Gilden Star Trek - The Next Generation: Baldwins Entdeckungen
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11541-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11541-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eric Baldwin ist der berühmteste Exologe der Föderation, ein Spezialist für fremde Lebensformen, und seit ihrer gemeinsamen Studienzeit ein enger Freund von Captain Picard. Durch seine Entdeckungen hat Baldwin sich jedoch auch erbitterte Feinde geschaffen, und während eines Fluges wird ein Mordanschlag auf ihn verübt. Wesley Crusher bereitet sich mithilfe des Holo-Decks auf der Enterprise auf seine zukünftigen Aufgaben vor. Dazu hat er ein Programm geschrieben, das ihn mit besonders aggressiven Aliens konfrontiert. Als er, Picard und Data dieses Programm testen, wird aus der Simulation eine das ganze Raumschiff bedrohende Wirklichkeit.
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Prolog
PERSÖNLICHES LOGBUCH VON WESLEY CRUSHER, STERNZEIT 43747.3:
Beim Offizierskurs scheine ich kaum Fortschritte zu erzielen. Mit Naturwissenschaften und Mathematik komme ich gut zurecht, ebenso mit allen anderen Fächern, bei denen es auf logisches Denken ankommt. Aber wenn es um Kommando-Aufgaben geht, scheint mir das ›gewisse Etwas‹ zu fehlen.
Commander Riker meint, ein guter Offizier und Kommandant verlässt sich auch auf seine Intuition. Meistens ist folgendes der Fall: Je mehr Bedeutung ein bestimmtes Problem hat, desto weniger Daten stehen zur Verfügung. Nun, der Erste Offizier vertritt folgende Ansicht: Poker bietet bessere Voraussetzungen als Schach, um die Fähigkeit zu erlernen, richtige Entscheidungen zu treffen. Vielleicht sollte ich es bedauern, ein guter Schachspieler zu sein.
Ich habe noch einen wichtigen Hinweis von Commander Riker bekommen: Captain Picard neigt dazu, sich immer streng an die Vorschriften zu halten; aber er ist nur deshalb so erfolgreich, weil er weiß, wann es dem Instinkt zu vertrauen gilt. Weil er mit dem Unerwarteten rechnet. Als ich Data davon erzählte, antwortete der Androide, es sei per definitionem unmöglich, mit dem Unerwarteten zu rechnen. Manchmal nimmt Data alles zu wörtlich.
Als Maschine fehlt ihm Intuition. Das behauptet er jedenfalls. Andererseits: Er ist eine sehr komplexe Maschine, und die vielen Schaltkreise in seinem positronischen Gehirn – ihre Anzahl reicht an die der Synapsen im menschlichen Hirn heran – ermöglichen es ihm, ein Verhalten zu offenbaren, das auf intuitivem Denken zu beruhen scheint. Müssen sich Anschein und Realität immer voneinander unterscheiden? Wie soll man Gewissheit erlangen? Niemand ist imstande, mir zufriedenstellende Antworten auf diese Fragen zu geben, weder meine Mutter noch Riker oder Geordi. Nicht einmal Data.
Es bleibt mir nichts anderes übrig, als zu glauben, dass man Intuition lernen kann. Und wenn ich aus irgendeinem Grund nicht dazu in der Lage bin: dann muss ich genug Erfahrungen sammeln, um den Anschein von Intuition zu erwecken. Doch wie sammelt man Kommando-Erfahrungen? Es fiel mir schwer genug, Captain Picard davon zu überzeugen, dass ich auf die Brücke gehöre. Wenn ich ihn jetzt darum bitte, mir den Befehlsstand zu überlassen … Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass er mir einen solchen Wunsch erfüllt, dürfte ziemlich gering sein. In diesem Zusammenhang habe ich nur zwei Chancen: fast keine und gar keine. (Ein Scherz. Vielleicht erzähle ich Data davon, um zu sehen, wie er reagiert. Er weiß immer eine Gelegenheit zu schätzen, den ihm nach wie vor unverständlichen menschlichen Humor zu untersuchen.)
