E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Gibbs Spion auf Probe
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8387-5986-9
Verlag: Baumhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
ISBN: 978-3-8387-5986-9
Verlag: Baumhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
Spion sein - das war schon immer Bens größter Traum. Als eines Tages ein waschechter Geheimagent vor ihm steht und ihm eröffnet, dass er ab sofort die CIA-Spionage-Schule besuchen darf, ist der 13-Jährige völlig aus dem Häuschen!
Klar, er ist ziemlich intelligent und kann super mit Zahlen umgehen, aber als Sportskanone würde er sich nicht bezeichnen. Und Ben lernt ziemlich schnell, dass es gar nicht so leicht ist, ein Spion zu sein ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Rekrutierung Das Haus der Familie Ripley
2107 Rockingbird Road
Vienna, Virginia
16. Januar
15:30 Uhr »Hallo, Ben«, sagte der Mann in unserem Wohnzimmer. »Mein Name ist Alexander Hale. Ich arbeite für die CIA.« Und von da an wurde mein Leben interessant. Bis dahin war es das nicht gewesen. Ganz und gar nicht. Der Tag heute war ein erstklassiges Beispiel: Tag 4583, sieben Monate im dreizehnten Jahr meines irdischen Lebens. Ich habe mich aus dem Bett geschleppt, gefrühstückt, bin zur Schule gegangen, habe mich im Unterricht gelangweilt, Mädchen nachgeglotzt, die anzusprechen mir zu peinlich war, habe mittags was gegessen, mich beim Sport abgerackert, bin in Mathe eingeschlafen, von Dirk dem Penner genervt worden und mit dem Bus nach Hause gefahren. Und dort saß der Mann im Smoking auf der Couch. Nicht eine Sekunde habe ich daran gezweifelt, dass er ein Spion ist. Alexander Hale sah genauso aus, wie ich mir Spione immer vorgestellt habe. Vielleicht ein kleines bisschen älter – er schien so um die fünfzig zu sein –, aber immer noch gut gestylt und total lässig. Am Kinn hatte er eine kleine Narbe, ich nahm an, von einer Kugel oder vielleicht auch von etwas Exotischerem wie einer Armbrust. Er erinnerte mich an James Bond, und ich konnte mir vorstellen, wie er auf dem Weg hierher in eine Verfolgungsjagd verwickelt war und die Bösen ausgeschaltet hatte, ohne einen Tropfen Schweiß zu vergießen. Meine Eltern waren nicht zu Hause. Das waren sie nie, wenn ich aus der Schule kam. Offensichtlich hatte Alexander »sich selbst reingelassen«. Das Fotoalbum von unseren Ferien in Virginia Beach lag aufgeschlagen vor ihm auf dem Couchtisch. »Stecke ich in Schwierigkeiten?«, fragte ich. Alexander lachte. »Wie denn? Du hast in deinem ganzen Leben noch nichts Falsches gemacht. Es sei denn, du zählst das eine Mal dazu, als du Dirk Dennetts Cola mit Abführmittel angereichert hast – und ehrlich gesagt, der Typ hatte das mal gebraucht.« Überrascht riss ich die Augen auf. »Woher wissen Sie denn das?« »Ich bin ein Spion. Es ist mein Job, Dinge zu wissen. Hast du was zu trinken da?« »Äh … Klar.« Im Geist ging ich schnell alles durch, was wir an Trinkbarem im Haus hatten. Auch wenn ich keine Ahnung hatte, was dieser Mann hier zu suchen hatte, wollte ich ihn unbedingt beeindrucken. »Meine Eltern haben hier jede Menge Zeug. Was hätten Sie gerne? Einen Martini?« Alexander lachte wieder. »Wir sind hier nicht im Kino, Junge. Ich bin im Dienst.« Ich wurde rot und kam mir blöd vor. »Oh. Richtig. Wasser?« »Ich dachte eher an so was wie einen Energydrink. Etwas mit Elektrolyten, nur für den Fall, dass ich plötzlich in Aktion treten muss. Auf dem Weg hierher hatte ich ein paar unerwünschte Typen zu beseitigen.« »Unerwünschte?« Ich versuchte so cool zu klingen, als würde ich jeden Tag über solche Sachen sprechen. »Welche Art von …?« »Tut mir leid, diese Information ist geheim.« »Natürlich. Ich verstehe. Rockstar?« »Das wäre großartig.« Ich flitzte in die Küche. Alexander kam hinterher. »Das Büro hat dich schon eine ganze Weile im Auge.« Verblüfft blieb ich vorm Kühlschrank stehen, die Tür schon halb geöffnet. »Warum?« »Zunächst mal hast du uns darum gebeten.« »Hab ich das? Wann denn?« »Wie oft bist du auf unserer Internetseite gewesen?« Ich verzog das Gesicht und kam mir wieder blöd vor. »Siebenhundertachtundzwanzigmal.« Alexander wirkte ein winziges bisschen überrascht. »Das stimmt genau. Normalerweise hast du nur die Spiele auf der Kinderseite gespielt, in denen du übrigens sehr gut warst, aber du bist auch regelmäßig auf die Karriereseite gegangen. Demzufolge hast du an eine Laufbahn als Spion gedacht. Und wenn du Interesse an der CIA zeigst, dann interessiert sich die CIA auch für dich.« Alexander zog einen dicken Umschlag aus der Innentasche seines Smokings und legte ihn auf den Küchentisch. »Wir waren beeindruckt.