E-Book, Deutsch, Band 5, 119 Seiten
Reihe: Séparée-Edition
Gold Zügellose Lust - Séparée-Edition: Band 5
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95885-219-8
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Erotischer Roman
E-Book, Deutsch, Band 5, 119 Seiten
Reihe: Séparée-Edition
ISBN: 978-3-95885-219-8
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ina Gold wurde 1975 in einer mittelwinzigen mitteldeutschen Kleinstadt geboren, doch bereits früh zog es sie hinaus in verschiedene mittelprächtige mitteldeutsche Großstädte. In einer davon lebt und arbeitet sie heute als freie Autorin und Texterin für Web, Werbung, Print und Fernsehen. 'Zügellose Lust' ist Ina Golds erster Roman.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Die Handwerkerin
Auf der Geburtstagsparty gab es die falschen Drinks. Die Biersorte schmeckte mir nicht, weshalb ich auf Weißwein umstieg. Den allerdings trank ich wie Bier.
Am nächsten Morgen lag eine schlafende Frau neben mir, die mir auf den ersten Blick nicht bekannt vorkam. Als ich an mir hinunterblickte, stellte ich fest, dass ich nackt war. Sie auch.
Ob wir Sex gehabt hatten, konnte ich in dieser Phase nach dem Aufwachen nicht mit Gewissheit sagen. In meinem Zustand des bevorstehenden Dehydrierens interessierte es mich zunächst auch nicht sonderlich. Doch dann kehrten zusammen mit dem bohrenden Kopfschmerz langsam und stoßweise die Erinnerungen an den Vorabend in mein Bewusstsein zurück. Dabei traf stoßweise es sehr genau, denn als ich zur Bettkante rutschte und nach der Wasserflasche neben dem Bett griff, sah ich einen Dildo auf dem Boden liegen. Meinen Dildo.
Ich richtete mich vorsichtig auf, trank gierig vom Wasser und betrachtete anschließend das hübsche Geschöpf neben mir. Die Frau hieß … Caro? Cordula? Nein. Carmen. Und sie war ungefähr sieben Jahre jünger als ich. 28 oder 29. Sie hatte behauptet, nicht genügend Geld für ein Taxi dabei zu haben, und mich gefragt, ob sie bei mir übernachten könne. So waren wir im Schlafzimmer gelandet, doch ehe ich ihr einen Pyjama anbieten konnte, hatte sie mich von hinten kommend auf mein Bett gedrückt. Perfide Person … mit einer süßen Stupsnase.
Mehr Wasser.
Mit der nächsten Erinnerung kehrte ein angenehmes Bild zurück: Carmen in reizender Wäsche auf meinem entblößten Körper. Eine wollüstige Geste, bei der sie meine Hände neben meinem Kopf in das Kissen presste. In ihrem Gesicht ein verführerisches Lächeln, dem ein hemmungsloser Kuss folgte.
Noch mehr Wasser.
Als ich mich wieder auf den Rücken legte, spürte ich, dass die Haut zwischen meinen Schulterblättern brannte. Ein Kratzer? Ich hob meinen Arm und prüfte ihn in der Luft. Sie hatte sich in den Muskel des Oberarms gekrallt. Zwei kleine Hämatome zierten die Haut.
In diesem Moment drehte sich dieses harmlos wirkende Wesen zu mir um, legte eine Hand auf meine Brust und ihr Bein auf meinen Unterleib. Sie schnaufte niedlich und fiel dann wieder in den Tiefschlaf.
Reglos lag ich da. Ich wollte sie nicht wecken. Mein Blick fokussierte einen Fleck an der Decke meines Schlafzimmers. Dieser Fleck war neu. Je länger ich ihn betrachtete, desto skurriler wurde er. Erst nahm er Formen an, die mich an wilde Tiere erinnerten, dann glich er einem überdimensionalen Laubbaum und am Ende einem hohen Berg. Wahrscheinlich halluzinierte ich in den wenig konstruktiven Resten einer äußerst unangenehmen Weißweinlache.
