E-Book, Deutsch, Band 5, 142 Seiten
Reihe: Julia Reihe
Gohl Julia und das Springpferd
1. Auflage 2021
ISBN: 978-87-28-01297-0
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 5, 142 Seiten
Reihe: Julia Reihe
ISBN: 978-87-28-01297-0
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Christiane Gohl wurde 1958 in Bochum geboren. Sie studierte Pädagogik und promovierte auch in diesem Fachbereich. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Reiseleiterin und Werbetexterin, später auch als Journalistin. Mittlerweile ist Christiane Gohl eine erfolgreiche Schriftstellerin zahlreicher Werke, welche unterschiedlichen Genres zugeordnet werden können. Unter den Pseudonymen Sarah Lark und Ricarda Jordan veröffentlicht sie Romane für Erwachsene. Unter ihrem eigenen Namen wurden bereits zahlreiche Kinder- und Jugendbücher publiziert.
Autoren/Hrsg.
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Eine Chance für Julia
»Aufmarschieren, Zügel aus der Hand kauen lassen und Pferde loben!«
Herrn Holthoffs durchdringende Reitlehrerstimme beendete die Dressurstunde, und Julia lenkte die Fuchsstute Pretty aufatmend in die Mitte der Reitbahn. Sie war jedesmal froh, wenn sie den anspruchsvollen Dressurunterricht auf dem Pferd ihrer Freundin Kathi ohne größere Schnitzer überstanden hatte.
Julia klopfte Prettys glattes Fell und machte Anstalten abzusteigen, während die anderen trockenritten. Kathis Pferd stand nicht in der Box an der Reithalle, sondern bei ihrer Freundin Stephanie im Offenstall. Auf dem Heimweg würde es genug Zeit haben, sich abzukühlen, und Julia freute sich auf den kurzen Ritt in der Maisonne.
Aber noch bevor sie Pretty hinausführen konnte, rief Holthoff sie an. »Julia? Mit dir wollte ich noch sprechen! Komm doch bitte in mein Büro, bevor du wegreitest! Dein Pferd kannst du solange in die hinterste Box links stellen.«
Verwundert drehte Julia ab und führte Pretty noch etwas in der Reithalle herum. Was mochte Holthoff von ihr wollen? Hatte sie Kathis Turnierpferd vielleicht so schlecht geritten, daß noch eine persönliche Standpauke fällig war? Aber so was sah Herrn Holthoff nicht ähnlich. Gewöhnlich machte er seiner Meinung direkt Luft.
Prettys kurzes, weiches Fell trocknete schnell, und so wurde Julias Geduld nicht übermäßig auf die Folter gespannt. Sie folgte den anderen Mädchen in den Stall, sattelte Pretty ab und ließ sie in die hintere Box.
»Aber bitte nicht wälzen!« sagte sie, während sie der Stute eine Belohnung zusteckte. »Wir reiten gleich nach Hause, und auf der Wiese ist es viel schöner.«
Pretty schien das einzusehen. Sie blickte etwas mißmutig in der Box herum und beschnupperte dann verdrießlich die nicht allzu saubere Einstreu. Nein, hier würde sich die empfindliche Pferdedame nicht hinwerfen.
Auf dem Weg ins Büro mußte Julia die Sattelkammer durchqueren und warf dabei einen Blick in den Spiegel über dem Waschbecken. Besonders ordentlich sah sie ja nicht gerade aus! Unter der Reitkappe war ihr braunes Haar verschwitzt und zerzaust. Sie versuchte, es mit den Fingern etwas zu ordnen, aber das machte es nur noch schlimmer. Schließlich gab sie es auf. Bei Holthoff half Schönheit sowieso nicht weiter.
Zu Julias Beruhigung blickte der Reitlehrer ganz freundlich, als sie anklopfte und eintrat. Neben ihm stand Herr Friedhelm, ein Privatpferdebesitzer.
»Da bist du ja, Julia. Kennst du Herrn Friedhelm?«
Julia nickte. Sie hatte ihn und seinen Wallach Frankenstolz schon oft auf dem Reitplatz beobachtet.
»Herr Friedhelm hat dich gerade reiten sehen«, fuhr Holthoff fort. »Und er möchte dir anbieten, sein Pferd eine Zeitlang zu bewegen.«
Noch bevor Julia das richtig fassen konnte, mischte Herr Friedhelm sich ein. »Na, ganz so weit sind wir noch nicht, Holthoff. Ich muß sie erst mal auf Frankenstolz sehen! Der ist schließlich nicht so einfach wie die Stute von der kleinen Siemens. Und eigentlich hätte ich lieber ein größeres und erfahreneres Mädchen für ihn gehabt! Wie Petra zum Beispiel!«
»Petra und ich sind beide 13!« sagte Julia mit leichter Empörung. Vielleicht war das vorlaut, aber sie konnte auf keinen Fall hinnehmen, daß man ihr Petra vorzog! Die war zwar ein paar Zentimeter größer als sie, aber ganz gewiß nicht erfahrener. Julia hatte schließlich schon viele Pferde geritten, und Petra sah man immer nur auf Finessa, der Stute ihrer Tante. Mit der ritt sie allerdings Turniere. Julia dagegen hatte bisher erst eine Schleife auf einem Orientierungsritt errungen.
