Goethe | Faust II | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 275 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

Goethe Faust II

Der Tragödie Zweiter Teil
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-10-401917-8
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Tragödie Zweiter Teil

E-Book, Deutsch, 275 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

ISBN: 978-3-10-401917-8
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit dem Autorenporträt aus dem Metzler Lexikon Weltliteratur. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK. Der zweite Teil von Goethes ?Faust? hat es mit der Popularität des ersten Teils nie aufnehmen können. Schaut man jedoch genauer hin, erscheint ?Faust II? heute aktueller denn je. Denn verhandelt wird hier nicht weniger als die Wirtschafts- und Umweltkrise unserer Zeit - mit Themen wie Deichbau, Bodenspekulation und Risikokapital: »Kein anderer Denker vor Marx hat den Voodoo-Kult um Werte, die noch gar nicht existieren und trotzdem schon in Anspruch genommen werden, poetisch genauer in den Blick gefasst.« (Der Standard).

Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Beginn eines Jurastudiums und einem Rechtspraktikum in Wetzlar nahm er 1775 in Weimar amtliche Tätigkeiten in der Regierung Herzog Carl Augusts von Sachsen-Weimar auf und wurde 1782 in den Adelsstand erhoben. 1786 brach Goethe zu seiner berühmten Italien-Reise auf. 1804 wurde er zum Wirklichen Geheimen Rat mit Titel Exzellenz ernannt, 1815 Staatsminister. Nach ersten spektakulären Publikumserfolgen u.a. mit ?Die Leiden des jungen Werthers? arbeitete Goethe ab 1775 intensiv für das Theater. Zusammen mit Friedrich Schiller ist er der bedeutendste Repräsentant der ?Weimarer Klassik?. Goethe starb am 22. März 1832 in Weimar.
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Kaiserliche Pfalz · Saal des Thrones


Staatsrat in Erwartung des Kaisers. Trompeten.

HOFGESINDE aller Art, prächtig gekleidet, tritt vor.

Der KAISER gelangt auf den Thron, zu seiner Rechten der ASTROLOG.

KAISER

Ich grüße die Getreuen, Lieben,

Versammelt aus der Näh’ und Weite; –

Den Weisen seh’ ich mir zur Seite,

Allein wo ist der Narr geblieben?

JUNKER

Gleich hinter deiner Mantelschleppe

Stürzt’ er zusammen auf der Treppe,

Man trug hinweg das Fettgewicht,

Tot oder trunken? weiß man nicht.

ZWEITER JUNKER

Sogleich mit wunderbarer Schnelle

Drängt sich ein andrer an die Stelle.

Gar köstlich ist er aufgeputzt,

Doch fratzenhaft, dass jeder stutzt;

Die Wache hält ihm an der Schwelle

Kreuzweis die Hellebarden vor –

Da ist er doch, der kühne Tor!

MEPHISTOPHELES am Throne knieend

Was ist verwünscht und stets willkommen?

Was ist ersehnt und stets verjagt?

Was immerfort in Schutz genommen?

Was hart gescholten und verklagt?

Wen darfst du nicht herbeiberufen?

Wen höret jeder gern genannt?

Was naht sich deines Thrones Stufen?

Was hat sich selbst hinweggebannt?

KAISER

Für diesmal spare deine Worte!

Hier sind die Rätsel nicht am Orte,

Das ist die Sache dieser Herrn. –

Da löse du! das hört’ ich gern.

Mein alter Narr ging, fürcht’ ich, weit ins Weite;

Nimm seinen Platz und komm an meine Seite.

Mephistopheles steigt hinauf und stellt sich zur Linken.

GEMURMEL DER MENGE

Ein neuer Narr – Zu neuer Pein –

Wo kommt er her? – Wie kam er ein? –

Der alte fiel – Der hat vertan –

Es war ein Fass – Nun ist’s ein Span –

KAISER

Und also, ihr Getreuen, Lieben,

Willkommen aus der Näh’ und Ferne!

Ihr sammelt euch mit günstigem Sterne,

Da droben ist uns Glück und Heil geschrieben.

Doch sagt, warum in diesen Tagen,

Wo wir der Sorgen uns entschlagen,

Schönbärte mummenschänzlich tragen

Und Heitres nur genießen wollten,

Warum wir uns ratschlagend quälen sollten?

Doch weil ihr meint, es ging’ nicht anders an,

Geschehen ist’s, so sei’s getan.

KANZLER

Die höchste Tugend, wie ein Heiligenschein,

Umgibt des Kaisers Haupt; nur er allein

Vermag sie gültig auszuüben:

Gerechtigkeit! – Was alle Menschen lieben,

Was alle fordern, wünschen, schwer entbehren,

Es liegt an ihm, dem Volk es zu gewähren.

