühlen. Wie sonst könnten wir für unsere Bewohner freudig und selbstverständlich jeden Tag Bestleistungen erbringen?
Im Norden der Insel gibt es noch eine kleine Krankenabteilung, die wunderbarerweise so gut wie nie gebraucht wird, und ein Gebäude, in dem unsere Technikzentrale untergebracht ist – Generatoren, Wasseraufbereitung und solche notwendigen Dinge. Auch wenn wir auf unserer Insel fernab der westlichen Zivilisation leben, sind uns deren Errungenschaften nicht fremd.
Es ist mir beinahe etwas unangenehm, ich möchte nicht den Verdacht bei Ihnen erregen, ein Angeber zu sein. Aber wenn Sie unsere Strände auch nur einmal gesehen hätten, diese warmen, sonnenüberfluteten Flächen aus weißem, puderfeinem Sand … Ich bin mir sicher, auch Sie würden gern davon erzählen! Stellen Sie sich vor, der Sand ist so weiß, dass es bei Vollmond am Strand beinahe taghell ist. Man kann von einem Ende zum anderen sehen, weil der Sand das Mondlicht reflektiert. Der Himmel über unserem Eiland leuchtet blau, nur selten zieht ein kleines Wölkchen vorbei, und das Meer schillert in atemberaubenden Türkistönen. Die Temperaturen bewegen sich – höchst angenehm – zwischen fünfundzwanzig und dreißig Grad, und falls es tatsächlich doch einmal Regen gibt, dann fällt er so sanft und derart wohltemperiert auf die Erde, als wollte er sich bei uns für seine Existenz entschuldigen. Doch dafür gibt es keinen Grund. Wir heißen jeden Schauer als Abwechslung für die Natur willkommen. Unter uns Inselbewohnern heißt der Regen »flüssige Sonne«.
Meine Position als Butler ist nicht ganz einfach zu beschreiben. Als ich vor Jahrzehnten anfing, war das noch anders. Ich war ein einfacher Bediensteter und hatte schlichte Aufgaben zu erfüllen: Wäsche machen, putzen, kleine Besorgungen erledigen, Drinks und Essen servieren … all das. Doch im Laufe der Jahre kamen immer weitere Aufgaben hinzu. Ich kümmerte mich um das andere Personal, arbeitete die Pläne für Umbaumaßnahmen und die Einrichtung der Hütten aus und sorgte dafür, dass die Einkaufslisten stets den Wünschen unserer Gäste entsprachen. Vieles musste ich lernen, das war nicht immer leicht. Schließlich liest ein guter Butler...




