Gogoll Wie ein Stern, der vom Himmel fällt
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95609-062-2
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-95609-062-2
Verlag: el!es-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Weihnachtliches Plätzchenbacken gehört eigentlich in glückliche Familien. Wenn jedoch die unfreundliche Nachbarin nur für sich allein backt, dann ist das verdächtig. Und wenn diese Nachbarin zwar spröde, aber ungemein attraktiv ist und mit ihren schönen Augen lockt, dann erwacht der lesbische Jagdtrieb: Wenn schon Plätzchenbacken, dann bitte nur zu zweit ...
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»He, du hast dich ja schick gemacht!« Timo kam hüftschwenkend auf mich zu.
»Habe ich nicht«, erwiderte ich. »Ich hatte nur nichts anderes mehr im Schrank. Alles ist in der Wäsche. Meine normalen Sachen sind noch klatschnass von heute Nachmittag, als ich mit Otto durch den Schnee getobt bin.«
»Hattest du nicht gesagt, du willst nicht kommen?« fragte er.
»Tja . . .« Ich fühlte mich etwas unwohl. »Wollte ich eigentlich auch nicht.«
»Hast du sie mitgebracht?« flüsterte er mir ins Ohr.
»Wen?«
»Wen . . .« Timo rollte die Augen. »Wen schon?«
»Meine Nachbarin?« Ich schüttelte den Kopf. »Ich sagte doch, sie ist –« Ich brach ab, weil ich sie wieder vor mir sah. Ihre Augen . . .
»Sie ist was?« Timo grinste.
»Sie ist meine Nachbarin, und ich kenne sie nicht«, schnappte ich.
»Oh-oh.« Timo wedelte mit einem Finger vor meiner Nase herum. »Was ist denn da passiert?«
»Ich muss was trinken«, entgegnete ich steif. »Holst du mir was?«
»Klar. Setz dich hinten zu den beiden Heten von der Produktion. Du kennst sie ja.«
Er tigerte zur Bar, und ich ging weiter ins Pimpernel hinein. Der Discobereich auf der linken Seite war voll mit Männern, die miteinander oder allein tanzten. Die Musik war laut, aber durchaus nicht schlecht. Die Schwulen hatten da immer ein gutes Händchen.
Rechts von der Tanzfläche auf leicht erhöhten Podesten waren Sitze angebracht, von denen aus man die Tanzenden genau beobachten konnte. Ein paar halbrunde Nischen mit einer Bank, die um einen Tisch herumgezogen war, boten Platz für bis zu sechs Personen. Theoretisch. Meist waren es mehr, die sich übereinander dort stapelten.
Die beiden Heten, von denen Timo gesprochen hatte, waren Produktionsassistenten, noch sehr jung, gerade von der Schulbank. Bei mindestens einem von ihnen rechnete Timo sich Chancen aus, wie ich wusste.
Die Jungs begrüßten mich freudig, sie waren offensichtlich erleichtert, eine Frau zu sehen, auch wenn sie nicht zu ihrer Fraktion gehörte. Ich konnte mir schon vorstellen, was seit ihrer Ankunft im Pimpernel abgegangen war. Zwei junge hübsche Kerle, die zum ersten Mal hier waren – da hatten die Finger der anwesenden Männer Tentakel bekommen.
»Patrick. Fabian«, begrüßte ich sie. »Na, gefällt’s euch hier?«
»Silke. Bin ich froh, dass du da bist«, stöhnte Patrick.
»So schlimm?« Ich grinste.
»Schlimmer«, sagte er.
»Aber du wolltest doch unbedingt hierher«, erwiderte ich.
»Ich wusste ja nicht, was mich erwartet!« Patrick stöhnte erneut auf. »Weißt du, wie viele Angebote ich heute schon bekommen habe, mit in den Lederkeller zu kommen?«
»Ich kann’s mir vorstellen«, schmunzelte ich. Patrick war ein ausnehmend hübscher Junge.
