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Golden | Promise of Peridot – Die Edelsteinsaga | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 592 Seiten

Reihe: Die Edelsteinsaga

Golden Promise of Peridot – Die Edelsteinsaga

Roman
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-641-32133-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 2, 592 Seiten

Reihe: Die Edelsteinsaga

ISBN: 978-3-641-32133-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine mysteriöse Prophezeiung. Eine tödliche Waffe. Ein Opfer für die Liebe.

Die Schlacht in der Sirenenbucht hat tiefe Spuren in Arwen Valondale hinterlassen. Nicht genug damit, dass sie den Tod ihrer Mutter verarbeiten muss, sie muss auch lernen, die ungezähmte Macht, die in ihr erwacht ist zu beherrschen. Schnell verwandeln sich Trauer und Angst in Wut und das Verlangen nach Rache. Rache, an dem Mann, dem sie vertraut und der sie verraten hat: König Kane Ravenwood …

Kate Golden lebt in Los Angeles und arbeitet hauptberuflich in der Filmindustrie. Mit »A Dawn of Onyx«, dem Auftakt zu ihrer großen »Edelstein«-Saga begeisterte sie auf TikTok bereits Millionen von Fans. In ihrer Freizeit liebt Kate Golden es, ins Kino zu gehen, zu lesen, knifflige Puzzles zu lösen, zu wandern und auf Flohmärkten herumzustöbern.

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1


ARWEN

»Gleich wird mir wieder übel«, warnte Ryder, der den Kopf über den nassen Stahl der Reling schob. Zornige Regentropfen prasselten auf uns beide nieder, während ich meinem Bruder mit kreisförmigen Bewegungen beruhigend den Rücken massierte. Das feuchte Hemd klebte an seiner Haut.

»Ich bin da«, sagte ich und versuchte, Lichte in seinen verkrampften Bauch zu schicken. Als nichts geschah, wartete und wartete ich, bis ich schließlich die Finger anspannte und mit Gewalt versuchte, etwas aus der Leere heraufzubeschwören, in der sich mein Lichte eigentlich schon vor Tagen wieder hätte regenerieren sollen.

Nichts.

Und noch immer nichts.

Ryder übergab sich würgend ins aufgewühlte Meer.

In den zehn Tagen, die seit der Schlacht in der Sirenenbucht vergangen waren, hatte ich die gesamte Schiffsbesatzung ohne meine magischen Kräfte geheilt. Lazarus’ Armee hatte den Soldaten aus Onyx und Peridot schlimmere Verletzungen zugefügt, als gewöhnlicher Stahl es vermocht hätte; Lichte und Faenwaffen hatten für schwerste Verbrennungen und aufklaffende Wunden gesorgt. Vor solchen Herausforderungen hatte ich als Heilerin nie zuvor gestanden.

Und inmitten von Verbänden und Fieberschweiß versuchte ich, meine Trauer zu verarbeiten.

Wir hatten ihr ein kleines, improvisiertes Begräbnis gegeben, jener Frau, die ich stets für meine Mutter gehalten hatte. Zum rhythmischen Knarren der Taue und dem leisen Flattern der Segel hatten die unverletzt gebliebenen Soldaten ihren Leichnam ins Meer hinabgelassen. Ich hatte ein paar Worte gesagt, die sich für mich flach und fremd anhörten. Mari sang ein Trauerlied. Ryder weinte. Leigh sah niemanden von uns an und verschwand unter Deck, noch bevor die Zeremonie vorüber war.

Es war schrecklich gewesen.

Kane hatte gefragt, ob er dabei sein dürfte. Oder vielmehr, er hatte wohl so etwas gesagt wie: »« Als ob es mir durch seine Gegenwart irgendwie besser gegangen wäre und nicht unendlich, schlechter. Auf keinen Fall wollte ich ihn in der Nähe meiner Familie wissen – oder in der Nähe der wenigen Menschen, die ich als Familie betrachtete.

Dann brach der Sturm los.

Prasselnder, trommelnder Regen ging auf uns nieder, und die Wellen schlugen wie Rammböcke gegen das Schiff. Die ganze Fahrt über wütete und wütete der Sturm. Wenn man auch nur eine Minute aus der Kajüte trat, um der verbrauchten Luft im Innern des Schiffs zu entkommen, wurde man sofort von Eiswasser durchweicht. Am Tag zuvor hatte der Kapitän den Kohlenvorrat rationiert, sodass wir kein heißes Wasser mehr hatten. Schon jetzt konnte ich kein lauwarmes Porridge mehr herunterbringen.

