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E-Book

E-Book, Deutsch

Reihe: dp Verlag

Geßner Seelenkalt

Ein nervenaufreibender Psychothriller mit einer taffen Kriminalkommissarin
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98778-295-4
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein nervenaufreibender Psychothriller mit einer taffen Kriminalkommissarin

E-Book, Deutsch

Reihe: dp Verlag

ISBN: 978-3-98778-295-4
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der nervenaufreibende Kriminalthriller über die Schatten der gesellschaftlich akzeptierten Prostitution

Kriminalhauptkommissarin Franziska Frey steht vor einem verzwickten Fall: Ein angesehener Steuerberater wird brutal zusammengeschlagen und alle Hinweise führen ins düstere Rotlichtmilieu. Als verstörende Foltervideos auftauchen, wird klar, dass ein skrupelloser Serienkiller sein Unwesen treibt. Die Kommissarin enthüllt ein Netz aus Lügen, das ihr selbst zum Verhängnis werden könnte und muss den Täter stoppen, bevor er erneut zuschlägt. Während Franziskas Ermittlungen Fahrt aufnehmen, kämpft Richard Erdmann gleichzeitig darum, seine Tochter aus den Fängen des Milieus zu befreien. Doch für das Leben seiner Tochter muss er das eigene riskieren …

Erste Leser:innenstimmen
„Die komplexe und gut durchdachte Handlung dieses Kriminalromans hat mich immer wieder überrascht und mitgerissen.“
„Der Thriller ist Spannung und Nervenkitzel pur! Die Jagd der Ermittlerin nach dem Serienkiller und die verzweifelten Versuche von Richard Erdmann, seine Tochter zu retten, haben mich förmlich an die Seiten gefesselt.“
„Die Autorin gestaltet die Protagonisten vielschichtig und authentisch, ihre inneren Konflikte und emotionalen Kämpfe machen sie greifbar und berührend.“
„Ein düsterer Pageturner mit einem Serienmörder, der ein brutales Katz und Maus Spiel betreibt.“



Eva Geßner wurde 1968 im Rheinland geboren und wohnt in Köln. Ihre erste Kurzgeschichte schrieb sie bereits als 10- jährige. Der Plot und die Bilder von Jeff Waynes War of the worlds hatten sie so verängstigt, dass ihr Vater kurzerhand eine Gegengeschichte mit freundlichen Außerirdischen erfand, die die beiden zusammen weitergesponnen und aufgeschrieben haben.
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Autoren/Hrsg.


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Kapitel 1


Das Klingeln des Handys riss Claire aus ihren Gedanken. Seit acht Tagen war sie im Dauereinsatz, ein Freier nach dem anderen. Dazwischen kaum Zeit für eine Verschnaufpause, zu wenig Schlaf, weil sie von den Drogen und dem ganzen Alkohol zu aufgeputscht war. Aber nüchtern war dieser Marathon nicht zu ertragen. Sie musste sich betäuben, um das durchstehen zu können. Sie brauchte das Geld.

Die letzten beiden Kunden hatten sich an Widerlichkeit übertroffen. Der eine war krankhaft übergewichtig, mit einem sehr kleinen Penis, der von einem monströsen Haufen Fett verdeckt wurde. Er verlangte, dass sie ihn mit der Hand befriedigte, wozu sie sich durch seine Fettschwarten wühlen musste. Der Gestank seiner Genitalien war ekelerregend und es hatte sie einiges an Mühe gekostet, den Brechreiz zu unterdrücken. Gott sei Dank hatte er keinen Blowjob gewollt und während er unter Stöhnen und Grunzen zum Höhepunkt kam, summte sie stumm eines der Kinderlieder, das ihre Mutter ihr früher vorgesungen hatte.

Der andere war ein Sadist, der einen Haufen Kohle springen ließ, um seine Vergewaltigungsfantasien an ihr auszuleben. Einzige Bedingung: keine sichtbaren Verletzungen. Sie hatte ihn schon öfter getroffen und jedes Mal wurde es schlimmer. Aber fünfhundert Euro für zwei Stunden waren ein schlagendes Argument. Und wenn der Kunde zufrieden war, steckte er ihr ein paar Scheine extra zu, die sie heimlich zur Seite legte für ihren großen Traum. Dana hatte ihr erklärt, dass niemand sie zwingen konnte, sich misshandeln zu lassen. Nicht einmal Nick. Aber Dana hatte gut reden. Sie war frei in ihren Entscheidungen. Claire hingegen musste tun, was ihr Zuhälter verlangte.

