E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Gold Im Sinne der Gerechtigkeit
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7245-2446-5
Verlag: Reinhardt, Friedrich
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-7245-2446-5
Verlag: Reinhardt, Friedrich
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Anne Gold ist das Pseudonym von zwei Basler Autoren.
Autoren/Hrsg.
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Ferrari sass mürrisch vor dem Computer und trank einen Kaffee. In der Nacht sieht die Welt schlimmer aus, als sie in Wirklichkeit ist. Manchmal steigert man sich im Dunkeln in etwas hinein, übertreibt masslos und kann dieser düsteren Spirale nicht mehr entrinnen. Ein Glück, kehrt am Morgen bei Tageslicht die Realität zurück. Im Falle von Cloe bedeutet das, sie wurde weder entführt oder ermordet, noch beging sie Selbstmord. Sie ist eine junge, erfolgreiche Frau. Gut, ihre Beziehung mit Philipp steckt in einer Krise, aber das ist noch lange kein Grund, an ein Verbrechen oder an Suizid zu denken. Statt die Sachlage mit logischem Verstand zu betrachten, wälze ich die halbe Nacht unsinnige Gedanken und bin nun total gerädert. Die Online-News mit ihren stumpfsinnigen Kommentaren tragen auch nicht gerade zu meiner Laune bei.
«Guten Morgen, wieder einmal beim Wetten?»
«Ich informiere mich über das Weltgeschehen und frage mich, wer die Spalten füllen soll, wenn Trump aus dem Rampenlicht verschwindet.»
«Darüber mache ich mir keine Gedanken. Es gibt genügend Wahnsinnige auf der Welt.»
«Langsam, aber sicher spüren sich unsere Grünen nicht mehr.»
«Interessante Aussage von einem Sozi.»
«Die wollen die ganze Welt umkrempeln, nur ja nicht selbst anpacken. Ich mag keine Menschen, die immer nur fordern und nie Lösungen anbieten.»
«Was unternehmen wir in Sachen Cloe?»
«Das weisst du schon?»
«Hallo?! Ich bin Mitglied im Hexenclub und somit bestens informiert. Gestern Abend konnte ich leider nicht.»
«Wieso hast du mich nicht vorgewarnt?»
«Monika fand es nicht notwendig. Zudem, hätte ich es getan, wärst du vermutlich erst um Mitternacht nach Hause gekommen.»
«Hm! Im Augenblick läuft die Suche nach Cloe. Ihre Ehe scheint in einer ziemlichen Krise zu stecken. Wie viel schuldet sie dir?»
«Fünfzigtausend.»
«Unglaublich. Cloe sammelt innert kürzester Zeit zweihundertfünfzigtausend ein.»
«Freunde sind dazu da, zu helfen.»
«Wenden wir uns vorerst unserer anderen Baustelle zu. Noch bleibt Zeit, bevor wir diese Dossiers beackern müssen.»
Ferrari tippte eine Akte an und der gesamte Stapel fiel im Zeitlupentempo zu Boden.
«So ein Mist. Du könntest mir ruhig helfen, das Ganze einzusammeln anstatt so blöd zu grinsen.»
«Hat der Herr schlecht geschlafen?»
«Ja, ja. Mach dich nur lustig über mich. Ich schlage vor, wir nutzen die vierundzwanzig Stunden, die uns bleiben, und unterhalten uns zuerst mit Jake Förster, dann mit der Zeugin, die Schoch fand. Haben wir überhaupt deren Adresse?»
«Aber sicher, Chef. St. Alban-Anlage, eine Zufahrtsstrasse zum Aeschenplatz, gegenüber vom Hammering Man.»
«Und Förster?»
«Den finden wir in der Rheingasse, in Marks Zentrale. Und tu was gegen deine schlechte Laune, sonst kannst du allein durch Basel watscheln.»
«Hm.»
Marks Büro befand sich über einem seiner Nightclubs. Viel hatte sich in der Rheingasse seit ihrem letzten Besuch nicht verändert. Einzig das Lokal war renoviert worden, aber die Gäste sahen noch genau gleich aus. Vermutlich verkehrten auch noch immer dieselben Typen hier. Jake Förster führte sie in die erste Etage, wo acht Angestellte in einem Grossraumbüro arbeiteten, und öffnete die Tür zu einem kleinen Sitzungszimmer. Offenbar wurden die Nachtclubs nicht mehr hemdsärmlig von Mark geführt.
«Mark ist noch zu Hause. Er bittet euch, zu warten, bis er hier ist. Es dauert bestimmt nicht mehr lang. Wie gehts Fabian?», erkundigte sich Jake.
«Wenn jemand das erste Mal eine Nacht in einer Zelle verbringen muss, geht es ihm nie gut. Führen Sie jetzt die Geschäfte von Mark?»
«Ja, seit er mit Chris fusioniert hat, Herr Ferrari. Sorry, wollen Sie etwas trinken?»
«Nein, danke. Ist es nun eine Firma?»
