Goodhind | Mord ist auch eine Lösung | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 316 Seiten

Reihe: Honey Driver ermittelt

Goodhind Mord ist auch eine Lösung

Kriminalroman
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8412-0226-0
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 5, 316 Seiten

Reihe: Honey Driver ermittelt

ISBN: 978-3-8412-0226-0
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mord im Nobelhotel.

Der angesagte Innenarchitekt Philippe Fabiere, der Honey Drivers Hotel ein neues Gesicht verleihen sollte, wird ermordet. Waren seine Kollegen wirklich so neidisch auf seine tollen Ideen? Haben sie auch sein Antiquitätenlager ausgeräumt? Oder hat der neue russische Besitzer des Nobelhotels, in dem man Philippes Leiche fand, seine Hand im Spiel?

Ein neuer Fall für die Hotelbesitzerin Honey Driver und Steve Doherty, ihren charmanten Begleiter. 



Jean G. Goodhind wurde in Bristol geboren und lebt teilweise in ihrem Haus im Wye Valley in England oder ist mit Ihrer Yacht unterwegs, die im Grand Harbour von Malta ihren Liegeplatz hat. Sie hat bei der Bewährungshilfe gearbeitet und Hotels in Bath und den Welsh Borders geleitet. Im Aufbau Taschenbuch liegt ihre Serie um die Hotelbesitzerin Honey Driver vor: 'Mord ist schlecht fürs Geschäft', 'Dinner für eine Leiche', 'Mord zur Geisterstunde', 'Mord nach Drehbuch', 'Mord ist auch eine Lösung', 'In Schönheit sterben', 'Der Tod ist kein Gourmet', 'Mord zur Bescherung', 'Mord zur besten Sendezeit', 'Mord zu Halloween', 'Mord in Weiß', 'Mord im Anzug' und 'Mord unter Brüdern'.      

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Weitere Infos & Material


1;Kapitel 1;6
2;Kapitel 2;16
3;Kapitel 3;27
4;Kapitel 4;33
5;Kapitel 5;37
6;Kapitel 6;49
7;Kapitel 7;54
8;Kapitel 8;64
9;Kapitel 9;83
10;Kapitel 10;87
11;Kapitel 11;89
12;Kapitel 12;93
13;Kapitel 13;96
14;Kapitel 14;104
15;Kapitel 15;107
16;Kapitel 16;113
17;Kapitel 17;116
18;Kapitel 18;120
19;Kapitel 19;124
20;Kapitel 20;129
21;Kapitel 21;137
22;Kapitel 22;142
23;Kapitel 23;155
24;Kapitel 24;159
25;Kapitel 25;166
26;Kapitel 26;177
27;Kapitel 27;186
28;Kapitel 28;189
29;Kapitel 29;195
30;Kapitel 30;205
31;Kapitel 31;209
32;Kapitel 32;218
33;Kapitel 33;223
34;Kapitel 34;229
35;Kapitel 35;234
36;Kapitel 36;238
37;Kapitel 37;241
38;Kapitel 38;247
39;Kapitel 39;258
40;Kapitel 40;262
41;Kapitel 41;269
42;Kapitel 42;281
43;Kapitel 43;293
44;Kapitel 44;296
45;Kapitel 45;300
46;Kapitel 46;305
47;Kapitel 47;314


Kapitel 1


Der Empfangsbereich im Green River Hotel wurde gerade vollkommen neu gestaltet, und Honey Driver war so aufgeregt wie ein Kind kurz vor der Bescherung an Heiligabend. »Jetzt habe ich es drei Jahre in Draculas Salon ausgehalten. Es wird höchste Zeit, dass ein bisschen Licht hier reinkommt.«

Sie hatte sich für einen Louis-Quatorze-Look entschieden: alles in Kobaltblau und Cremeweiß mit funkelnden Kronleuchtern und kunstvoll verzierten, auf Französisch getrimmten Spiegeln.

Der rote Teppich war verschwunden, sämtliche Holzelemente waren abgeschmirgelt, und Philippe Fabiere, ein dunkelhäutiger Typ mit wasserstoffblondem Haar aus dem Londoner East End, hatte bereits die nötigen Lacke, Tapeten und Möbel bestellt.

Philippe Fabiere, erste Sahne unter Baths Innenarchitekten, war bei Hoteliers ungeheuer gefragt, die ihre Häuser aufrüsten wollten und damit ihr Geschäft aufzuwerten hofften. Er war außerordentlich extravagant, tyrannisch und irgendwie natürlich auch ein Blender. Sein Pseudonym hatte er so gewählt, dass es sehr wirkte. Zu allem Überfluss hatte er sich auch noch einen dazu passenden Akzent antrainiert. Das war eigentlich verständlich, denn man hatte ihn auf den Namen George Theodore Washington getauft, der nun gar nicht passte, wenn man ein megaehrgeiziger Innenarchitekt war und blondgefärbtes Haar, kastanienbraune Haut und einen künstlerisch angehauchten – genauer gesagt: papageienbunten – Kleidungsstil hatte. Er hatte Honey einmal anvertraut, sein Vater sei begeisterter Hobby-Historiker und interessierte sich besonders für amerikanische Geschichte. Da sein Nachname tatsächlich Washington war, hatte er bei der Geburt seines Sohnes der Versuchung einfach nicht widerstehen können.

