Goddard | Dunkle Sonne - Harry Barnett ermittelt: Der zweite Fall | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 397 Seiten

Reihe: Harry Barnett

Goddard Dunkle Sonne - Harry Barnett ermittelt: Der zweite Fall

Kriminalroman
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96148-893-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 2, 397 Seiten

Reihe: Harry Barnett

ISBN: 978-3-96148-893-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Was würdest Du tun, um Dein einziges Kind zu retten? Der düstere Krimi »Dunkle Sonne« von Robert Goddard jetzt als eBook bei dotbooks. Der etwas in die Jahre gekommene Harry Barnett will eigentlich nur in aller Ruhe sein Bier im Pub trinken - doch er scheint dunkle Schicksale wie magisch anzuziehen. Die Nachricht, dass er vor über 30 Jahren einen Sohn gezeugt hat, von dem er nie erfahren hat, trifft ihn komplett unvorbereitet - noch dazu, weil David nach einem angeblichen Suizidversuch im Koma liegt. Aber warum wollte der weltweit angesehene Mathematiker Selbstmord begehen ... und wer hat all seine wissenschaftlichen Aufzeichnungen gestohlen? Harry beginnt, Nachforschungen anzustellen: Alle Spuren führen zu dem ebenso undurchsichtigen wie einflussreichen Unternehmen Globescope, in dessen Forschungsabteilung David an Theorien arbeitete, die alles in Fragen stellen, was wir über die Welt zu wissen glauben. Und nun verschwinden immer mehr seiner Kollegen spurlos. Harry erkennt: Wenn er seinen Sohn retten will, muss er es mit einem Gegner aufnehmen, dessen Macht und Einfluss grenzenlos scheinen ... »Ohne Zweifel das bisher fesselndste Buch von Robert Goddard!« The Times Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der packende Krimi »Dunkle Sonne« vom Meister britischer Spannung Robert Goddard ist der zweite Band der Harry Barnetts-Trilogie, deren Bände alle unabhängig voneinander gelesen werden können. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Robert William Goddard, geboren 1954 in Fareham, ist ein vielfach preisgekrönter britischer Schriftsteller. Nach einem Geschichtsstudium in Cambridge begann Goddard zunächst als Journalist zu arbeiten, bevor er sich ausschließlich dem Schreiben von Spannungsromanen widmete. Robert Goddard wurde 2019 für sein Lebenswerk mit dem renommierten Preis der Crime Writer's Association geehrt. Er lebt mit seiner Frau in Cornwall. Robert Goddard veröffentlichte bei dotbooks auch die folgenden Kriminalromane: »Im Netz der Lügen« »Der Preis des Verrats« »Eine tödliche Sünde« »Ein dunkler Schatten« »Denn ewig währt die Schuld« »Das Geheimnis von Trennor Manor« »Das Geheimnis der Lady Paxton« »Das Haus der dunklen Erinnerung« »Das Geheimnis von Malborough Downs« »Dunkles Blut - Harry Barnett ermittelt: Der erste Fall« »Dunkle Sonne - Harry Barnett ermittelt: Der zweite Fall« »Dunkle Erinnerung - Harry Barnett ermittelt: Der dritte Fall« Robert Goddard veröffentlichte bei dotbooks weiterhin die historischen Kriminalromane: »Die Sünden unserer Väter« »Die Schatten der Toten« »Jäger und Gejagte« »Die Klage der Toten« »Der Kartograf von London«
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Kapitel 1


Wenn er jetzt ginge oder selbst erst in fünf Minuten, bliebe alles in bester Ordnung. Nur, er würde nicht gehen. Er wußte das. Und sie auch.

»Noch einen?«

»Besser nicht. Sonst kann ich nicht mehr gerade streichen.«

»Dann versuchen Sie's erst gar nicht.«

»Was ist mit Claude? Er wird nicht gerade erfreut sein, wenn der Anstrich bis zum Wochenende nicht fertig ist.«

»Ich werde ihm sagen, es hätte geregnet.«

»Wird er Ihnen glauben?«

»Wen interessiert das? Also, was ist jetzt mit dem Drink?«

»Sie sollten mich nicht in Versuchung führen.«

»Wer sagt denn, daß ich das will?« Sie schenkte ein, und Gin floß in sein Glas.

»Ob Sie's wollen oder nicht«, sagte er, hob das Glas an die Lippen und trank genußvoll etwas von der starken Mixtur, »Sie tun es jedenfalls.«

»Wirklich?«

»O ja. Sehr. Und ich war noch nie gut darin, irgendeiner Versuchung zu widerstehen.«

»Nein?«

»Nein!«

»Das ist komisch.«

»Warum?«

»Ich nämlich auch nicht, Harry.«

Vierunddreißig Jahre, drei Monate und einige Tage später gab es nichts, was Harry Barnett hätte in Versuchung führen können, als er in südlicher Richtung durch die Scrubs Lane trottete. Die steife herbstliche Brise war mit den Abgasen des Straßenverkehrs und einem Stickstoffcocktail aus den Industrieschloten angereichert. Noch mehr davon wäre kaum auszuhalten gewesen. Während er von der Eisenbahnbrücke über die farblose Fläche des Friedhofs von Kensal Green starrte, dessen Gräberreihen eine noch kältere Grauschattierung aufwiesen als der unfreundliche Londoner Himmel, stellte Harry fest, daß so ungefähr das letzte, was er im Augenblick brauchte, eine Extradosis von irgendeinem der trostlosen Bestandteile seines Lebens war.

