E-Book, Deutsch, Band 7, 160 Seiten
Reihe: Julia Reihe
Gohl Julia und ihr Fohlen
1. Auflage 2021
ISBN: 978-87-28-01299-4
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 7, 160 Seiten
Reihe: Julia Reihe
ISBN: 978-87-28-01299-4
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Christiane Gohl wurde 1958 in Bochum geboren. Sie studierte Pädagogik und promovierte auch in diesem Fachbereich. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Reiseleiterin und Werbetexterin, später auch als Journalistin. Mittlerweile ist Christiane Gohl eine erfolgreiche Schriftstellerin zahlreicher Werke, welche unterschiedlichen Genres zugeordnet werden können. Unter den Pseudonymen Sarah Lark und Ricarda Jordan veröffentlicht sie Romane für Erwachsene. Unter ihrem eigenen Namen wurden bereits zahlreiche Kinder- und Jugendbücher publiziert.
Autoren/Hrsg.
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Ein wald voller Geister
»Aber seid ja vorsichtig!« Reitlehrer Holthoff überprüfte noch einmal den Sitz von Ricardos Sattelgurt. So ganz wohl war ihm nicht bei dem Gedanken, seine Schülerin Janina mit dem jungen Pferd ins Gelände zu schicken. Aber in Begleitung von Julia und dem erfahrenen Reitpony Danny konnte den beiden kaum etwas passieren.
»Keine Sorge, Herr Holthoff!« Genervt zupfte Julia an ihrem braunen Pferdeschwanz. Seit zehn Minuten stand sie nun mit Danny auf dem Hof des Reitstalls und hörte sich Herrn Holthoffs Anweisungen an. Zum Glück stand Danny ruhig und nutzte die Zeit für ein Schläfchen.
»Frau Heiden reitet doch auch mit, oder?«
»Aber ja!«, versicherte Julia. »Sie ist bloß mit einem Artikel nicht rechtzeitig fertig geworden und hat mich deshalb schon mal losgeschickt, Janina und Rikki abzuholen.«
»Also dann, ab mit euch! Ich verlass mich auf dich, Julia. Pass auf, dass Janina absteigt, wenn ihr unter der Bundesstraße herreitet!«
Herr Holthoff beobachtete mit Argusaugen, wie Janina ihre Reitkappe aufsetzte und sich auf ihr Pony schwang. Ricardo blieb dabei artig stehen. Der kleine Wallach war zwar noch jung, hatte aber eine recht gute Grundausbildung. Zudem ritt Janina keineswegs schlecht. Nach einem Jahr Reiterfahrung war sie natürlich noch Anfängerin, aber mit dem freundlichen Ricardo kam sie gut zurecht. Die beiden gehörten jetzt seit einem Monat zusammen und nahmen eifrig Unterricht in der Reithalle. An diesem schönen Oktobertag ging es zum ersten Mal ins Gelände.
»Ich hatte schon Angst, wir kommen nie weg!« Mit einem leichten Anlegen der Zügel lenkte Julia Danny zu Ricardo. Gleichmütig trat das erfahrene Geländepferd neben den jungen Wallach, der mit aufmerksam gespitzten Ohren vom Hof ging. »Herr Holthoff hat getan, als wäre Rikki ein wildes Tier.«
»Die meisten Reitstallpferde benehmen sich ja auch so«, meinte Janina. »Wenn ich an Walzertraum denke...«
Walzertraum, ein großer, sehr temperamentvoller Rappe, war Janinas erstes Pferd gewesen. Ihr Vater hatte das junge Springpferd ohne Rücksicht auf ihre Reitkenntnisse ausgewählt und für Janina war bald jede Reitstunde zum Albtraum geworden.
»Walzertraum kannst du doch mit Rikki nicht vergleichen. Überleg nur mal, wie seine ersten Besitzer den behandelt haben. Fünf Jahre alt, und schon fertig zum M-Springen – das geht nicht ohne Zwang! Als er zu dir kam, war er sicher froh, nicht mehr geprügelt zu werden.«
»Seine Freudensprünge waren aber alles andere als lustig«, bemerkte Janina. »Und bestimmt fand er es auch nicht so toll, dauernd in der Box stehen zu müssen, weil ich mich nicht mehr drauf traute.« Janina war ein sehr kleines, zierliches Mädchen, das mit seinem herzförmigen Gesicht und den weichen bräunen Locken immer ein bisschen ängstlich und verletzlich wirkte. »Ich glaube, er war ganz glücklich, als Monika ihn kaufte.«
Julia nickte. »Klar. Monika liebt er und sie liebt ihn auch. Die beiden passen prima zusammen. Und du passt gut zu Ricardo. Ist doch schön, dass wir ihn dir vermittelt haben.« Julia und ihre erwachsene Freundin Stephanie hatten Ricardo entdeckt, als sie nach einem geeigneten Reitpferd für Julia suchten. Sie hatten ihn sofort gemocht, aber für Julia war er ein bisschen zu klein und zierlich. Sie wäre in einem oder zwei Jahren zu schwer für ihn geworden. Die zarte Janina würde ihn dagegen noch jahrelang reiten können.