Abgesehen davon war George – beziehungsweise Philippe, wie er lieber genannt wurde – inzwischen der angesagteste Innenarchitekt, um den sich alle kultivierteren Hoteliers von Bath rissen. Honey musste ihn einfach engagieren. Wenn alles nach Plan lief, würden die Arbeiten innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen sein.

Zufrieden strahlend ließ Honey die Augen über die nackten Wände, die abgeschliffenen Fußbodendielen und die abgeschmirgelten Sockelleisten schweifen. Im Augenblick sah es allerdings noch eher nach der Höhle von Fred Feuerstein aus als nach dem Versailles Ludwig des Vierzehnten. Deprimierend eigentlich. Zum Glück besaß sie eine lebhafte Phantasie.

»Wartet mal ab, bis das alles hier fertig ist«, seufzte sie.

Ein Maler in einem schmuddeligen Overall, der mit Tausenden verschiedener Farbspritzer verziert war, hebelte gerade mit einem Spachtel eine Farbbüchse auf. Der Deckel löste sich mit einem vertrauenerweckenden »Plop«. Nun, es klang nicht gerade wie ein Champagnerkorken, aber doch irgendwie nach einer Feier. Die erste Farbrolle mit Kobaltblau wurde auf die Wand aufgetragen, und schon wehte das Aroma frischer Farbe durch den Raum. Stillschweigend gratulierte Honey sich, dass sie so vernünftig gewesen war, keine Zimmerreservierungen anzunehmen. Gäste mochten einfach keine Unordnung, auch wenn sich damit auf lange Sicht ihr Komfort erhöhen würde. Es hätte nur Beschwerden gehagelt. Also hatte sie Philippe zwei Wochen Zeit für die Renovierungsarbeiten gegeben und erst einmal alle Gästebuchungen abgelehnt.

Sie brachte ihre Zufriedenheit laut zum Ausdruck. »Bin ich froh, dass wir keine Gäste haben.«

Lindsey knurrte irgendetwas Unverständliches. Im Augenblick schaute nur das hintere Ende von Honeys Tochter unter dem Empfangstresen, einem großen, eingebauten Möbel mit vielen Fächern, Schubladen und Regalbrettern, hervor. Lindsey versuchte gerade, verschiedene Computerkabel zu entwirren, die sich zu einem großen, unordentlichen Knäuel verheddert hatten. Denn auch der Empfangstresen sollte eleganter gestaltet werden, um besser zu Philippes künstlerischen Vorstellungen zu passen.

»Dieser Kobaltton ist wirklich genau die richtige Farbe«, fügte Honey verträumt hinzu und verschränkte zufrieden die Arme, während eine nackte Gipswand allmählich dunkelblau wurde.

Völlig verstaubt kam Lindsey auf Knien hinter dem Tresen hervorgekrabbelt. Sie rümpfte das Näschen. »Stinkt ein bisschen.«

Honey nahm eine gute Lunge voll von der nach frischer Farbe riechenden Luft. »Es ist so ein sauberer Geruch. Ein neuer Geruch.«

Der gleiche rote Teppich, mit dem der Empfangsbereich ausgelegt gewesen war, hatte auch die geschwungene Treppe geziert, die zu den Gästezimmern hinaufführte. Nun würde das tiefe Rot durch einen strapazierfähigen, aber luxuriösen Läufer in tiefstem Herbstgold ersetzt werden. Inzwischen klapperten die Schritte von Mary Jane – klipp-klopp – die Stufen hinunter. Mary Jane, der einzige noch übriggebliebene Gast des Hotels, kam nach unten.

»Ich habe eine Beschwerde«, sagte Mary Jane.

Honey zwinkerte. Es war noch früh am Morgen, und Mary Janes apfelgrüner Trainingsanzug würde garantiert jeden aus dem Tiefschlaf aufwecken. Sie hatte dieses schrille Teil zu einem stark reduzierten Preis auf einem Flohmarkt erstanden, Mary Jane hatte ihn sogar noch ein ganzes Stück weiter heruntergehandelt. Kragen und Manschetten waren in Quietschrosa abgesetzt, und auch der Reißverschluss prangte in dieser leuchtenden Farbe. Das Ganze blendete so sehr, dass die Vorbesitzerin wahrscheinlich heilfroh war, das Ding endlich los zu sein. Mary Janes Turnschuhe schillerten in allen Regenbogenfarben und passten wiederum glänzend zu den hölzernen Papageien-Ohrringen, die an ihren Ohrläppchen baumelten.

