Giovanni | Adria mortale - Tödliches Tonikum | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Reihe: Lübbe

Giovanni Adria mortale - Tödliches Tonikum

Kriminalroman
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-4233-7
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Reihe: Lübbe

ISBN: 978-3-7517-4233-7
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sommer an der Adria - und eine Leiche vor der Kirchentür

Früher Morgen in Pesaro del Monte piccola cattolica. Ein heißer Tag kündigt sich an, doch der junge Mann, der halb aufgerichtet vor der Kirchentür sitzt, ist kalt. Aus seiner Brust ragt der Griff einer Waffe. Geistesgegenwärtig wird Pensionswirtin Federica Pellegrini geholt. Sie kennt sich mit Verbrechen aus und hat einen guten Draht zu Commissario Garibaldi, der die Ermittlungen übernimmt. Rasch beginnt die Gerüchteküche im Dorf zu brodeln: Warum nur musste der 18jährige Aniello sterben? Angesichts der wilden Mutmaßungen beschließt Federica - sehr zum Missfallen des Commissario -, dass hier nur eine helfen kann: sie selbst. Aber einen Mörder fangen zu wollen kann gefährlich werden ...



Margherita Giovanni ist ein Pseudonym der Autorin Brigitte Pons. Sie lebt in der Nähe von Frankfurt/Main, schreibt Romane und Kurzgeschichten und ist immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Als Isabella Esteban erzählt sie in einer Krimireihe von ihrer Lieblingsstadt Barcelona, ihre Odenwald-Krimireihe um Ermittler Frank Liebknecht erscheint im digitalen Programm von Bastei Lübbe.
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Kapitel 2


Die Giulietta wirbelte Staub auf. Mehr im übertragenen als im wörtlichen Sinn. Ein Raunen ging von Mund zu Mund, als der schnittige Alfa Romeo vor der Amtsstube einschwenkte und der Commissario aus Pesaro ausstieg. Dabei waren großspurige Auftritte überhaupt nicht sein Ding.

Lorenzo Garibaldi hängte die Ledertasche um, deren Riemen er über den Kopf zog, sodass sie an seiner Seite baumelte, dann rückte er den Krawattenknoten unterm Hemdkragen gerade. Er war unrasiert, was ihm missfiel, der Schatten auf Kinn und Wangen entsprach nicht seiner Vorstellung eines angemessenen Erscheinungsbildes im Dienst. Die zerknautschten Hemdsärmel verbarg er unter seinem Jackett. Lorenzo schob den Unterkiefer vor, setzte eine undurchdringliche, leicht blasierte Miene auf und schritt erhobenen Hauptes auf die Kirche zu. Zwei bunt gestreifte Sonnenschirme mit Werbeaufdruck lagen aufgespannt zwischen dem Eingang und einer kleinen Menschenansammlung davor, was seltsam anmutete.

»Signor Commissario!« Pfarrer Don Pietro eilte ihm entgegen und streckte die Arme aus. »Dem Herrn sei es gedankt – Sie müssen geflogen sein! Seit dem Anruf in der Questura kann kaum eine Viertelstunde vergangen sein. Wie haben Sie das nur gemacht?«

Lorenzo rieb sich die Nase. Entweder gestattete Don Pietro ihm gerade, den Schein zu wahren – was er für eher unwahrscheinlich hielt –, oder der Pfarrer wusste tatsächlich nicht, dass er zuvor im Vento del mare gewesen war. Im Bett von Signora Federica Pellegrini, deren Parfumduft hauchfein an seinem Hemd haftete. Wobei Letzteres auch pure Einbildung sein konnte. Seine Sinne waren von der vergangenen Nacht noch immer ein wenig vernebelt. Hätte er mit seinem Erscheinen doch bloß noch etwas länger gewartet! Wenn er nicht wollte, dass Don Pietro anfing, über die zeitliche Diskrepanz nachzudenken, musste Lorenzo improvisieren.

»Offen gestanden bin ich eher zufällig …« Er unterbrach den lächerlichen Satz. Niemand kam zufällig auf diesen Hügel. Erst recht nicht um diese Zeit. Davon abgesehen hasste er es zu lügen, und dies vor einem Gottesmann zu tun wog doppelt schwer. »Wegen der Amaretti mit Aprikosen«, schob er halbherzig nach. Immerhin war diese Erklärung glaubhaft, und sie löste ein sofortiges Verlangen in ihm aus, denn den kleinen Köstlichkeiten aus der hiesigen Bäckerei war er tatsächlich verfallen. Doch der Pfarrer war nicht im Geringsten an seiner Ausrede interessiert.