Einer der trostlosesten war sein Teilzeitjob in der Servicestation Mitre Bridge, die auf halber Höhe der Scrubs Lane in Fahrtrichtung der A40-Straßenüberführung lag. Er war schon zu spät dran für seine fünfstündige Schicht aus Geldzählen und Kartenentwerten, aber sein rechter Fußknöchel tat nach dem gestrigen Straucheln auf dem nächtlichen Heimweg von Stonemason's Arm so weh, daß an eine schnellere Gangart nicht zu denken war. Außerdem war Shafiq ein verständnisvoller Mensch. Für einen Moslem war er wirklich erstaunlich tolerant gegenüber den Ausrutschern, die einem Mann passieren konnten, wenn er ein paar Gläser zuviel intus hatte. Natürlich würde er meckern, das war nicht anders zu erwarten. In gewissem Sinne war das die Art, wie sie beide bei Verstand blieben.

Aber seltsam, als Harry ein paar Minuten später den Vorplatz von Mitre Bridge betrat und nicht allzu schnell durch die von Benzin in allen Regenbogenfarben schillernden Pfützen zum Kassen- und Verkaufsraum der Tankstelle tappte, blickte Shafiq mit einem Ausdruck verwirrten Mitgefühls von der Theke auf. Die Schimpftirade, auf die Harry sich gefaßt gemacht hatte, blieb aus. Daher war er schon besorgt, bevor er die Tür ganz aufgestoßen hatte. Wie sich herausstellte, allerdings nicht halb so besorgt, wie er eigentlich hätte sein sollen.

»Harry, mein Freund«, sagte Shafiq, »gut, dich zu sehen!«

»Du brauchst nicht sarkastisch zu werden. Ich bin gekommen, so schnell ich ...«

»Ich bin nicht sarkastisch, Harry. Wie kommst du bloß darauf?«

»Dazu gehört nicht viel. Aber laß nur, jetzt bin ich ja da. Du kannst nach Hause abhauen.«

»Unter diesen Umständen? Kommt ja gar nicht in Frage.«

Harry, der gerade seinen Anorak ausziehen wollte, hielt mitten in der Bewegung inne. »Wovon redest du eigentlich?«

»Ich bin sicher, Mr. Crowther hätte nichts dagegen, wenn du direkt ins Krankenhaus fahren würdest.«

Mit einem Schulterzucken streifte Harry seinen Anorak wieder über, trat an die Theke, beugte sich darüber und starrte in Shafiqs rundliches, besorgtes Gesicht. »Hast du Frostschutzmittel geschnüffelt, Shafiq? Wovon zum Teufel redest du?«

»Tut mir leid, Harry. Ich hab's nicht richtig erklärt. Aber es war eine Überraschung, ja, direkt ein Schock. Ich hatte ja keine Ahnung, daß du einen Sohn hast.«

Jetzt war Harry mit der Besorgnis an der Reihe. »Einen Sohn?«

»Ja, sie haben vor ungefähr zwanzig Minuten angerufen. Dein Sohn ist im National Neurological Hospital. Ich habe die Zimmernummer notiert.«

Vogelzwitschern und der Geruch frischer Farbe drangen durch das mit einer Tüllgardine verhängte Fenster, während Harry wieder zu Atem kam. Aus dem Augenwinkel konnte er die von der Tür bis zum Bett achtlos verstreuten Kleidungsstücke sehen. In seinen Gedanken war jede Bewegung, mit der sie diese Kleider ausgezogen hatten, schon köstliche Erinnerung. Wenn auch nicht so köstlich wie das, was danach gekommen war. Und auch nicht so berauschend wie die Genüsse, die er vielleicht noch kosten würde.

Sie lag auf der Seite, mit dem Rücken zu ihm. Schämte sie sich vielleicht schon? Bereute sie jetzt, nach dem Höhepunkt, das Verlangen, dem sie erlegen war? Er streckte die Hand aus und fuhr mit den Fingern langsam über ihr Rückgrat, umfaßte ihr Gesäß, glitt zwischen ihre Beine. An dem kehligen Laut, mit dem sie darauf reagierte, merkte er, daß Scham und Reue kein Problem sein würden. Nicht für sie. Und für ihn schon gar nicht.

»Mach's mir noch mal, Harry«, murmelte sie und öffnete einladend die Schenkel.

