E-Book, Deutsch, 391 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
Goldberg A Taste of Bitter Secrets
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-7550-2
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein mitreißender Forced Proximity Liebesroman mit Bad Boy Vibes
E-Book, Deutsch, 391 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
ISBN: 978-3-7517-7550-2
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als Gwen in ihre Heimatstadt Canterbury zurückkehrt, will sie einfach nur dem Familienrestaurant mit einer Social-Media-Kampagne zu neuem Ruhm verhelfen - und dann so schnell wie möglich wieder verschwinden. Mit Henry hat sie dabei nicht gerechnet: mürrischer Koch, heißer Bad Boy und absolut kein Fan von Tik Tok und Co. Nur mit Müh und Not kann Gwen ihn zu einem Video überreden. Der Dreh endet in einem Desaster, denn Henry legt seinen Groll auch vor der Kamera nicht ab. Doch das Video entpuppt sich als viraler Hit - und fordert weitere Aufnahmen, weitere hitzige Schlagabtausche und schließlich heftige Funken, die nicht nur auf die rasant wachsende Zahl der Follower überspringen. Wären da nur nicht die Schatten der Vergangenheit, die Gwen in Canterbury wieder einholen und sie ein zweites Mal vor die schwierigste Entscheidung ihres Lebens stellen.
»Henry brauchte keine Flügel, keine Hörner und keine Drachen, um sich als Shadowdaddy zu qualifizieren. Ein weißes Shirt und der angepisste Gesichtsausdruck reichten völlig.«
Der neue Roman von Anne Goldberg für Leserinnen und Leser, die humorvolle, emotionale Liebesgeschichten mit starken Frauenfiguren und sexy Bad Boys lieben!
eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
Anne Goldberg wurde 1986 in einer beschaulichen Kleinstadt geboren. Nach dem Abitur trieb es sie nach Berlin, wo sie seither unter dem Regime ihrer vierbeinigen Mitbewohner lebt und arbeitet. Schon im Vorschulalter dachte sie sich dramatische Geschichten von Marienkäfern aus, die große Hürden zu überwinden hatten, um auf Blumen zu klettern. Ihre kleinen Protagonisten kämpften mit Regen, Wind und neugierigen Hunden. Damals wurde ihre Großmutter zur wortgetreuen Mitschrift abkommandiert. Mittlerweile schreibt Anne ihre Geschichten selbst, und ihre Charaktere trotzen größeren Herausforderungen als dem Wetter. Neben dem Schreiben hat Anne eine große Vorliebe für Konzerte, die britischen Inseln und für Schnee.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
»Sweet Creature«
Harry Styles
Gwen
Ich brauchte Hilfe – und zwar von dem einzigen Mann, der mich jederzeit aus jedweder misslichen Lage befreien würde. Ob schwindendes Gleichgewicht nach einem Drink zu viel, ein aufdringlicher Typ, fehlende Inspiration oder tiefe Verzweiflung: Rory war immer meine erste Adresse. Da bildete der heutige Tag keine Ausnahme.
Und so fand ich mich eine Stunde vor Öffnung des Chaucer's Rest auf dem Bürgersteig davor wieder. Hellgraue Wolken hatten sich über Canterbury eingefunden und ließen leichten Nieselregen hinabfallen wie deprimierten Glitter. Keine Chance, in dieser Kulisse etwas anderes in dem Restaurant zu sehen als alte Gemäuer und schmerzhafte Erinnerungen. Jedenfalls nicht durch meine Augen. Aber vielleicht durch Rorys.
»Oha. Du bist ja draußen.« Das war das Hallo, mit dem Rory den Videocall entgegennahm. Noch ehe ich etwas erwidern konnte, hob er seine Hand – ein klares Signal, meine Klappe zu halten. »Lass mich raten: Du brauchst eigentlich keinen fachlichen Rat. Du bist auf der Flucht und ich soll dich anfeuern.«
Ich seufzte. »Verführerisch. Kannst du mich gut hören?«
»Einwandfrei, Liebes«, bestätigte er. »Her mit deinem Problem, ich bin startklar.«
Gut, damit hatte er mir Einiges voraus.
