Gerhardt / Kirsch | "Was können wir Ihnen anbieten?!" | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

Gerhardt / Kirsch "Was können wir Ihnen anbieten?!"

Auf Exkursion in Kassel und Umgebung mit der Gruppe experiment exkursion Kassel
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7448-0475-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Auf Exkursion in Kassel und Umgebung mit der Gruppe experiment exkursion Kassel

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

ISBN: 978-3-7448-0475-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nein, nur einfach so rausgehen - damit ist es nicht getan. Exkursionen sind mehr als die "Begegnung mit dem Realobjekt": Wir können uns selbst nämlich nicht zu Hause lassen ... Das vorliegende Buch ist ein erweiterter Sammelband der bisherigen Bände "Sie können die Schuhe ruhig anlassen!" und "Bitte nehmen Sie doch Platz!". Wir laden Sie wieder ein, mit der GRUPPE experiment Exkursion KASSEL auf Erkundungstor zu gehen.

Gerhardt / Kirsch "Was können wir Ihnen anbieten?!" jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


WAS IST EINE EXKURSION?


[excursio = aus lat. ex = (her)aus + currere = laufen]

Unter einer EXKURSION wird im Allgemeinen ein Ausflug unter (wissenschaftlicher) Anleitung und Zielsetzung verstanden. Wir erkunden dabei den Ort, an dem wir uns bewegen, beziehungsweise die „Dinge“ auf die wir stoßen oder auf die wir hingewiesen werden. EXKURSIONISTEN werden von der Suche nach Erkenntnissen angetrieben. Wir wollen lernen. Lebenslang. Eine gute Vor- und Nachbereitung einer solchen Erkundung durch die Exkursionsleitung kann dabei helfen, den Blick zu fokussieren, die Gedanken zu ordnen und die gesammelten Erfahrungen begreifbar zu machen. Ohne einen methodisch gegebenen Rahmen und ohne eine Intention gerät jedes Heraus-Laufen prinzipiell in den Verdacht der spielerisch-spaßigen oder auch spaziergängerischen Beliebigkeit.

Im Vorfeld einer solchen Unternehmung, die wir mit EXKURSION meinen, sind also zahlreiche Dinge zu bedenken, zu organisieren und vorzubereiten. So ist beispielsweise ein einfaches „Loslaufen“ für uns nur dann sinnvoll, wenn es mit einer anschließenden Reflexion in Verbindung steht und damit gewissermaßen zum Konzept der jeweiligen Exkursion gehört.

Eine EXKURSION soll nicht ausschließlich der Veranschaulichung oder Illustration von Sachverhalten dienen. Fotos und Filme können das unter Umständen viel besser. Begibt man sich jedoch hinaus in die Welt, ändern sich die Bedingungen, unter denen wir über Orte sprechen, vollkommen. Eindrücke und Erfahrungen verselbstständigen sich und wirken zunächst „ungeordnet“ auf alle Sinne der EXKURSIONISTEN ein. Die Blicke schweifen und das Unerwartete ersetzt die relativ fest gefügten, geordneten und regulierten didaktischen Rahmenbedingungen im Klassen- oder Seminarraum. Plötzlich spielt es also durchaus eine Rolle, wie es „da draußen“ riecht und dass sehr viel mehr zu sehen ist als auf Fotos oder Filmaufnahmen. Für eine erkundende Zugangsweise ist von entscheidender Bedeutung, dass wir unsere leiblichen „Befindlichkeiten“ vor Ort ernst nehmen. Mit einer entsprechenden Sensibilität für das Dazwischen, welches in einer touristischen Zugangsweise häufig keinen Platz hat, entdecken wir auch uns bereits bekannte Orte neu.

