E-Book, Deutsch, 234 Seiten
Gogoll Wenn Liebe so einfach wäre ...
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95609-261-9
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Liebesroman
E-Book, Deutsch, 234 Seiten
ISBN: 978-3-95609-261-9
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erst eine unschöne Begegnung auf der Post, dann läuft sie der unhöflichen Fremden auch noch ins Fahrrad – Enja scheint sich ihr nicht mehr entziehen zu können. Nicht nur, um den Schaden zu ersetzen, führt es Enja zu Malin nach Hause, wo sie auch deren herrische Freundin Ulla kennenlernt. Trotz aller Bedenken versucht Enja Malin näherzukommen, doch Malins Stimmungsschwankungen und ihre merkwürdige Haltung zu Ulla machen das nicht leicht. Als Malin unvermutet von Ulla vor die Tür gesetzt wird, scheint einer Beziehung mit Enja nichts mehr im Wege zu stehen – doch Ulla ist mit Malin noch längst nicht fertig ...
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1
»Ich wollte doch nur helfen.« Verdattert blickte Enja auf die Frau vor sich in der Reihe am Postschalter, deren Augen sie böse anblitzten.
»Wollten Sie nicht! Sie wollten sich vordrängen!« Fast wie ein Knurren kam es von den zusammengepressten Lippen.
Bei dieser Unterstellung blieb Enja beinah der Mund offenstehen. Schon eine ganze Weile hatte sie am Schalter gewartet wie einige andere, die sich hinter ihr zu einer langen Schlange aufgestaut hatten, und die Frau, die diese Schlange verursacht hatte, war ihr etwas verwirrt erschienen.
Die Angestellte hinter dem Schalter erklärte ihr schon zum mindestens dritten Mal, wie sie den Paketzettel ausfüllen musste, aber die Kundin schien es nicht zu begreifen.
Auf einmal hatte Enja das Gefühl gehabt, sie erkannte, was das Problem war, war lächelnd mit ihren Päckchen im Arm vorgetreten und hatte der Angestellten mit einem »Ich glaube, sie meint –« einen Hinweis geben wollen.
Weiter war sie aber nicht gekommen, denn die Frau mit dem aschblonden Haar schnellte herum, starrte sie mit wildem Blick an und fauchte: »Woher wollen Sie wissen, was ich denke? Halten Sie sich da gefälligst raus!«
Nicht zum ersten Mal in ihrem Leben ärgerte Enja sich darüber, dass sie so hilfsbereit war. Und nun schob diese Dame ihr auch noch die Absicht unter, dass sie sich hatte vordrängen wollen.
Augenrollend warf sie einen Blick, der fast genauso genervt erwidert wurde, auf die Angestellte und trat einen Schritt zurück.
Endlich konnte die Kundin sich entscheiden, und die Angestellte legte das Paket hinter sich auf einen Wagen.
»Sie hatte wohl recht. Ich hätte mich nicht einmischen sollen«, entschuldigte Enja sich bei der Angestellten, als die Kundin an der langen Schlange entlang zum Ausgang strebte und sie endlich zum Schalter vortreten konnte.
Die Angestellte winkte ab. »Machen Sie sich darüber keine Gedanken. Manche Leute suchen den Streit geradezu. Wenn Sie wüssten, was ich hier da jeden Tag erlebe . . .« Sie lächelte Enja etwas erschöpft an. »So nette Kundinnen wie Sie gibt es nicht viele.«
»Danke.« Enja lächelte zurück. »Dafür bringe ich Ihnen immer viel Arbeit.« Sie ließ ihre Päckchen auf den Schaltertisch gleiten.
»Sie wissen aber auch genau, an wen Sie sie schicken wollen«, lachte die Angestellte gutmütig. Mit einem leichten Stirnrunzeln fügte sie hinzu: »Würde es sich für Sie nicht langsam mal lohnen, die Päckchen bei sich zu Hause abholen zu lassen? Ihr Geschäft scheint ja gut zu laufen. Es werden immer mehr.«
»Ja, das ist schneller mehr geworden, als ich gedacht hätte«, gab Enja zu. »Dabei verkaufen so viele Leute auf ebay.« Sie lächelte. »Das mit dem Abholen überlege ich mir. Danke. Dann auf Wiedersehen bis morgen.«
Während die Angestellte sich schon dem nächsten Kunden zuwandte, drehte Enja sich um und begab sich zügig und beschwingten Schrittes aus dem Geschäft mit der kleinen Postfiliale hinaus.
