E-Book, Deutsch, 371 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
Goldberg Only One Note
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-0160-0
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 371 Seiten
Reihe: beHEARTBEAT
ISBN: 978-3-7517-0160-0
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wer glaubt, die Tränen seiner Frau würden ihm viel abverlangen, der hat noch nie ihr tapferes Lächeln gesehen.
Seit der Schulzeit sind Nell und Charles das typische gegensätzliche Paar - die Schöne und der Streber, die Gefühlvolle und der Logiker. Damals haben sich beide versprochen: Wir machen alles besser als die anderen. Wir machen es perfekt.
Vierzehn Jahre später haben Alltag und Realität sie eingeholt. Als Charles einen riesengroßen Fehler begeht, stürzen die märchenhaften Vorstellungen endgültig ein.
Was dahinter zum Vorschein kommt, sind Erinnerungen, zerbrochene Träume und tiefe Gefühle, die nie verloren gegangen sind. Und die Frage, wie perfekt eine Liebe sein muss, um zu heilen.
Only One Note ist der dramatische Abschluss der mitreißenden Reihe von Anne Goldberg.
eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
Das sagen unsere Leserinnen und Leser:
'Jeder, der auf der Suche nach eine Liebesroman mit der extra Portion Emotion und Drama ist, ist bei dem Buch 'Only One Note' richtig aufgehoben. Anders als bei anderen Romanen hat mich hier die Handlung noch im Nachgang beschäftigt.' (Lovw, Lesejury)
'Der Schreibstil von Anne Goldberg ist fesselnd sowie einfühlsam. Das verleiht dem Buch seinen einzigartigen Charme und man kann gar nicht genug davon bekommen.' (Lesemauslaura, Lesejury)
'Dieses Buch hat definitiv einen Platz in meinen Bücherregal verdient. Jeder der eine emotionale und höchst mitreißende Geschichte lesen will, die einen auch noch Tage später beschäftigt, ist hier genau richtig.' (Katharina18, Lesejury)
'Das Buch hat mich vom ersten Kapitel an abgeholt und ist definitiv eines meiner Top Bücher 2021. Kauft und lest unbedingt alle dieses Buch!' (Susachr30, Lesejury)
Anne Goldberg wurde 1986 in einer beschaulichen Kleinstadt geboren. Nach dem Abitur trieb es sie nach Berlin, wo sie seither unter dem Regime ihrer vierbeinigen Mitbewohner lebt und arbeitet. Schon im Vorschulalter dachte sie sich dramatische Geschichten aus. Neben dem Schreiben hat Anne eine große Vorliebe für Konzerte, die britischen Inseln und für Schnee.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Weißt du noch – unser Abschlussball?
Die Taschenlampen am Strand?
Shampoo, Duschgel, Bodylotion.
Ich starrte auf die drei nahezu identischen Fläschchen am Rand des Waschbeckens. Sie standen in Reih und Glied nebeneinander und präsentierten stolz das Logo des Hotels.
Shampoo, Duschgel, Bodylotion.
Die Worte las ich immer wieder auf der Suche nach einem klaren Gedanken – ein hoffnungslos naives Unterfangen, wenn ich bedachte, dass mir an diesem ganzen verdammten Abend noch kein einziger klarer Gedanke begegnet war. Dafür viel zu viel Scotch und noch mehr Schmeicheleien. Und nun stand ich an diesem Waschbecken und war überrascht davon, dass es kaum mehr gebraucht hatte als Whisky und Worte, um mich zu einem hirnverbrannten Idioten zu machen.
»Charles?«
Zuerst hörte ich meinen Namen, dann dumpfe Schritte auf Teppichboden. Sie verstummten etwa zwei Meter hinter mir, noch ehe ich es geschafft hatte, meinen Blick von der Dreifaltigkeit der Hotelkosmetik loszureißen.
»Suchst du etwas? Falls dir auch der Sinn nach einer Wiederholung steht ... Die Kondome habe ich im Koffer.«
Ich schüttelte den Kopf, und endlich gehorchte mein Blick mir wieder – sogar besser als noch vor einer Stunde. Als ich mich umdrehte, sah ich in ein Gesicht, das von rotbraunen, nun zerzausten Haaren umgeben war. Meine Aufmerksamkeit rutschte nicht zu dem nackten Körper hinab, der dazugehörte und einladend am Türrahmen lehnte. Es war fast ironisch, wie leicht mir das fiel, obwohl sich nun kein schwarzes Kleid mehr die Mühe machte, ihn wenigstens teilweise zu verbergen.