Die Trennung von wissenschaftlich aufbereitetem Wissen und subjektivbiographischen Erfahrungen, welche für das Lernen in pädagogischen Institutionen als Ideal angestrebt wird, kann gerade und insbesondere auf einer EXKURSION nicht aufrechterhalten werden. Denn die „erkundenden Subjekte“ können sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht von „sich selbst befreien“. So wirkt sich beispielsweise die bereits gesammelte Erfahrung als Interpretationsgrundlage aus. Wir haben bereits in früher Kindheit ein gewisses Verständnis für die Welt, in der wir uns bewegen, ausgebildet. Bei klassischen Exkursionen wird meist vorausgesetzt, dass die so genannte „Begegnung mit dem Realobjekt“ eine wirklichkeitsgetreue Abbildung im Betrachter hervorruft. Doch die „wirkliche Welt“ kann nicht objektiv erfasst werden, da unsere Erkenntnisfähigkeit immer von bereits gemachten Erfahrungen und von bereits erworbenem Wissen abhängt. Der erkennende, wahrnehmende Mensch ist stets unabdingbar verbunden mit der eigenen Biographie, die ihn erst zum Subjekt und somit eigenständig handlungsfähigen Menschen macht. Jeder von uns ist somit bereits „kontextualisiert“; d.h. durch ganz spezifische Erfahrungen zum Individuum herangewachsen.

Wir haben gelernt, in einer bestimmten Art und Weise zu sehen und zu denken. Diese ist uns in der Regel so selbstverständlich geworden, dass wir nicht mehr darüber nachdenken. Die vielschichtigen (sinnlichen) Erfahrungen, die auf Exkursionen gemacht werden können, bieten eine gute Möglichkeit, dieses nicht mehr reflektierte Selbstverständnis ein wenig zu erschüttern. Eine kleine Verunsicherung reicht oft schon aus, um genügend Abstand von den Dingen zu bekommen, die wir im Alltag gar nicht mehr sehen, weil wir uns so sehr an sie gewöhnt haben. Dieser Abstand ist aber nötig, um wieder neu hinschauen zu können und somit eine neue Perspektive einnehmen zu können.

Wenn sich unser Versuch zu Erkenntnis zu gelangen, bei Exkursionen unreflektiert auf die so genannten „Realobjekte“ und damit auf eine äußerliche „Ding-Welt“ richtet, werden mindestens zwei weitere Ebenen vernachlässigt. Oft genug ist das, was wir sehen, genau das, was uns gezeigt wird. Doch Erkenntnis kann nur in uns selbst entstehen. Wie wir gerade gesehen haben, müssen wir bei jeder exkursionistischen Unternehmung auch danach fragen, wer wir als „erkennende Subjekte“ sind, welches Vorwissen und welche bisherigen Erfahrungen in diesen Erkenntnisprozess einfließen und mit welcher Motivation wir uns dem zu erkundenden Ort nähern. Wir selbst sind – neben dem zu erkundendem „Objekt“ – eine zweite Ebene, die in das Nachdenken über die exkursionistische Unternehmung einfließen muss. Selbstverständlich kann nicht auf jeder Exkursion die Reflexion der subjektiven Ebene in gleicher Weise betont werden – sonst kämen wir vor lauter Selbst-Reflexion gar nicht mehr zum Staunen und Schauen! Dennoch gehört die angemessene Berücksichtigung dieser Ebene in jede Vor- und Nachbereitung einer Exkursion. Es lassen sich sogar Experimente entwerfen, die ganz bewusst auf den Aspekt der subjektiven Reflexion mit besonderer Aufmerksamkeit auf biographisches (Vor-) Wissen, angelegt sind. Bestehende Vorurteile und Klischees können mit Hilfe von Exkursionen sehr gut erkundet werden.

Der dritte wichtige Bereich, der in unsere Reflexion mit einbezogen werden muss, bezieht sich auf die Art und Weise unserer Annäherung an einen Ort. Die Frage, wie wir uns einem zu erkundenden Gegenstand nähern, muss ebenfalls Beachtung finden und in der Vorbereitung auf eine Exkursion möglichst gewissenhaft geklärt werden. Wir sind der Meinung, dass die Art und Weise, etwas gezeigt wird, einen starken Einfluss darauf ausübt, gesehen wird. Wir können eigentlich gar nicht anders, als uns einem Ort mit einer Methode zu nähern. Die Reisefreudigen unter unseren Lesern wissen, was das bedeutet: Vor Reiseantritt werden Reiseführer gewälzt und im Internet recherchiert, die Prospekte aus dem Reisebüro werden aufmerksam gelesen und so entsteht nach und nach ein ganz bestimmtes Bild in unserem Kopf. Sind wir dann am Reiseziel angelangt staunen wir (meist in negativem Sinne) über das, was uns der Reiseprospekt gezeigt hat.

