E-Book, Deutsch, Band 1, 160 Seiten
Reihe: Villa der Zaubertiere
George Die Villa der Zaubertiere - Einhörner suchen ein Zuhause
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-505-14424-0
Verlag: Schneiderbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Einhörner suchen ein Zuhause
E-Book, Deutsch, Band 1, 160 Seiten
Reihe: Villa der Zaubertiere
ISBN: 978-3-505-14424-0
Verlag: Schneiderbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Winzig kleine Feenpferde, zuckersüße Einhörner und ein Drache mit Feuerproblemen - Feli kann ihr Glück gar nicht fassen, als sie mitten im Wald auf die Villa der Zaubertiere stößt. Hier werden magische Tiere nicht nur liebevoll versorgt, sondern auch an neue Besitzer vermittelt. Und das Beste: Der Leiter der Adoptionsagentur sucht gerade verzweifelt nach einer Aushilfe für den Sommer! Klar, dass Feli sofort ihre Hilfe anbietet! Doch damit fängt das zauberhafte Tierabenteuer erst an ...
Kallie George arbeitet als Redakteurin und Autorin in Vancouver, Kanada. Sie besitzt einen Masterabschluss in Kinderliteratur von der University of British Columbia und leitet neben ihrer Arbeit Schreibworkshops für angehende Autoren. Bei Schneiderbuch sind bereits ihre Reihe "Das kleine Waldhotel" und das Bilderbuch "Das Geschenk der Tiere" erschienen.
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Das Tierheim
Schilder waren rar, und Feli war schon eine Weile unterwegs.
Einmal kam sie an eine Stelle, an der sich der Pfad in verschiedene Richtungen gabelte. In der Mitte stand ein Baum, an den mehrere Wegweiser in Form von Pfeilen genagelt waren. LÄDEN schien sich von selbst zu erklären. Auch wenn Feli überrascht war, dass es im Wald Geschäfte gab. Was für Läden würden das sein? Bestimmt keine normalen, die Schuhe oder Süßigkeiten verkauften. Andererseits gab es ja auch ein Tierheim, also wer konnte das so genau wissen?
WIESEN und AUSGANG ergaben auch Sinn. Das AUSGANG-Schild zeigte auf den Weg, auf dem sie stand, daher hieß das wohl: raus aus dem Wald und zu ihrem Dorf.
HERZ und JENSEITS gaben da schon mehr Rätsel auf. Das HERZ-Zeichen deutete auf einen dunklen gewundenen Pfad. Vielleicht führt er ins Herz des Waldes, überlegte Feli. Bedeutete JENSEITS, dass es auf der anderen Seite des Verbotenen Waldes Dörfer und Städte gab? Sie sah nach, auf welchen Weg das Schild zeigte, und wäre dabei beinahe über einen Pfeil gestolpert, der flach am Boden lag.
Sie hob ihn auf. V.Z. war in schwarzen Buchstaben in das Holz geschnitzt.
»Oh nein«, stöhnte Feli. »Wie soll ich das Tierheim denn jetzt finden?«
Noch einmal betrachtete sie die übrigen Schilder. Alle Wege, außer dem ganz linken, waren eindeutig gekennzeichnet. War das der Pfad zum Tierheim? Konnte eigentlich gar nicht anders sein.
Nachdem Feli den Pfeil an den Stamm gelehnt hatte, setzte sie ihren Weg auf dem Pfad zur Linken fort. Wenig später kam sie an eine Lichtung. In der Ferne konnte sie ein hübsches Haus entdecken, aus dessen Schornstein Rauch wallte. Dort, wo der Pfad schmaler wurde, war ein Schild angebracht, auf dem DRACHENSCHWANZGASSE stand. Von einer Gasse konnte allerdings nicht wirklich die Rede sein, jedenfalls von keiner, wie Feli sie von zu Hause kannte. Andererseits war nirgendwo sonst ein Gebäude zu sehen, also musste sie hier richtig sein.
Feli spürte ein warmes Gefühl in sich aufsteigen. Sie fühlte sich fast wie … ein Glückspilz.
Doch das sollte sich schnell ändern. Dunkle Wolken hatten sich in den Himmel geschlichen und es fing an zu regnen. Heftig. Schon bald tropfte das Wasser von Felis Nase.