»Ich sollte gehen.« Meine Stimme klang fest, als stünde ich auf einer Bühne und würde eines meiner Seminare halten.
Transparente Kommunikation durch alle Hierarchieebenen.
Das war leicht. Einfacher als die Frage, wie man ein fremdes Hotelzimmer höflich verlässt.
»Gehen ...« Die Lippen, die sich zu einem wissenden Lächeln verzogen, waren noch immer beinahe perfekt nachgezeichnet. Küsse waren nicht das gewesen, womit wir uns lange aufgehalten hatten. »Wegen des Rings?«
Ich wandte mich kurz zu der Ablage. Den Ehering, der bei Parfüm und Make-up lag, hatte ich nur am Rande bemerkt.
»Hätte ich sagen sollen, dass ich verheiratet bin?« Ihre Frage kam schneller als meine Antwort. »Ich hatte nicht angenommen, dass das eine Rolle spielt.«
»Tut es auch nicht«, bestätigte ich und schob noch ein »Keine Sorge« hinterher, um es wie eine Bestätigung klingen zu lassen und nicht wie grobes Desinteresse. »Ich sollte trotzdem gehen.« Da es mir beim besten Willen nicht gelingen wollte, ihr Lächeln zu kopieren, schob ich mich nur an ihr vorbei in den Schlafbereich ihres Hotelzimmers, um meine Sachen zusammenzusuchen. Als ich wieder in meine Shorts und dann in meine Hose stieg, fühlte ich mich dabei so ungelenk wie ein Kind, das gerade lernte, sich selbst anzuziehen. Über jeden der eigentlich automatischen Handgriffe musste ich nachdenken.
Mein Hemd machte ich nur sporadisch zu. Die Knöpfe kamen mir viel kleiner vor als am Morgen. Und widerspenstiger. Sakko und Krawatte nahm ich in die Hand. Kurz griff ich in die Innentasche des Jacketts, fand dort zu meiner Erleichterung nach wie vor meine Zimmerkarte, jedoch keine geeigneten Worte des Abschieds. Alles, was mir einfiel, war eine Wiederholung. »Ich sollte wirklich gehen.«
»Wo auch immer du so dringend hinmusst ...« Noch immer trug sie dieses Schmunzeln und sonst nichts. Sie machte sich nicht einmal die Mühe, ihre Blöße zu bedecken, während ich mir trotz meiner Kleidung ausgesprochen nackt vorkam.
Um nicht irgendeinen Unsinn zu sagen wie »Es ist schon spät, und morgen wird ein langer Tag«, schwieg ich und suchte stattdessen meine Schuhe. Den ersten fand ich recht schnell im Flur, kurz hinter der Tür.
»Neben dem Koffer«, half sie mir aus, und nun klang ihr Lächeln sogar in ihrer Stimme mit. Offenbar amüsierte es sie blendend, mich bei dieser unbeholfenen und zähen Flucht zu beobachten. »Und mach dir nicht so viel daraus.«
»Was?« Ich war in den zweiten Schuh geschlüpft und sah nun doch noch einmal auf. Viel lieber wäre ich einfach durch die Tür gestürmt, die nur zwei Meter entfernt war, hätte sie hinter mir zugeschlagen und den Menschen angerufen, den ich sonst immer fragte, wenn ich nicht weiterwusste. Nur war ausgerechnet sie an diesem Abend die Falsche dafür.
»Mach dir nichts draus«, wiederholten die rot geschminkten Lippen. »Ohne dir zu nahe treten zu wollen, aber du scheinst das nicht allzu oft zu machen. Glaub mir, das ist keine große Sache. Kommt in den besten Beziehungen vor.«
Nur war meine Beziehung nicht die beste. Und das hier trug nicht gerade dazu bei, etwas daran zu ändern. Trotzdem nickte ich. »Bis morgen, nehme ich an?« Es hatte eigentlich nicht so klingen sollen, als wäre mir die Vorstellung zuwider. Sie war Teilnehmerin des Seminars, wofür jemand – vielleicht sie selbst – nicht wenig Geld investiert hatte.
