Golluch | Verrückte Forschung | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 240 Seiten

Golluch Verrückte Forschung

111 kuriose Hypothesen, Theorien und Experimente – Von wiederbelebten Leichen bis Elefanten auf LSD
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86413-838-6
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

111 kuriose Hypothesen, Theorien und Experimente – Von wiederbelebten Leichen bis Elefanten auf LSD

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

ISBN: 978-3-86413-838-6
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Wissenschaft hat der Menschheit den Fortschritt gebracht, das steht außer Frage - doch das heißt nicht, dass sie nicht auch einige Irrwege eingeschlagen hat. Von ausgeflippten Entdeckungen und Fehlschlägen bis hin zu Katastrophen von Männern und Frauen mit und ohne weißen Kittel bringt dieses Buch die übelsten Desaster der Wissenschaftsgeschichte ans Tageslicht. Missglückte Experimente, technische Flops, explodierende Versuchsaufbauten, Institute im Alarmzustand, schwachsinnige Studien, rauchende Laboratorien, wertlose Patente und total überflüssige Erfindungen vom Um-die-Ecke-Gewehr bis zum batteriebetriebenen Gummibusen geben sich hier ein fröhliches Stelldichein.

Norbert Golluch, geboren 1949, arbeitete zunächst als Grundschullehrer, bevor er sich nach einigen Jahren als Verlagslektor und Redakteur einer Satire-Zeitschrift als Autor selbstständig machte. Zu seinen zahlreichen Bestsellern gehört zum Beispiel Stirbt ein Bediensteter während der Dienstreise, so ist damit die Dienstreise beendet. Norbert Golluch wohnt und arbeitet im Bergischen Land in der Nähe von Köln.
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Physik, Mechanik und Kernkraft in der Küche

Die Physik erforscht die grundlegenden Erscheinungen der Natur, sucht nach den Eigenschaften der Dinge und den Gesetzmäßigkeiten in ihren Beziehungen. In dieser Hinsicht ist diese Wissenschaft eine aus dem Alltag erwachsende – viele Erkenntnisse aus der allgemeinen Erfahrung fließen ein. Was also sind Physiker? Pragmatische Beobachter alltäglicher Abläufe, akribisch dokumentierende Buchhalter der Welt um uns herum, vielleicht kaum mehr als nur Handwerker, die aus ihrem Tun Gesetze ableiten? Nein, sie mögen es etwas exotischer. Physiker sind (meist) Männer, die unter Bäumen liegend Äpfel fallen sehen, zuckende Froschschenkel an galvanische Elemente anschließen, sich mittels genialer Apparaturen den Tod durch Blitzschläge einfangen oder sich zumindest an summenden Spulen Stromschläge holen, extrem kleine Teilchen mit riesenhaftem Aufwand wahnsinnig beschleunigen und Experimente aufbauen, die nachher nicht funktionieren wie die Maschine, die aus dem Nichts Energie gewinnen soll. Nicht zu vergessen: ältere Herren, die an der Weltformel herumrechnen und dem Betrachter frech die Zunge herausstrecken.

1598 – Drebbels Patent auf das Perpetuum mobile

Der Klassiker unter den Projekten »verrückter« Wissenschaftler ist wohl jene Maschine, die funktionieren soll, ohne dass von außen Energie zugeführt wird: das Perpetuum mobile. Der desillusionierende Erhaltungssatz der Energie sollte noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts auf sich warten lassen, folglich gab es schon in früher Vergangenheit Dutzende von Ideen, mithilfe einer solchen Maschine sogar Energie erzeugen zu wollen. Erste Ansätze stammen aus dem vorderen Orient und Indien, um 1150 beschreibt ein indischer Mathematiker ein Rad, dessen Speichen mit Quecksilber gefüllt sind, eine Idee, die etwa 80 Jahre später der französische Baumeister Villard de Honnecourt aufgriff und weiterführte. Zu Zeiten der Renaissance befassten sich Francesco di Giorgio, Leonardo da Vinci oder Vittorio Zonca mit Perpetua mobilia, wobei Leonardo da Vinci bereits erkannte, dass eine solche Maschine den Gesetzen der Mechanik widerspricht.

