Gold | Das Gesetz der Unerbittlichen | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Gold Das Gesetz der Unerbittlichen


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7245-2442-7
Verlag: Reinhardt, Friedrich
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

ISBN: 978-3-7245-2442-7
Verlag: Reinhardt, Friedrich
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Jahr ist vergangen, seit Anna Christ, die gute Seele und treibende Kraft der Familie, an Krebs gestorben ist. Markus Christ vermisst seine grosse Liebe noch immer jeden Tag, doch das Leben geht bekanntlich weiter. So versuchen Markus und Nicole Ryff, seine Assistentin, herauszufinden, warum sein Freund, Richter Nico Peters, äusserst harte Urteile fällt, die in keinem Verhältnis zu den Straftaten der Beschuldigten stehen. Währenddessen wird Tina, die Ärztin und zweitälteste Tochter von Markus, mit einem schwierigen Fall konfrontiert. Obwohl ihr Patient in Lebensgefahr schwebt, will er sich aus religiösen Gründen nicht operieren lassen. Auch die Älteste der drei Geschwister, Kommissärin Andrea Christ, und ihr Partner Daniel sind gefordert, denn ein alter Fall aus dem Milieu lebt neu auf. Und Pfarrer Florian Christ, der Jüngste im Bunde, kann sich immer weniger damit abfinden, dass sich seine Lebenspartnerin in seine Seelsorgetätigkeit einmischt. Steht die Beziehung kurz vor dem Aus? Gelingt es Markus mithilfe von Nicole, die Familie zu unterstützen und zusammenzuhalten? Eine beinahe unlösbare Aufgabe ... Anne Gold legt den zweiten Roman ihrer neuen Serie vor - der Christ-Clan.

Anne Gold ist das Pseudonym von zwei Basler Autoren.
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2. KAPITEL


Die Interviews mit Nora Stoll, die Rita zusammentrug, waren einsame Spitze. Eine Politikerin, die weder Freund noch Feind schonte und anscheinend selbst keine Angriffsfläche bot. Nicole konnte verstehen, dass Markus nicht am Sonntags-Talk teilnehmen wollte. Eine Gesprächsrunde mit ihr konnte sehr unangenehm werden. Die CVP-Politikerin hatte sich ebenfalls zur Subventionsstreichung des Jazzorchesters geäussert. Drückte sich Markus noch sehr moderat aus, ging sie klar zur Sache. Im Interview mit der «Basler Zeitung» betonte Nora Stoll, dass das Jazzorchester durchaus Subventionen verdienen würde. Wenn aber diese vom Präsidenten dazu verwendet würden, seine Notgeilheit in der Ochsengasse abzureagieren, dann sei das nicht der Sinn der Sache. Sie habe ja durchaus Verständnis, wenn man die Damen im Milieu unterstützen wolle, doch bitte auf eigene Kosten. Sie schlug vor, den gesamten Vorstand abzuwählen und einen Neuanfang zu wagen. Dann käme wieder Ruhe ins Orchester, die Subventionen würden nicht mehr blockiert und der alte Vorstand könne sich in aller Ruhe um das Wesentliche kümmern – sich mit Prostituierten zu vergnügen. Am Ende des Artikels wurde vermerkt, dass der Vorstand zu einer Stellungnahme aufgerufen worden sei, aber der Journalist konnte niemanden zu einer Aussage bewegen, was letztlich für sich spricht. Ah, das hier ist auch nett. Bei der Bestellung der neuen Richter komme es bestimmt wieder zu Klüngeleien. Eine neutrale, fähige Kandidatin wie Annette Dressler habe keinerlei Chance, zumal ihr das richtige Parteibuch fehle. Wie immer würden die Posten politisch und nicht nach Fähigkeiten vergeben. Danach folgte eine Abrechnung mit den offiziellen Kandidaten der Parteien. Interessant, der eigene Kandidat schliesst mit Abstand am schlechtesten ab. Eines muss man ihr lassen, die nimmt kein Blatt vor den Mund. Komisch, dass ich noch nie etwas von ihr gehört habe. Während des Lesens beobachtete sie Helen aus den Augenwinkeln. Markus hat recht, etwas stimmt mit ihr nicht. Vielleicht steckt hinter der Auseinandersetzung mit Sebastian doch mehr.

«Helen, hast du einen Moment Zeit?»

«Selbstverständlich.»

«Setz dich. Du machst einen bekümmerten Eindruck, ist irgendetwas?»

«Ich bin etwas müde und freue mich auf die Ferien.»

«Sonst ist nichts?»

«Nur das Alltägliche, keine besonderen Vorkommnisse.»

«Kein Stress mit Sebastian?»

«Nein, es ist alles in Ordnung.»

«Würde er das Gleiche sagen?»

«Wir… Wir diskutieren jeden Abend über seine Fälle.»

«Das ist doch ganz normal. Du erzählst sicher auch, was so im Laufe des Tages bei uns passiert.»

«Das schon, aber seit Wochen beschäftigt ihn ein Richter. Ich kanns nicht mehr hören.»

«Was ist mit diesem Richter?»

«Offenbar fällt er kuriose Urteile. Seb möchte, dass ich mit Markus darüber spreche, nur das will ich nicht. Ich mische mich da nicht ein.»

«Wie heisst der Richter?»

«Nico Peters, er arbeitet am Strafgericht.»

«Ein guter Freund von Markus.»

«Das wusste ich nicht.»

«Was will Sebastian von Markus?»

«Er sucht seinen Rat.»

«Dann soll er seinen Rat bekommen.»