»Bis morgen.«
Ich antwortete ihr mit einem weiteren Nicken, dann griff ich nach der Klinke, die mir wohlgesonnener war als die Knopfleiste meines Hemdes eben. Sie gab meinem Druck ganz unkompliziert nach, entriegelte die Tür, und ich konnte mit einer Leichtigkeit aus diesem Hotelzimmer treten, als wäre nichts dabei. Und genauso verhielt es sich auch mit allem anderen. Der Weg zum Fahrstuhl, das Drücken des Ruf- und dann des Etagenknopfes, das Gegenhalten der Zimmerkarte am Sensor des Schlosses. Das alles lief mit heuchlerischer Normalität ab, die erst von mir abließ, als die Zimmertür sich hinter mir schloss und ich mich dagegenlehnte.
»Scheiße«, zischte ich durch zusammengebissene Zähne und schlug mit meinem Hinterkopf zwei Mal gegen das Holz hinter mir. Was auf einem Bildschirm wie eine geeignete Geste der Verzweiflung wirkt, brachte in der Realität weder Klarheit noch Linderung, nur Kopfschmerzen.
Ich dachte über einen Drink nach. Doch noch ehe ich selbst zu dem Schluss kommen konnte, dass Alkohol mir an diesem Abend kein Freund gewesen war, riss meine Überlegung jäh ab, als ich mein Handy sah. Vor etwa vier Stunden hatte ich es an das Ladegerät angeschlossen und war dann zur Hotelbar aufgebrochen – die üblichen Drinks mit den Seminarteilnehmern. Nichts Besonderes. Keine große Sache.
Dort lag es noch immer, in der Dunkelheit des Zimmers, und verausgabte sich leuchtend und blinkend, um mich über den eingehenden Anruf zu informieren. »Nell L. (Physik)«.
Einen Moment lang dachte ich tatsächlich darüber nach, dranzugehen, um ihre Stimme zu hören und ... ja, was dann? Sollte ich sie anlügen? Es ihr verschweigen? Oder sollte ich ihr sagen, dass ich gerade Sex mit einer Seminarteilnehmerin gehabt hatte? Und dass es keine große Sache war?
Der Wunsch danach, mit Nell zu sprechen, war mit einem Mal größer als die Angst davor. Ich wollte es hinter mich bringen und diese Situation lösen, Klarheit schaffen und meine Perspektiven kennen. Am besten sofort.
Nur löst man solche Situationen nicht am Telefon. Man beendet sie nur, manchmal sogar endgültig.
Also sah ich meinem Telefon zu, bis sein Display sich wieder verdunkelte und mir die kleine Signalleuchte mitteilte, dass ich einen Anruf verpasst hatte. Den und zwei weitere zuvor. Sie waren eine halbe Stunde alt. Ich schob den Gedanken daran beiseite, was ich selbst vor einer halben Stunde getrieben hatte, anstatt an das verdammte Telefon zu gehen, als wir noch Themen gehabt hatten, für die ein Telefonat vielleicht sogar ausgereicht hätte.
Ich zuckte zusammen, als ein weiterer kurzer Vibrationsalarm das Handy gegen seine Unterlage schlagen ließ. Ein Dialogfenster öffnete sich darauf – die unscheinbare Mitteilung, dass eine Mailboxnachricht eingegangen war.
Sie ahnt etwas, schoss es mir durch den Kopf und von dort direkt in den Magen. Mir wurde flau bei dem Gedanken, dass ich gleich Nells Stimme hören würde, die etwas völlig Normales sagte, vielleicht sogar etwas richtig Belangloses. Das flaue Gefühl wurde zu Übelkeit, als mir klar wurde, dass nichts mehr richtig normal sein würde, sobald wir uns wiedersahen. Dabei war Banalität nie unser Problem gewesen.
Meine Finger hatten ehrlich Mühe, das Handy von seinem Ladekabel zu trennen. Kraft meiner irrationalen Paranoia rechnete ich mit Beschimpfungen, mit Anschuldigungen, mit Konsequenzen. Vielleicht auch Stille. Wenn ich ehrlich war, hatte ich keine Ahnung, wie Nell reagieren würde. Und obwohl noch nichts von alldem auf mich warten konnte, zögerte ich, ehe ich die Eins wählte, um ihre Nachricht abzuhören.
»Hey, vermutlich bist du gerade ...« Ihre Stimme hatte ohnehin schon leiser geklungen als sonst, nun verstummte sie für einen Moment. Wichtig, half ich ihr in Gedanken weiter. Vermutlich bist du gerade ein wichtiger Klugscheißer, der sich unter seine Anhänger mischt. Das war, wie sie es sonst nannte, mit einem unverkennbar stolzen Grinsen auf ihrem Gesicht. So war es normalerweise. Doch offenbar hatte...




