Gogoll | L wie Liebe (Staffel 6) | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 6, 240 Seiten

Reihe: L wie Liebe

Gogoll L wie Liebe (Staffel 6)


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95609-168-1
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 6, 240 Seiten

Reihe: L wie Liebe

ISBN: 978-3-95609-168-1
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Weiter geht es mit neuen Gesichtern im Sappho: Zunächst bringt die hippe Fotografin Bliss einige Frauen durcheinander, dann finden sich Melly, Rick und Silvia plötzlich in einer Rolle wieder, die ihnen bisher unbekannt war. Die junge Myrna möchte gern ihre allererste Liebesnacht erleben und weiß auch schon, mit wem, aber weiß ihre Angebetete das auch? Und auch Schauspielerin Saskia lernt eine Frau kennen, die ihr gefallen könnte, doch die ist anscheinend noch nicht so ganz bereit dafür, während Julia um ihre Ehe mit Sam kämpft, die von Bliss bedroht wird ...

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1. Kapitel


   Neues Jahr, neues Glück   

Melly ließ ihre Blicke über das Sappho schweifen. Es war so viel geschehen im letzten Jahr, und doch wirkte das Lokal unverändert. Auf eine Art beständig, wie es die Beziehungen der Frauen, die hier ein und aus gingen, meistens nicht waren.

Sie hatte gerade aufgeschlossen, und schon stürmten eine nach der anderen Frauen herein, die sich schnell einen Kaffee greifen wollten, bevor sie ins Büro oder sonstwo zur Arbeit gingen. Es war ein ziemliches Gewimmel.

Für diesen morgendlichen Ansturm hatte Melly zwei Kellnerinnen hinter der Bar. Früher hatte sie es allein gemacht, aber das war mittlerweile nicht mehr zu schaffen. Sie sah, dass selbst die beiden einige Mühe hatten. Heute war es besonders schlimm. Oder besonders gut – je nachdem, wie man es betrachtete.

Jeden Morgen, wenn sie aufschloss, war sie neugierig, was der neue Tag bringen würde. Das hieß: Jetzt war sie neugierig. Es hatte eine Zeit gegeben, als sie eher Angst davor gehabt hatte. Sie begab sich von der Tür zur Theke. Es schien fast, als hätte diese Zeit nie existiert. Und wenn Rick nicht gewesen wäre . . .

Sie lächelte. Rick. Wie lange hatte sie sich dagegen gewehrt zu akzeptieren, was sie doch immer schon gewusst hatte?

»Stephanie.« Sie fuhr mit einer Hand über die Schulter der Frau, die an der Theke saß. Die einzige. Alle anderen standen nur und warteten darauf, ihre Becher zu bekommen, um wieder hinausstürzen zu können. »Was machst du denn so früh schon hier?«

Stephanie verzog das Gesicht. »Céline ist eine extreme Frühaufsteherin.«

»Und da ist dir nichts eingefallen, womit du sie im Bett halten könntest?«, fragte Melly schmunzelnd.

»Doch.« Stephanie schmunzelte auch. »Aber leider hatte sie eine Patientin und musste los. Und nachdem ich erst einmal wach war, konnte ich nicht wieder einschlafen. Also dachte ich, ich gehe dahin, wo es den besten Kaffee der Stadt gibt.«

»Danke für das Kompliment.« Melly lächelte. »Es freut mich, dass es dir mit Céline so gut geht. Sie war ja sehr misstrauisch, als sie das erste Mal ins Sappho kam.«

Stephanie zuckte die Schultern. »Es war ungewohnt für sie. Für sie ist es nicht so wie für . . . uns.« Sie zögerte ein wenig vor dem letzten Wort.

»Für dich ist das anscheinend auch immer noch ungewohnt.« Melly ging um die Theke herum und stellte sich auf die andere Seite.

»Sie ist meine erste . . .«, Stephanie hob etwas ratlos eine Hand, »Bi-Frau«, fuhr sie dann fort.

»Ist das ein Problem für dich?« Melly holte ein paar Pappbecher unter der Theke hervor und stellte sie aufgereiht neben die Kaffeemaschine, damit ihre Angestellten sich nicht um den Nachschub kümmern mussten.