Gerade als sie sich den Regen aus den Augen wischen wollte, hastete jemand an ihr vorbei. Es war eine Frau mit einem weißen Kätzchen. Feli bemerkte sie erst im letzten Moment und schaffte es gerade noch, ihr auszuweichen. Dabei landete sie direkt in einer Schlammpfütze. Na toll! Der Tag wurde wirklich besser und besser!
Feli schaute die Frau vorwurfsvoll an.
Sie war in einen großen schwarzen Umhang gehüllt, und ihr Gesicht wurde von einer herabhängenden Hutkrempe verdeckt wie von einer düsteren Gewitterwolke.
Das Kätzchen in ihren Armen triefte vor Nässe und miaute kläglich.
»Pass doch auf, wo du hintrittst!«, keifte die Frau, als wäre es Felis Schuld, dass sie fast zusammengestoßen wären.
Passen Sie mal lieber auf Ihr Kätzchen auf, hätte Feli am liebsten geantwortet, doch die Worte blieben ihr im Hals stecken, während die Fremde mit dem Kätzchen davoneilte. Feli fand, dass es nicht mehr schlimmer kommen konnte.
Aber da hatte sie sich gründlich geirrt …
Das Tierheim lag etwas abseits, am Ende des Weges, der wie ein gigantischer Schwanz geschwungen war. Ob er tatsächlich wie ein Drachenschwanz aussah, wie es auf dem Schild hieß, konnte Feli nicht mit Sicherheit sagen. Die einzigen Drachen, die sie je gesehen hatte, waren die aus Büchern.
Das Tierheim selbst wirkte ebenfalls, als wäre es einem Märchen entsprungen.
Drachenschwanzgasse Nummer eins war eine kleine Villa aus Holz, die anscheinend schon bessere Tage gesehen hatte.
Trotzdem fand Feli, dass von dem Haus ein besonderer Zauber ausging. Das Dach war reetgedeckt und voller Moos. An den Mauern rankte Wein, und aus dem Schornstein auf der hinteren Seite stiegen feine Rauchschwaden. An der rechten Haushälfte ragte ein wacklig wirkender Turm in die Höhe, und wie ein breites Grinsen schwang sich ein alter Holzzaun um das Gebäude.
Am Eingangstor stand ein verschlafen wirkender Gartenzwerg. Über dem Gatter hing ein Schild:
Bei dem letzten Buchstaben fehlte unten ein Stück, sodass das Z etwas zerfleddert aussah, als hätte jemand davon abgebissen. Jemand Großes.
Nicht, dass ihr das Angst gemacht hätte, aber komisch fand Feli es schon. Vor lauter Nervosität vergrub sie die Hände in den Taschen. Dabei stießen ihre Fingerspitzen auf den Zettel, den sie vorhin von dem Plakat abgerissen hatte. Sie fasste neuen Mut.
Ihre Füße machten in den Schuhen schmatzende Geräusche, als sie durch das Tor stapfte, dann den Pfad entlang und die kleine Treppe hinauf. Am Türknauf hing ein BITTE-EINTRETEN-Schild, doch in winzigen Buchstaben stand darunter außerdem: AUF EIGENE GEFAHR. Dieses Schild wirkte ebenfalls angeknabbert. Sämtliche Ecken waren angenagt.
Der Knauf bestand aus Holz und hatte die Form eines Schnabels.
Langsam öffnete Feli die Tür.
Im Zimmer dahinter hing schwacher Rauchgeruch. Es hatte den Anschein, als wäre hier seit Jahren nicht geputzt worden – alles war staubig und alt. Ein schiefes Regal quoll vor Büchern fast über, und auf einem Schreibtisch türmten sich Papiere. In einem Tintenfässchen steckte ein roter Federhalter.
Einer der Zettelstapel auf dem Schreibtisch wurde von einer kleinen Silberglocke gekrönt. Davor lehnte ein Schildchen mit der Aufschrift: BITTE KLINGELN.
Dicht daneben standen, rund um ein kleines Tischchen, zwei Stühle und ein Sofa. Auf dem Tisch lagen viele Zettel mit ungewöhnlichen Titeln wie Vom Funken zur Flamme: Wie man Freudenfeuer entzündet, Artgerechte Pflege für Außergewöhnliche Eier und Krätzige Kröten: Wenn Warzen wunderlich werden.
