Gogoll | Liebe, Lüge, Leidenschaft | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 230 Seiten

Gogoll Liebe, Lüge, Leidenschaft


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95609-379-1
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 230 Seiten

ISBN: 978-3-95609-379-1
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In ihrem Alter wird vermutlich nicht mehr viel passieren, denkt Sonny sich. Sie hat einen guten Job, ein angenehmes Umfeld und die eine oder andere Affäre, die ihr das Leben versüßt. Aber da lernt sie durch ihre beste Freundin Bettina zufällig Yvonne kennen, eine Frau, mit der sie sich auf Anhieb versteht. Obwohl sie eigentlich Bettinas Date ist.
Hin- und hergerissen zwischen ihrer Loyalität zu Bettina und ihren eigenen Gefühlen für Yvonne kämpft sie lange mit sich, bevor sie sich Yvonne nähert. Auch Yvonne hat eher Interesse an Sonny als an Bettina, und da Bettina bereits auf neuen Pfaden wandelt, scheint alles eitel Sonnenschein.
Doch da bilden sich auf einmal dunkle Wolken über dem so idyllischen kleinen Häuschen mit Garten, das Yvonne bewohnt. Denn in einem Alter wie dem von Sonny und Yvonne hat jede Frau eine Vergangenheit . . .

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5


»Meinst du, ich soll den anderen absagen?«

Entgeistert starrte Sonny Bettina an. »Ist das eine ernsthafte Frage?«

Entscheidungsschwach, wie sie war, zog Bettina ein wenig den Kopf zwischen die Schultern. »Eigentlich ist das doch unfair. Ich habe die meisten noch nicht einmal persönlich gesehen.«

»Die meisten?« Sonnys Augenbrauen hoben sich verwundert an.

»Na ja, mit Astrid habe ich zumindest schon einmal per Video telefoniert«, erklärte Bettina leicht eingeschüchtert. »Mit den anderen nur geschrieben.«

»Astrid? Wer ist Astrid?« Zwar hatte Sonny nicht erwartet, dass sie bei Bettinas vielen Kontakten je durchblicken würde, aber nach dem letzten Wochenende, dem Sonntag mit Yvonne, hatte sie irgendwie angenommen, dass Bettinas Suche beendet sein müsste.

»Eine Frau, die auf meine Kontaktanzeige geschrieben hat.« Bettinas Stirn runzelte sich so, als ob sie sich wunderte, dass Sonny sie danach fragte. »Genauso wie die anderen.«

»Genauso wie Yvonne?«, fragte Sonny mit hochgezogenen Augenbrauen.

»Ja.« Bettina nickte. »Genauso wie Yvonne. Insgesamt waren es sechs bis jetzt.«

»Und mit all denen willst du dich noch treffen?« Sonny konnte es nicht glauben.

Für Bettina schien das jedoch außer Frage zu stehen. »Ich muss ihnen doch eine Chance geben«, behauptete sie ganz selbstverständlich. »Ich konnte mich ja nicht mit allen gleichzeitig treffen. Eine musste die erste sein.«

»Und das war Yvonne«, murmelte Sonny.

»Ja, das war Yvonne«, bestätigte Bettina.

Sonny konnte es immer weniger fassen. »Ich dachte, ihr hattet einen schönen Sonntag zusammen.«

»Hatten wir auch.« Bettina lächelte. »Einen sehr schönen Sonntag.«

Unvermittelt fühlte Sonny einen Schauer durch ihren Körper fahren, als Bettina das sagte. Verzweifelt versuchte sie, irgendwelche Bilder aus ihrem Kopf zu vertreiben, die sich dort hineindrängen wollten. Bilder von Yvonne und Bettina. Im Bett. Nackt.