»Ach? Na, so was. Glück im Unglück, wie man so sagt. Wobei das Unglück wahrhaft groß ist. Ein junger Mann aus dem Dorf ist tot, im Grunde noch ein Kind, erst achtzehn Jahre alt. Wir haben uns bemüht, nichts anzurühren und zu schweigen, um kein Aufsehen zu erregen. Aber Sie wissen, wie das ist … Jetzt gehen viele zur Arbeit, und der Dorfplatz liegt auf ihrem Weg. Kommen Sie, dort entlang. Lasst uns durch, liebe Leute. Der Commissario wird sich jetzt kümmern.« Don Pietro hob die Hände über den Kopf, und Lorenzo folgte dicht hinter ihm.

»Sind die Eltern schon informiert?«

»Dazu war bisher keine Gelegenheit.«

»Verstehe. Das ist in Ordnung.« Je mehr Informationen und Originalspuren er vor dem Eintreffen der Familie sammelte, desto besser. Es würde das Gespräch mit den Angehörigen erleichtern, einen Wissensvorsprung zu haben. »Warten Sie noch einen Moment damit. Und bleiben Sie beim Schweigen, auch was die Identität des Toten betrifft.«

»Nun, ich fürchte, das dürfte zu spät sein.« Besorgt wiegte der Pfarrer den Kopf hin und her.

»Dann halten Sie mir wenigstens für ein paar Minuten den Rücken frei, bis ich mir ein Bild gemacht habe. Und schicken Sie die Leute weg. Oder sind Zeugen darunter?«

»Nein, Signor Commissario. Ich war es, der Aniello fand, weit und breit war keine Menschenseele außer mir.«

Die Lage schien tatsächlich ernst, und Lorenzo hielt nach Federica Ausschau. Es würde schwierig sein, an diesem öffentlichen Platz einigermaßen in Ruhe zu arbeiten, den Zustand des Tatorts aufzunehmen und sicherzustellen, dass niemand etwas veränderte, sobald er sich umdrehte. Seine Voreingenommenheit roch nach Arroganz, basierte jedoch – ganz besonders in Pesaro del Monte piccolo Cattolica – auf Erfahrung. Er durfte sich keine Sekunde der Unaufmerksamkeit leisten. Einmal mehr wünschte er sich telepathische Fähigkeiten und eine Direktverbindung zu Spadafero. »Ich muss unbedingt Verstärkung anfordern.«

»Oh, da können Sie beruhigt sein: Das ist schon geschehen. Signora Pellegrini hat bereits mit Ihrer Dienststelle telefoniert. Darum nahm ich ja auch an, Sie seien im Bilde.«

»Signora Pellegrini? Wer hätte das gedacht.« Lorenzo behielt seine vorgetäuschte Überraschung bei.

»Sie wird Ihnen alles Weitere erklären, und ich halte Ihnen wie gewünscht den Rücken frei.«

»Grazie mille, Padre.« Das sichtlich schlechte Gewissen Don Pietros kam Lorenzo entgegen. Im Vorbeigehen erkannte er einige Gesichter von früheren Besuchen und wurde selbst argwöhnisch gemustert. Daran war er gewöhnt. Seine Anwesenheit in offizieller Funktion bedeutete selten etwas Gutes. Gemessen und distanziert grüßte er in die Runde.

»Buon giorno, Commissario Garibaldi!«

Der Bürgermeister stand im Anzug bereit und schwitzte jetzt schon. Seine Frau stieß ihm auffordernd einen Ellbogen in die Seite, und Aldo Baresi schöpfte Atem, bereit, seinen einstudierten Text zum Besten zu geben. Doch auch er musste sich gedulden. Lorenzo ignorierte den Versuch absichtlich und ging weiter. Endlich entdeckte er Federica, die ein wenig abseits neben den Schirmen an der Kirchenwand lehnte und den Rauch ihrer unvermeidlichen Nazionali in Kringeln ausstieß.

»Signora Pellegrini«, sagte Lorenzo etwas zu laut, eilte auf sie zu und reichte ihr förmlich die Hand. »Don Pietro schickt mich zu Ihnen. Sie haben in der Questura angerufen?«

Der Pfarrer war bei Maria Baresi hängen geblieben, wo er die Unhöflichkeit des Kommissars ausbügeln musste.

