E-Book, Deutsch, 240 Seiten
George The Mind Manual
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-96859-580-1
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
In 4 Schritten zu mentaler Stärke: Dein Toolkit für mehr Klarheit ind Lebensfreude
E-Book, Deutsch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-96859-580-1
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ist das schon eine Depression oder nur schlechte Laune? Wie geht man am besten mit Stress und Ängsten um? Und welche Hilfestellungen gibt es, um mit belastenden Situationen richtig umzugehen? Nicht erst, aber spätestens seit der Corona-Pandemie wissen wir: Unsere mentale Gesundheit ist mindestens genauso wichtig wie die körperliche und beide beeinflussen sich gegenseitig. Genau wie körperliche Fitness lässt sich mentale Stärke trainieren. Keiner weiß das so gut wie Dr. Alex George. In diesem Buch teilt der Bestsellerautor wertvolle Einsichten und Techniken, die uns dabei helfen, mentale Stärke zu trainieren und Resilienz für herausfordernde Zeiten aufzubauen.
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DU BIST NICHT ALLEIN
Du musst nicht still vor dich hin leiden. Du bist Teil einer großen Gemeinschaft von Menschen, die Entscheidungen treffen, um ihre eigene mentale Gesundheit zu verbessern.
Man kann schnell den Eindruck gewinnen, allen Leuten deiner Peergroup würde das Leben leicht fallen. Die täglichen Updates fröhlicher Gesichter in unseren sozialen Netzwerken und Hashtags wie #ziele oder #gluecklich vermitteln das Gefühl, dass wir die Einzigen sind, die sich mit dem Leben schwertun. Und dass wir an diesem Erwachsensein irgendwie scheitern.
In Wahrheit belegt die Statistik etwas anderes. Jedes Jahr entwickelt allein in England eine von vier Personen – 25 Prozent der Bevölkerung – eine psychische Erkrankung wie Depression oder Angststörung. Nach kurzer Überlegung wird klar, dass in einem Raum mit zwanzig Personen wahrscheinlich fünf damit zu kämpfen haben. Wenn ich bedenke, wie viele Leute mit mir an der Uni in den Seminaren saßen, war ich bestimmt nicht als Einziger davon betroffen. Vermutlich war ich einer von etwa siebzig Kommilitonen, die gerade Ähnliches durchgemacht haben– das ist eine Menge!
Wenn so viele Menschen an psychischen Erkrankungen leiden, dann sind diese weiter verbreitet als die Grippe (laut Statistik hatten vor der Pandemie ungefähr neun von 100.000 Menschen Grippesymptome)1. Mache dir klar, wie viel wir über die Grippe reden und wie häufig sie auftritt. Dann bedenke, wie wenig wir über mentale Erkrankungen sprechen und wie viel häufiger diese sind. Schockierend, nicht wahr?
Du gehörst zu einer Gemeinschaft von Menschen, die sich bei der Suche nach ihrer eigenen Baseline etwas mehr Unterstützung wünschen? Mentale Krisen sind ein ganz natürlicher Teil des Lebens. Wir alle sind mit Hürden und Herausforderungen konfrontiert, jeder von uns gerät mehrmals im Leben aus der Bahn. Wir sind keine Roboter, sondern lebendige Menschen, die atmen und Fehler machen.
In diesem Kapitel betrachten wir, wie weit verbreitet allgemeine psychische Erkrankungen in unserer heutigen Zeit sind. Ich will dir zeigen, falls auch du davon betroffen bist, dass du deshalb nicht wütend auf dich sein musst. Sie gehören zur Lebenswirklichkeit unserer modernen Welt einfach dazu.
DER CORONAEFFEKT
Seit Ausbruch der Coronapandemie 2020 hat sich unser Leben dramatisch verändert. Ich spreche nicht von den physischen Veränderungen wie Lockdowns oder der Notwendigkeit von Impfungen, sondern von den Gewohnheiten, die wir als Gesellschaft seitdem entwickelt haben. Gewohnheiten, die unsere bestehenden mentalen Beschwerden verstärken und unser Leben noch etwas mehr erschweren – als sei es nicht schon schwer genug gewesen.