Die Prügel und die schmerzenden sexuellen Handlungen des Freiers bekam sie nur wie durch einen Schleier mit. Ihr Trick bestand darin, in Gedanken einen anderen, einen schönen und friedvollen Ort aufzusuchen. Sie nannte diesen Ort Elysium. Den Begriff hatte sie mal irgendwo aufgeschnappt und nachgeschlagen, weil ihr der Klang des Namens so gut gefiel. Die Insel der Glückseligen aus der griechischen Mythologie. Auf Claires Insel gab es dieses Tal, umringt von hohen Bergen. Auf den Wiesen blühten Sommerblumen, Hummeln summten, der Himmel war blau und in der Nähe gurgelte ein kleiner Bach. Dorthin zog sie sich in schwierigen Momenten zurück und tauchte erst wieder auf, wenn alles vorbei war.

Der letzte Job hatte ein paar Probleme gelöst. Sie konnte Nick ihren Mietanteil geben und die Schulden bei ihrem Dealer bezahlen. Aber Prügel blieb Prügel. Und hieß nicht, dass sie keine Verletzungen davontrug. Ihre Blutergüsse am Rücken und im Bauchbereich waren schmerzhaft und Claire wünschte sich nichts sehnlicher, als ein paar Tage einfach mal auszuspannen. Einmal hatte ein Freier sie überwältigt und missbraucht, ohne zu bezahlen. In dieser Nacht hatte sie sich wie ein nutzloses Stück Scheiße gefühlt und kurz darüber nachgedacht, sich das Leben zu nehmen. Eine Vergewaltigung blieb eine Vergewaltigung, auch in ihrem Job.

Sie nahm das Gespräch trotzdem entgegen und nach wenigen Minuten war die Verabredung mit einem weiteren Kunden gesetzt. Angeblich handelte es sich um einen Teddybären. Das war der Code für den Typ Mann, der selten vögeln, sondern oft nur reden wollte. Über Probleme bei der Arbeit, mit der Ehefrau oder, was häufig vorkam, mit seiner Mutter. Die meisten Teddybären waren harmlos und ihnen war es egal, dass alles – Claires Verständnis, ihr Mitleid, ihre Orgasmen – gespielt und aufgesetzt war. Sie waren einsame Menschen, auf der Suche nach Intimität und emotionaler Wärme. Dafür gab es zwar keine fünfhundert Euro, aber es war leicht verdientes Geld.

Claire strich ihr Minikleid glatt, das mit den glitzernden Pailletten, überprüfte ihr Make-up und gönnte sich noch eine Nase Pep gegen die Müdigkeit. Vor dem Spiegel rückte sie ihre schwarze Perücke zurecht. Dann machte sie sich auf den Weg.

Die Adresse war die Hotelbar des Hotel in der Nähe vom Eigelstein, einem Viertel, das früher mal eins der bekanntesten Rotlichtviertel von Köln gewesen war. Davon übriggeblieben waren nur noch ein paar Anbahnungskneipen und schmuddelige Hinterzimmer. Das Hotel war allerdings High Class. Für viele Stars der Medienbranche war es die erste Adresse. Claire hatte dort schon öfter Kunden getroffen. Sie freute sich auf ein paar leckere Drinks.

Ein Mann mittleren Alters saß an der Bar und hatte die gelbe Rose als Erkennungszeichen neben sich liegen. Claires siebter Sinn schlug leise Alarm. Irgendwas stimmte nicht und sie dachte kurz darüber nach, ob sie wieder gehen sollte. Irgendwo hatten sie den Typen schon mal gesehen, aber ihr fiel beim besten Willen nicht ein, wo. Sie ignorierte den Alarm in ihrem Kopf, zupfte sich das hautenge Kleid ein letztes Mal zurecht und begrüßte den Mann, der sich ihr als Richard vorstellte, was sicher nicht sein richtiger Name war.

Er war attraktiv, maskulin, mit einer tiefen, angenehmen Stimme. Alles an ihm wirkte selbstbewusst und cool. Sein blondes kurzgeschnittenes Haar, das an den Schläfen langsam grau wurde, der gepflegte Vollbart, der modern geschnittene braune Anzug, mit blauem Hemd und italienischen Schuhen. Seine Körpersprache und sein Auftreten hatten etwas von einem Wolf. Der Typ war kein Teddybär, so viel stand fest. Er bestellte Claire ihren Lieblingsdrink, einen Cosmopolitan, und sie sprachen über belanglose Dinge.

