Gohl | Julia - Ferien im Sattel | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 18, 141 Seiten

Reihe: Julia Reihe

Gohl Julia - Ferien im Sattel


1. Auflage 2021
ISBN: 978-87-28-01310-6
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 18, 141 Seiten

Reihe: Julia Reihe

ISBN: 978-87-28-01310-6
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der erste Preis eines Aufsatzwettbewerbs ist ein Wanderritt durch Andalusien. Klar, dass Protagonistin Julia im 18. Band der beliebten Kinder- und Jugendbuchreihe von Christiane Gohl daran teilnimmt. Sie gewinnt die Reiterferien und reist an die Südküste Spaniens. Julia muss jedoch feststellen, dass die Finca in der sie untergebracht ist, sich in keinem guten Zustand befindet und die Pferde dort schlecht behandelt werden...-

Christiane Gohl wurde 1958 in Bochum geboren. Sie studierte Pädagogik und promovierte auch in diesem Fachbereich. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Reiseleiterin und Werbetexterin, später auch als Journalistin. Mittlerweile ist Christiane Gohl eine erfolgreiche Schriftstellerin zahlreicher Werke, welche unterschiedlichen Genres zugeordnet werden können. Unter den Pseudonymen Sarah Lark und Ricarda Jordan veröffentlicht sie Romane für Erwachsene. Unter ihrem eigenen Namen wurden bereits zahlreiche Kinder- und Jugendbücher publiziert.
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Flucht aus der Kälte


»Warum muss es eigentlich schon wieder so kalt sein?«, jammerte Julia und zog ihren Anorak enger um sich. Ihre Hände waren so steif gefroren, dass es ihr kaum gelang, den Führstrick in das Halfter ihres Connemara-Wallachs Coffee einzuklinken.

»Weil es Oktober ist und der Wetterbericht ein ›Hoch‹ gemeldet hat«, informierte sie Nickie lachend. Die junge Frau trug Handschuhe und hatte eine Pudelmütze über ihr dichtes, dunkles Haar gezogen. »Das bedeutet, dass der Himmel zwar wolkenlos ist, aber da die Sonne schon sehr hoch steht, wird es nicht mehr so richtig warm. Heute Nacht hatten wir sogar schon Frost.«

»Ja, und die Ponys bekommen ihr Winterfell in einem Tempo, dass man fast beim Wachsen zuschauen kann. Dabei habe ich noch gar keine Lust auf Regen, Schnee und Matschwetter. Es war so ein schöner Sommer, der könnte ruhig noch etwas länger dauern.« Julia hatte Coffee endlich am Strick und öffnete das Weidetor für Nickie, die gleich zwei Ponys hinausführen musste. Energisch disziplinierte sie ihr Welsh-Pony Megan, das es wieder mal zu eilig hatte. Piazza, die ältere Welsh-Partbred-Stute, kam gesittet hinterher. Nickie hätte eigentlich aufsteigen und reiten können. Piazza war auch ohne Sattel ein sicheres Reitpony und die junge Megan ging gut als Handpferd. Julia musste ihr Jungpferd Coffee aber führen und so ging Nickie auch zu Fuß, um ihr Gesellschaft zu leisten. Die beiden brachten ihre Pferde zurück auf die große Gemeinschaftskoppel bei Julias Haus. Dort verbrachten eigentlich alle Pferde der Haltergemeinschaft den Sommer. Jetzt, im Herbst, wurde das Gras jedoch knapp. Julias und Nickies Pferde hatten daher ein paar Tage lang eine kleinere Koppel abgefressen.