»N-nein.« Stephanie schien nicht ganz sicher zu sein. »Ich meine, ich liebe sie. Sie ist die absolute Traumfrau für mich.«

»Aber sie ist immer noch mit ihrem Mann verheiratet.«

»So lange kennen wir uns noch nicht«, erklärte Stephanie fast entschuldigend. »Das ändert sich nicht von jetzt auf gleich.«

»Du bist geduldiger als Rick es war.« Melly lächelte liebevoll. »Sie hat immer erwartet, dass sich alles von jetzt auf gleich ändert.«

»Und trotzdem hat es eine ganze Weile gedauert.« Stephanie seufzte. »Ich will sie ja auch gar nicht drängen. Ich bin so glücklich, dass sie jetzt bei mir ist.«

»Aber du hast Angst, dass sich das wieder ändern könnte«, vermutete Melly. »Dass sie bei dir ist.«

»Ich versuche nicht darüber nachzudenken.« Stephanies Blick starrte ins Leere.

Melly schaute sie verständnisvoll an. »Du denkst an sie.«

»Immer«, sagte Stephanie. »Ununterbrochen.«

Mit einem leichten Lachen tätschelte Melly ihre Hand. »Wenn ihr euch wirklich liebt, wird es schon gutgehen. Glaub mir.«

Stephanie begann selig zu lächeln. »Es ist einfach himmlisch. Wenn sie da ist, fühle ich mich jedes Mal wie im siebten Himmel.«

»Genieß es«, sagte Melly. »Es ist das schönste Gefühl, das es gibt.« Ihr Blick glitt zur Tür, und die junge Frau, die sich gerade dort hineinschob, blieb im selben Moment stehen, als hätte Mellys Blick sie aufgehalten.

Melly runzelte die Stirn. Irgendwie kam ihr die junge Frau bekannt vor – und dann doch wieder nicht. Sie stand jedoch so verloren dort an der Tür, dass Melly hinter der Theke hervortrat und auf sie zuging. »Kann ich dir irgendwie helfen?«

Je näher sie gekommen war, desto mehr hatte sie festgestellt, dass es keine junge Frau war, sondern ein junges Mädchen, höchstens vierzehn oder fünfzehn Jahre alt.

Das Mädchen wirkte ebenso verunsichert wie Melly. Sie starrte in ihr Gesicht, als ob sie etwas Vertrautes darin suchte. »Tante . . . Melanie?«, äußerte sie dann fragend.

Mellys Stirn runzelte sich noch mehr. »Melanie ist richtig«, bestätigte sie, »aber wie kommst du darauf –?« Sie brach ab und musterte das Mädchen eingehender.

Die senkte den Kopf, dann hob sie ihn wieder. »Ich bin Kirsty«, sagte sie leise.

Melly brauchte ein paar Sekunden, bis sie etwas mit dem Namen verbinden konnte. »Corinnas Tochter?«, fragte sie dann erstaunt.

Kirsty nickte stumm.

»Wo ist deine Mutter?«, fragte Melly, während sie einen Blick hinter Kirsty auf die Straße warf. Aber da war nichts von ihrer Cousine Corinna zu sehen.

»Zu Hause . . . nehme ich an.« Kirstys Stimme zitterte leicht.

»Du bist allein hier?« Melly runzelte die Stirn.

»Ich bin –« Kirsty schluckte. »Ich konnte nicht mehr zu Hause bleiben.«

Melly schüttelte noch mehr stirnrunzelnd den Kopf. »Wieso nicht?« Sie sah, dass Kirsty noch blasser wurde, als sie ohnehin schon war, deshalb nahm sie ihren Arm. »Komm erst mal und trink einen Kaffee. Oder lieber eine Cola?«

»Cola.« Kirstys Kopf blieb gesenkt, während Melly sie zur Theke führte.

Sie setzte Kirsty neben Stephanie und ging um die Theke herum, nahm eine Büchse aus dem Kühlschrank und stellte sie zusammen mit einem Glas vor Kirsty hin. »Hast du überhaupt schon was gegessen?«

Kirsty schüttelte den Kopf.

