E-Book, Deutsch, 632 Seiten
Gogoll Verbotene Leidenschaft
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-95609-369-2
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Alle drei Teile in einem Band
E-Book, Deutsch, 632 Seiten
ISBN: 978-3-95609-369-2
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sich in die eigene Chefin zu verlieben, wenn diese augenscheinlich hetero ist, gehört in jedem Fall zu den Dingen, die eine Lesbe nicht tun sollte. Doch in Kim erwacht eine Leidenschaft, die sie sich zunächst verbietet – bis sich unerwartet eine Affäre mit ihrer verheirateten Vorgesetzten Sonja Kantner entwickelt. Aber Kim will mehr als nur eine Affäre sein, Sonja hingegen hält an ihrer Ehe fest, eine Scheidung kommt für sie absolut nicht infrage. Und als sich Sonja dann auch noch mit einem Mal äußerst seltsam und abweisend verhält, wird Kim mit einer riesigen Überraschung konfrontiert ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1
Auf dem Bildschirm tanzten die kleinen Buchstaben vor Kims Augen. Sie strich sich erschöpft über die Lider. Stundenlang am Computer zu arbeiten war nicht gerade erholsam. Aber wenn sie nicht mehr konnte, ging sie auf eine ganz bestimmte Internetseite, mit der sie sich ein wenig entspannen konnte. Es gab Geschichten dort, die sie immer wieder las. Ganz besondere Geschichten. Von Frau zu Frau.
Langsam ließ Kim sich in die Geschichte hineingleiten. Die Frau mit dem kastanienbraunen Haar sank auf der Couch zurück, und die andere beugte sich über sie –
»Frau Wolff?«
Kim fuhr herum. Ihre Chefin stand in der Tür. Das kastanienbraune Haar fiel sanft auf ihre Schultern, glänzend und verführerisch. Kim schluckte.
»Haben Sie gerade etwas Dringendes zu tun?«, fragte ihre Chefin. »Oder können Sie gleich zu mir kommen?«
»Ich kann . . . kommen«, brachte Kim mühsam heraus. Das stimmte wohl. Das hätte sie vermutlich bald gekonnt.
Sonja Kantner, Abteilungsleiterin und der Traum von Kims schlaflosen Nächten, blickte kurz auf den Bildschirm, aber sie war zu weit entfernt, der Bildschirm stand zu schräg, und die Buchstaben waren zu klein. Kim dankte allen Göttinnen im Himmel dafür.
»Ich speichere das nur noch schnell«, bemerkte Kim mit heißem Kopf. Hoffentlich war sie nicht knallrot geworden. Aber eigentlich neigte sie nicht dazu. Das war ihr Glück. Auf jeden Fall in diesem Augenblick.
»Gut, tun Sie das«, bestätigte Sonja Kantner nickend und drehte sich um.
Kim sah ihren knackigen Po aus der Tür verschwinden. Musste sie so attraktiv sein? Es war eine tägliche Qual.
•••
Als Kim ihre neue Chefin zum ersten Mal gesehen hatte, bei der Vorstellung vor sechs Wochen im Konferenzraum, war Kim fast in Ohnmacht gefallen. Sie arbeitete sofort einen Plan aus, wie sie das Abteilungsleiter-Büro, das normalerweise direkt neben ihrem lag, aus für die Firma strategisch wichtigen Gründen ans andere Ende des Ganges verlegen konnte – oder am besten in eine andere Etage. Noch besser in ein anderes Gebäude.
»Stellen Sie sich doch selbst einmal vor, Frau Kantner«, forderte der Chef aller ihrer Chefs sie auf, nachdem er einiges über den Werdegang seiner neuen Abteilungsleiterin erzählt hatte.
Er zog sich zurück, und Sonja Kantner trat vor. Sie wiederholte noch einmal in etwas anderer Form, was er schon über sie mitgeteilt hatte, aber das interessierte Kim sowieso nicht. Was sie interessierte, sagte Sonja Kantner gleich zu Anfang: verheiratet, keine Kinder.
»Noch«, fügte sie charmant lächelnd hinzu.