Ich nickte und wechselte auf die Frontkamera, damit Rory sehen konnte, was ich sah: ein altes, typisch britisches Eckgebäude. Zwei Etagen. Unten das Lokal, oben die Räume, in denen meine Familie lebte, seit ich denken konnte. Das traditionelle Blechschild mit dem Namen des Restaurants wiegte sich leicht knarrend im Wind und gab der trostlosen Szenerie damit den letzten Schliff.
»Voilá.« Ich versuchte, so festlich wie nur irgend möglich zu klingen, was genügte, um Rory ein gehässiges Lachen zu entlocken.
»Mit dem Tonfall weckst du meine Sensationslust, Liebes, das weißt du ganz genau. Ich erwarte da mindestens einen Blondierungsunfall und keinen langweiligen Kleinstadtschuppen. Spiel nicht so mit meinen Gefühlen.«
Rorys Worte fühlten sich ein kleines bisschen nach London an. Nach Zuhause. Und nach mir. Oder wenigstens nach der Version von mir, die ich sein wollte. Hier in Canterbury war ich nicht ich selbst, sondern ein willkürliches Mosaik aus den Scherben, die ich damals hier zurückgelassen hatte.
»Keine Beauty-Experimente, sorry. Nur das Chaucer's Rest. Und jetzt du.«
»Chaucer? Geoffrey Chaucer?«
»Hm«, machte ich mit derselben mittelmäßigen Begeisterung, mit der ich die Backstory zu dem Namen herunterleierte. »Angeblich ist der gute Mann zu seiner Zeit öfter hier eingekehrt, und unser Restaurant war seine Inspiration für das Tabard Inn in den Canterbury Tales.«
»Alles klar, langweilig. Skippen wir.«
»Skippen«, bestätigte ich. »Wollen wir rein?«
»Und ich dachte schon, du fragst nie.«
Also ging ich los. Langsam lief ich über die Straße, fing den Blick nach rechts und links auf, die Klapptafel und das metallene Schild über dem Eingang, das ganze Programm. Ein leises Kichern ertönte aus meinen Airpods, gefolgt von einem entzückten Seufzen. »Weißt du, woran mich das erinnert?«
»Schieß los.« Während ich das sagte, öffnete ich die Tür und trat ein. Mit meiner Kamera fing ich zuerst das Gesamtbild des Raumes ein, bis ...
»Stopp«, tönte es in meinen Ohren, und ich hielt in der Bewegung inne. »Noch mal nach links.«
Ich tat, wie mir geheißen und zeigte ihm noch einmal den Tresen der Bar. Von dort schwenkte ich betont langsam nach links – über den Kamin und von dort zu der Fensterfront, an der sich bereits erste Regentropfen sammelten.
»Da! Da sitzt er!«
»Wer sitzt wo?«
»Vielleicht liegt es daran, dass ich die Filme am Wochenende wieder durchgebingt habe, aber ... Aragorn. Kapuze ins Gesicht gezogen ... Ich hatte schon draußen leichte Tänzelndes-Pony-Vibes. Aber jetzt: Bäm. Wir sind in Mittelerde.«
Oh gut, Rory hatte also den Verstand verloren. »Dein Ernst? Das hier ist der stinknormalste Pub, den du in ganz England finden wirst. Das hat mit Mittelerde nichts zu tun.«
»Das hat alles mit Mittelerde zu tun. Was glaubst du denn, woher der gute J.R.R. seine Inspo hatte?«
»Ganz sicher nicht aus einem kleinen Schuppen am Arsch von Canterbury. Soll ich dir noch mal einen ganzen Schwenk mit der Kamera geben? Das hier ist kein Fantasy-Epos. Wir brauchen was anderes.«
Das Seufzen, das ich nun hörte, war deutlich theatralischer. »Gwen, Ich werde es wieder und wieder und wieder betonen, bis es in deinem hübschen Köpfchen angekommen ist: Wahre Schönheit liegt niemals im Gesamtbild, sondern immer im Detail.«
»Ich dachte, im Herzen.«
»Igitt. Hast du so ein Herz mal gesehen? Die Dinger sind widerlich.«
»Jedes Mal, wenn ich einem armen Tölpel seins aus der Brust reiße.«
»Ha!«, stieß Rory aus. »That's the spirit. Damit kann ich arbeiten. Dieser süße kleine Pub steht mitten im Auenland und du bist die böse Fee, die dieses harmonische Eckchen ankotzt. Aber ganz bald machst du es dir untertan, oh ja.«