« Der Umschlag trug die Aufschrift Nur zur persönlichen Übergabe an Mr Benjamin Ripley. Er war mit drei Sicherheitssiegeln verschlossen, für eines davon war definitiv ein langes, scharfes Messer nötig. Im Umschlag steckte ein dicker Stapel Papier. Auf dem ersten Blatt stand nur der Satz: Nach dem Lesen ist das Dokument umgehend zu vernichten. Auf dem zweiten Blatt ging es los: Lieber Mr Ripley, es ist mir eine große Ehre, Sie mit sofortiger Wirkung in die Akademie für Spionage der Central Intelligence Agency aufzunehmen. Ich legte den Brief auf den Tisch, gleichzeitig benommen, aufgeregt und durcheinander. Mein ganzes Leben lang hatte ich davon geträumt, Spion zu werden. Und doch … »Du hältst das für einen Witz«, sagte Alexander, der offensichtlich meine Gedanken lesen konnte. »Also … ja. Ich hab noch nie von einer Spionageakademie der CIA gehört.« »Das liegt daran, dass sie streng geheim ist. Aber ich kann dir versichern, es gibt sie. Ich selbst habe da meinen Abschluss gemacht. Eine prima Einrichtung, dazu bestimmt, heute die Agenten von morgen auszubilden. Meinen Glückwunsch!« Alexander hob sein Glas und ließ ein strahlendes Lächeln aufblitzen. Ich stieß mit ihm an. Er wartete, bis ich etwas getrunken hatte, ehe er selbst einen Schluck nahm. Ich vermutete, dass man sich das angewöhnt, wenn man immerzu damit rechnen muss, von jemandem vergiftet zu werden. Ich sah kurz mein Spiegelbild in der Mikrowelle hinter Alexander, und Zweifel überkamen mich. Es schien mir unmöglich, dass er und ich von derselben Organisation ausgewählt worden waren. Alexander war gut aussehend, sportlich, gebildet und cool. Ich nicht. Wie könnte ich denn geeignet sein, für die Sicherheit auf der Welt zu sorgen, wenn ich mir allein in dieser Woche schon dreimal mein Essensgeld hatte abnehmen lassen? »Aber wie …?«, fing ich an. »Kommst du in die Akademie, wenn du dich nicht mal beworben hast?« »Äh, ja.« »Bewerbungen dienen nur dazu, der Einrichtung oder Firma, bei der du dich bewirbst, zu erzählen, wer du bist. Die CIA hat aber bereits alle Informationen über dich, die sie braucht.« Alexander zog sein Smartphone aus der Hosentasche und guckte etwas nach. »Zum Beispiel: Du bist ein glatter Einserschüler, der drei Sprachen spricht und dessen Mathefähigkeiten auf Stufe 16 stehen …« »Was heißt das?« »Was ist 98261 mal 147?« »14444367«, antwortete ich sofort. Darüber musste ich gar nicht nachdenken. Ich habe eine Begabung für Mathematik – und deshalb auch die verblüffende Fähigkeit, in Zahlen zu denken, auch wenn mir lange Zeit nicht klar war, dass das etwas Besonderes ist. Ich dachte, jeder könnte verzwickte mathematische Gleichungen im Kopf lösen oder sofort berechnen, wie viele Tage, Wochen oder Minuten er schon auf der Welt ist. Ich war 3832 Tage alt, als ich das Gegenteil herausfand. »Genau das ist Stufe 16«, sagte Alexander und blickte wieder auf den Bildschirm. »Laut unseren Unterlagen hast du auch die StF-Prüfungen blendend bestanden, kennst dich sehr gut mit Informatik aus, und du bist mächtig hingerissen von einer Miss Elizabeth Pasternak, obwohl sie traurigerweise keine Ahnung davon zu haben scheint, dass es dich überhaupt gibt.« Das hatte ich von Elizabeth auch schon vermutet, doch es bestätigt zu bekommen, schmerzte doch etwas. Und wenn es von der CIA kam, nicht weniger. Also versuchte ich, das Thema zu wechseln. »StF-Prüfungen? Ich kann mich nicht erinnern, so was gehabt zu haben.« »Kannst du auch nicht. Du hast ja nicht mal gemerkt, dass du sie abgelegt hast. Standardisierte textverbundene Fragen: StF. Die CIA platziert sie in praktisch jeder Klassenarbeit, um eine potenzielle Spionagebegabung zu überprüfen. Seit der dritten Klasse hast du alle richtig beantwortet.« »Sie fügen ihre eigenen Fragen in unsere Klausuren ein? Weiß das Bildungsministerium das denn?« »Das bezweifele ich. Außer von Erziehung verstehen die sonst kaum etwas.« Alexander stellte sein leeres Glas in das Spülbecken und rieb sich aufgeregt die Hände. »Also, genug geplaudert. Packen wir jetzt deine Sachen, ja? Du hast heute noch viel vor dir.« »Sie meinen, wir fahren jetzt?« Bereits auf halbem Weg zur Treppe wandte sich Alexander zu mir um. »Du hast mit hundert Prozent Auffassungsvermögen bei deinen StFs gepunktet. Welchen Teil von ›mit sofortiger Wirkung‹ hast du nicht verstanden?« Ich stotterte ein bisschen herum, da gab es noch unzählige Fragen, die mir durch den Kopf schwirrten und darum kämpften, alle auf einmal gestellt zu werden. »Ich … ähm … also … Warum soll ich packen? Wie weit ist es bis zu dieser Akademie?« »Ach, überhaupt nicht weit. Nur gerade über den Potomac River. Aber ein Spion zu werden, bedeutet viel Arbeit, daher ist es erforderlich, dass alle Schüler auf dem Akademiegelände wohnen. Deine Ausbildung dauert sechs Jahre, beginnt mit dem, was der siebten Klasse entspricht, und geht bis zur zwölften. Dementsprechend bist du jetzt im ersten Jahr.« Und damit nahm Alexander die Treppe nach oben zu meinem Zimmer. Als ich zwanzig Sekunden später reinkam, hatte er schon meinen Koffer...