Zum Glück war Holthoff auf ihrer Seite. »Na, so einfach ist das Pferd von Kathi Siemens auch nicht!« stellte er richtig. »Vor einem Jahr haben es noch viele für geradezu unreitbar gehalten! Wenn Frau Heiden und Julia Kathi damals nicht geholfen hätten, wäre es längst verkauft. Und was Petra angeht – die ist mit ihrer Finessa voll ausgelastet. Julia dagegen hat zur Zeit kein Pferd zum Reiten. Sie bewegt sonst Danny, den kleinen Wallach von Frau Heiden, aber deren zweites Pferd ist trächtig, und da will sie Danny sicher selbst reiten.«
»Wir teilen ihn uns«, sagte Julia. »Stephanie meint, sie würde sich im Sommer viel um das Fohlen kümmern und käme deshalb weniger zum Reiten als sonst.«
»Aber du hättest doch Zeit für ein Pflegepferd, oder?« fragte Holthoff. »Herr Friedhelm braucht jemanden, der Frankenstolz regelmäßig reitet. Er selbst ist für drei Monate in Kuwait.«
»Für meine Firma«, fügte Herr Friedhelm hinzu. Wahrscheinlich wollte er nicht den Eindruck erwecken, so lange Urlaub zu machen.
»Klar hätte ich Zeit!« erklärte Julia. »Und bald sind ja auch Sommerferien!« In Wahrheit lagen die Osterferien zwar gerade erst drei Wochen zurück, aber das sah Julia nicht so eng.
»Na also«, meinte Holthoff zufrieden. »Und was die Reitkenntnisse anbelangt, so wirst du mit Frankenstolz schon zurechtkommen. Wenn du Probleme hast, bin ich ja da, und Frau Heiden auch!«
»Aber die Heiden macht doch Westernreiten! Und Frankenstolz ist ein Springpferd!« So richtig glücklich war Herr Friedhelm immer noch nicht bei dem Gedanken, Julia sein Pferd anzuvertrauen.
»Frau Heiden kennt sich in vielen Reitstilen aus. Denken Sie nur mal an den Andalusier letztes Jahr. Da wußte sie mehr drüber als ich.«
Julia staunte. So selbstkritisch erlebte man Holthoff selten.
»Also schön«, meinte Herr Friedhelm schließlich. »Sehen wir uns das Wunderkind mal an! Weißt du, wo Frankenstolz steht, Julia? Dann mach ihn dir fertig! Mein Sattelschrank ist der dritte vom Fenster aus gesehen.«
Natürlich kannte sie die Box von Herrn Friedhelms Pferd! Julia sauste los. Und den Sattelschrank hatte sie auch schnell gefunden. Aber erst mal putzen! Julia griff nach Halfter und Putzzeug und konnte nicht schnell genug in den Stall kommen. Pretty schaute ihr erwartungsvoll entgegen. Die hübsche Fuchsstute schien etwas enttäuscht zu sein, als Julia sie mit einem kurzen Streicheln abfertigte. Sicher wäre sie jetzt gern nach Hause gegangen!
Frankenstolz drehte der Stallgasse dagegen den Rücken zu. Auf Julias Anruf zuckte er zwar mit den Ohren, bewegte sich aber nicht.
»Hast du schlechte Laune?« fragte Julia mitfühlend. »Kein Wunder, wenn du immer in dieser blöden Box stehen mußt. Wenn ich demnächst wirklich für dich sorgen darf, bringe ich dich jeden Tag auf die Weide!«
Sie öffnete die Boxtür, und endlich regte sich Frankenstolz. Der große, braune Wallach wandte ihr langsam seinen gewaltigen Kopf zu. Julia streichelte ihn.
»Du bist ja ein Riese«, murmelte sie und reckte sich, um dem Pferd das Halfter anzulegen.
»Ein Meter achtundsiebzig Stockmaß!« erklärte Herr Friedhelm stolz. Er war gemeinsam mit Herrn Holthoff auf die Stallgasse gekommen. »Nun mach aber zu. Ich habe nicht ewig Zeit!«
Julia führte Frankenstolz aus der Box. Das Pferd bewegte sich mit deutlichem Widerwillen. Erst als es draußen war, wurde es schneller.
»Er will nie aus der Box!« meinte Herr Friedhelm. »Aber wenn du erst draufsitzt, ist er kaum zu halten!«
Das fand Julia merkwürdig, sagte aber nichts dazu. Sie striegelte den großen Braunen so rasch sie konnte. Frankenstolz ließ das teilnahmslos über sich ergehen. Julia dachte, daß er immer noch etwas traurig guckte. Aber dann entdeckte sie eine Stelle am Hals, an der er das Putzen zu genießen schien. Plötzlich wurden sein Hals und seine Oberlippe länger, und schließlich wandte er sich sogar zu Julia um.
»Paß auf, daß er dich nicht beißt!« kommentierte Herr Friedhelm. »Und beeil dich! Drei Stunden Putzen ist der nicht gewöhnt!«
Das merkte man. Aber Julia würde sich diese Chance nicht verderben, indem sie ihre Meinung kundtat. Gehorsam hörte sie auf zu putzen und wuchtete den Sattel auf Frankenstolz’ Rücken. Ein Springsattel. So was hatte sie noch nie geritten. Während sie noch angurtete, reichte Herr Friedhelm ihr schon die Trense. »Ich geh’ mal gucken, ob die Halle frei ist!«
Unverhofft fand sich Julia allein mit dem Pferd und der Zäumung. Hoffentlich warf Frankenstolz den Kopf nicht hoch! Leider tat der Wallach genau das. Schon als Julia ihm die Zügel über den Hals legte, hob er den Kopf in unerreichbare Höhen. Ein paar Sekunden lang war Julia ratlos. Aber dann fiel ihr ein, was in Stephanies Büchern zu diesem Problem stand. Sie begann, Frankenstolz’ Mähnenkamm zu kraulen und tastete sich dabei immer höher. Schließlich senkte das Pferd den Kopf, und Julia legte ihm die Hand auf die Nase. Wenn das gelang, ließen die...