Es kommt natürlich nicht in Frage, die Enterprise zugunsten der Starfleet-Akademie aufzugeben. Ich weiß, früher oder später muss ich dieses Raumschiff verlassen, aber …
»Mr. Crusher zur Brücke«, tönte es aus dem Interkom-Lautsprecher. Wesley erkannte Commander Rikers Stimme und lächelte.
Vor drei Tagen hatte die Enterprise den Sektor Omega Triangulae erreicht, um hier nach dem Ursprung von Signalen Ausschau zu halten, die vermutlich von unbekannten Intelligenzen stammten – sie waren zu regelmäßig, um ihre Existenz einem natürlichen Phänomen zu verdanken. Wie sich herausstellte, war die Quelle der Signale nicht etwa punktförmig, sondern eine Art Wolke, die in Bewegung zu sein schien. Spezialisten nahmen Sensorsondierungen vor und erledigten jene langweilige Routinearbeit, aus der ein großer Teil der Forschung bestand. Commander Riker hatte Wesley versprochen, ihm Bescheid zu geben, wenn sich etwas Interessantes ergab.
Aufgeregt berührte der Junge seinen Insignienkommunikator. »Ich bin unterwegs.« Er betätigte ein Schaltelement des Recorders und entnahm dem Gerät einen isolinearen Chip, der als Speichermedium für sein persönliches Logbuch diente. Dann verließ er die Kabine und eilte zur Brücke.
Captain Jean-Luc Picard sah zum großen Wandschirm, obwohl er derzeit nur das All zeigte. Seine Gedanken glitten fort von ihrer Mission und den damit in Zusammenhang stehenden Hinweisen des Androiden, wandten sich statt dessen der Schönheit des Weltraums zu. Er glaubte, eine hypnotische Aura zu spüren, die vom Kosmos ausging – vielleicht gehörte dieser Umstand zu den Gründen, die ihn zu einer beruflichen Laufbahn bei Starfleet veranlasst hatten.
Die Psychologen auf der Erde kannten einen Zustand des Denkens und Empfindens, den sie als ›Tiefeneuphorie‹ bezeichneten. Zunächst bezog sich dieser Begriff auf die Ekstase, die manche Menschen empfanden, wenn sie in große, tiefe Löcher sahen, zum Beispiel in den Grand Canyon von Nordamerika. Im All gewann dieses Syndrom eine noch stärkere Ausprägung: Viele Rekruten fühlten sich versucht, durch den Wandschirm in die Leere zwischen den Sternen zu springen. Manchmal verlor jemand die Kontrolle über sich, und dann mochte eine gebrochene Nase die Folge sein.
Rechts von Picard saß Commander William Riker, der Erste Offizier. Riker kniff die Augen zusammen und nickte langsam, beantwortete sich damit eine Frage, die sich offensichtlich auf seine Überlegungen bezog. Er konnte recht temperamentvoll sein, und manchmal neigte er auch dazu, voreilige Schlüsse zu ziehen, aber ihm waren auch hervorragende analytische Fähigkeiten zu eigen, und deshalb erwiesen sich seine Schlussfolgerungen meistens als richtig. Was das Temperament betraf … Nun, es gab Schlimmeres.
Links vom Captain saß Counselor Troi und trug ein blaues Gewand, das kaum den Vorschriften entsprach. Sie wirkte vollkommen entspannt, doch in ihren großen Augen zeigte sich waches Interesse an den Vorgängen um sie herum. Eine ihrer Aufgaben bestand darin, empathische Eindrücke zu gewinnen, wenn keine konkreten Daten zur Verfügung standen. Gelegentlich weitete sich ihre Empathie zu Sympathie und Mitgefühl aus, was jedoch nicht unbedingt ein Nachteil sein musste – in manchen Fällen hatte es sich sogar als ein Segen erwiesen. Picard wusste ihre Hilfe sehr zu schätzen.