»Mit mir wollen sie immer nur tanzen«, sagte Fabian, und er schien deswegen fast ein wenig zu schmollen.
»Ihr könnt ja gehen, wenn ihr wollt«, schlug Timo vor, der gerade hinter mich getreten war. »Dein Bier.« Er drückte mir eine Flasche in die Hand.
»Nein, so war das nicht gemeint.« Wenn Patrick eine Frau gewesen wäre und das Licht von der Discokugel nicht ständig gewechselt hätte, hätte ich angenommen, er würde rot.
»Ist er nicht anbetungswürdig?« flüsterte Timo mir ins Ohr.
Ich grinste ihn von der Seite an. Also Patrick sollte es sein. »Hast du eine Freundin, Patrick?« fragte ich und nahm einen Schluck von meinem Bier.
»Ich . . . äh . . . nein. Im Moment nicht.« Patrick schaute nach unten.
»Ist doch nicht schlimm.« Timo setzte sich neben ihn und legte eine Hand auf Patricks Bein.
»Komm, Fabian«, sagte ich. »Wir gehen an die Bar.«
Fabian folgte mir sofort. »Ich glaube, ich gehe nach Hause«, sagte er. »Das habe ich mir irgendwie anders vorgestellt.«
»Wie hast du es dir denn vorgestellt?« Ich lehnte mich gegen die Bar.
»Männlicher«, sagte er.
»Männlicher.« Ich zog die Augenbrauen hoch. »Was verstehst du darunter?«
»Na ja, das hier . . . das sind doch alles . . . also die benehmen sich wie Frauen!« Er schien fast verzweifelt.
»Nicht ganz.« Ich schmunzelte. Aber er hatte recht. In vielen Lesbenbars herrschte eine männlichere Atmosphäre als hier. »So sind Schwule eben«, sagte ich.
»Das wusste ich nicht«, sagte er.
»Woher auch?« Ich trank noch einmal von dem leckeren Bier. »Du bist hetero.«
»Wieso bist du da so sicher?« fragte er.
Ich schaute ihn etwas interessierter an. »Du nicht?« fragte ich.
»Ich weiß nicht«, sagte er. »Ich habe mir nie viele Gedanken darüber gemacht.«
»Du bist noch sehr jung«, sagte ich. »Da macht man sich über vieles keine Gedanken.«
»Was hast du denn gemacht in meinem Alter?« Er schaute mich an. »Wie alt bist du?«
»Noch nicht so alt, wie ich wahrscheinlich für dich aussehe.« Ich lachte. »So lange ist dein Alter für mich noch gar nicht her. Und ich weiß sehr genau, was ich damals gemacht habe: Ich war ständig verliebt.«
Er schaute sich um. »Ja«, sagte er. »Aber in wen?«
Ich musste grinsen. »Meine Auswahl ist sicherlich nicht dieselbe wie deine«, sagte ich.
»Du siehst gut aus«, sagte eine Stimme hinter mir. Eindeutig keine männliche Stimme.
Ich drehte mich um. Vor mir stand eine Frau in schwarzem Leder, ziemlich aufreizend gekleidet, wenig Leder, viel Haut. »Ich habe dich schon öfter hier gesehen«, sagte sie, »aber sonst sahst du immer anders aus.«
Ich grinste. »Nicht so gut?« Ich erinnerte mich an sie. Sie stand meistens an der Bar und unterhielt sich mit den Ledertypen.
»Unauffälliger«, sagte sie. Sie musterte mich von oben bis unten.
»Meine Jeans sind in der Wäsche«, sagte ich. »Das ist nicht das, was ich normalerweise trage.«
»Eben«, sagte sie und fuhr mit einem Finger über mein Dekolleté.