Die Auswirkungen der Pandemie sind langfristiger Natur, nicht nur im Hinblick darauf, wie wir uns vor Infektionen schützen, sondern wie wir im Alltag agieren. Unser Sozialleben hat sehr gelitten, Gemeinschaften haben sich aufgelöst. Während der Pandemie sind viele Menschen aus den Städten in ihre Heimatorte zurückgekehrt, weshalb diejenigen, die zurückblieben, plötzlich isoliert waren. Unser Arbeitsleben wurde auf den Kopf gestellt, als Homeoffice und hybride Arbeitsformen auf einmal zur Normalität wurden. Auch wenn viele froh sind, dass sie weniger Zeit für den Arbeitsweg brauchen, bedenken nur wenige den mentalen Preis, den uns das Arbeiten von Zuhause kostet, da die Grenze zwischen dem Ort mit Stress und dem Ort der Ruhe verwischt wird. Unser Wohlbefinden wurde durch diese Veränderungen beeinträchtigt. Äußere Faktoren, die damals bei ihrer Umsetzung allesamt sinnvoll waren, haben nun zu einer mentalen Gesundheitskrise geführt, in der sich Menschen isoliert und einsam fühlen, ständig online sind – und doch komplett abgekoppelt. Gerade jetzt, mehr als je zuvor, müssen wir herausfinden, was innerer Frieden für uns bedeutet – und uns aktiv darum kümmern, ihn in unser Leben zu integrieren.
Einige Sätze zu meiner generation
Millennials sind die zwischen 1981 und 1996 Geborenen. Diese Generation zeichnet sich durch technisches Geschick und ihre Affinität zu Transparenz aus. Sie bevorzugen kooperative gegenüber hierarchischen Strukturen, sind anpassungsfähig bei Veränderungen und lernbegeistert. Sie sind Freigeister und kreativ.
Generation Z, meist kurz Gen Z genannt, sind die zwischen 1997 und 2012 Geborenen. Sie gelten als Digital Natives, Diversität ist für sie die Norm, sie sind politisch progressiv und pragmatisch und die bislang kontaktfreudigste Generation.
Beide Generationen weisen Charakterzüge auf, die durch die Pandemie stark belastet wurden. Sowohl das kooperative Miteinander, wonach sich die Millennials sehnen, als auch die Freude an Geselligkeit der Gen Z kamen zu kurz.
Immer mehr Studien richten ihren Fokus auf die Auswirkungen der Pandemie auf die Gen Z und die Millennials. Sie zeigen, dass die 18- bis 40-Jährigen weltweit offenbar ähnliche Erfahrungen machen und hinsichtlich emotionaler Gesundheit und Wohlbefinden stark betroffen sind.2 Die vor 2020 empfundene Sicherheit in Bezug auf ihre Zukunft ist so gut wie verschwunden. Stattdessen machen sie sich Sorgen über ihren Berufsweg, die Lebenshaltungskosten (fast die Hälfte kommt kaum finanziell über die Runden), das Klima und geopolitische Spannungen allgemein. Für diese Generationen ist die Zukunft nicht mehr so rosig wie zuvor. Kein Wunder, dass sich diese Sorgen auf ihr Lebensgefühl insgesamt auswirken.
WAS BREMST UNS aus?
Die körperliche und die seelische Gesundheit sind miteinander verwoben: Eines gibt es ohne das andere nicht und das Gleichgewicht der beiden ist unser Schlüssel zu Wohlbefinden und Glück. Manchmal birgt jedoch bereits der Begriff „seelische Gesundheit“ eine negative Komponente in sich, die bei „körperlicher Gesundheit“ nicht mitschwingt. Menschen reden häufig von „seelischer Gesundheit“, obwohl sie eigentlich eine „seelische Erkrankung“ meinen. Allzu oft gebraucht man im Kontext von „seelischer Gesundheit“ Begriffe wie „kritisch“ oder „problematisch“. Folglich existiert für den Großteil der Öffentlichkeit die seelische Gesundheit als positiver Zustand gar nicht. Selten hört man Leute über ihre mentale Gesundheit sprechen, aber über ihre körperliche Fitness reden sie gewöhnlich gerne.