Doch ach! Was hilft dem Menschengeist Verstand,

Dem Herzen Güte, Willigkeit der Hand,

Wenn’s fieberhaft durchaus im Staate wütet

Und Übel sich in Übeln überbrütet?

Wer schaut hinab von diesem hohen Raum

Ins weite Reich, ihm scheint’s ein schwerer Traum,

Wo Missgestalt in Missgestalten schaltet,

Das Ungesetz gesetzlich überwaltet

Und eine Welt des Irrtums sich entfaltet.

Der raubt sich Herden, der ein Weib,

Kelch, Kreuz und Leuchter vom Altare,

Berühmt sich dessen manche Jahre

Mit heiler Haut, mit unverletztem Leib.

Jetzt drängen Kläger sich zur Halle,

Der Richter prunkt auf hohem Pfühl,

Indessen wogt in grimmigem Schwalle

Des Aufruhrs wachsendes Gewühl.

Der darf auf Schand’ und Frevel pochen,

Der auf Mitschuldigste sich stützt,

Und: hörst du ausgesprochen,

Wo Unschuld nur sich selber schützt.

So will sich alle Welt zerstückeln,

Vernichtigen, was sich gebührt;

Wie soll sich da der Sinn entwickeln,

Der einzig uns zum Rechten führt?

Zuletzt ein wohlgesinnter Mann

Neigt sich dem Schmeichler, dem Bestecher,

Ein Richter, der nicht strafen kann,

Gesellt sich endlich zum Verbrecher.

Ich malte schwarz, doch dichtem Flor

Zög’ ich dem Bilde lieber vor. Pause Entschlüsse sind nicht zu vermeiden;

Wenn alle schädigen, alle leiden,

Geht selbst die Majestät zu Raub.

HEERMEISTER

Wie tobt’s in diesen wilden Tagen!

Ein jeder schlägt und wird erschlagen,

Und fürs Kommando bleibt man taub.

Der Bürger hinter seinen Mauern,

Der Ritter auf dem Felsennest

Verschwuren sich, uns auszudauern,

Und halten ihre Kräfte fest.

Der Mietsoldat wird ungeduldig,

Mit Ungestüm verlangt er seinen Lohn,

Und wären wir ihm nichts mehr schuldig,

Er liefe ganz und gar davon.

Verbiete wer, was alle wollten,

Der hat ins Wespennest gestört;

Das Reich, das sie beschützen sollten,

Es liegt geplündert und verheert.

Man lässt ihr Toben wütend hausen,

Schon ist die halbe Welt vertan;

Es sind noch Könige da draußen,

Doch keiner denkt, es ging’ ihn irgend an.

SCHATZMEISTER

Wer wird auf Bundsgenossen pochen!

Subsidien, die man uns versprochen,

Wie Röhrenwasser bleiben aus.

Auch, Herr, in deinen weiten Staaten

An wen ist der Besitz geraten?

Wohin man kommt, da hält ein Neuer Haus,

Und unabhängig will er leben,

Zusehen muss man, wie er’s treibt;

Wir haben so viel Rechte hingegeben,

Dass uns auf nichts ein Recht mehr übrigbleibt.

Auch auf Parteien, wie sie heißen,

Ist heutzutage kein Verlass;

Sie mögen schelten oder preisen,

Gleichgültig wurden Lieb’ und Hass.

Die Ghibellinen wie die Guelfen

Verbergen sich, um auszuruhn;

Wer jetzt will seinem Nachbar helfen?

Ein jeder hat für sich zu tun.

Die Goldespforten sind verrammelt,

Ein jeder kratzt und scharrt und sammelt,

Und unsre Kassen bleiben leer.

MARSCHALK

Welch Unheil muss auch ich erfahren!

Wir wollen alle Tage sparen

Und brauchen alle Tage mehr,

Und täglich wächst mir neue Pein.

Den Köchen tut kein Mangel wehe;

Wildschweine, Hirsche, Hasen, Rehe,

Welschhühner, Hühner, Gäns’ und Enten,

Die Deputate, sichre Renten,

Sie gehen noch so ziemlich ein.

Jedoch am Ende fehlt’s an Wein.

Wenn sonst im Keller Fass an Fass sich häufte,

Der besten Berg’ und Jahresläufte,

So schlürft unendliches Gesäufte

Der edlen Herrn den letzten Tropfen aus.

Der Stadtrat muss sein Lager auch verzapfen,

Man greift zu Humpen, greift zu Napfen,

Und unterm Tische liegt der Schmaus.