»Aber das reicht dir nicht«, stellte sie fest. »Du musst die anderen auch noch haben.«

Schmollend verzog Bettina die Lippen. »Das hört sich an, als ginge es mir nur um Sex.«

Sonny atmete tief durch. »Ich habe mich schon manchmal gefragt, worum es dir eigentlich geht. Du hast so viele Kontakte . . .«

»Ich bin nicht gern allein«, begründete Bettina das mit einem etwas trotzigen Ausdruck im Gesicht. »Du kannst das vielleicht, aber ich . . .« Sie schüttelte den Kopf. »Ich fühle mich dann so verloren.«

»Du bist eine gestandene Frau von einundsechzig, die ihr Leben schon lange sehr gut allein bewältigt«, hielt Sonny dagegen und griff nach ihrer Hand, um sie unterstützend zu drücken. »Ich verstehe ja, dass du manchmal jemanden brauchst. Aber so viele? Und dann auch noch quasi gleichzeitig?«

»Schon hintereinander, nicht gleichzeitig«, widersprach Bettina ein bisschen eingeschnappt. »Und diesmal soll etwas Endgültiges dabei herauskommen, würde ich mir wünschen.« Sie seufzte. »Aber bisher kenne ich nur Yvonne ein bisschen näher. Wie soll ich da beurteilen, welche die Richtige für etwas Endgültiges ist?«

»Lass sie sich doch nackt an der Wand aufstellen und probier eine nach der anderen aus«, schlug Sonny nicht ganz ernst gemeint vor. »Am besten machst du eine Checkliste. Die hakst du dann ab.«

»Du bist gemein.« Bettina verschränkte die Arme vor der Brust und schmollte wieder. »Du verstehst das nicht. Du bist gern allein –«

»Das habe ich nie gesagt.« Sonny schüttelte den Kopf. »Es hat sich nur nie etwas Dauerhaftes ergeben. Ich wollte nicht irgendeine Beziehung, nur um eine Beziehung zu haben.« Sie zuckte die Schultern. »Dann bin ich tatsächlich lieber allein.«

»Und mit Sex hast du ja kein Problem.« Bettina grinste. »Da ergibt sich immer was bei dir.«

»Nein, mit Sex habe ich kein Problem«, gab Sonny zu. »Aber Sex ist nicht alles. Besonders, wenn man älter wird.«

»Das ist ja das Schreckliche daran!« Verzweifelt öffnete Bettina die Arme. »Warum muss man überhaupt älter werden? Das ist so ein Mist.«

Sonny lachte. »Ja, in gewisser Weise . . . Aber wenn niemand mehr sterben würde, wäre die Erde schnell noch viel überbevölkerter, als sie schon ist. Es sei denn, es würden keine Kinder mehr geboren. Das ist eben der Lauf der Welt.«

»Man sollte mit achtzehn geboren werden, dann achtzig Jahre mit diesem Körper leben und dann vielleicht einfach umfallen«, philosophierte Bettina. »Warum geht das nicht?«

Kurz war es still, dann brach Sonny in prustendes Gelächter aus. »Eine Welt voller Achtzehnjähriger – das ist dein Traum?«

»Na ja, wir wären ja nicht wirklich achtzehn . . .« Bettina verzog das Gesicht. »Erfahrungen würden wir schon machen und die würden uns auch prägen. Genauso wie jetzt auch.«

»Du hättest einfach nur gern den knackigen Körper behalten, den du mit achtzehn hattest?«, schmunzelte Sonny. »Ja. Wer nicht?«

»Ja, wer nicht?«, wiederholte Bettina wehmütig. Sie starrte in die Luft. »Für mein Alter bin ich ja ganz zufrieden mit meinem Körper«, setzte sie ihre Überlegungen fort, »aber da gibt es auch Unterschiede. Yvonne zum Beispiel –«

»Das geht mich nichts an.« Schnell unterbrach Sonny sie, indem sie abwehrend die Hände hob. Innerlich wurde ihr ganz heiß. »Und ich weiß nicht, ob Yvonne es so toll fände, wenn du mir solche Dinge über sie erzählst.«

»Ja, stimmt schon«, nickte Bettina. »Aber sie hat wirklich einen tollen Körper. Ich meine –«

»Bettina!« Strafend blickte Sonny sie an. »Hatten wir nicht gerade darüber gesprochen?«

Wenn ihr noch heißer wurde, musste sie sich unter die Dusche stellen. Eine eiskalte Dusche.

