E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Gold Wenn Engel sich rächen
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7245-2252-2
Verlag: Reinhardt, Friedrich
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
ISBN: 978-3-7245-2252-2
Verlag: Reinhardt, Friedrich
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Anne Gold ist das Pseudonym von zwei Basler Autoren.
Autoren/Hrsg.
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Kommissär Francesco Ferrari zupfte an den Vorhängen im Wohnzimmer. Trübes Wetter. Nasskalt. Genau passend zu meiner Stimmung. Hoffentlich ist die kalte Jahreszeit bald vorbei. In den Bergen gehts ja gerade noch, da ist der Winter noch Winter. Weite weisse Landschaften, sanft geschwungene glitzernde Hügel, schneebedeckte Tannen und unberührte Schneefelder vor dunkelblauem Himmel – einfach traumhaft. Ganz anders in Basel. Hier bricht bei Schneefall in kürzester Zeit der Verkehr zusammen und das Stadtleben mutiert zum Albtraum. Na ja, von Schnee kann eigentlich gar nicht die Rede sein, denn das anfängliche Weiss verwandelt sich zusehends in braunen Matsch. Und dann überall das Salz! Kaum fallen nämlich die ersten Schneeflocken, rennen die Idioten aus ihren Häusern, schaufeln die Trottoirs frei, kratzen beinahe den Belag ab und salzen, was das Zeug hält. Entsprechend sehen auch meine Schuhe aus. Puma, die kleine schwarze Katze der Nachbarin, strich um Ferraris Füsse. Sie gehörte inzwischen ganz offiziell zur Familie, nachdem die alte Frau ins Altersheim ziehen musste. Der Kommissär öffnete die Tür zum Garten, doch Puma schien unentschlossen.
«Entscheide dich! Entweder rein oder raus, aber nicht auf der Schwelle stehen bleiben … Na los, mach schon. Es ist kalt.»
Puma setzte vorsichtig eine Pfote in den Schnee, schüttelte sie, zog die drei anderen Pfoten behutsam nach und schlich wie auf Zehenspitzen einige Meter ins Freie. Na, geht doch. Kaum gedacht, drehte sie sich um und rannte blitzschnell ins Haus zurück.
«Spinnst du, Francesco!», rief Monika, Ferraris Lebenspartnerin.
«Was? Wieso?»
«Schau dich um, Puma versaut mir den ganzen Teppich. Wie viele Male muss ich dir noch sagen, dass du sie abreiben sollst, vor allem die Pfoten?!»
«Es ging alles so schnell, ich hatte absolut keine Chance. Ich dachte, sie will ins Freie. Aber plötzlich dreht sie um und flitzt an mir vorbei ins Haus. Kein Wunder, bei der Saukälte.»
«Denken ist Glückssache. Hier, fang. Reib sie mit dem Tuch ab.»
«Das wird jetzt wohl auch nicht mehr viel bringen», brummte der Kommissär.
«Was meinst du?»
«Nichts, schon gut.»
Ferrari setzte sich aufs Sofa und fuhr Puma, die genüsslich schnurrte, mit dem Handtuch durchs Fell. Du bist eine kleine Geniesserin. Nur das mit dem Pfotenabreiben müssen wir noch ein wenig üben. Wahrscheinlich kitzelt sie das. Nach dem dritten Versuch fuhr Puma die Krallen aus. Gut, dann lassen wir das lieber, bevor du mir die Hand zerkratzt. Der Kommissär warf sich das Handtuch über die Schulter und hing erneut seinen trüben Gedanken nach. Dieses Mal fiel ihm ein Kissen zum Opfer.
«Du musst es nicht erwürgen, das Kissen kann nichts dafür», kommentierte Monika schmunzelnd.
«Muss es denn wirklich Oxford sein?»
«Es sind nur sechs Wochen, Francesco. Und unsere Tochter wohnt bei einer Familie, Nikki ist also nicht allein. Du kannst jeden Tag mit ihr telefonieren.»
«Das will sie bestimmt nicht.»
«Stimmt. Mein Gott! Was soll das Theater? Hallo! Es ist nur ein Sprachaufenthalt.»
«Aber warum gerade in England? Sie könnte auch ihr Französisch aufpolieren, zum Beispiel in Colmar oder in Strassburg.»
«Nur will sie das nicht. Englisch ist angesagt. Und komm mir bloss nicht damit, sie sei noch zu klein für das gefährlich grosse Oxford. Ganz zu schweigen von London.»
«Hm.»
«Nikki ist erwachsen, sie muss sich von uns abnabeln. Du kannst dein kleines Mädchen nicht länger in Watte packen.»
«Ja, ja. Ich halte mich zurück.»
«Und leidest still vor dich hin.»
«Wenn ich mir vorstelle … ich will es mir gar nicht vorstellen.»
Ferrari verpasste dem Kissen eine gestreckte Gerade.