Ich betrachtete meine Finger, die auf Ryders Rücken ruhten. Schon die ganze Zeit waren sie verschrumpelt wie kleine Rosinen. Er würgte erneut, und ein paar Schritt entfernt stand eine Frau aus Peridot in einem wettergegerbten Wollmantel und tat es ihm nach.

Glücklicherweise litt ich nicht unter Seekrankheit, im Gegensatz zu den anderen Passagieren. Tag und Nacht hörte man ununterbrochen Würggeräusche, bis einem selbst übel davon wurde. Ich kümmerte mich so gut wie möglich um die Leute, konnte allerdings ohne mein Lichte nicht allzu viel ausrichten.

Kane hatte ich allerdings keine Hilfe angeboten.

Ich beobachtete, wie er mit Energie und Leichtigkeit eine wacklige Treppe hinaufeilte, und das nur einen Tag nachdem ihm die Brust von einem Speer aus Eis durchbohrt worden war. Er nahm gleich zwei Stufen auf einmal – flink, stark, beinahe munter.

Wie konnte das sein, wo er doch damals in der Krankenstation von Schattenstein angeblich so dringend meine Heilkräfte benötigt hatte?

Lügen, nichts als Lügen. So viele Lügen, dass mir schwindlig wurde.

Ich wartete instinktiv darauf, dass mich lähmende Angst überfiel, wenn ich an das Schicksal dachte, das er mir die ganzen letzten Monate verschwiegen hatte. Die Prophezeiung, laut der Kanes Vater mir den Tod bringen würde. Aber ich fühlte gar nichts.

Schon seit Tagen nicht.

Nachdem ich bisher mein Leben lang stets zu viel Angst und Tränen und Sorgen gehabt hatte, konnte ich ganz plötzlich gar kein Gefühl mehr heraufbeschwören.

Ryder würgte noch einmal und glitt dann mit einem tiefen Atemzug an der stählernen Bordwand hinab. »Das muss es gewesen sein. Es ist nichts mehr in meinem Magen, was ich noch ausspucken könnte.«

Ich verzog das Gesicht. »Ein sehr schönes Bild, vielen Dank auch.«

Er antwortete mit einem schwachen Lächeln.

Aber in meinem Kopf war eine Erinnerung erwacht. Es war ein träger Herbstnachmittag gewesen, an dem nichts zu hören war außer dem Wind, der raschelnd durch das Kraut vor unserem Haus fuhr. Mir war schlecht, weil ich etwas Verschimmeltes gegessen hatte – Powells Motto lautete nicht umsonst –, und meine Mutter hatte mir beruhigend über den Rücken gestrichen, als ich das verdorbene Zeug wieder von mir gab. Damals hätte ich mich selbst heilen können, aber mich dafür entschieden, das nicht zu tun. Es war zu schön, dass sie mich tröstete, dass ich ihre Hand auf meiner Schulter fühlte und ihre sanften Worte hörte. Leigh war kurz zuvor geboren worden, und Ryder und ich mussten uns erst daran gewöhnen, nicht mehr die einzigen Anwärter auf ihre Aufmerksamkeit zu sein.

Es war völlig selbstsüchtig und kindisch gewesen, eine Stunde lang zu erbrechen, anstatt meine eigenen Heilkräfte zu aktivieren, nur damit sie weiter neben mir in der kühlen Abendluft saß und nicht bei ihrem neuen Baby, ihrem Mann und ihrem Sohn.

Aber es hatte sich so gut angefühlt, umsorgt zu werden.

Und jetzt …

Jetzt fragte ich mich jede Nacht vor dem Einschlafen, wer diese Frau überhaupt gewesen war.

Hatte sie mich eines Tages auf der Straße gefunden?

Hatte jemand sie gezwungen, mich bei sich aufzuziehen?

Und falls das stimmte, wo um alles in der Welt waren dann meine richtigen Eltern? Da sie beide reinblütige Faen sein mussten, lebten sie wahrscheinlich in einem anderen Reich. In einem schmelzenden Land aus versengter Erde und Asche, das von einem Tyrannen beherrscht wurde …

»Geht’s dir etwas besser?«

Mari war zu uns getreten, in einen dicken Pelz gehüllt. Gleich am ersten Abend hatte sie das ganze Schiff durchstöbert und dabei sofort die modischsten Kleidungsstücke entdeckt, die es an Bord gab. Aber selbst ihr eleganter Mantel konnte nicht verbergen, dass ihr das kupferrote Haar in nassen Löckchen am Gesicht klebte und dass eisige Regentropfen über ihre Nase und die beinahe blauen Lippen liefen.