»Willst du wirklich?«

»Hat mein Mann nicht gesagt, du solltest alles tun, was ich verlange?«

»Aber ja, Mrs. Venning, das hat er.«

»Also, worauf wartest du?« Ihr Atem ging wieder schneller, als er sie streichelte. »Einmal ist nie genug für einen richtigen Endspurt.«

»Wie oft wäre denn genug?«

»Das sag ich dir später«, antwortete sie und stöhnte. »Viel später.«

»Ich habe keinen Sohn, Shafiq. Und auch keine Tochter. Ich habe überhaupt keine Kinder. Ich bin der letzte Barnett. Chingachgook, der letzte Mohikaner. Ende der Fahnenstange. Absolutes Ende. Okay?«

»Wenn du es sagst, Harry.«

»Ich sag's. Wer war denn der Typ, der dich da angerufen hat?«

»Hätte auch eine Frau sein können, weißt du. Eine dieser komischen Stimmen, bei denen man das nicht sagen kann.«

»Wer auch immer. Was auch immer. Die haben was verwechselt. Das da im Krankenhaus muß der Sohn von irgendeinem anderen armen Teufel sein.«

»Aber sie hatten deinen Namen, Harry Barnett.«

»Davon gibt es Dutzende, vielleicht Hunderte.«

»Aber nur einer davon arbeitet hier.«

»Sehr lustig. Und nun schieb ab, ja? Ich habe zu tun.« Er nickte in Richtung auf den Vorplatz, wo mehr oder weniger gleichzeitig drei Autos vorgefahren waren.

»In Ordnung, wenn du sicher bist.«

»Ich bin sicher!«

Shafiq fingerte einen Augenblick an seinem Schnurrbart herum, seufzte dann ohne besonderen Anlaß und schlurfte davon. Harry war froh, ihn gehen zu sehen. Wenn er erst fort war, konnte er hoffentlich den merkwürdig verstörenden Gedanken verdrängen, daß er womöglich irgendwo einen Sohn hatte. Bei dem Leben, das er geführt hatte, war das nicht so ausgeschlossen, wie er Shafiq gegenüber behauptet hatte. Vielleicht gar nicht ausgeschlossen. Andererseits hatte er die letzten zehn oder zwölf Jahre trotz seiner kurzen und einzigen Erfahrung mit der Ehe überwiegend zölibatär gelebt. Irgendeine Vaterschaft, von der er nichts wußte, mußte also derart lange zurückliegen, daß er sicherlich schon vor Ewigkeiten davon erfahren hätte. Wenn überhaupt.

Es gab natürlich eine einfache Methode, die Sache zu klären: im National Neurological Hospital anzurufen und sich zu vergewissern, daß der Patient von Zimmer E318 niemand war, dessen Vater er sein konnte, sosehr er seine Phantasie auch anstrengen mochte.

Warum es ihm so widerstrebte, diesen einfachen Schritt zu tun, hätte Harry nicht erklären können, nicht einmal sich selbst. Aber schließlich war er derart irritiert, weil ihm die Sache nicht aus dem Kopf ging, daß seine Abwehr erlahmte. In einer Pause zwischen zwei Kunden rief er im Krankenhaus an.

»National Neurological Hospital.«

»Man hat mir mitgeteilt, ein enger Verwandter von mir läge auf Zimmer E318 in Ihrem Krankenhaus, aber ich glaube, das muß ein Irrtum sein. Könnten Sie mir den Namen des Patienten in diesem Zimmer sagen? Nur zur Sicherheit.«

»Bitte bleiben Sie am Apparat.« Eine Pause folgte, dann: »Zimmer E318, sagten Sie?«

»Ja.«

»Der Name des Patienten ist Venning. David John Venning.«

»Einmal ist nie genug«, hatte Iris Venning gesagt. Und sie hatte Wort gehalten. Die Ehe mit Claude mußte noch öder sein, als Harry angenommen hatte, um in Iris eine solche Sehnsucht nach physischer Entladung zu wecken, wie Harry sie an diesem Nachmittag unter seinen Händen spürte. Sie blühte auf wie eine exotische Blume, deren Fleisch ebenso warm und sinnlich war wie ihr Duft.

Was ihrer beider Hingabe steigerte – das wurde ihm erst nachträglich klar –, war das gemeinsame Wissen, daß sie auf lange Sicht nichts zu bedeuten hatte. Claude war in den letzten drei Jahren sein Abteilungsleiter im Stadtrat von Swindon gewesen, und in dieser Zeit hatte Harry Iris nicht mehr als ein- oder zweimal gesehen, flüchtig und gewöhnlich dann, wenn alle nach irgendeinem geselligen Anlaß schon zuviel getrunken hatten. Aber vielleicht hatte sein bewundernder Blick ihr trotzdem das signalisiert, was sie suchte. Vielleicht hatte sie und nicht Claude die Idee gehabt, Harry eine freie Woche vorzuschlagen, in der er in einer Schönwetterperiode im Juli 1960 ihr Haus streichen sollte. Claude hatte damals seit zwei Monaten einen neuen und besseren Job beim Manchester City Council, und...



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