Sie war guter Laune, insbesondere nachdem die Angestellte sie noch einmal auf das hingewiesen hatte, was ihr selbst auch schon aufgefallen war: Ihr ebay-Shop lief besser als erwartet.
Sechs Monate waren es jetzt her, dass sie sich dazu entschlossen hatte, ein paar Sachen auf ebay zu verkaufen, um auszuprobieren, ob man damit Geld verdienen konnte. Sie hatte das Ganze nur als Test betrachtet und nicht damit gerechnet, dass ihr so viel Interesse entgegenschlagen würde. Schon nach kurzer Zeit war sie mit der Auslieferung der Bestellungen fast gar nicht mehr nachgekommen.
Mittlerweile war der Gang zur Post, manchmal mehrmals am Tag, zur Routine geworden, und wahrscheinlich hatte sie diese Vertrautheit mit den Abläufen dann heute dazu verleitet, ihre Hilfe anzubieten, wo sie nicht erwünscht war.
Sie seufzte. Leute gab’s . . .
Draußen vor dem Geschäft blieb sie stehen und schaute sich um. Da sie noch ein paar andere Sachen zu erledigen hatte und das Geschäft so ziemlich in der Mitte der Haupteinkaufsstraße des kleinen Städtchens, in dem sie wohnte, lag, überlegte sie, ob sie zuerst nach rechts oder nach links gehen sollte.
Bei diesem etwas ziellosen Umherschweifen blieb ihr Blick plötzlich an der Gestalt der Frau hängen, die sie in der Postfiliale so angeschnauzt hatte. Sie stand neben einem Fahrrad, das am Fahrradständer angeschlossen war und das sie anscheinend gerade hatte aufschließen wollen, und schien vor sich hinzuträumen.
Wenn sie jetzt die Kombination ihres Zahlenschlosses vergessen hat, werde ich ihr bestimmt nicht meine Hilfe anbieten, dachte Enja. So dumm bin ich nicht zweimal.
Es schien, als ob die Frau wieder zu sich kam, und da Enjas Blick immer noch auf ihr ruhte, nahm sie ihn nun wahr.
Was ihr offensichtlich keine Freude bereitete, denn ihre Miene verschloss sich sofort, ihre Lippen pressten sich zusammen, und mit einer ruckartigen Bewegung öffnete sie das Schloss an ihrem Rad, schob es aus dem Ständer und stieg auf.
Bevor sie endgültig aus Enjas Blickfeld entschwand, schleuderten ihre Augen noch einmal Blitze auf sie.
Enja schüttelte den Kopf. Was die wohl für ein Problem hat.
Aber das war eindeutig nicht ihr Problem. Sie wandte sich nach links und ging die Hauptstraße hinab, um mit ihren Erledigungen fortzufahren.
»Sabine gibt am Freitag eine Party. Kommst du?« Die Stimme am Telefon klang frisch und äußerst dynamisch.
Enja runzelte die Stirn. »Wer ist noch da außer Sabine?«
»Ach, sei doch nicht immer so misstrauisch!« Ihre Freundin Svea lachte. »Eine Menge Leute.«
»Und zufällig auch eine Frau, die ich noch nicht kenne, die aber ganz bestimmt super zu mir passen würde?«, fragte Enja amüsiert.
»Du bist wirklich furchtbar«, beschwerte Svea sich. »Statt froh zu sein, dass du so nette Freundinnen hast, die sich um dein Liebesleben sorgen.«
»Mein Liebesleben ist in Ordnung, danke«, entgegnete Enja trocken. »Ich habe also recht?«
»Na ja . . .« Svea wand sich ein bisschen. »Sabines Ex hat sich gerade von Cordula getrennt, und Sabine kennt sie auch und wollte nicht, dass sie so traurig und allein zu Hause herumsitzt, und deshalb hat sie sie eingeladen.«
»Damit ich sie tröste?« Enja lachte laut auf. »Ihr habt sie ja wohl nicht alle!«
»Ihr habt viel gemeinsam. Sie hat auch einen ebay-Shop«, argumentierte Svea eifrig. »Da habt ihr gleich etwas, worüber ihr euch unterhalten könnt.«
»Habt ihr die anderen – wie viele tausend? – ebay-Verkäuferinnen auch eingeladen?«, fragte Enja amüsiert.