Richtig geraten. Kim seufzte fast, als sie die Bestätigung für das bekam, was sie ohnehin schon wusste. Sonja Kantner war hetero, und zwar massiv. Aber was hätte es auch genützt, wenn es anders gewesen wäre? Kim grübelte wieder über ihren Plan nach, sie in ein anderes Gebäude zu verfrachten. Gab es nicht auch Zweigstellen im Ausland? Konnte Sonja Kantner nicht vielleicht da tätig werden?
Eines jedenfalls wusste Kim: Sie würde es nicht lange aushalten, Sonja Kantner so nah neben sich zu haben, jeden Tag, fast jede Minute. Vielleicht konnte Kim sich an sie gewöhnen, würde mit der Zeit abstumpfen? Kim musterte Sonja Kantners Körper noch einmal von oben bis unten, während sie sprach. – Nein. – Nein, die Wahrscheinlichkeit war ausgesprochen gering. Eher würde das Gegenteil eintreten.
Als die Versammlung sich auflöste, wollte Kim schon gehen, da winkte der oberste Chef in ihre Richtung. »Frau Wolff? Kommen Sie mal?«
Kim atmete tief durch und straffte ihre Schultern. Mut! Sie ging zu den beiden hinüber, und er stellte sie lächelnd vor. »Das, Frau Kantner, ist Ihre engste Mitarbeiterin, Frau Wolff.«
Sonja Kantner lächelte auch und gab Kim die Hand. Kim hätte sie lieber nicht berührt, aber sie konnte sich ja schließlich kaum weigern. Sonja Kantners Hand in ihrer war weich und warm. Am liebsten hätte Kim sie nun gar nicht mehr losgelassen, aber Frau Kantner zog ihre zurück, nach der angemessenen Zeit, wie es sich gehörte.
»Es freut mich, Sie kennenzulernen, Frau Wolff«, sagte sie. »Ich hoffe, wir werden gut zusammenarbeiten.«
Zusammenarbeiten? dachte Kim, aber laut erwiderte sie, was von ihr erwartet wurde: »Das hoffe ich auch, und ich freue mich ebenfalls darauf.« Sie lächelte zuversichtlich oder hoffte zumindest, dass es so ankam. Das Kribbeln, das sich von ihrer Hand langsam über ihren ganzen Körper ausbreitete, hinderte sie ein wenig daran, ihre Reaktionen kontrollieren zu können.
»Sie werden Frau Kantner dann durch die Firma führen und ihr alles zeigen, nicht wahr, Frau Wolff?«, vermutete ihr oberster Chef in freundlichem Befehlston.
Kim versuchte, nicht zu schlucken. »Ja«, erwiderte sie mühsam beherrscht; deshalb klang ihre Stimme sehr leise, »selbstverständlich. Ich werde ihr alles zeigen.« Wenn das nur gegangen wäre! Was Kim ihr nicht alles hätte zeigen wollen . . .!
Sonja Kantner lachte. »Aber erst morgen! Heute habe ich noch die Tour durch die Chefetage.«
Der oberste Chef schmolz vor ihrem charmanten Lächeln ebenso dahin wie Kim, nur durfte er es zeigen, Kim nicht. Ein Tag Schonfrist! Wenigstens das!
»Dann bis morgen«, lächelte Sonja Kantner jetzt wieder Kim an. »Wann werden Sie da sein?«
»Um acht«, quetschte Kim hervor.
»Gut«, lächelte Frau Kantner. »Ich werde um sieben da sein.«
»Das wäre wirklich nicht nötig gewesen, Frau Wolff«, begrüßte Frau Kantner sie strahlend.
So früh am Morgen schon so gut gelaunt – das konnte ja heiter werden! Wann war sie aufgestanden? Kim war pünktlich gewesen, aber Sonja Kantner saß schon am Schreibtisch, als Kim ihr Büro betrat.
Sie kam auf Kim zu, um ihr die Hand zu geben. »Guten Morgen«, sagte sie, als sie Kim erreicht hatte, und ihre Augen senkten sich mit einem unwiderstehlichen Blick in Kims.