Über meinem Schlafzimmer befindet sich eine Dachterrasse, und irgendetwas musste dort undicht sein. Wenn ich nichts dagegen unternahm, konnte es hier schnell schimmeln, dachte ich besorgt und beschloss, meine Hausverwaltung noch am selben Tag in der Angelegenheit zu kontaktieren. Vorsichtig befreite ich mich aus Carmens unbewusster Umarmung und ging duschen.
Als ich ins Schlafzimmer zurückkehrte, hatte sie sich aufgerichtet und lächelte mich aus freundlichen, aber übermüdeten Augen an.
»Kaffee?«
Sie nickte. Ich servierte ihr ein großes Glas Latte Macchiato, fragte sie jedoch nicht, ob sie gerne ein Frühstück gehabt hätte. Nach ein bisschen Small Talk über Mietpreise und falsche Biersorten durfte sie noch duschen, bevor ich mich geschäftig gab und sie höflich an der Wohnungstür verabschiedete.
»Brauchst du Geld für ein Taxi?«
»Danke, nein. Das war doch nur ein Vorwand«, sagte sie und zwinkerte mir im Weggehen zu. Wie naiv ich doch manchmal war. Verlegen kratzte ich mich am Kopf, während sie leichtfüßig die Treppenstufen hinabstieg. Vom Balkon aus beobachtete ich Carmen, wie sie zwischen parkenden Autos umherirrte, bis sie die Orientierung wiedergefunden hatte und zielstrebig zur Hauptverkehrsstraße lief.
Dann rief ich bei der Hausverwaltung an und bat um die zeitnahe Übersendung eines Handwerkers zur Beseitigung des Flecks an der Decke in meinem Schlafzimmer. Anschließend begann ich die Spuren zu beseitigen, die diese Carmen hinterlassen hatte.
Wenige Tage später habe ich Besuch von meiner besten Freundin Alex. Wir kennen uns seit über zehn Jahren und scheinen in einem unausgesprochenen Wettbewerb zu stecken. Alex gerät genau wie ich ständig in Situationen, die sie nie so intendiert hatte. Unversehens verschlägt es uns in fremde Betten – der Zufall als Antriebskraft für Abenteuer, die wir nicht missen möchten. Dabei ergeben wir uns widerstandslos allen stattfindenden Prozessen hin und sind immer wieder überrascht, was für skurrile Lehren sich daraus ziehen lassen.
Alex hat als Key Account Manager einen dieser modernen Berufe, bei denen kein Mensch weiß, was sich hinter der Bezeichnung eigentlich verbirgt. Immerhin kann sie sich ihre Zeit offenbar frei einteilen. Es ist Donnerstagnachmittag. Wir sitzen am Küchentisch. Im Hintergrund läuft leise Musik aus dem Radio.
»Wie war die Party neulich? Erzähl schon«, fordert sie mich auf.
»Es gibt nicht viel zu erzählen. Die Frau hieß Carmen und Punkt.«
»Eva! Enttäusch mich nicht. Wir haben einen Deal.« Der Deal besagt, dass wir keine Geheimnisse voreinander haben, doch wie soll ich ihr detailliert von meiner Nacht mit Carmen berichten, wenn ich mich selbst kaum daran erinnern kann?
Plötzlich klingelt es an meiner Tür. Als ich durch die defekte Sprechanlage von einer verzerrten Stimme erfahre, dass sich endlich eine Malerfirma um den Fleck kümmern will, bin ich ein wenig überrumpelt, aber auch freudig überrascht.
»Erwartest du jemanden?«, ruft Alex mir in den Flur hinterher.
»Geht nur um den kleinen Wasserschaden im Schlafzimmer«, erwidere ich und öffne die Wohnungstür. Vor mir steht der Maler mit seiner Leiter und einem Eimer Farbe, und ich stelle fest, dass der Handwerker eine Frau ist. Eine gut aussehende Frau. Androgyn. Sexy. Sportlich. Ziemlich dreckig in ihrer ursprünglich mal weißen, doch jetzt mit Farbklecksen übersäten Hose und dem eng anliegenden T-Shirt, dessen weiter Ausschnitt einen Blick auf ein braun gebranntes Dekolleté gestattet. Aber dieses Outfit macht sie noch reizvoller für mich, weil ich Barbiepuppen-Imitate ohnehin nicht besonders anziehend finde. Außerdem erinnert mich die Frau vor meiner Tür entfernt an Gina Gershon alias Corky aus dem Kultfilm Bound.