»So ein Blödsinn. Natürlich nicht.« Svea tat etwas empört. »Aber Sabine meint, ihre Ex hätte Cordula nie schätzen können.« Sie machte ein abfälliges Geräusch. »Bei wem kann die das schon? Dass Sabine überhaupt noch Kontakt mit ihr hat . . .« Man konnte fast hören, wie sie den Kopf schüttelte. »Wie auch immer. Sabine sagt, Cordula würde viel besser zu dir passen als zu ihrer Ex.«
»Sagt sie das.« Enja schürzte die Lippen. »Ihr zwei solltet wirklich ein Heiratsinstitut aufmachen. Das ist alles, was euch interessiert.«
»Ist ja auch das Wichtigste im Leben«, gab Svea freimütig zu. »Wer mit wem und so. Also kommst du jetzt zu der Party? Wird bestimmt lustig.«
»Bestimmt«, antwortete Enja schmunzelnd. »Habt ihr auch schon irgendwo ein Zimmer für uns gebucht?«
»Das wäre eine Idee . . .« Svea tat, als würde sie darüber nachdenken. »Ach, komm schon . . .«, fuhr sie dann lachend fort. »So schlimm wird es schon nicht werden. Wenn Sabine sagt, sie ist nett, ist sie nett.«
»Warum nimmt Sabine sie dann nicht?«, fragte Enja. Gleich darauf seufzte sie. »Na gut, ich komme. Aber nur, weil ich weiß, dass du mich sonst wieder wochenlang verfolgst.«
»Ja, bin ich nicht gut?« Hätten sie geskypt, hätte Enja jetzt sehen können, wie Svea strahlte. Aber sie telefonierten nur.
»Überleg dir das mit der Partnervermittlung«, schlug Enja vor. »Dann lässt du mich vielleicht eine Weile in Ruhe. Es gibt bestimmt eine Menge Lesben, die deine Dienste gern in Anspruch nehmen würden.«
»Mach ich, sobald ich dich vermittelt habe«, erwiderte Svea glucksend. »Du bist echt eine harte Nuss. Wenn ich dich knacke, habe ich das Examen für das Partnervermittlungs-Business bestanden!«
»Ich glaube, die meisten kommen freiwillig da hin, um sich vermitteln zu lassen, und müssen nicht dazu gezwungen werden.« Enja schüttelte gutmütig den Kopf. »Ich habe momentan wirklich andere Dinge im Kopf. Mein Geschäft . . .«, sie lachte ungläubig auf, »mein Geschäft . . . wie das klingt. Jedenfalls fordert es meine ganze Aufmerksamkeit. Ich bin schließlich noch in der Aufbauphase. Da habe ich keine Zeit für eine Frau. Und außerdem –« Sie brach ab.
»Ja, ich weiß.« Svea wirkte auf einmal ernst. »Aber das ist jetzt zwei Jahre her. Du musst die schwarzen Trauerkleider mal ausziehen.«
»Und wenn ich das nicht will?«, fragte Enja. »Wenn man einmal die perfekte Frau gefunden hat, wie soll dann noch eine andere an sie heranreichen? Du weißt nicht, wie das ist.«
Svea seufzte. »Nein, weiß ich nicht. Und ich habe dich immer um Florentina beneidet. Das Glück, eine solche Frau zu finden, hat nicht jede, da hast du recht. Aber deshalb kannst du dich doch nicht für den Rest deines Lebens vergraben. Meine Güte, du bist achtundzwanzig!«
»Ich vergrabe mich nicht«, widersprach Enja. »Ich muss nur nicht auf Teufel komm raus eine Beziehung haben. Ich kann ganz gut allein...