1598, knapp 80 Jahre nach der Vincis Tod, ließ sich jemand ein Perpetuum mobile patentieren: Der niederländische Alchemist und Erfinder Cornelis Jacobszoon Drebbel (1572–1633) versuchte sich so die Rechte an einer Maschine zu verschaffen, die eigentlich von Jakob de Graeff Dircksz (1571–1638) und Pieter Jansz Hooft (1575–1636) gemeinsam entwickelt worden war. Sie war im eigentlichen Sinne kein Perpetuum mobile, weil das Gerät seine Energie aus den Veränderungen von Temperatur und Luftdruck gewann. Cornelis Jacobszoon Drebbel gab diese Erfindung als seine eigene aus und führte sie am Hof des englischen Stuart-König Jakob I. vor. Als die Maschine durch Fehlbedienung einen Defekt zeigte, wurde sein Schwindel entlarvt, denn Drebbel war nicht in der Lage, sie zu reparieren und wieder zum Laufen zu bringen. Leider ist dieses mechanische Artefakt, ein wichtiges Dokument der Zeitgeschichte, in keinem Museum zu sehen, weil es irgendwann verloren ging.

Einen solchen Betrug hätte Cornelis Jacobszoon Drebbel eigentlich nicht nötig gehabt, denn auch seine eigenen Ideen bewiesen einen kreativen Geist. Unter anderem gilt er als Erfinder des Tauchbootes und eines sich mit einem Thermostaten selbst regelnden Ofens.

1775 war das Jahr, in dem die Begeisterung für das Perpetuum mobile einen Dämpfer erhielt: Die französische Akademie der Wissenschaften erklärte, dass sie keine weiteren Perpetua mobilia (interessanter Plural, oder?) mehr zur Prüfung annähme, weil endlos laufende Maschinen ein Ding der Unmöglichkeit seien. Trotz dieser richtigen Erkenntnis versuchen sich noch heute Erfinder und Tüftler, aber auch Physiker und Atomwissenschaftler an dieser aussichtslosen Problemstellung, einige davon gegen besseres Wissen, aber mit guten kommerziellen Aussichten …

1753 – Gedankenblitz

Dem in Estland geborenen Georg Wilhelm Richmann (1711–1753) verdanken wir nicht nur die Richmann’sche Mischungsregel. Wie, kennen Sie nicht? Das ist die unentbehrliche Formel zur Bestimmung der Mischungstemperatur, die Sie jeden Morgen anwenden können, um die Temperatur Ihres hoffentlich noch immer heißen Kaffees zu bestimmen, wenn Sie kalte Milch hineingießen.

Tm = m1 · c1 · T1 + m2 · c2 · T2

m1 · c1 + m2 · c2

wobei m1, m2 für die Masse der Körper 1 und 2 steht, c1, c2 für die spezifische Wärmekapazität der Körper 1 und 2 steht, wobei T1 für die Temperatur des Körpers 1 steht, welcher Wärme abgibt, also der wärmere ist, wobei T2 für die Temperatur des Körpers 2 steht, welcher Wärme aufnimmt, also der kältere ist und wobei Tm für die gemeinsame Temperatur beider Körper nach der Mischung steht. Alles klar?

Nein, Georg Wilhelm Richmann hätte sich auch fast in bedeutender Weise um die Physik des Blitzschlages verdient gemacht, wäre nicht besagter Blitz dagegen gewesen. Der Professor für Physik an der Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg brillierte nicht nur mit experimentellen Ergebnissen in Sachen Temperatur, sondern machte auch die elektrische Aufladung der Atmosphäre vor und während eines Gewitters zu seinem Forschungsgegenstand. Das wurde ihm am 6. August 1753 zum Verhängnis, als der Blitz in eine aus dem Dach des Instituts aufragende Eisenstange einschlug, an dessen Ende der Forscher ein von ihm entwickeltes Elektrometer installiert hatte. Eine Feuerkugel soll in seinen Kopf eingedrungen sein, was ihn sofort ins Jenseits beförderte. Friede seiner Asche.