Stigmata halten sich generell lange und verschwinden nur langsam. Unsere Urgroßeltern, die zwei Weltkriege erlebten, haben uns mitgegeben, dass man am besten die Zähne zusammenbeißt, stillhält und weitermacht. Grund dafür war die Angst, den Eindruck von Schwäche zu erwecken, denn wer aus irgendeinem Grund seine menschliche Seite zeigte, hätte sich dem Feind ergeben und wäre besiegt worden. Man fürchtete, sich verwundbar zu zeigen, denn das geringste Zeichen von Schwäche konnte die Sicherheit gefährden. Doch in der modernen Welt festigen wir unsere Resilienz nicht durch eine „Hauptsache lächeln und alles ist gut“-Einstellung, sondern indem wir uns austauschen und daran wachsen.
Glücklicherweise nimmt die Stigmatisierung von Themen der seelischen Gesundheit allmählich ab, doch solange diese nicht vollständig verschwindet, sind Gelegenheiten für eine offene Diskussion darüber selten. Hilfreich ist es, wenn Personen, die im Rampenlicht stehen, über ihre eigenen Erfahrungen berichten, und dass Prominente wie Lady Gaga und Stormzy sich öffentlich über ihren Kampf mit Depressionen, Ängsten und Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) äußern, macht anderen Menschen Mut. Wir dürfen nicht vergessen, dass jeder und jede von uns im Leben eines Tages ins Stolpern geraten kann und wir dann auf Hilfe angewiesen sind. Das heißt nicht, dass wir versagt haben oder „weniger wert“ sind als andere, sondern einfach nur, dass wir Menschen sind und dass wir lebendig sind. Und das ist gut.
Du hast noch nicht alle glücklichen Tage in deinem Leben erlebt!
Meine Erfahrung
Eine Panikattacke
Letztes Jahr musste ich für einen TV-Beitrag über die Initiative HEADudaction, die sich für die psychische Gesundheit junger Menschen engagiert, über Nacht in Manchester bleiben. Am Vortag der Dreharbeiten kam ich ins Hotel, aß etwas und ging zu einer vernünftigen Zeit schlafen. Ich war nicht sehr nervös vor dem Dreh. Es war zwar live, aber das war okay für mich und ich schlief problemlos ein.
Gegen 4:30 Uhr wachte ich plötzlich auf mit dem bedrohlichen Gefühl, ich würde sterben. Ich hatte eine Panikattacke. Mein Herz raste, die Haut brannte wie Feuer, ich bekam kaum Luft. Ich stand auf und lief durchs Zimmer. Ich fühlte mich einer Ohnmacht nahe, mir war eng in der Brust und ich wollte um Hilfe rufen. Ich war allein im Hotelzimmer, wollte jedoch so früh am Morgen niemanden stören … Selbst in dieser Situation, unterwegs als Mental-Health-Botschafter, war ich nicht in der Lage, jemanden um Hilfe zu bitten. Ich biss mich allein durch.
Ich probierte die Tools aus, die ich anderen beibringe, um in den gegenwärtigen Moment zurückzukommen und mich von der Angst abzulenken, die diese Panik ausgelöst hatte. Ich verlangsamte meine Atmung und atmete bewusst ein und aus. Dann wandte ich die Fünf-Sinne-Technik an (siehe Seite 162) und benannte Dinge im Raum, um präsenter zu sein und die Panik zu bewältigen. Schließlich hörte mein Herzrasen auf, aber ich fand keinen Schlaf mehr und mir war immer noch elend,...