Nun soll ich zahlen, alle lohnen;

Der Jude wird mich nicht verschonen,

Der schafft Antizipationen,

Die speisen Jahr um Jahr voraus.

Die Schweine kommen nicht zu Fette,

Verpfändet ist der Pfühl im Bette,

Und auf den Tisch kommt vorgegessen Brot.

KAISER nach einigem Nachdenken zu Mephistopheles

Sag, weißt du Narr nicht auch noch eine Not?

MEPHISTOPHELES

Ich? Keineswegs. Den Glanz umher zu schauen,

Dich und die Deinen! – Mangelte Vertrauen,

Wo Majestät unweigerlich gebeut,

Bereite Macht Feindseliges zerstreut?

Wo guter Wille, kräftig durch Verstand,

Und Tätigkeit, vielfältige, zur Hand?

Was könnte da zum Unheil sich vereinen,

Zur Finsternis, wo solche Sterne scheinen?

GEMURMEL

Das ist ein Schalk – Der’s wohl versteht –

Er lügt sich ein – So lang’ es geht –

Ich weiß schon – Was dahinter steckt –

Und was denn weiter? – Ein Projekt –

MEPH

Wo fehlt’s nicht irgendwo auf dieser Welt?

Dem dies, dem das, hier aber fehlt das Geld.

Vom Estrich zwar ist es nicht aufzuraffen;

Doch Weisheit weiß das Tiefste herzuschaffen.

In Bergesadern, Mauergründen

Ist Gold gemünzt und ungemünzt zu finden,

Und fragt ihr mich, wer es zutage schafft:

Begabten Manns Natur- und Geisteskraft.

KANZLER

Natur und Geist – so spricht man nicht zu Christen.

Deshalb verbrennt man Atheisten,

Weil solche Reden höchst gefährlich sind.

Natur ist Sünde, Geist ist Teufel,

Sie hegen zwischen sich den Zweifel,

Ihr missgestaltet Zwitterkind.

Uns nicht so! – Kaisers alten Landen

Sind zwei Geschlechter nur entstanden,

Sie stützen würdig seinen Thron:

Die Heiligen sind es und die Ritter;

Sie stehen jedem Ungewitter

Und nehmen Kirch’ und Staat zum Lohn.

Dem Pöbelsinn verworrner Geister

Entwickelt sich ein Widerstand:

Die Ketzer sind’s! die Hexenmeister!

Und sie verderben Stadt und Land.

Die willst du nun mit frechen Scherzen

In diese hohen Kreise schwärzen;

Ihr hegt euch an verderbtem Herzen,

Dem Narren sind sie nah verwandt.

MEPHISTOPHELES

Daran erkenn’ ich den gelehrten Herrn!

Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern,

Was ihr nicht fasst, das fehlt euch ganz und gar,

Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr,

Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht,

Was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht.

KAISER

Dadurch sind unsre Mängel nicht erledigt,

Was willst du jetzt mit deiner...


Goethe, Johann Wolfgang von
Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Beginn eines Jurastudiums und einem Rechtspraktikum in Wetzlar nahm er 1775 in Weimar amtliche Tätigkeiten in der Regierung Herzog Carl Augusts von Sachsen-Weimar auf und wurde 1782 in den Adelsstand erhoben. 1786 brach Goethe zu seiner berühmten Italien-Reise auf. 1804 wurde er zum Wirklichen Geheimen Rat mit Titel Exzellenz ernannt, 1815 Staatsminister. Nach ersten spektakulären Publikumserfolgen u.a. mit ›Die Leiden des jungen Werthers‹ arbeitete Goethe ab 1775 intensiv für das Theater. Zusammen mit Friedrich Schiller ist er der bedeutendste Repräsentant der ›Weimarer Klassik‹. Goethe starb am 22. März 1832 in Weimar.

Johann Wolfgang von GoetheJohann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Beginn eines Jurastudiums und einem Rechtspraktikum in Wetzlar nahm er 1775 in Weimar amtliche Tätigkeiten in der Regierung Herzog Carl Augusts von Sachsen-Weimar auf und wurde 1782 in den Adelsstand erhoben. 1786 brach Goethe zu seiner berühmten Italien-Reise auf. 1804 wurde er zum Wirklichen Geheimen Rat mit Titel Exzellenz ernannt, 1815 Staatsminister. Nach ersten spektakulären Publikumserfolgen u.a. mit ›Die Leiden des jungen Werthers‹ arbeitete Goethe ab 1775 intensiv für das Theater. Zusammen mit Friedrich Schiller ist er der bedeutendste Repräsentant der ›Weimarer Klassik‹. Goethe starb am 22. März 1832 in Weimar.



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