»Das Objekt kommt mit Warp sechs näher«, meldete Data. »Geschätzte Zeit bis zum Kontakt: sieben Komma vier drei Minuten.«
»Nehmen Sie eine Kursanpassung vor, Winston-Smyth«, sagte Riker.
»Aye, Sir.« Die Blondine berührte eine Sensorfläche auf ihrem Pult.
Picard blickte zum hinteren Turbolift, als sich die Tür mit einem leisen Zischen öffnete. »Bitte übernehmen Sie die Navigation, Mr. Crusher.«
»Aye, Sir.« Wesley schritt rasch zu seiner Station. Fähnrich Winston-Smyth überließ ihm die Konsole und ging zur Einsatzkontrolle hinter Lieutenant Worf.
Datas Kopf kippte ein wenig zur Seite. »Seltsam«, kommentierte er und änderte die Justierung seines Pults. »Das Objekt fliegt mit Warp sechs, aber nichts deutet auf ein aktives Warptriebwerk hin.«
»Wir haben es mit fremden Wesen zu tun, Commander, mit wahren Aliens«, erklang eine Stimme hinter Picard. »Bei solchen Begegnungen ist all das möglich, was die Gesetze des Universums nicht ausdrücklich verbieten.«
Picard verzichtete darauf, sich umzudrehen. Er wusste, wer neben Worf stand: ein Starfleet-Lieutenant namens Shubunkin. Er war Spezialist für Erstkontakte. Die frühe Phase in der Geschichte der Föderation bot viele Beispiele dafür, dass Völker beim Weg ins All einfach übereinander stolperten, und dabei kam es immer wieder zu Krisen, die auf Missverständnissen beruhten. Das Ergebnis konnte Feindseligkeit und sogar Krieg sein – manchmal dauerte es Jahre, solche Probleme zu lösen. Deshalb brauchte man Spezialisten, die den ersten Schock milderten.
Riker blickte über die Schulter hinweg zu Lieutenant Shubunkin. »Meiner Ansicht nach ist es nicht notwendig, die Dinge aus einer metaphysischen Perspektive zu sehen. Aliens unterscheiden sich von uns – daher ihre Fremdartigkeit.«
Picard unterdrückte ein Lächeln. Sein Erster Offizier war aufgeschlossen und tolerant, doch Shubunkins subtile Arroganz ging ihm gegen den Strich.
»Jetzt ist eine visuelle Darstellung des Objekts möglich«, berichtete Data.
»Auf den Schirm«, sagte Picard.
Das Bild im großen Projektionsfeld erzitterte ganz kurz, und dann sah der Captain einen hellen Fleck im Zentrum der Darstellung. Form und Größe deuteten darauf hin, dass es sich nicht um einen Stern handelte.
»Vergrößerungsstufe fünf«, ordnete Riker an.
Wenige Sekunden später zeigte der Schirm ein Raumschiff, wie es Picard noch nie zuvor gesehen hatte. Vergeblich hielt er nach Triebwerken Ausschau, nach Sensoren oder Fenstern. Die Außenhülle schien völlig glatt zu sein.
»Sieht aus wie eine Träne«, meinte Riker.
»Eine angemessene Beschreibung, Sir«, entgegnete Data. »Die Stromlinienform lässt vermuten, dass jenes Objekt nicht nur für Reisen im All bestimmt ist, sondern auch für Flüge innerhalb von Atmosphären. Darüber hinaus verifiziere ich es als Ausgangspunkt der Signale.«
Data berührte eine Schaltkomponente und aktivierte damit die akustische Wiedergabe der Sendung. Es klang nach Insekten, die auf den Musikinstrumenten von Insekten spielten. Picard hörte keine erkennbare Melodie, und die Computeranalyse bestätigte das Fehlen einer klaren akustischen Struktur. Trotzdem: Die Geräusche waren nicht unangenehm, entfalteten eine entspannende Wirkung. Wer verursachte sie? Und welche Bedeutung verbarg sich in ihnen?
»Das genügt, Mr. Data.«
»Aye, Sir.« Unmittelbar darauf herrschte...