1758 – Der Barfuß-Philosoph

Der schottische Philosoph und Physiker Robert Symmer (1707–1763) deutete die Elektrizität auf eine ganz besondere Weise und erschuf dabei seine eigene Variante der sogenannten Fluidumhypothese. Die besagt, dass durch Reiben elektrisch aufladbare Gegenstände ein besonderes Fluidum enthalten, das durch die Wärme der Reibung austrete und andere Stoffe in sich hineinziehe. Robert Symmer hatte aber festgestellt, dass nicht nur diese Anziehungskraft existiert, sondern offenbar auch eine Abstoßungskraft. Daher gäbe es nicht eine einzige elektrische Kraft, sondern zwei getrennte, antagonistische Kräfte, die jede ihr eigenes Fluidum besäßen. Damit formulierte er einen Widerspruch zur Meinung von Benjamin Franklin, die viele Anhänger besaß. Letztendlich hatte er die beiden unterschiedlichen elektrischen Ladungszustände von Körpern entdeckt, heute bekannt als + und –, diese Beobachtung jedoch nicht richtig gedeutet. Vor ihm hatte bereits Charles du Fay 1733 eine Theorie über zwei Arten der Elektrizität formuliert und diese beiden Varianten als Glaselektrizität (électricité vitreuse) und Harzelektrizität (électricité résineuse) bezeichnet.

Auf die Idee mit den beiden elektrischen Kräften kam Robert Symmer vermutlich, als er sich die Socken auszog. An zwei übereinander getragenen Seiden- und Wollstrümpfen beobachtete er das Phänomen der Abstoßung. Weil er im Folgenden immer wieder seine getragenen Socken an Gegenständen rieb und somit mit nackten Füßen auftrat, gaben sein Publikum und seine gelehrten Kollegen ihm den Spitznamen »Barfuß-Philosoph«.

Robert Symmer: »New Experiments and Observations concerning Electricity« in Philosophical Transactions of the Royal Society, veröffentlicht in vier Teilen:

»Of the Electricity of the Human Body and the Animal Substances Silk and Wool«, Februar 1759, S. 340–347

»Of the Electricity of Black and White Silk«, Mai 1759, S. 348–358

»Of Electrical Cohesion«, Juni 1759, S. 359–370

»Of Two Distinct Powers in Electricity«, Dezember 1759, S. 371–389

1769 – Glaube kontra Wissenschaft

An der folgenden Katastrophe ist kein verrückter Wissenschaftler, sondern der Glaube (oder Aberglaube) schuld. Weil Sie aber sicher gerne etwas über eine derartig haarsträubende und überflüssige Katastrophe lesen, konnte das Ereignis hier nicht ausgelassen werden. Die Gemeinde San Nazzaro hatte es abgelehnt, an ihrer Kirche einen Blitzableiter anbringen zu lassen. Begründung: Blitze kommen von Gott, und Gott zerstört keine Kirchen. Irrtum. Weite Teile der Stadt wurden in Mitleidenschaft gezogen, 3 000 Menschen starben, als 1769 die Kirche von San Nazzaro vom Blitz getroffen wurde, denn – kaum zu glauben – in der Kirche lagerten 90 Tonnen Schießpulver. Vielleicht war Gott auch darüber sauer. Immerhin gab man nach der Katastrophe die Theorie vom göttlichen Schutz für Kirchen auf und installierte Blitzableiter, lagerte aber weiterhin Schießpulver in beachtlichen Mengen in der Kirche.

1772 – Menschen unter Strom

Wissenschaftler spekulierten im 18. Jahrhundert über die Möglichkeit eines Zusammenhangs zwischen den produktiven Energien der Natur, speziell den Kräften der Fortpflanzung, und der gerade erst entdeckten Elektrizität. Wenn es zwischen diesen Kräften einen Zusammenhang gäbe, so folgerte der französische Physiker Sigaud de Lafond (1730–1810), so dürfte durch kastrierte Männer, also Eunuchen, kein elektrischer Strom...


Norbert Golluch, geboren 1949, arbeitete zunächst als Grundschullehrer, bevor er sich nach einigen Jahren als Verlagslektor und Redakteur einer Satire-Zeitschrift als Autor selbstständig machte. Zu seinen zahlreichen Bestsellern gehört zum Beispiel Stirbt ein Bediensteter während der Dienstreise, so ist damit die Dienstreise beendet. Norbert Golluch wohnt und arbeitet im Bergischen Land in der Nähe von Köln.



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