Gilmore | Der italienische Prinz und die Tänzerin | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: CORA Verlag

Gilmore Der italienische Prinz und die Tänzerin


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7337-1020-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: CORA Verlag

ISBN: 978-3-7337-1020-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ihr fehlt Leidenschaft beim Tanzen? Getroffen von der Kritik des Balletmeisters flieht die zarte Posy auf die Isola dei Fiori. Hier hat sie von ihrer Tante die Villa Rosa geerbt. Auch eine Bucht gehört dazu - wo Posy bei einem abendlichen Bad auf einen unverschämt attraktiven Mann trifft. Zum ersten Mal erfährt sie, was das wirklich ist: atemberaubende, berauschende Hingabe. Sie ahnt nicht, wer ihr geheimer Liebhaber ist: Kronprinz Nico Del Castro, der so schnell wie möglich eine Zweckehe eingehen muss - und seine Braut gefunden hat!



Jessica Gilmore hat in ihrem Leben schon die verschiedensten Jobs ausgeübt. Sie war zum Beispiel als Au Pair, Bücherverkäuferin und Marketing Managerin tätig und arbeitet inzwischen in einer Umweltorganisation in York, England. Hier lebt sie mit ihrem Ehemann, ihrer gemeinsamen Tochter und dem kuschligen Hund - Letzteren können die beiden Katzen, die auch noch zur Familie gehören, jedoch nicht ausstehen. Obwohl Jessica immer sehr eingespannt ist, schreibt sie so viel sie kann. Sie verkriecht sich auch gerne selbst hinter einem Buch, um zu entspannen. Wenn sie gerade mal nicht arbeitet, liest, schreibt oder vergeblich versucht, das Haar ihrer Tochter zu zähmen und zu einem perfekten Ballerina-Dutt hochzustecken, plant sie am liebsten Urlaube, die sie eines Tages machen möchte. Bis sie ihre Traumreiseziele selbst entdecken kann, nutzt sie diese Orte für ihre Romane. Ihre beliebten Sommerromanzen versprühen nicht nur Sonne im Herzen, sondern regen zu tiefen Emotionen und so manchem Lacher an.
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1. KAPITEL

Posys Wangen schmerzten, aber ihr Lächeln hielt. Sie zuckte mit keiner Wimper, während ein dünnes Schweißrinnsal über ihre Stirn lief und ein anderes quälend langsam entlang ihrer Wirbelsäule den Rücken hinunter. Ihre Muskeln flehten um Gnade, doch sie rührte sich keinen Millimeter – ein Bein gebeugt, einen Arm weit ausgestreckt, den Kopf im Nacken, den Blick starr auf die jubelnde Menge gerichtet.

Standing Ovations! Alle waren auf den Beinen, Bravo-Rufe schallten durchs Auditorium, während üppige Blumenbuketts auf der Bühne abgelegt wurden.

Wie mochte es sich anfühlen, an Darias Stelle zu sein? fragte sich Posy, während die Primaballerina Luftküsse ins ekstatische Publikum warf, im Wissen, dass all der Jubel allein ihr galt. Was für ein Privileg, in einem brandneu inszenierten Ballett zu tanzen, das speziell für eine Person choreografiert worden war und das kritische Londoner Publikum dazu verführte, einem zu Füßen zu liegen.

Daria und sie hatten vor Jahren zusammen in der Ballettschule angefangen, als einzige Elevinnen ihres Jahrgangs, die es in die Company geschafft hatten. Und jetzt stand Daria vorn auf der Bühne, während sie selbst in der Balletttruppe im Hintergrund tanzte.

Aber sie würde die Hoffnung nicht aufgeben, bevor die Prüfungsergebnisse bekannt gegeben wurden. Vielleicht war sie in diesem Jahr ganz vorn mit dabei und bekam ein paar kleinere Solorollen. Und damit möglicherweise die Chance, zur Primaballerina aufzusteigen und so weiter und so weiter … bis zur Theaterchefin.

Aber mit Vierundzwanzig, fünf Jahre nach ihrem Abschluss an der Akademie, würde es mehr als nur ein Quäntchen Glück erfordern.

Andererseits … dachte Posy mit zusammengebissenen Zähnen, würden Tausende von Ballettelevinnen alles dafür geben, jetzt an meiner Stelle zu sein. Selbst, wenn der Schweiß wie glühende Lava in ihren geschminkten Augen brannte. Ihr aber reichte es nicht, wie weit sie bisher gekommen war. Sie wollte mehr.