Marika hatte mir dieses Top am Anfang unserer Bekanntschaft geschenkt, als sie mit mir ausgehen wollte. Sie fand, dass mein Kleiderschrank für ihre Ansprüche nicht genügend ausgestattet war. Ich hatte das Teil schon ewig nicht mehr getragen, aber mich immer gescheut, es wegzuwerfen, weil es offensichtlich teuer gewesen war. Und heute hatte ich eben einfach nichts anderes mehr zum Anziehen gehabt.
Ich versuchte auf mein Dekolleté zu schauen und ihrem Finger zu folgen. »Schön, dass es dir gefällt«, sagte ich.
Ich war noch im Zweifel darüber, was ich mit ihr anfangen sollte. Sie war so weit von dem Typ entfernt, den ich ansonsten bei Frauen bevorzugte, dass ich nie auch nur einen Gedanken an sie verschwendet hatte. Aber wenn die, die ich wollte, mich nicht wollten, warum dann nicht eine nehmen, die ich nicht wollte, aber sie mich?
»Es gefällt mir«, sagte sie. »Sehr«, und schaute dabei auf meine Brüste.
Ich hatte meine Brüste immer zu groß gefunden, aber von der gegenüberliegenden Seite des Spiegels betrachtet sah das natürlich anders aus.
Sie trat einen Schritt auf mich zu. »Stehst du auf Leder?« fragte sie rau.
Nicht wirklich. »Wäre mal was Neues«, sagte ich.
»Willst du es ausprobieren?« Sie suchte meine Augen.
»Hm.« Ich konnte mich nicht entscheiden.
Sie kam näher. »Du bist unglaublich süß«, sagte sie.
»Nur weil ich ein Dekolleté trage, das bis zum Nabel geht«, vermutete ich wohl nicht so ganz zu Unrecht.
Sie lachte leicht. »Gehörst du auch zu denen, die meinen, körperliche Anziehung spiele zwischen Lesben keine Rolle?«
Nein, zu denen gehörte ich ganz bestimmt nicht. Ich dachte an Frau Rohland. »Bist du denn eine Lesbe?« fragte ich.
»Na ja . . .« Sie schaute sich um. »Meine schwulen Freunde nennen mich eine Schlampe, aber ich denke schon, dass ich eine Lesbe bin.«
»Du denkst?« Ich zog die Augenbrauen hoch.
»Ach, schau mal«, sagte sie grinsend. »Dein kleiner Freund.«
Ich folgte ihrem Blick und sah Fabian, wie er neben einem hochgewachsenen Mann in Leder stand, der einen Schnäuzer trug und ihn anhimmelte.
»Hat Dirk doch noch einen gefunden«, sagte meine Lederfreundin. »Er sucht schon den ganzen Abend.«
»Ich glaube, Fabian ist nicht schwul«, sagte ich. »Jedenfalls weiß er es noch nicht genau.«
Sie lachte wieder. »Da ist Dirk genau der richtige. Wenn sie es mit ihm getrieben haben, wissen sie Bescheid.«
»Was macht er denn mit ihnen?« fragte ich, ein bisschen besorgt um Fabians Gesundheit.
»Das willst du nicht wirklich wissen«, sagte sie. Sie schaute mich an. »Und das hat auch nichts mit uns zu tun.« Sie fuhr wieder mit ihrem Finger durch mein Dekolleté, glitt tiefer hinein und legte eine Hand auf meine Brust.
»Vielleicht sollte ich Fabian empfehlen, nach Hause zu gehen«, sagte ich.
Sie begann meine Brust zu streicheln. »Dirk tut nichts, was sie nicht auch wollen«, sagte sie. »Keine Angst.« Sie schaute mich misstrauisch an. »Oder bist du seine Mutter?«
Ich war entsetzt. »Sehe ich so alt aus?« fragte ich.
»Nein.« Sie verzog die Lippen. »Eigentlich nicht. Aber du könntest ja auch schon mit zehn angefangen haben. Soll es geben.«
»Du hast mit zehn angefangen, darauf wette ich«, sagte ich.
»Die Wette verlierst du«, sagte sie. »Ich war acht.«
Meine Augen öffneten sich...