Unserer Ansicht nach, ist über eine Exkursionspraxis, die über die Form der historischen Stadtführung oder auch des noch aus der Schule bekannten Klassenausfluges hinausgeht, bislang zu wenig nachgedacht worden. Aus diesem Grund haben wir ein Modell entwickelt, welches uns dabei behilflich sein soll, über Exkursionen in einer strukturierten Art und Weise nachzudenken, gemachte Erfahrungen einzuordnen und damit besser vergleichen zu können, sowie neue Experimente zu entwickeln. Anhand dieses „Drei-Ebenen-Modells“ wird deutlich, dass sich ein Erkenntnisinteresse nicht ausschließlich auf das zu erkundende WAS richten kann. Die Dinge, die wir uns ansehen, die Orte, die wir besuchen, sind nur ein einzelner Baustein in diesem „Erkenntnis-Puzzle.“ Wir müssen eben auch danach fragen, WER mit welcher Absicht in die Welt hinausgeht und WIE dies geschieht.

Aus diesen Überlegungen folgt weiter, dass nun auch Exkursionen zu den anderen „Bausteinen“ denkbar werden (im Schaubild ist dies mit den Fragezeichen markiert). Wenn der Ort, das zu erkundende „Objekt“, nicht mehr das einzig Wichtige ist, über das sich etwas lernen lassen kann, dann müssen auch Exkursionen mit anderer Schwerpunktsetzung möglich sein. Auf Exkursionen begegnen wir nicht nur „Objekten“, die wir uns anschauen (können), sondern auch anderen Menschen und nicht zuletzt uns selbst.

In den Bereich der nötigen grundsätzlichen Überlegungen gehört auch eine begriffliche Klärung dessen, was mit „erkunden“ gemeint ist. Das Erkunden ist dabei nicht zu verwechseln mit dem Entdecken. „Entdeckung“ ist eng verwandt mit „Auf-deckung“ – von etwas bereits Vorhandenem, das zuvor nicht gesehen wurde (oder gesehen werden konnte), wird metaphorisch die Abdeckung genommen und so für uns sichtbar.

Anders verhält es sich mit dem Begriff der Erkundung. Die „Kunde“ ist in unserem Sprachgebrauch verwandt mit „kennen“ und „künden“. Mit einer Erkundung wird der Aufmerksamkeitsschwerpunkt also einerseits auf ein Erkennen und andererseits, sozusagen als zweite Bewegung, auf ein Mitteilen gelegt. Das „Kennen-lernen“, das in diesem Begriff ebenso mitschwingt, muss dabei eben nicht ausschließlich auf ein äußerlich gegebenes WAS gerichtet sein. Die Erkundung, im Sinne des Erkennens und Kennenlernens, kann sich auch auf denjenigen beziehen, der erkennt, sowie auf die Art und Weise, erkannt wird.

In Allgemeinen wird unter „Erkunden“ meist das Sammeln und Aufbereiten von Daten und Informationen verstanden, die dann helfen sollen, eine bestimmte Lage oder Situation einzuschätzen. Historisch kommt der Begriff schließlich aus dem militärischen Bereich und bezeichnet hier eine Aufklärungsarbeit. Hier scheint es, dass die Erkundung zentral mit der Idee einer (Auf-)Klärung verbunden ist. Dies verweist darauf, dass die Bewegung der Erkundung zwar zur (Auf-)Klärung eines Sachverhaltes oder einer Situation dienlich sein kann, sie aber, anders als die Entdeckung, nicht für sich in Anspruch nimmt, eine bereits vorhandene „objektive Wirklichkeit“ lediglich aufzudecken, die aus welchen Gründen auch immer, bisher verdeckt geblieben ist.

Mit Hilfe des Begriffs der Erkundung kann im...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.