In einer Ecke lag auf einem Ständer ein riesiges goldenes Buch.
Obwohl im Zimmer absolute Unordnung herrschte, gab es weder Bilder noch Poster von süßen Tieren an den Wänden, wie Feli es erwartet hätte. Nur einen Spruch, der hinter dem Schreibtisch am Haken baumelte: KEIN TIER IST ZU UNGEWÖHNLICH, UM ADOPTIERT ZU WERDEN. Das gefiel Feli. Vielleicht kümmerte sich dieses Heim um Tiere wie Papageien und Igel.
Sie gab acht, den Papierstapel nicht umzuwerfen, und klingelte.
Lange wartete sie, doch nichts geschah.
Sie wollte schon wieder gehen, als hinter dem Schreibtisch eine Tür aufgerissen wurde und ein alter Mann hereinkam.
»Nur die Ruhe. Seien Sie doch nicht so ungeduldig!«, rief er ärgerlich.
Er war nur wenig größer als Feli und trug einen spitzen weißen Bart. Sein Hemd war rußverschmiert.
Mit erhobenen Augenbrauen musterte er Feli, angefangen bei ihren schlammbespritzten Strümpfen bis zu dem Wasser, das von ihrer sommersprossigen Nase tropfte.
»Ja bitte?«, fragte er.
»Entschuldigen Sie, ist das hier das Tierheim? Ich bin zum ersten Mal im Wald. Ich habe meinen Vogel verloren und stattdessen Sie gefunden.«
Die buschigen Brauen des Manns wanderten ein Stück höher. »Es tut mir leid«, sagte er dann »aber da können wir dir nicht helfen. Entflogene Vögel sind eine aussichtslose Sache – aber wenn er im Wald ist, findet er sicher bald Freunde.«
»Oh«, sagte Feli. »Ich hoffe, Sie haben recht. Aber deswegen bin ich gar nicht hier. Ich wollte mich als Freiwillige melden.«
Der Mann fasste sie noch einmal genau ins Auge und schüttelte dann den Kopf. »Da hast du Pech.«
»Das habe ich immer.«
»Nein, ich meinte …«, setzte der Mann an, als er sah, wie enttäuscht sie war.
Doch Feli redete einfach weiter. »Besonders viel Pech habe ich mit Haustieren. Mein Fisch ist aus seiner Tasse gesprungen und im Abfluss verschwunden, als ich sein Aquarium sauber gemacht habe. Auf meinen Welpen war meine Mama allergisch, deshalb mussten wir ihn wieder weggeben. Meine kleine Katze hat beschlossen, dass ihr das Haus der Nachbarn besser gefällt, und ist dort eingezogen. Und jetzt …« Feli schluckte.
»Ich bezweifle stark …«, wollte der Mann sie unterbrechen, aber Feli war nicht aufzuhalten.
»Meine Eltern fänden es toll, wenn ich ein Haustier hätte, weil sie so viel arbeiten und nicht wollen, dass ich einsam bin. Außerdem wissen sie, wie sehr ich Tiere liebe. Aber ich habe einfach zu viel Pech, um ein eigenes Haustier zu halten. Vielleicht kann ich stattdessen hier aushelfen. Ich habe Ihre Anzeige an einem Baum gefunden.« Feli zeigte ihm den Zettel.
Der Mann zupfte mit einer Hand an seinem Bärtchen, während er mit der anderen auf dem Tisch trommelte. Feli ließ die Schultern hängen. »Ich … ich geh dann mal.«
»Warte«, sagte er. »Vor welchen Tieren hast du Angst?«
Sie warf ihm einen verdutzten Blick zu. »Keinem. Nicht mal vor großen. Einmal war ich in der Stadt im Zoo, da habe ich einen riesigen Elefanten und zwei gigantische Löwen gesehen. Ich hatte kein bisschen Angst. Aber sie haben mir leidgetan, sie wirkten so unglücklich.«
»Kannst du jeden Tag aushelfen?«
»Ja.«
»Was ist mit der Schule?«
»Es ist Sommer. Wir haben Ferien.«
Er nickte. »Ach, natürlich. Gut.« Er beugte sich vor, stützte die Ellbogen auf den Schreibtisch und sah Feli direkt in die...