»Nun mecker mal nicht«, meinte Nickie. »Wie gesagt, der Sommer war fantastisch und über den Herbst können wir bisher auch nicht klagen. Mir ist die Kälte allemal lieber als der übliche Matsch und Regen. Und du fliegst ja sowieso bald nach Andalusien ...«

»Jetzt fang du nicht auch noch an!«, sagte Julia unwillig. »Reicht schon, dass Olaf und Gloria mich dauernd mit diesem Wettbewerb nerven. Hätte ich euch bloß nichts davon gesagt...«

»Dann hätten wir die Geschichte aber nicht alle im Vorfeld lesen und Verbesserungen vorschlagen können – von der Rechtschreibkontrolle durch Glorias Computer mal ganz zu schweigen. Und um es dir noch mal zu versichern: Wir fanden den Text durchgehend preisverdächtig. Gehst du mal etwas langsamer? Megan ist außer Rand und Band.«

Während Julia noch Anstalten machte, Coffees Tempo etwas zu drosseln, war es auch schon passiert. Megan, eine hübsche Cob-Stute mit langer, lockiger Mähne, herzförmiger Blesse und aufmerksamen, dunklen Augen, hatte sich mit einem energischen Ruck am Führstrick von Nickie befreit. Zielstrebig trabte sie zum nächsten Feld. Der Winterweizen darauf war bereits aufgegangen und das Ganze sah aus wie eine einladende, grüne Weide. Julia und Nickie befürchteten Schlimmstes. Wenn Megan über das Feld lief, würden ihre kräftigen, runden Hufe gut sichtbare Spuren hinterlassen. Zum Glück verhielt sie jedoch am Rand, um zunächst ein paar Gräser zu verdrücken. Megan rupfte das Grün in Rekordgeschwindigkeit, wusste sie doch genau, dass Nickie gleich hinter ihr her sein würde. Julia blieb mit Piazza und Coffee stehen und beobachtete das Geschehen. Die Sache war nicht ganz ungefährlich. Wenn Megan beschloss, sich im Galopp Richtung Heimat abzusetzen, konnte es kritisch werden. Auf dem Weg lag eine Bundesstraße. Zum Glück dachte die kleine Stute aber gar nicht daran, Coffee und Piazza zu verlassen. Ihr ging es nur um eine zusätzliche Leckerei – und natürlich wollte sie ihre Freiheit so lange wie möglich auskosten. Als Nickie sich ihr näherte, schlug sie folglich einen Haken und brachte wieder eine gebührende Distanz zwischen sich und ihre Herrin. Aber dann wurde ihr der von ihrem Halfter herabhängende Führstrick zum Verhängnis. Megan trat darauf, empfing einen Ruck auf die Nase und blieb einen Sekundenbruchteil irritiert stehen. Mehr brauchte Nickie nicht, um sie mit zwei Sprüngen zu erreichen und ihren Führstrick zu fassen. Das Pony ergab sich sofort in sein Schicksal – direkt nach solchen Eskapaden war Megan stets das bravste Pferd der Welt.

»Der Umgang mit Megan hält immerhin schlank«, seufzte Nickie, als sie zu Julia zurückkam. »Ich befürchte allerdings, auf die Dauer verursacht er Sorgenfalten.«

Während die junge Frau ihr aufmüpfiges Jungpferd wieder unter Kontrolle brachte, überdachte Julia noch einmal ihren Beitrag zum Aufsatzwettbewerb der Zeitung ›Sattelfest‹. Sie hatte über ihren Umzug nach Elbentrup, ein Dorf in Ostwestfalen, geschrieben und vor allem über die Suche nach einem Stall für ihr Pony Coffee. Dabei war ihre Schilderung des ersten Pensionsplatzes bei Bio-Bauer Hüpfer sehr witzig ausgefallen. Sie hatte aber auch darüber berichtet, wie sie mehr und mehr unter Druck geraten war, weil Bauer Hüpfer immer höhere Arbeitsleistungen von ihr gefordert hatte. Schließlich war es ihr mit Hilfe ihrer Freunde und ihres Stiefvaters Klaus gelungen, genügend Land anzupachten, um eine eigene Haltergemeinschaft zu gründen. Nickie und Gloria, ihre erwachsenen Freundinnen, fanden die Geschichte sehr gelungen. Auch Olaf, Julias Freund, hatte sich über die ulkigen Passagen vor Lachen gebogen. Nun warteten alle auf das Ergebnis des Wettbewerbs. In der nächsten Ausgabe von ›Sattelfest‹ sollten die Gewinner bekannt gegeben werden. Die drei Hauptpreise bestanden aus der Teilnahme an einem Wanderritt durch Südspanien. Und Nickie, Olaf und Gloria taten seit Wochen so, als sei Julias Reise in den Herbstferien schon fest eingeplant.