«Zudem, sie fliegt nicht mal allein. Ihre Freundin Rahel ist dabei. Zwei junge Frauen mit Handys in der Tasche, die jederzeit den grossen, starken Mann anrufen können.»
Ferrari griff in seine Hosentasche. Irritiert blickte er um sich.
«Es liegt draussen im Flur.»
Gut. Ab sofort werde ich mein Handy rund um die Uhr auf mir tragen und den Rufton auf die maximale Lautstärke stellen, damit Nikki mich auch jederzeit erreichen kann.
Es klingelte an der Haustür und kurz darauf stand Nadine Kupfer, Ferraris Kollegin, im Wohnzimmer.
«Störe ich? Ehekrieg?»
«Ich versuche seit einer halben Stunde, Francesco zu beruhigen.»
«Wegen Nikki?»
«Du hast es erraten. Er macht sich Sorgen wegen der Gefahren, die im Sündenbabel London und Oxford auf Nikki und ihre Freundin warten.»
«Oxford ist nun nicht gerade eine Weltstadt. Da geht wohl kaum die Post ab.»
«Aber London ist nicht weit weg. Zudem wimmelt es in Oxford nur so von Studenten.»
«Ein logischer Einwand. Was spricht gegen die Studenten?»
«Muss ich dir das wirklich erklären? Am Tag studieren sie ein wenig und in der Nacht lassen sie den Bären raus.»
«Och, wie herzig! Papa fürchtet sich davor, dass sein Töchterchen verführt werden könnte. Von so einem nichtsnutzigen englischen Studenten.»
«Nein … ich meine, ja … es … nun, es könnte doch sein …»
«Jetzt hör aber auf mit dem Quatsch. Da gehören immer noch zwei dazu.»
«Ich würde mir keine Sorgen machen, wenn Nikki so wäre wie ihr», brummte der Kommissär.
«So wie wir?!», klang es gefährlich im Duett.
«Ihr seid selbstbewusst und wisst euch zu wehren.»
«Du meinst im Klartext, wir sind zwei Emanzen mit Haaren auf den Zähnen.»
Puma unterbrach ihre Fellpflege und schien gespannt der Unterhaltung zu lauschen.
«Das habe ich nicht gesagt, Monika.»
«Aber gedacht.»
«Ich sagte lediglich, dass ihr selbstbewusster seid. Mehr nicht.»
«Blödsinn! Deine Aussage ist eindeutig – wir sind emanzipierte Hyänen, gefürchtete Amazonen, vor denen jeder Mann Reissaus nimmt.»
«Nun hör aber auf, Monika.»
«Steh doch wenigstens zu deiner Meinung. Schau ihn dir an. Klammert sich am Kissen fest und jammert vor sich hin.»
Der Kommissär liess das Kissen los.
«Also wenn ihrs genau wissen wollt – manchmal könnt ihr mir schon ganz gewaltig auf den Nerv gehen. Mit eurer selbstgerechten Wir-mischen-die-gottverdammte-Männerwelt-auf-Art.»
«Nur weiter, Francesco. Oute dich.»
Pumas Schwanz bewegte sich immer schneller hin und her.
«Es gefällt euch, wenn ich mit dem Rücken zur Wand stehe. Aber dieses Mal gebe ich nicht nach, ich werde die Reise für Nikki bis ins letzte Detail organisieren. Sie soll am Flugplatz von einem Taxi abgeholt werden, das sie direkt nach Oxford bringt.»
«Spinnst du?!»
«Noch besser. Ich rufe Olivia an. Sie soll ihren Privatjet rausrücken. Gibt es in Oxford einen Flugplatz?»
«Drehst du jetzt vollkommen am Rad, Ferrari?»
«Das ist es! Ah … ich sehe es euch an. Ihr vermasselt mir die Tour. Gut, dann lassen wir das mit Olivia. Ich frage Agnes Vischer. Die könnt ihr nicht einfach so einlullen, die hält zu mir.»
«Komm, Nadine. Wir trinken einen Kaffee in der Küche, bis sein Kreativschub vorbei ist. Das kann höchstens Stunden dauern.»
«Vielleicht stellt mir Agnes sogar einen ihrer Bodyguards zur Verfügung.»
«Das wird Nikki sicher gefallen», wandte Nadine ein.
«Es muss ja nicht offiziell sein. Ich stelle mir eine diskrete Überwachung vor.»
«Ein Undercoveragent.»
«Genau. Jemand, der mir täglich berichtet, wie es Nikki geht, und der natürlich in ihrer Nähe wohnt. Agnes wird das gerne für mich organisieren.»
«Geniale Idee. Monika hat übrigens recht.»
«Womit?»
«Dass du nicht mehr alle Ziegel auf dem Dach hast.»
«Aber …»
In diesem Moment öffnete sich die Haustür. Vollkommen verstört trat Nikki ein und warf sich ihrer Mutter schluchzend an den Hals. Ferrari sah seine Partnerin entsetzt an.
«Setz dich erst mal, mein...