«Sie gehört den beiden je zur Hälfte. Die Fusion macht durchaus Sinn. Wir haben den Einkauf zentralisiert, können Personal untereinander austauschen und die Lokale nach den Bedürfnissen unserer Kunden ausrichten. Marks Lokale sind eher für die normalen Gäste, die von Chris haben wir zu Luxusschuppen umgebaut, weil sie besser positioniert sind.»
«Wie viele Lokale gehören inzwischen zum Unternehmen?»
«Achtundzwanzig in der Deutschschweiz, dazu einige Immobilien und Beteiligungen an anderen Firmen. Hier in der Rheingasse verwalten wir die Lokale, der Hauptsitz der Holding befindet sich am Nadelberg. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir alles zusammenlegen.»
«Sind Sie für alles verantwortlich?»
«Nein. Am Nadelberg waltet und schaltet meine Stellvertreterin. Sie ist Immobilienspezialistin, eine Kapazität auf ihrem Gebiet. Ursprünglich kommt sie von einer Bank.»
«Ich bin beeindruckt. Hier ist ein richtiger kleiner Konzern entstanden.»
«Der ist gar nicht so klein», lachte Jake. «Wie stehen die Chancen, dass Fabian rauskommt?»
«Gut. Wir tauschen ihn gegen Sie aus.»
Jake Förster schaute amüsiert zu Nadine.
«Und wieso?»
«Wo waren Sie am Montagabend zwischen zehn und Mitternacht?»
«Unten im Lokal. Das werden alle bestätigen.»
«Wussten Sie von Naders Termin mit Damian Schoch?»
«Ja. Er orientierte mich gegen Abend. Ich fragte ihn, ob er Hilfe benötige, doch er lehnte ab. Leider behielt er den Treffpunkt und die genaue Zeit für sich. Darf ich jetzt auch einmal eine Frage stellen? Warum verdächtigen Sie ausgerechnet mich, Frau Kupfer?»
«Weil Fabian Nader nicht der Mörder sein kann und weil er nur Sie über das Treffen informierte.»
«Jetzt bin ich verwirrt.»
«Naders Schuss war nicht tödlich. Jemand streckte ihn beim Hammering Man mit einem zweiten Schuss nieder und an dieser Verletzung starb er im Spital.»
«Und jetzt glauben Sie, dass ich es war?»
«Waren Sies?»
«Nein. Obwohl Schoch ganz oben auf meiner Liste stand. Was ich Ihnen jetzt sage, bleibt unter uns. Ist das klar?»
«Das können wir Ihnen nicht versprechen. Ich befürchte, Sie müssen das Risiko eingehen.»
«Ist auch egal. Wir suchten das verdammte Schwein seit zwei Monaten. Irgendwie besitzt er einen siebten Sinn für Gefahren. Er ist immer untergetaucht, wenn wir kurz davor waren, ihn zu erwischen. Fabian wusste das und wollte verhindern, dass ich ihn kaltmache. Deshalb verschwieg er mir Ort und Zeit.»
«Warum wollten Sie ihn töten?»
«Michele ist in einer Entzugsklinik in Davos. Die Drecksau fand das heraus, fuhr zu ihr und bettelte um Geld. Sie gab es ihm und was tat er? Er besorgte ihr dafür Koks.»
«Woher wissen Sie das?»
«Ich kontrolliere Micheles Konto, weil … weil ich mit einem Rückfall rechne. Als sie fünftausend an einem Tag abhob, bin ich nach Davos gefahren. Ich musste sie nur anschauen. Diese verdammte Sucht. Ich … Ich bin vollkommen ausgerastet und hab ihr eine geknallt. Sie muss endlich damit aufhören. Anschliessend nahm ich mir den Chef der Klinik vor und wurde ziemlich deutlich. Wenn er nicht besser auf Michele aufpasse, würde ich ihn nochmals besuchen. Die Message kam an. Er stammelte etwas von Micheles Bruder, da war mir alles klar. Michele gab auch sofort zu, dass das Koks von Schoch stammte. Seit diesem Tag suche ich ihn. Glauben Sie mir, Frau Kupfer, ich hätte ihn nicht auf der Strasse liegen lassen. Den hätte niemand mehr gefunden.»
«Weiss Mark davon?»
«Nein, und das ist gut so, Herr Ferrari. Er wäre mit meiner Methode nicht einverstanden. Vermutlich würde er mich rauswerfen und Michele keine Minute mehr aus den Augen lassen.»
«Wer wusste noch vom Treffen zwischen Schoch und Nader?»
«Von mir hat niemand davon erfahren. Wem es Fabian noch erzählte, weiss ich nicht. Chris und Mark bestimmt nicht. Die waren total überrascht, als sie davon hörten.»
«Was können Sie uns über Schoch erzählen?»
«Ziemlich die übelste Kreatur, die in Basel rumlief. Hatte praktisch in allen Lokalen Hausverbot, bei uns kam er nirgends mehr rein. Ein Kokser und Zocker. Ich war einmal an einer privaten Pokerpartie in einer Villa im Gundeli. Michele rief mich an,...