Nickie hatte ihre Führstricke inzwischen wieder geordnet und ging neben Julia her. Julia selbst hatte mit Coffee keine Probleme. Der milchkaffeefarbene kleine Wallach war meist sehr brav.

»Ich gewinne garantiert nicht«, meinte Julia pessimistisch. »Wenn eine von hier einen Preis kriegt, dann höchstens Alina. Sie hat ihren Aufsatz übrigens unserer Deutschlehrerin gezeigt und mit ihr gemeinsam die ›gezielt eingesetzten Stilmittel‹ diskutiert. Ich hätte schon wieder kotzen können.«

»Zurückhaltung ist eben nicht so ihre Sache«, lachte Nickie. Alina war im Sommer neu in Julias Schulklasse gekommen und galt als Streber. Sie war in allen Fächern die Beste und sah obendrein phantastisch aus. Nur mit Alinas Reitkenntnissen haperte es ziemlich. Obwohl ihr Vater ihr ein sehr gut veranlagtes Dressurpferd gekauft hatte, reichte es nicht für Schleifengewinne. Neuerdings hatte das Mädchen sich jedoch aufs Springen verlegt. Mit Unterstützung ihres Freundes Jens trieb sie ihre Stute Aphrodite seither mit oft sehr unschönen Methoden zum Sieg.

»Aber deshalb wird sie trotzdem nicht gewinnen«, fuhr Nickie fort. »Nun zeig mal ein bisschen Selbstbewusstsein, Julia! Alina könnte dich zwar in Mathe oder beim Schachspielen ohne weiteres schlagen, aber die besseren Geschichten erzählst garantiert du. Berühmte Schriftsteller hatten nie die besten Noten im Aufsatz, das kannst du überall nachlesen. Außerdem hast du eine Freundin in der Sattelfest-Redaktion ...« Nickie verhielt ihre Pferde vor einer Straßenüberquerung.

»Du glaubst doch nicht, dass Stephanie mich absichtlich gewinnen lässt! So unfair wäre sie nie!«, erregte sich Julia. Vor ihrem Umzug hatte Julia bei Stephanie Heiden, einer Redakteurin der Zeitung ›Sattelfest‹, reiten dürfen. Außerdem war Coffee der Sohn von Stephanies Connemara-Stute Violetta.

»Natürlich nicht. Aber seien wir doch mal ehrlich:Wenn ein Jurymitglied eine der Einsenderinnen kennt, liest es deren Beitrag aufmerksamer. Auch wenn Stephanie nicht absichtlich unfair sein will, so bedeuten Beziehungen doch immer Pluspunkte. Wenn du später mal ein Buch herausbringen willst, ist es auch besser, wenn du schon eine Lektorin kennst. Das ist einfach so.« Nickie musste es wissen. Sie war als Fotografin und Illustratorin von Kinderbüchern für mehrere Verlage tätig.

»Wir werden’s ja sehen«, meinte Julia und führte Coffee über die Straße. Gleich danach hatten sie ihr Haus erreicht und entließen die Ponys auf die große Gemeinschaftsweide. Das dritte Jungpferd der Haltergemeinschaft, Olafs Quarter-Wallach Hillbilly, forderte Coffee sofort zu einem spielerischen Kampf auf. Megan stürzte sich inzwischen mit gebleckten Zähnen auf Kyla, ein Pensionspferd, und Piazza gesellte sich zu ihrem besten Freund Godi.

Als Nickie sich zum Gehen wandte, fuhr vor Julias Haus gerade der Postbote vor. Er schob einen Stapel Briefe und Zeitschriften in den Kasten der Familie Wiegand/Gronau.

»Die Post kommt auch immer später«, kommentierte Nickie. »Geh mal schnell gucken, ob ›Sattelfest‹ schon dabei ist. Ich bin ja soo gespannt, ob du gewonnen hast.«

Julia zog die Post aus dem Briefkasten und warf...



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