„Ich würde mit dir gerne woanders hingehen“, eröffnete ihr Richard nach wenigen Minuten. „Ich wohne gleich um die Ecke. Da sind wir ungestörter. Ich fühle mich hier, ehrlich gesagt, nicht so wohl. Zu viele Menschen.“

Als Claire nicht sofort antwortete, zog er dezent ein Bündel Geldscheine aus der Tasche und legte sie ihr in die Hand.

„Das sind dreihundert mehr als vereinbart. Was sagst du? Wir sparen uns das teure Hotelzimmer. Du kannst die Kohle doch sicher gebrauchen.“

Diese Stimme. Wo hatte sie die bloß schon mal gehört? Claire kramte in ihren Erinnerungen. Sie sah dem Mann in die Augen, erkannte dort aber nichts Hinterhältiges oder Brutales.

, dachte sie, steckte das Geld in ihre Handtasche und nickte.

hieß die kleine Seitenstraße vom Eigelstein, und der Hauseingang befand sich versteckt in einem Hinterhof. Richard öffnete die Tür und ließ sie eintreten. Claire hörte, wie hinter ihr die Tür wieder verriegelt wurde. , dachte sie, folgte ihrem Kunden aber dennoch durch einen schmalen Flur ins Wohnzimmer.

Mann und Ambiente passten überhaupt nicht zusammen. Das Zimmer sah aus wie aus einem Fünfzigerjahre-Film. Eine Rautentapete in Ocker- und Grüntönen, Holzvertäfelung an der Decke, ein braunes Sofa, Perserteppich, ein Nierentisch und zwei kleine Sessel, einer rot, einer grün. In einer Ecke stand sogar noch ein alter Fernsehschrank.

„Setz dich, bitte“, sagte Richard und deutete auf die Sessel.

Claire wählte den roten. Sie kramte ihr Handy aus der Tasche, um Dana die neue Adresse durchzugeben. Das war ihre Vereinbarung, damit sie stets voneinander wussten, wo die andere gerade war. Aber der Bildschirm blieb schwarz.

. Sie hatte vergessen, es aufzuladen. . Sie verfluchte sich für diese Nachlässigkeit und steckte das Handy wieder in ihre Handtasche.

„Nett hast du es hier“, sagte Claire, um das Schweigen zu brechen.

„Hm“, brummte Richard. „Gehörte meiner Mutter.“

Claire war aufgestanden und stand ihm jetzt direkt gegenüber.

„Sag mir einfach, was du gern magst.“ Sie lächelte verführerisch und streichelte seine Wange.

Richard schob sie weg. „Ich will nur mit dir reden.“

„Okay. Kein Problem.“ .

„Ich brauche Informationen über das .“

Claire starrte den Mann an. Für einen Moment stand ihr die Überraschung ins Gesicht geschrieben.

Das war ein Bordell oder, eleganter ausgedrückt, ein Saunaclub, in dem sie hin und wieder arbeitete. Nick, ihr Zuhälter, hatte das arrangiert. Den Club gab es noch nicht lange, aber das Konzept hatte eingeschlagen wie eine Bombe. Todschick, alles neu und edel, teuer und sauber. Das Ambiente gefiel ihr. Besser als in den Laufhäusern oder Bordellen, in denen sie sonst arbeiten musste. Die Kunden waren wohlhabend und gepflegt, kein Abschaum von der Straße, der für fünf Euro einen Blowjob erwartete. Normale Typen aus der Mittel- und Oberschicht, die sich nach Feierabend oder an den Wochenenden eben mal was anderes gönnen wollten als die übliche Hausmannskost. Dagegen war nichts einzuwenden, fand Claire. Sie bekam Drinks spendiert und das Essen war fabelhaft. Außerdem hatte sie dort Dana kennengelernt.

Sie schüttelte den Gedanken an ihre Freundin ab und konzentrierte sich wieder auf das Hier und Jetzt. Ganz gleich, was dieser Richard von ihr wissen wollte, sie würde auf keinen Fall irgendwelche Interna aus dem Club ausquatschen. Es spielte keine Rolle, ob er ihr wehtun würde, um an Informationen zu kommen. DIE würden ihr noch viel mehr Schmerzen zufügen.

„Leute wie ich haben im Paradies keinen Zutritt. Unsereins ist eher für die unteren Etagen gebucht“, sagte sie daher ausweichend.

Statt einer Antwort schubste Richard sie in den Sessel zurück.

„Hey, was soll das?“, rief Claire überrascht. „Was ist denn mit dir los?“

„Bleib sitzen“, blaffte er. Er stand vor ihr und blickte auf sie herunter.

Irgendwas stimmte nicht und sie hatte es von Anfang an gewusst.



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