Nachdem der letzte Vorhang endlich gefallen war, hielt Posy sich länger als gewöhnlich im Bühnenhintergrund auf. Ruhig verharrte sie in einer Ecke, während die anderen Tänzer aufgeregt durcheinanderschnatterten. Die Bühnenarbeiter begannen, die Kulissen abzubauen und in der Requisite zu verstauen.

Wie stets nach den Samstagabendvorstellungen herrschte eine ganz besondere Unruhe, voller Erwartung auf wohlverdiente Freizeit, da sonntags kein Unterricht stattfand. So konnten sich auch die Tänzer zwischen die Touristen aus aller Welt mischen, die mit einbrechender Dunkelheit in den Covent Garden strömten, um dort in einem der angesagten Clubs den Tag ausklingen zu lassen.

Aber Posy konnte ihre Entmutigung einfach nicht abschütteln und so wartete sie, bis der Backstage-Bereich sich geleert hatte, bevor sie sich zum Aufbruch rüstete. Als sie die Garderobe erreichte, die sie sich mit anderen Tänzerinnen teilte, war sie verwaist, abgesehen von Make-up und Haarbürsten auf den Tischen vor der Spiegelwand, abgestreiften Strumpfhosen auf dem Boden und Ballettschuhen, die sich in einer Ecke stapelten. Auf einer langen Stange hingen Kostüme, die bis zur nächsten Aufführung gereinigt und repariert werden mussten.

Mit einem Seufzer sank Posy auf ihren Stuhl und mied den Blick in den hell erleuchteten Spiegel. Sie wollte weder das verwischte Bühnen-Make-up sehen noch ihre für gewöhnlich üppige dunkle Haarmähne, die sie seit Jahren als fest gezwirbelten Ballettknoten im Nacken trug. Oder ihre durch hartes Training muskulöse und zugleich hagere Schulterpartie, die ihre Schlüsselbeine prominent zur Schau stellte.

Ihr Make-up juckte und fühlte sich klebrig auf der Haut an, die Schultern schmerzten und die Knöchel waren geschwollen, genau wie ihre Füße.

Doch wie lautete das oberste Gebot? Lächeln und Mühelosigkeit ausstrahlen, auch wenn man das Gefühl hatte, im nächsten Moment ohnmächtig umzusinken. Heute Abend erschienen ihr die Spitzenschuhe besonders eng und die geschnürten Bänder schnitten ihr ins zarte Fleisch. Es dauerte ihr viel zu lange, sie zu lösen, um den schmerzhaften Druck zu lindern. Posy verzog das Gesicht, während sie vorsichtig gequetschte Zehen und überdehnte Fußgelenke bewegte. Normalerweise nahm sie jeden Stich gelassen hin. Normalerweise …

„Du siehst deprimiert aus, Chérie.“

Posy fuhr zusammen. Sie hatte angenommen, dass alle gegangen waren. Bevor sie den Kopf wandte, zwang sie sich zu einem sorglosen Lächeln. „Hallo, Elise“, begrüßte sie ihre französische Kollegin. „Keine Sorge, mir geht es gut. Nur ein kleiner Ende-der-Saison-Blues, wie üblich.“

Ballettlehrer, Choreografen und Solisten standen bereits in den Startlöchern für eine Australientour, nach der sie auseinanderdriften würden, um Gastauftritte in unterschiedlichen Ensembles wahrzunehmen. Für alle, die über keine internationale Reputation verfügten, dehnte sich die Sommerpause entsprechend länger und ereignisloser aus.

Posy füllte die Zwangspause mit Unterrichtsstunden in Sommerschulen, inklusive Extrakursen und nahm auch sonst jeden Job an, der weitestgehend etwas mit ihrer Passion zu tun hatte. Sie wusste, dass sie als angestellte Tänzerin mit festem Gehalt besser dran war als viele andere, trotzdem erschienen ihr die Wochen und Monate ohne ihre übliche Routine irgendwie verloren.