Untertan ... Ach herrje. »Ich bin nicht sicher, ob es in deinem Mittelerde-Setting überhaupt eine böse Fee gibt.«
»Papperlapapp, Liebes.« Rory gab alles, um wie eine liebenswerte Gran zu klingen, die im Körper eines androgynen Mannes am Ende seiner Zwanziger steckte. »Das ist nicht die Art von Details, mit denen wir uns aufhalten. Geh mal da hin. Zu dem Kamin und dem Tisch. Zu Aragorn.«
»Bist du high?«, murmelte ich und warf sicherheitshalber noch einen Blick über meine Schulter in Richtung Küche. »Das ist eine hübsche Ecke für Bilder, okay. Notiert. Tisch, Kamin, Fenster. Aber das ist Deko. Kein Konzept.«
Rory stieß ein Grunzen aus, als hätte sein Körper nun das Alter seines Liebenswerte-Grandma-Seelentiers aufgeholt, und er müsste aus einem tief gelegten Wagen aussteigen. »In Ordnung, hör mir jetzt genau zu. Hörst du mir zu?«
»Ich lausche.«
»Rechts der Kamin, daneben der alte, rustikale Holztisch mit seiner antiquierten Geschichte. Was dieses Wunderwerk von einem Möbelstück für Geschichten erzählen könnte ...«
»Du machst mich fertig«, seufzte ich.
»Unterbrich mich nicht, Fräulein.« Es war bezaubernd, wenn er sein Seelentier so richtig auslebte. »Wo waren wir?«
»Redseliger Tisch.«
»Viel zu schweigsamer Tisch«, korrigierte Rory mich. »Wenn er erzählen könnte. Konjunktiv. Du hörst mir nicht zu.«
»Doch, ich höre zu. Fahr bitte fort.«
Theatralisches Seufzen, übertrieben tiefes Luftholen, dann ließ er seine Empörung hinter sich und kam zum eigentlichen Thema zurück. »Also, wir haben diesen Tisch, den knarrenden, aber irgendwie auch bequemen Stuhl – widersprich mir nicht – und vor allem diesen Blick. Diese Farben. Diesen Herbst.«
Ich hob eine Augenbraue. »Du meinst das Grau und den Regen?«
»Du kanalisierst die böse Fee gerade so richtig, oder? Wach auf, Liebes. Das hier ist das Auenland für die Fantasy-Fanatiker, meinetwegen auch Stars Hollow für unsere Gilmore Girlies und jeder Ort, den du dir vorstellen kannst für die Booktok-Community. Wir haben hier die perfekte Kulisse für pseudoromantische Aufnahmen mit großen Kaffeetassen und Büchern. Dazu ein Song von Billie oder Taylor – you name it. Du musst nur diesen Vibe transportieren und guten Kaffee machen, vielleicht noch ein bisschen Foodporn und die rennen dir die Bude ein für diesen Spot.«
Langsam, ganz ganz langsam, sickerte Rorys Idee in meinen Kopf, bis sich vor meinen Augen nach und nach das Bild formte, das er längst sah. Nur ... »Das ist genau ein Tisch«, erinnerte ich ihn und schwenkte die Kamera noch mal durch den gesamten Raum. Darin waren noch siebzehn weitere Tische sowie drei Barhocker am Tresen. »Und ein paar Fenster, okay. Zwei Tische haben noch Blick auf den Park, der Rest geht raus zur Straße oder steht mitten im Raum. Nicht mehr so sexy.«
»Hm, hm, hm.« Das waren keine nachdenklichen Hms, sondern sehr tadelnde. »Und was glaubst du, wen interessiert das, wenn sie sich in King's Cross an diesen dummen halben Gepäckwagen stellen, der an eine Wand getackert ist? Niemand schert sich um die ganze Kulisse.«
»Weil die Schönheit im Detail liegt«, murmelte ich.
»Ganz genau. Ich höre schon das Voice Over: Und nur eine Zugstunde von London entfernt versteckt sich dieser verschlafene und magische Ort. Wandelt durch die Altstadt und wärmt euch bei einer heißen Schokolade im Chaucer's Rest auf. Ihr werdet euch fühlen wie Lorelai Gilmore. Oder eben wie Bilbo. Oder Galadriel, mir egal.«
Ich schwieg und starrte auf den angeblich geschichtsträchtigen Tisch neben dem...