Als er sie sah, richtete sich Ryder gleich wieder ein wenig auf und faltete die Hände selbstbewusst vor der Brust. »Alles bestens. Mir ist so gut wie gar nicht übel.« Mit einer Kopfbewegung deutete er zu der Frau aus Peridot, die sich immer noch über die Bordwand beugte. »Mir tun nur die anderen Leute leid.«

»Er hat sich bis eben noch die Seele aus dem Leib gekotzt«, klärte ich Mari auf.

Ryder warf mir einen bösen Blick zu, während Mari ihn mitleidig ansah. »Tut mir leid. Dieser Sturm lässt aber auch gar nicht nach.«

»Tja, so ist es …« Das Schiff schlingerte über die nächste hohe Woge, und Ryder wurde blass und hielt sich den Bauch. »Ich … ich muss deswegen noch mit jemandem reden. Sofort.« Er begab sich hastig außer Sichtweite.

Mari sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. »Mit jemandem reden … über den Sturm?«

Ich schüttelte den Kopf. »Er ist einfach zu stolz.«

»Also, ich finde es ja süß, dass ihm so etwas peinlich ist. Hier.« Sie zog ein kleines Glasfläschchen aus ihren Röcken hervor. »Gib ihm das. Es heißt Magenstärkung.«

»Ist das nicht ein Mittel, das man vor allem Bestattern gibt?« Nachdem ich das Buch über Blumensorten aus der Bibliothek von Peridot schon zum zweiten Mal gelesen hatte, ging ich jetzt aus reiner Langeweile Maris Zauberbücher durch. Sie hatte ohnehin kaum noch Verwendung für sie. Schließlich hatte sie jetzt das Amulett.

Ich konnte ihr das nicht verübeln. Mari hatte nie gelernt, ihre Magie richtig zu benutzen, da ihre Mutter, die einzige Hexe in ihrer Familie, bei ihrer Geburt gestorben war. Mit Hilfe von Briar Creightons Halskette, die wir aus Kanes Arbeitszimmer gestohlen hatten, konnte sie ihre nicht unerheblichen Kräfte nun bewusst lenken. Und das Amulett lag stets um ihren Hals.

Mari zuckte die Achseln und fasste unbewusst nach dem violetten Stein, der auf ihren Schlüsselbeinen ruhte. »Ich dachte eben, es könnte ihm helfen. Es war ganz leicht zuzubereiten.«

Das einzig Knifflige an der ganzen Sache war, dass sie dabei eigentlich weder die Kräfte Briars noch die ihrer Vorfahren anzapfen konnte. Kane hatte mir erzählt, dass es sich bei dem Amulett um ein bloßes Schmuckstück handelte, und das bedeutete, dass alle Zaubersprüche, die Mari inzwischen mit Leichtigkeit wirkte, tatsächlich aus ihr selbst kommen mussten. Mari hatte ich davon nichts gesagt, und ich horchte nun in mich hinein, ob ich mich deswegen schlecht fühlte. Natürlich schuldete ich ihr die Wahrheit, aber dort, wo früher einmal mein moralischer Kompass gewesen war, gähnte jetzt nichts als reine Apathie. Zwar wollte ich sie nicht anlügen, aber …

Mir fehlte einfach die Energie.

»Hast du heute schon mal mit Kane gesprochen?«, fragte Mari nun und hielt sich an der glitschigen Reling fest, als das...


Borchardt, Kirsten
Kirsten Borchardt schreibt und übersetzt seit 1996 vor allem Texte aus den Bereichen Popkultur und Phantastik. Nach dem Übersetzerstudium an der Universität Heidelberg arbeitete sie zudem als freie Journalistin für Musik- und Stadtmagazine und als Musikredakteurin beim Privatfunk; später zählte sie lange Jahre zu den Machern des Gothic-Magazins Zillo. Zu den von ihr übersetzten Autor*innen zählen Joe Abercrombie, Jay Kristoff, Jasper Fforde, Corey Taylor und Sylvie Simmons. Sie lebt in Norddeutschland zwischen den Meeren.

Golden, Kate
Kate Golden lebt in Los Angeles und arbeitet hauptberuflich in der Filmindustrie. Mit »A Dawn of Onyx«, dem Auftakt zu ihrer großen »Edelstein«-Saga begeisterte sie auf TikTok bereits Millionen von Fans. In ihrer Freizeit liebt Kate Golden es, ins Kino zu gehen, zu lesen, knifflige Puzzles zu lösen, zu wandern und auf Flohmärkten herumzustöbern.



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