Elise schnalzte leise mit der Zunge und ließ sich anmutig auf dem Stuhl neben Posy nieder. „Also, ich freue mich über den Break, so heißt das doch hier in London, oder?“, fragte die zierliche Französin mit breitem Lächeln. „Ich dachte, dir geht es genauso. Hast du nicht ein eigenes Ferienhaus in Italien?“

Posy hob die Schultern. Sie wusste, dass sie mehr Enthusiasmus wegen der unverhofften Erbschaft ihrer Patentante hätte zeigen müssen, aber ihr letzter Aufenthalt auf der Isola dei Fiori hatte sie ernüchtert. Anlässlich der spontanen Hochzeit ihrer Schwester Miranda, die sie in der Villa Rosa gefeiert hatten, war sie schon überwältigt gewesen – allerdings eher vor Panik als vor Entzücken. Die riesige Villa war früher ein echtes Prunkstück gewesen. Jetzt war der Lack sozusagen ab, der Glanz verblichen, die Bausubstanz zweifelhaft und der Garten sicher immer noch ziemlich verwildert, trotz Immis tapferer Bemühungen. Es würde ein Vermögen kosten, alles instand zu setzen.

Ein Vermögen, das sie nicht besaß.

„Irgendwann in diesem Sommer werde ich bestimmt noch einmal hinfahren, aber momentan ist Imogen dort und ich bin nicht sicher, ob sie auf Gesellschaft aus ist.“ Seltsamerweise war die Villa in den letzten Monaten für ihre drei Schwestern so etwas wie ein Zufluchtsort gewesen. Für sie alle schien es ein Jahr der Neuorientierung zu sein: zuerst für Miranda oder Andie, wie alle sie nannten, dann für Portia und jetzt Immi.

Posy wusste, dass es keinen triftigen Grund gab, warum sie nicht gleichzeitig mit ihrer Schwester in der Villa sein sollte, aber die Jahre in der Ballettschule hatten sie irgendwie zum Außenseiter in ihrer eigenen Familie gemacht.

„Wenn ich ein Haus am Meer hätte, würde ich auf der Stelle dorthin fliegen und wahrscheinlich nie wieder zurückkommen.“ Elise musterte Posy mit scharfem Blick. „Es sei denn, du hast einen ganz bestimmten Grund, weshalb du unbedingt hier rumhängen willst?“

Posy zog umständlich eine Haarnadel nach der anderen aus ihrem Knoten, um Elise nicht ansehen zu müssen. „Ich will lieber in der Nähe bleiben, falls jemand während der Tournee krank wird oder sich verletzt und sie einen Ersatz brauchen. Ich hasse die Vorstellung, meine Chance zu verpassen, nur weil ich mich in der Weltgeschichte herumtreibe.“

„Posy, wie lange tanzen wir jetzt schon zusammen? Drei Jahre?“

Sie schluckte wegen Elises ungewöhnlich ernstem Ton und nickte dann.

„In dieser Zeit wurde keine von uns gebeten, irgendetwas zu zeigen oder zu tun, was uns aus der hinteren Reihe geholt hätte, während Neuzugänge Duette, Solos und Charakterrollen bekommen haben.“

Gequält kniff Posy die Augen zusammen, weil sie die bittere Wahrheit nicht leugnen konnte. „Aber das muss doch nicht bedeuten, dass wir nie …“

„Nicht!“, unterbrach Elise sie scharf. „Tu dir das nicht an. Ich bin jedenfalls nicht Tänzerin geworden, um als dekoratives Hintergrundbild zu fungieren.“

„Was … was meinst du damit?“

„Ich gehe weg. Ich habe mich einer Tanz-Tournee angeschlossen.“

Posy starrte Elise aus aufgerissenen Augen an. „Du willst schäbige Garderoben und Bühnen in wechselnden Kleinstädten gegen die Geschichte und Reputation des London Ballet eintauschen? Warum?“

„Um zu tanzen“, erwiderte Elise schlicht. „Ich bin als erste Solistin engagiert, und kann mit Chance im nächsten Jahr zur Theaterchefin aufsteigen. Im Herbst werde ich die Clara und Aurora tanzen, und wenn ich hart an mir arbeite, vielleicht auch Odette/Odil in Schwanensee. Ich verdiene das. Warum kommst du nicht mit? Ich weiß, dass sie sofort zugreifen würden, wenn du …“

Doch Posy schüttelte abwehrend den Kopf. Sie gehörte hierher und nirgendwo anders. Das war die Bühne, die sie erobern wollte. „Ich kann nicht. Aber ich wünsche dir alles Glück der Welt, wenn es das ist, was du wirklich willst.“

Elise lachte. „Was ich wirklich will, ist ein hübscher Prinz, der mich vor sich auf sein weißes Pferd wirft und von all dem wegholt. Aber da so etwas im wirklichen Leben nicht passiert, will ich wenigstens tanzen. Posy,...



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