E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Geivett / Pivec Das gefälschte Gottesreich
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98963-528-9
Verlag: Christliche Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Die Gefahren neuer Propheten und Apostel und esoterischer Praktiken für die Gemeinde
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-98963-528-9
Verlag: Christliche Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Doug Geivett lehrt an der Biola University und der Talbot School of Theology. Holly Pivec hat an der Biola University Apologetik studiert und war dort fast ein Jahrzehnt lang als Universitätsredakteurin tätig.
Zielgruppe
Mitarbeiter, Älteste, Eltern
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1
WACH AUF, OLIVE!
.
ARTIKEL ÜBER DIE BETHEL CHURCH IN „PREMIER CHRISTIANITY“3
Mit mehr als 780 000 Instagram-Followern ist die Bethel Church in Redding, Kalifornien, eine der bekanntesten Gemeinden in Amerika und der ganzen Welt. Ein wichtiger Grund dafür ist ihre Musik. Bethel Music (mit sage und schreibe 1,7 Millionen Instagram-Followern) hat viele der beliebtesten Lieder produziert, die in Gemeinden gesungen und online gestreamt werden, darunter „No Longer Slaves – Nicht mehr Sklave“, „You Make Me Brave – Du machst mir Mut“ und „Reckless Love – Gewagte Liebe“. Die Pastoren, darunter Bill Johnson und Kris Vallotton, haben zahlreiche Bestseller geschrieben, darunter und .
Offensichtlich kennen viele Christen die Bethel Church. Aber wissen sie , was dort vor sich geht, und wissen sie, was die Leiter dieser Gemeinde tatsächlich lehren?
Sicher, ihnen ist vielleicht klar, dass die Gemeinde charismatisch ist. Auch wenn diese Art von Theologie nicht jedermanns Sache ist, gibt es unter den Charismatikern doch viele treue Christen. Vielleicht sind die Überzeugungen von Bethel also gar nicht so abwegig. Oder doch?
Wir geben Ihnen einige aufschlussreiche Einblicke hinter die Kulissen von Bethel, damit Sie sich selbst ein Urteil bilden können.
WACH AUF, OLIVE!
Diese Geschichte ist herzzerreißend. Die Leser werden zweifellos mit denjenigen mitfühlen, die diese Tragödie durchgemacht haben, vor allem, wenn sie selbst schon einmal etwas Ähnliches erlebt haben. Aber was Bethel danach tat, schockierte und verstörte Christen auf der ganzen Welt, darunter viele pfingstkirchliche und charismatische Christen, die von Gott Wunder erwarten (auch, dass er kranke Menschen heilt), die aber Bethels Handeln nicht gutheißen.
Am 14. Dezember 2019 lag die zweijährige Olive Heiligenthal schlafend in ihrem Bett und hörte plötzlich auf zu atmen. Als dies entdeckt wurde, setzte ihre Familie den Notruf ab, und die Sanitäter brachten sie schnell ins Krankenhaus. Doch es war zu spät. Die kleine Olive war gestorben.
Eine sinnlose Tragödie. Die tiefste Angst aller Eltern. Der Schmerz der Hilflosigkeit und die Beerdigung, die mit Sicherheit folgen würde.
Aber vielleicht nicht dieses Mal.
Die meisten trauernden Eltern hätten eine Beerdigung geplant. Aber nicht die Eltern von Olive. Ihre Mutter Kalley, eine Lobpreisleiterin in Bethel, und ihr Vater Andrew weigerten sich, Olives Tod zu akzeptieren. Aufgrund ihres eigenartigen Verständnisses der Bibel – das ihnen von den Leitern der Bethel Church beigebracht worden war – schienen sie zu einhundert Prozent davon überzeugt zu sein, dass Gott Olive von den Toten auferwecken würde. Also bewahrten sie ihre Leiche in der örtlichen Leichenhalle auf – nur für eine Weile –, während sie darauf warteten, dass sie wieder zum Leben erwachte.
Über die sozialen Medien forderten die Leiter von Bethel Christen auf der ganzen Welt auf, sich den Eltern anzuschließen und eine Auferstehung zu „proklamieren“, weil sie glaubten, dass ihre gesprochenen Worte als Kinder Gottes die Macht hätten, Olive zurückzubringen. Der Hashtag ging viral. Zehntausende in aller Welt schlossen sich der auf Facebook und Instagram geposteten „Proklamation“ an.