«Nicole, ich will dich da nicht hineinziehen.»

«Wir müssen schliesslich dafür sorgen, dass bei euch zu Hause wieder Frieden einkehrt. Und da sich unser Chef diese Woche langweilt, bringt ein Gespräch mit dem Staatsanwalt Abwechslung ins Büro.»

«Was, wenn Markus nicht will?»

«Ruf Seb an. Er soll in einer Stunde bei uns reinschauen.»

Misstrauisch beäugte Christ das Dossier unter dem Arm von Nicole.

«Nein! Abgelehnt!»

«Du weisst gar nicht, worum es geht.»

«Telebasel mit Nora Stoll.»

«Siehst du, das sind deine ewigen Vorurteile. Es ist eine Anfrage als Festredner beim Nordwestschweizer Schwingerverband.»

«Das mache ich mit Vergnügen. Gib mir das Dossier.»

«Bitte.»

«Das sind Interviews mit Nora.»

«Oh, dann reichte mir Rita aus Versehen das falsche Dossier. Aber, wenn wir schon dabei sind, lies die beiden ersten Berichte. Sie werden dir gefallen.»

Christ vertiefte sich in die Interviews und musste dabei einige Male schallend lachen.

«Ich dachte mir, dass dir das gefällt. Sie schont niemanden.»

«Genau das ist das Problem. Sie schiesst sich gegen jeden ein. Die kennt gar nichts.»

«Gegen jeden mit Dreck am Stecken. Was hast du zu verbergen?»

«Nichts.»

«Hütest du ein dunkles Geheimnis, von dem ich nichts weiss?»

«Du kennst mich besser als ich mich selbst.»

«Gut. Dann kann nichts passieren. Wenn ihr verschiedener Meinung seid, gibts eine interessante Diskussion. Das wäre eine Abwechslung zu dem seichten Mist, der in vielen Talkshows gesendet wird.»

«Du siehst dir den Talk im Telebasel an?»

«Helen besorgte mir die letzten vier Sendungen. Die sind so spannend wie das Betrachten eines Goldfischs im Glas. Man weiss von Anfang an, wer welche Meinung vertritt.»

«Gut, du kannst zusagen. Aber ich will keine Vorwürfe hören, wenn es eskaliert.»

«Auf einmal bist du einverstanden?»

«Man darf doch wohl seine Meinung ändern. Sollte mich Nora jedoch provozieren, kenne ich kein Pardon.»

«Gut, ich überlege mir das Ganze nochmals.»

«Wieso? Ich freue mich auf den Talk. Sag Telebasel, dass ich schon lange einmal zu Gast sein wollte. Es wundert mich, dass sie mich erst jetzt einladen.»

«Wie bitte? Wir haben schon zig Einladungen unter irgendeinem Vorwand abgesagt.»

«Dann ist es an der Zeit, ihrer Einladung nachzukommen. Was liegt sonst noch an?»

«Sebastian Kern bittet um eine Audienz.»

«Interessant. Dann hängt also der Haussegen wie vermutet schief. Wo will er mich treffen?»

«In deinem Büro in einer halben Stunde.»

«Ist denn Helen heute nicht da?»

«Doch. Er sucht geschäftlich deinen Rat.»

«Beim Anwalt oder beim Politiker? Will er sich um die vakante Stelle des Richters bewerben? Die ist schon von Annette besetzt.»

«Ich glaube nicht, dass du das entscheidest. Am besten hörst du ihn an, dann weisst du, um was es geht.» Zwanzig Minuten später stürmte ein verschwitzter Staatsanwalt ins Büro des Nationalrats. Helen hatte ihren Mann aus einer Besprechung gelotst.

«Der Chef wartet.»

«Es tut mir leid, Nicole. Das kam etwas kurzfristig, aber ich bin natürlich sehr froh, dass es klappt.»

«Danke, dass du es ermöglicht hast.» Er küsste seine Frau liebevoll.

«Das ist Nicoles Verdienst. Ich wäre damit nicht zum Chef gegangen.»

«Die Schweissperlen von der Stirn wischen und zwei Mal tief durchatmen. Bist du bereit?»

«Los gehts.»

«Markus, der Staatsanwalt ist da.»

«Er soll reinkommen… Schön, Sie wieder einmal zu sehen, Herr Kern. Ich verfolge Ihre Karriere, Sie gewinnen praktisch jeden Prozess. Sehr beeindruckend.»

«Danke. Es wird mir zurzeit auch leicht gemacht, Herr Christ.»

«Setzen Sie sich. Etwas zu trinken?»

«Ein Glas Wasser. Stilles, wenns keine Umstände macht.»

«Wohin gehst du?»

«Das Wasser für Sebastian besorgen und den hundertsten Kaffee für dich.»

«Gut, und dann setzt du dich gefälligst zu uns. Ums vorwegzunehmen, ich habe wenig Einfluss auf den vakanten Richterposten.»

«Darauf bin ich auch nicht aus, mir gefällt meine Rolle als Ankläger.»

Helen brachte die Getränke und bedachte ihren Mann mit einem kritischen Blick.

«Ihre Frau scheint über unser Treffen nicht sonderlich begeistert zu sein.»

«Ich liege ihr seit Wochen in den Ohren. Unsere Diskussionen drehten sich im Kreis. Ich bin Ihnen zu Dank verpflichtet, dass Sie sich mein Anliegen anhören.»

«Wenn ich so lieb gefragt werde, wie von Nicole, kann...


Anne Gold ist das Pseudonym von zwei Basler Autoren.



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