Honey war höchst verständnisvoll. »Das tut mir leid, Mary Jane. Was gibt es denn?«

Feiner Staub rieselte von Mary Janes Wangen, während sie redete. Sie neigte dazu, sehr viel Puder zu verwenden. Überall, wohin sie ging, hinterließ sie eine Spur, einschließlich eines deutlichen Gesichtsabdrucks auf ihrem Kopfkissen.

»Es geht um Sir Cedric«, sagte sie nun mit hohler Stimme und blickte verstohlen über die Schulter.

»O je«, meinte Honey. Sie hatte viel Geduld mit Mary Jane. Die war eine sehr nette Person. Es hatte nicht lange gedauert, bis Honey die unendlichen Gespräche über längst verstorbene Ahnen, die Mary Jane zufällig regelmäßig besuchten, als vertrauten Teil ihres Lebens empfand. Sir Cedric zum Beispiel lebte in einem Wandschrank in Mary Janes Zimmer, hatte Mary Jane ihnen berichtet.

»Ihn bringt der Farbgeruch völlig aus der Fassung. Er mag es nicht, wenn sich etwas ändert. In diesem alten Haus ist im Laufe der Jahrhunderte schon zu viel verändert worden.«

Mary Jane wohnte ständig im Hotel. Sie war zufällig in diesem Zimmer gelandet, als sie sich vor einigen Jahren in Bath zu Besuch aufhielt, und hatte beschlossen, dass dies der Ort war, wohin sie gehörte. Schon bald danach hatte sie den Sonnenschein Kaliforniens gegen das eher wechselhafte Wetter Englands eingetauscht.

Honey hatte gelernt, über Sir Cedric zu sprechen, als sei er einfach nur ein weiterer Gast – der allerdings nicht den üblichen Zimmerpreis bezahlte, aber andererseits auch die Hoteleinrichtungen kaum benutzte. Sie entschuldigte sich entsprechend wortreich. »Bitte übermittle ihm meine aufrichtige Entschuldigung, aber es musste einfach sein. Ich bin sicher, dass ihm die neue Ausstattung gefallen wird, wenn die Arbeiten erst beendet sind.«

Honey nahm an, dass Sir Cedric nachts umherwanderte. Sie wollte lieber nicht in die Einzelheiten gehen. Denn wenn sie das geringste Interesse zeigte, würde Mary Jane stundenlang über ihren Familienstammbaum reden.

»Du verstehst das nicht«, antwortete Mary Jane, und ihre Augen hatten das seltsame Leuchten, wie immer, wenn sie von Sir Cedric sprach. »Geister, die in einem Haus residieren, hassen es, wenn ihre alten Gewohnheiten gestört werden, und reagieren dann mit Anzeichen größten Missmuts.«

Honey blickte auf die Uhr. »Nun, ich bin sicher, wenn wir die Fenster weit aufmachen, wird er nicht allzu sehr gestört.«

Mary Jane wirkte ein wenig unsicher.

»Schau mal«, fuhr Honey fort und fragte sich nicht zum ersten Mal, warum sie all das anstandslos hinnahm. Aber da sie sich verpflichtet fühlte, ihren einzigen Gast zu besänftigen, gab sie Mary Jane ein Versprechen.

»Ich sag dir was: Sobald Philippe kommt, rede ich mit ihm ein Wörtchen darüber. Ich bin sicher, wir können eine Lösung finden – und wenn wir nur eine weniger stark riechende Farbe kaufen.«

Mary Jane war noch immer nicht überzeugt. »Braucht dieser Philippe noch lange, bis er herkommt?«

»Nein«, antwortete Honey und schüttelte energisch den Kopf. »Ich erwarte ihn jeden Augenblick. Überlass das alles nur mir. Ich krieg das hin.«

Mary Janes Gesicht sah noch immer nicht sonderlich beruhigt aus.

»Hast du schon gefrühstückt?«, fragte Honey, die dringend das Thema wechseln wollte.

Bei der Erwähnung von Essen wandelte sich Mary Janes Miene.

»Doris hat mir das Frühstück aufs Zimmer gebracht. Es wartet oben auf mich. Dann gehe ich mal wieder hoch und lasse es mir schmecken. Bis ich fertig bin, ist dein Innenarchitekt sicher längst dagewesen und wieder fort.«

»Zweifellos«, sagte Honey mit mehr Gewissheit in der Stimme, als sie verspürte. Es war bereits nach neun, und Philippe hatte versprochen, um acht zu kommen. Bis jetzt hatte er sich noch nie verspätet. Aber einmal war ja immer das erste Mal, überlegte sie. Oder nicht?

Mary Jane stakste auf ihren langen Beinen wieder durch den Eingangsbereich und die Treppe hinauf.

Honey schaute zu Lindsey herunter, die immer noch auf den Knien lag. »Sir Cedric wird nicht gern...



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