„Wir beten und proklamieren Auferstehungsleben für Olive … Kleine Olive, in Jesu Namen, steh auf!“
„Vater, in Jesu Namen proklamieren wir und gebieten, dass der Geist des Lebens in Olives Körper zurückkehrt!“
„Wach auf, kleine Olive, wir lassen im Namen Jesu Auferstehungskraft in deinen Körper fließen.“4
Sogar bekannte Lobpreisleiter aus anderen Gemeinden, darunter Taya Gaukrodger und Brooke Ligertwood von Hillsong, schlossen sich den Aufrufen auf Instagram an. Die amerikanische Sängerin und Songschreiberin Kari Jobe machte eine verblüffende Mitteilung an ihre eine Million Follower: „Wir warten immer noch im Glauben darauf, dass Olive aufwacht.“5
Die Geschichte wurde von den nationalen Nachrichten aufgegriffen. Die , die und gehörten zu den vielen hochkarätigen Medien, die darüber berichteten. benutzte Worte wie und in seiner Beschreibung der Versuche der Gemeinde, Olive aufzuerwecken:
In dieser Woche ging ein Instagram-Beitrag einer Mutter, die eine prominente Persönlichkeit in einer einflussreichen, aber umstrittenen christlichen Kirche ist, viral. Ihre Bitte ist sowohl herzzerreißend als auch entsetzlich: Sie bittet ihre Kirche und die Gläubigen in den sozialen Medien, für die Auferweckung ihres Kindes zu beten, das am Wochenende plötzlich gestorben ist … Tausende von Menschen teilen die Überzeugung, dass die Macht des Gebets und die Verbreitung über die sozialen Medien einem Kind buchstäblich wieder „Leben einhauchen“ kann.6
Von diesen Berichten aufgewühlt, verfolgten Menschen auf der ganzen Welt, wie sich die Geschichte entwickelte.
Ein Tag verging.
Keine Auferstehung.
Zwei Tage.
Nichts.
Drei Tage. Sicherlich würde dies der Tag sein. Immerhin wurde Jesus drei Tage nach seinem Tod auferweckt. So schlussfolgerten die Anhänger von Bethel.
Immer noch nichts.
Aber die Geschichte war noch nicht zu Ende. Sie ließen nicht locker. „Tag vier ist ein wirklich guter Tag für eine Auferstehung“, schrieb Kalley auf Instagram.7 Später am Abend stand das Paar auf der Bühne der Gemeinde und sang aus voller Kehle: „Olive, komm aus diesem Grab, komm aus diesem Grab in Jesu Namen!“8 Die Gemeinde schloss sich ihnen an, tanzte, hob die Arme in die Luft und befahl Olive, ins Leben zurückzukehren.
Am nächsten Tag wiederholte Kalley die gleichen Worte: „Tag fünf ist ein wirklich guter Tag für eine Auferstehung.“9
Schließlich, nach sechs Tagen, gab die Gemeinde plötzlich auf. erklärte: „Olive ist nicht auferstanden. Nachdem sie für ein Wunder gebetet hatte, plant die Familie des Mädchens nun eine Trauerfeier.“ Viele andere Nachrichtenorganisationen brachten ähnliche Schlagzeilen.
Der Abschluss der dramatischen Ereignisse der vorangehenden Woche war enttäuschend. Die Verantwortlichen von Bethel veröffentlichten eine Pressemitteilung, in der sie ankündigten, dass die Familie mit der Planung einer Trauerfeier begonnen hatte. Ihre Versuche, Olive aufzuerwecken, waren lautstark gewesen und hatten in der Öffentlichkeit stattgefunden. Im Gegensatz dazu wurde der Trauergottesdienst im Stillen geplant und hinter den Kulissen abgehalten. Fast so, als hofften sie, so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf die Beerdigung zu lenken – und auf ihr Versagen darin, Olive aufzuerwecken.
Was Bethel als kühnen christlichen Glauben ansah, betrachteten andere Christen als Narrheit. Die Proklamationen, das fieberhafte Tanzen und das Leugnen hatten ein Ende gefunden. Olives Eltern blieben mit einem Loch in ihrem Herzen und mit Versprechungen einer Gemeinde zurück, die sich nicht erfüllt hatten.
, fragten sich besorgte Beobachter.
Viele machten sich Sorgen, dass Bethels „verrückte“ Eskapaden die Art und Weise, wie Nichtchristen über alle Christen denken, beeinflussen und das Zeugnis von vielen Christen vor einer zuschauenden Welt beschädigen würden. Traurigerweise hatten sie recht. Ein populärer atheistischer Blogger, der mehr als eine halbe Million Facebook-Follower hat, sah die Gelegenheit, sich über religiösen Überzeugungen lustig zu machen, nicht nur über die von Bethel. Hemant Mehta, der unter dem Pseudonym „The Friendly Atheist“ (Der freundliche Atheist) auftritt, schrieb:
Ich empfinde tiefes Mitgefühl mit der Familie. Ich weiß nicht, was sie gerade durchmachen. Aber die Gemeinde muss ihre eigene Theologie überdenken, denn es ist geradezu grausam, den Menschen zu sagen, dass ihre...