»Si. In seinem Auftrag«, antwortete Federica ebenso laut. Ein Verbrechen im Dorf war eine Sache, die Polizei einzuschalten eine andere. Ihr lag daran, von Beginn an vor allen Anwesenden klarzustellen, dass es diesmal nicht ihre Idee gewesen war. Obwohl sie den Anruf natürlich auch aus eigenem Antrieb getätigt hätte, weil er richtig und notwendig war. Für die Stimmung in der Dorfgemeinschaft war das jedoch nebensächlich, und ihrem Ansehen kam die kleine Politur zupass.

»Klären Sie mich auf, Signora«, bat Lorenzo und senkte dann die Stimme. »Ein Mord?«

»Oder ein Totschlag im Affekt. Wobei das Opfer nicht erschlagen wurde. Es könnte Alkohol im Spiel gewesen sein.« Sie hob die Schultern. »Es ist nicht an mir, Schlüsse zu ziehen, hat mir mal jemand beigebracht.« Genau genommen war es bei einem Versuch, sie in ihre Schranken zu weisen, geblieben. Denn auch jetzt tat sie es natürlich, wollte Lorenzos Urteil aber nicht beeinflussen. Darum behielt sie ihre Meinung und die kleinen Irritationen zunächst für sich.

»Die Schirme waren Ihre Idee? Sehr umsichtig. Sehr diskret, bis auf die Farbe.«

»Danke, Commissario.« Sie unterdrückte ein Lächeln, das der Gesamtsituation unangemessen gewesen wäre. »Wir sollten uns besser beeilen. Die Meute wird nicht lange Ruhe geben.«

»Ich habe dem Pfarrer gesagt, er soll sie wegschicken.«

»Und Sie denken, das funktioniert?«

Lorenzo packte sein Notizbuch aus, schlug eine leere Seite auf, wo er Datum und Uhrzeit in der oberen Zeile vermerkte.

Nachdenklich betrachtete Federica seine Umhängetasche. Darin steckte seine komplette kriminalistische Notfallausrüstung. Vom Schreibzeug über den Fotoapparat bis zum Chemieset für einen einfachen Blutnachweis, den sie schon mal gemeinsam mit ihm durchgeführt hatte.

»Du solltest mal deine Prioritäten überdenken«, flüsterte sie und wechselte zur vertrauten Anrede. »Sogar zu einem Rendezvous nimmst du die Tasche mit?«

»Nein, sie lag im Wagen.« Sein Gesichtsausdruck blieb ernst. »Ich bin nur immer gern vorbereitet. Zu Recht, ganz offenbar. Also: Was genau stört dich?«

»Schau es dir an.« Federica nahm einen letzten Zug, ließ die Zigarette fallen und zerdrückte sie mit der Schuhspitze. Es gefiel ihr, dass Lorenzo ihre Zweifel zwischen den Zeilen herausgehört hatte, und sie führte ihn um die improvisierte Absperrung herum. Ein weißes Leinentuch, von Cristina Iannazzo vorbeigebracht, lag gefaltet auf der Stufe. Bei aller nötigen Diskretion hatte Federica darauf bestanden, dass der Tote erst nach einer polizeilichen Begutachtung zugedeckt werden durfte. Wegen der Spuren, die unverfälscht bleiben mussten.

Von nun an gab es keine Ablenkung mehr. Garibaldi war ganz Kommissar. Federica blieb dicht an seiner Seite, beobachtete jede Bewegung, folgte seinen Augen.

An Handgelenk und Hals tastete er nach Aniellos Puls, hielt ihm dann einen Taschenspiegel unter die Nase. Eine gängige, obgleich nicht allzu aussagekräftige Methode. Der Spiegel blieb klar, wie erwartet schlug sich kein Atem mehr nieder.

»Nur der Vollständigkeit halber«, erklärte er. »Nicht jeder Stich ist gleich tödlich.« Sein Bleistift huschte über das Papier.

»Ich weiß. Darum hatte ich zuerst an Mund-zu-Mund-Beatmung gedacht, aber es gibt schon Leichenflecken.« Federica zeigte ihm eine der Stellen. »Was fällt dir sonst noch auf?«

»Abgesehen vom Messer in der Brust?«

»Falls es eins ist.« Vorsichtig schob sie den Stoff des karierten Hemdes beiseite....



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