Wahrscheinlich wusste sie gar nicht, was für eine Wirkung das auf Kim hatte . . . sie auf Kim hatte –
»Sie hätten ruhig erst um acht kommen können«, fuhr Frau Kantner fort. »Ich weiß, dass ich alle damit nerve, dass ich so eine Frühaufsteherin bin. Aber ich arbeite morgens gern in aller Ruhe Sachen auf. Dann, wenn noch niemand da ist. Sonst kommt man ja nicht dazu.« Sie lachte ungeheuer sympathisch.
Sie hatte gerade erst angefangen. Was wollte sie da aufarbeiten? Kim rang sich zu einem verständnisvollen Lächeln durch und zog ihre Hand weg, die Frau Kantner immer noch hielt. »Da haben Sie recht«, stimmte sie zu. »Ich mache das allerdings lieber abends, wenn dann alle weg sind.«
Sonja Kantner lachte erneut und ging zu ihrem Schreibtisch zurück. »So hat halt jeder seine Vorlieben«, sagte sie. Sie drehte sich zu Kim um. »Wie lange sind Sie dann abends im Büro?«, fragte sie.
»Manchmal bis um zehn«, antwortete Kim, »aber ich komme morgens auch erst –« Sie brach ab. Sie sollte ihrer neuen Chefin vielleicht lieber nicht verraten, wann sie morgens normalerweise kam.
Sonja Kantner lächelte. Sie war zu klug, um sich so einfach hinters Licht führen zu lassen. »Sie kommen morgens weder um sieben noch um acht, nicht wahr?«
Kim seufzte. »Ja«, bestätigte sie. »Aber ich werde das natürlich ändern«, fügte sie hastig hinzu. »Wenn Sie um sieben da sind, werde ich es auch sein.«
»Das ist nicht nötig«, erwiderte Sonja Kantner. »Wie ich zu Beginn schon sagte: Ich weiß, dass ich alle mit meinen frühen Anfangszeiten nerve, aber ich verlange das von niemand.« Sie lächelte wieder. »Abends um zehn liege ich allerdings normalerweise schon im Bett. Also sollten wir uns auf eine Zeit dazwischen einigen.«
Im Bett? Kim sah sie an. Wie verführerisch musste sie erst aussehen, wenn sie im Bett lag, wo sie tagsüber schon so attraktiv war? Sie hatte sicher wundervolle Dessous für die Nacht . . . und wenn sie gar nichts trug . . .?
»Wann könnten Sie denn frühestens hier sein?«, fragte Sonja Kantner nun, während sie in einem Aktenordner auf ihrem Schreibtisch blätterte, den ihr Vorgänger hinterlassen hatte.
Kim musste sich erst von ihren Gedanken losreißen. »Halb neun?«, schlug sie dann vor. Das würde sie wahrscheinlich gerade mal so schaffen.
Sonja Kantner blickte auf. »Gut«, sagte sie. Dann lächelte sie erneut auf diese ungeheuer sympathische, fast liebevolle Art. »Und wenn es mal neun wird, macht das auch nichts. Ich nehme an, das war die Zeit, die Sie eigentlich vorschlagen wollten, nicht wahr?«
Sie musste eine Menge Führungsseminare absolviert haben, um so gut zu sein. »Ja«, gab Kim zu.
»Wir werden uns schon zusammenraufen!«, lachte Sonja Kantner. »Zeigen Sie mir jetzt die Firma?«
Zusammen raufen – was für eine nette Vorstellung, dachte Kim noch, bevor sie Sonja Kantner den Vortritt ließ, um das Büro zu verlassen.
Und sie hatten sich tatsächlich zusammengerauft, wenn man so wollte. Mit Sonja Kantner zu arbeiten, war ein Genuss. Was Kim weniger genüsslich fand, war die körperliche Nähe, die meistens dabei entstand, und die Sonja Kantner auch gar nicht zu vermeiden versuchte. Sie beugte sich über Kims Stuhl, während sie hinter ihr stand und Kim ihr etwas auf dem Bildschirm zeigte. Wenn sie am Besprechungstisch etwas klärten, saß sie dicht neben Kim, weil sie gemeinsam irgendwelche Papiere studieren mussten. Immer wieder lachte sie, wenn sie sich unterhielten – natürlich rein geschäftlich – und strich Kim dabei über den Arm, dass die Gänsehaut meilenweit zu sehen war – oder zu...