»Ist ja schon gut«, schmollte Bettina, diesmal jedoch leicht schmunzelnd. »Darf ich dir denn gar nichts über meine neuen Bekanntschaften erzählen? Es ist schon interessant, wie das mit den Apps heutzutage abläuft. Ganz anders als früher.«

»Darüber kannst du mir schon etwas erzählen.« Tatsächlich ein wenig neugierig hob Sonny die Augenbrauen. »Du hast also gar keine Kontaktanzeige im klassischen Stil aufgegeben?«

»Nein.« Bettina schüttelte den Kopf. »Ich habe ein Profil in der App angelegt. Im Prinzip ist das ja dasselbe. Man beschreibt sich selbst, seine Hobbys, seine Vorlieben, seine Wünsche und lädt ein oder mehrere Fotos hoch. Es wird nur nicht mehr Kontaktanzeige genannt.«

»Dann hast du doch gewusst, wie Yvonne aussieht«, wunderte Sonny sich.

Bettina hob die Hände. »Sie war sehr zurückhaltend mit Fotos. So, wie sie dann am Samstag aussah, hat sie auf keinem der Fotos ausgesehen.«

»Vielleicht wollte sie nur nicht irgendwelche Leute anlocken, die rein auf Äußerlichkeiten stehen«, vermutete Sonny. »Könnte ich mir zumindest vorstellen.«

Bettina nickte. »Ja, so was Ähnliches hat sie dann auch gesagt. Sie hat da wohl schon schlechte Erfahrungen gemacht.«

»Gibt sie denn viele Kontaktanzeigen auf?« Warum hatte sie das jetzt gefragt? Sonny hätte sich auf die Zunge beißen können. Aber es war schon zu spät.

Bettina lachte. »Anscheinend hast du dich schon lange nicht mehr mit dem Thema beschäftigt. Es ist keine Kontaktanzeige. Es ist ein Profil. Und das kann jeder beziehungsweise jede jeden Tag anschauen und darauf reagieren. Meistens für ein ganzes Jahr. Oder, wenn man will, auch nur für ein paar Monate.«

Für ein ganzes Jahr? Meine Güte, wie viele Leute mussten sich da melden bei einer Frau wie Yvonne? Sie würde mit den Treffen kaum mehr nachkommen und vermutlich eine gewaltige Auswahl haben.

Um dem Ganzen den Stachel zu nehmen, der sich langsam in ihr bildete, lachte Sonny. »Ja tatsächlich, ich habe mich mit dem Thema schon lange nicht mehr beschäftigt. Und Kontaktanzeigen waren noch nie mein Ding. Weder in der alten noch in der neuen Version. Ich finde das zu unpersönlich.«

»Dadurch kann man aber auch Leute kennenlernen, die nicht in der eigenen Stadt wohnen oder da, wo man gerade ist«, erläuterte Bettina, als ob sie in einem Casting für ein Werbevideo säße. »Das ist ein großer Vorteil. Gerade für uns Lesben.«

»Ja, das ist es wohl.« Sonny zuckte die Achseln. »Ich kann es mir aber trotzdem nicht vorstellen.«

»Für dich vielleicht nicht, aber willst du sie dir nicht wenigstens einmal ansehen?« Bettina grinste. »Ich meine die, die mit mir Kontakt aufgenommen haben.« Verlockend schwenkte sie ihr Handy vor Sonnys Nase.

Es war ihr wirklich wichtig, das merkte Sonny. »Na gut«, seufzte sie. »Aber Yvonne lässt du weg. Ich will keine Frauen sehen, die ich kenne.«

»Okay, okay.« Sichtlich glücklich über Sonnys Entscheidung öffnete Bettina die App. »Das hier ist Astrid. Was hältst du von ihr?«

Ein rundes, freundliches Gesicht schaute Sonny von dem kleinen Bildschirm an. Kurze, leicht gelockte Haare kräuselten sich bis in die Stirn hinein. Astrid hatte etwas Koboldhaftes. Ihre Augen blitzten, als hätte sich der Schalk dahinter versteckt.

»Nett«, sagte Sonny. »Sie sieht nett aus.«

»Sie ist lustig.« Bettina lachte selbst auch, als sie das sagte, als ob sich der Schalk aus dem Bild gleich auf sie übertragen würde. »Ich musste viel lachen, als ich mit ihr telefoniert habe.«

»Das ist doch ein gutes Zeichen.« Fragend blickte Sonny sie an. »Ihr versteht euch.«

Bettina nickte. »Ja, den Eindruck hatte ich auch.«

Etwas verhalten schluckte Sonny. Sie wollte es nicht fragen, aber sie hatte das Gefühl, sie musste. »Besser als mit Yvonne?«

»Yvonne?« Es...



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