»Tag, ich soll hier einen Fleck beseitigen«, begrüßt sie mich in gebotener Kürze. Pass lieber auf, dass du nicht für zusätzliche Flecken sorgst, denke ich und erinnere mich an den Thriller, in dem es neben lesbischer Sexszenen auch noch das eine oder andere Blutbad gibt. Aber natürlich gewähre ich ihr Einlass und bitte sie, mir in mein Schlafzimmer zu folgen.
»Ziemlich groß, der Fleck«, stellt sie fachmännisch fest. Und ob die Ursache auf der Dachterrasse bereits beseitigt worden sei, möchte sie wissen.
»Ursache und Wirkung interessieren die Hausverwaltung nur peripher«, erkläre ich ihr grinsend. »Mir geht es vorrangig darum, dass es nicht anfängt zu schimmeln, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.«
»Das kriegen wir hin«, erwidert sie zuversichtlich, und ich schaue ihr noch zu, wie sie routiniert auf die Leiter klettert, um mit ihren Fingern eine Art Feuchtigkeitstest an der Decke durchzuführen.
»Kaffee oder Wasser?«, erkundige ich mich, weil ich Handwerker immer gut behandele, damit sie möglichst wenig Unordnung machen. Doch sie lehnt das Angebot dankend ab und lächelt mich stattdessen sehr verführerisch an.
Während die Malerin ihre Arbeit verrichtet, befriedige ich Alex‘ Neugierde in der Küche, indem ich ihr die Kurzversion des vergangenen Wochenendes präsentiere.
»Das war alles?« Enttäuscht gleitet Alex wie ein lebloser Sack vom ledernen Küchenstuhl. Ich stehe auf und ziehe sie an den Händen wieder hoch.
»Nächstes Mal kommst du einfach mit«, scherze ich, streichele ihr liebevoll über ihr wildes, blondes Haar und bugsiere sie in den Flur. »Los, fort mit dir. Ich muss jetzt arbeiten.«
»Wo ist denn der Handwerker?«, fragt Alex, während sie sich ihre Tasche umhängt und die Tür öffnet.
»Der Handwerker ist eine Frau und steht in meinem Schlafzimmer auf einer Leiter«, erwidere ich lapidar und schubse meine beste Freundin sanft in den Hausflur, wo wir uns herzlich umarmen.
»Sieht sie gut aus?«, flüstert sie mir zu.
»Absolut sexy. Und tschüs!«
Danach erledige ich ein paar Telefonate und beginne anschließend das Abendessen vorzubereiten. Da die Handwerkerin bereits seit über einer Stunde die Decke abklebt und mit Farbe behandelt, wage ich einen erneuten Versuch, sie einzuladen.
»Hast du Hunger?«
»Nein, danke. Nett von dir, aber wenn ich arbeite, dann arbeite ich.«
»Ich sag’s auch nicht der Hausverwaltung, wenn du mit mir isst.«
Sie grinst mich an, und ich entdecke zwei Grübchen in ihren Wangen. Wow! Da steht eine attraktive Frau in meinem Schlafzimmer, und ich führe mich auf wie eine Kellnerin aus dem Wirtshaus Zur Post. Das geht so nicht. Ich muss mich zusammenreißen. Warum macht die mich jetzt so scharf? Die stand überhaupt nicht in meinem Kalender.
Als ich wieder am Herd stehe, spüre ich plötzlich den Atem der Handwerkerin in meinem Nacken.
»Mmh. Sieht gut aus.« Sie ist etwas größer als ich. Im Raum verteilt sich eine Mischung aus einem metrosexuellen Parfümduft und einer betörenden kleinen...