Melly drehte sich um und ging in die Küche. »Kannst du mal irgendetwas machen, was ein Teenager gern isst?«

Evelyn hob die Augenbrauen.

»Die Tochter meiner Cousine ist gerade gekommen. Sie hat noch nicht gefrühstückt. Ich glaube, sie ist vierzehn.« Melly seufzte. »Keine Ahnung, was sie mag.«

»Müsli?«, fragte Evelyn. »Oder lieber Pfannkuchen? Ein Omelette? Gekochte Eier? Die Brötchen sind noch nicht fertig.«

Melly zuckte die Schultern. »Mach einfach alles. Wenn sie Hunger hat, wird sie schon essen.« Sie verließ die Küche und ging wieder an die Theke zurück.

Dort sah sie, wie Stephanie die Dose für Kirsty öffnete und ihr einschenkte. Kirsty selbst schien der ganzen Aktion eher gleichgültig gegenüberzustehen. Sie wirkte völlig apathisch.

»Trink einen Schluck«, sagte Stephanie. »Dann geht es dir besser.«

Als ob sie es nicht gehört hätte, blieb Kirsty genauso wie zuvor mit gesenktem Kopf sitzen.

Stephanie warf einen fragenden Blick auf Melly, und die zuckte die Achseln. Sie ging zu Kirsty und legte ihr von hinten die Hände auf die Schultern. »Frühstück kommt gleich.«

Kirsty zuckte zusammen und schien endlich zu erwachen. »Ich habe keinen Hunger«, flüsterte sie.

»Du bist furchtbar dünn.« Mellys Blick glitt kurz an den schmalen Hüften hinunter. »Essen schadet dir bestimmt nicht.«

Kirstys kurzer Ausflug in die Welt des Sprechens war anscheinend schon wieder beendet, denn sie antwortete nicht.

Melly atmete tief durch, ließ Kirstys Schultern los und ging hinter die Theke zurück. Sie erinnerte sich noch sehr gut an ihre eigene Teenagerzeit. Sie war genauso wie Kirsty gewesen, verschloss sich, wenn man sie ansprach. Deshalb wollte sie Kirsty nicht drängen. Sie hatte das immer furchtbar gefunden. Kirsty musste von selbst zu ihr kommen.

Was sie ja auch schon getan hatte. »Kommt Corinna . . . deine Mutter nach?«, fragte sie.

Zuerst rührte Kirsty sich nicht, aber dann begann sich ihr Kopf seltsam zögernd von einer Seite zur anderen zu bewegen.

»Du bist allein hier?«, wiederholte Melly die Frage, die sie schon einmal gestellt hatte, diesmal jedoch wesentlich erstaunter. »Ganz allein?« Sie hatte zwar schon lange nichts mehr mit ihrer Cousine zu tun gehabt, aber sie wusste, dass sie äußerst besitzergreifend war. Sie hatte Kirsty nie aus den Augen gelassen.

Natürlich war Kirsty da noch klein gewesen. Jetzt war sie schon erheblich älter. Vielleicht hatte Corinna die Zügel etwas gelockert. Obwohl Melly sich das nicht wirklich vorstellen konnte. Sie kannte Corinna zwar nicht gut, aber sie hatte sie immer sehr unangenehm gefunden. Selbstbezogen. Egoistisch. Sie duldete keine andere Meinung als ihre eigene.

Kirsty schien unentschlossen, doch dann nickte sie sehr langsam.

Melly blickte zur Seite und überlegte, ob sie sie direkt fragen sollte. Wie hätte sie in Kirstys Alter auf so eine Frage reagiert?

»Hat deine Mutter dich hergeschickt?«, fragte Stephanie in diesem Moment. »Zu deiner Tante Melly?« Sie grinste Melly an. »Gefällt mir irgendwie. Du hast auf einmal so was Mütterliches.«

Melly warf einen strafenden Blick auf Stephanie. »Hör bloß auf.« Sie hatte eine andere Vermutung,...



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