»Das war die beste Idee, die ihr je hattet!«, strahlte Janina. »So liebe Ponys gibt es schließlich ganz selten.«
»Stimmt«, nickte Julia. »Rikkis Züchterin hat sich viel Mühe mit ihm gegeben. Aber ich glaube, im Gelände hat sie ihn nicht oft geritten.«
»Wie denn auch?«, meinte Janina. »Er stand ja mitten in einem Industriegebiet. Deshalb bin ich auch so froh, dass ihr heute mit mir reitet, statt Petra oder Monika. Wer weiß, was ihre Pferde unterwegs für Sprünge machen. Und dann rennt Rikki womöglich mit!«
»Das passiert bei Danny und Violetta ganz sicher nicht. Die scheuen höchstens, wenn neben ihnen etwas explodiert. Danny ist schließlich schon 21 Jahre alt und wurde sein Leben lang im Gelände geritten. Und mit Violetta macht Stephanie Scheutraining, seit sie ein Fohlen war.«
Julia bog in eine etwas verkehrsreichere Straße ab und bedeutete Janina, mit Ricardo hinter ihr zu bleiben. Der kleine Rappe machte das anstandslos und scheute auch nicht, als sie gleich darauf von mehreren Autos überholt wurden. Von der Reitschule bis zur Weide in der Ringstraße, wo sich Julia mit Stephanie treffen wollte, musste man gute zehn Minuten über ziemlich befahrene Straßen reiten. Und von da aus war es noch ein weiterer Kilometer bis zu den Reitwegen im Naherholungsgebiet Rauforst.
In der Ringstraße wurden die Reiterinnen mit hellem Wiehern begrüßt. Kathis Warmblutstute Pretty rief nach Danny, mit dem sie in diesem Winter den Stall teilte. Auch Violetta fiel in das Wiehern ein. Stephanie hatte die Connemara-Stute vor Prettys Offenstall angebunden, während sie auf Julia wartete. Violetta wirkte aufgeregt. Sie war noch nicht sehr häufig ohne ihr Fohlen unterwegs gewesen und machte sich Sorgen um ihren Sohn. Natürlich konnte Coffee im Stall bei Stephanies Haus nichts passieren, aber wie alle Pferdemütter war Violetta sehr ängstlich.
»Hallo!«, grüßte Julia. »Was hat Coffee gesagt, als du ihm die Mama entführt hast?«
Julia war an allem, was Coffee anging, sehr interessiert, denn das Fohlen gehörte seit vier Wochen ihr. Der kleine Hengst war ihr lieber als ein erwachsenes Reitpferd; sie wollte ihn aufwachsen sehen und später selbst ausbilden. Natürlich verbrachte sie jede freie Minute mit ihm, und als Violetta zum ersten Mal von ihm weggeritten wurde, war sie zum Trösten bei ihm geblieben. Mithilfe einer Extraportion Heu und etwas Kraftfutter hatte Coffee die Trennung schnell verschmerzt.
»Heute hat er Violetta noch nicht mal nachgewiehert«, erklärte Stephanie und schwang sich in den Sattel. »Vio dagegen befürchtet, ihn niemals wieder zu sehen.« Die junge Frau streichelte beruhigend über den Hals ihrer graufalben Stute. »Und wie benimmt sich Rikki?«
»Super!«, antwortete Janina glücklich. »Bis jetzt hat er noch kein bisschen gescheut oder sonst was Verrücktes angestellt. Er ist überhaupt das tollste Pony der Welt.«
»Auf den Titel erheben auch noch andere Anspruch«, lachte Stephanie. »Danny zum Beispiel verteidigt ihn seit Jahren. Aber wir könnten uns darauf einigen, dass Rikki das netteste schwarze Pony ist, während Danny bei den Dunkelbraunen führt.«
»Und Coffee bei den Milchkaffeefarbenen!«, rief Julia.
Unter Prettys protestierendem Wiehern verließen die Reiterinnen die Weide und machten sich auf den Weg in den Rauforst. Janina stieg vorsichtshalber ab, als sie die Unterführung erreichten, die ihnen den Weg über die viel befahrene Bundesstraße ersparte. In diesem Tunnel scheuten viele Pferde vor dem gespenstisch hallenden Verkehrslärm, aber Rikki blieb ganz ruhig.
»Kein Wunder, er ist ja praktisch an der Autobahn groß geworden«, meinte Stephanie. Rikki hatte die ersten drei Jahre seines Lebens in einem Stall mitten im Industriegebiet verbracht. Autos und Lastwagen hatten von klein auf zu seiner Umwelt gehört. »Aber die freie Natur scheint ihm nicht so geheuer zu sein.«
Tatsächlich blähte Rikki nervös die Nüstern und schaute argwöhnisch über die Weite der Felder und Weiden. Janina verkürzte besorgt die Zügel, wäre aber trotzdem beinahe heruntergefallen, als Rikki vor einem Wasserwagen scheute. »Warum macht er das nur?«, fragte sie und verkrampfte die Finger in Rikkis Mähne. »Der Laster eben war doch viel größer!«
»Aber vertrauter! Du selber hast aber keine Angst, Janina, oder?«, fragte Stephanie.
»N... nein.« Janinas Gesichtsausdruck strafte diese Behauptung Lügen. Auch ihr vorher so korrekter Sitz löste sich auf.
Julia hatte eigentlich einen Trab anregen wollen, als sie den ersten Reitweg erreichten, aber nun ließ sie es lieber. Sollten Janina und Rikki sich erst mal beruhigen! Leider klappte das nicht. Ricardo fand den Sandweg neben der Straße fast so bedrohlich wie den Wasserwagen. Er drängte zurück auf den Asphalt und erschrak zu Tode, als er eine Bank neben dem Weg entdeckte.
»Bestimmt saß ein Geist darauf!«, lachte Stephanie. »Ein grüner, glibbriger mit roten Augen.«
Julia kicherte, als sie sich das vorstellte, aber Janina fand es nicht komisch. »Ich will nach Hause«, sagte sie kläglich. »Ich tue mir immer weh, wenn ich vom Pferd falle.«
»Bei so einem Hupfer fällst du doch nicht...




