E-Book, Deutsch, Band 9, 314 Seiten
Reihe: Honey Driver ermittelt
Goodhind Mord zur besten Sendezeit
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8412-0580-3
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kriminalroman
E-Book, Deutsch, Band 9, 314 Seiten
Reihe: Honey Driver ermittelt
ISBN: 978-3-8412-0580-3
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Primetime für einen Mord.
Eigentlich wollte Honey Driver, Hotelbesitzerin aus Bath, das vornehme Landhaus Cobden Manor kaufen und zu einem Hotel umbauen lassen. Aber nachdem sie die Leiche der Fernsehmoderatorin Arabella Neville im Kamin des schönen Anwesens gefunden hat, verzichtet sie gern darauf. Sie muss jetzt auch erst mal den Mörder von Arabella finden. Und da ist nicht nur der Ehemann des Fernsehstars verdächtig. Die launische Arabella hatte unzählige Neider und Feinde. Natürlich steht Honey wie immer das charmante Raubein Chief Inspector Steve Doherty tatkräftig zur Seite ...
Jean G. Goodhind wurde in Bristol geboren und lebt teilweise in ihrem Haus im Wye Valley in England oder ist mit Ihrer Yacht unterwegs, die im Grand Harbour von Malta ihren Liegeplatz hat. Sie hat bei der Bewährungshilfe gearbeitet und Hotels in Bath und den Welsh Borders geleitet. Im Aufbau Taschenbuch liegt ihre Serie um die Hotelbesitzerin Honey Driver vor: 'Mord ist schlecht fürs Geschäft', 'Dinner für eine Leiche', 'Mord zur Geisterstunde', 'Mord nach Drehbuch', 'Mord ist auch eine Lösung', 'In Schönheit sterben', 'Der Tod ist kein Gourmet', 'Mord zur Bescherung', 'Mord zur besten Sendezeit', 'Mord zu Halloween', 'Mord in Weiß', 'Mord im Anzug' und 'Mord unter Brüdern'.
Weitere Infos & Material
Zwei
Cocktails beim Fackelschein, das hatte etwas wunderbar Dekadentes, umso mehr, wenn der Veranstaltungsort das Römische Bad war.
Die lodernden Fackeln und der leicht schwefelige Geruch passten zum Anlass. Heute Abend fand hier eine Party statt, wo einst die obersten Zehntausend der Römer gebadet hatten, wo sie massiert und eingeölt wurden (und sonst noch einiges getan hatten, was ein braves Mädchen seiner Mutter niemals erzählen würde). Die besten Makler von Bath zahlten die Zeche. Keine gewöhnlichen Immobilienfritzen, sondern die Topmakler, allererste Sahne.
Diese Herren, die Verkäufe von Gebäuden und Ländereien in der berühmten Stadt Bath vermittelten, die immerhin zum Weltkulturerbe gehörte, waren natürlich selbst auch aus der obersten Schublade. Nur selten ließen sie sich so weit herab, eine Liegenschaft anzubieten, die weniger als ein halbe Million Pfund wert war, und das auch nur, wenn der Verkäufer ein weit prächtigeres Anwesen erwerben wollte oder eins für einen Sohn oder eine Tochter gekauft hatte, die inzwischen die Universität verlassen und einen Job als Börsenmakler in London angetreten hatten.
Top-Adressen, darum ging es hier. Ganz oben auf der Liste standen Herrenhäuser mit allem Komfort: mit Hubschrauberlandeplatz, Tennisplatz und Stallungen. Ebenso Anwesen, bei denen der Besitzer von Bord seiner Yacht im Mittelmeer mit einem einzigen Knopfdruck bequem die Klimaanlage und die Heizung steuern konnte.
Für solche großartigen Objekte interessierte sich Honey nicht. Erstens konnte sie sich die nicht leisten, und zweitens hatte sie gerade mit Müh und Not gelernt, wie die Fernbedienung für den Fernseher funktionierte, und machte lieber einen großen Bogen um jede Art von satellitengesteuerten Gerätschaften.
Nein. Sie war auf der Suche nach einem leicht verfallenen Herrenhaus, das man zu einem Landhaushotel umbauen konnte. Wenn sie an ihre sehr bescheidenen Finanzen dachte, musste es ziemlich renovierungsbedürftig sein. Ein bereits vollständig hergerichtetes Hotel würde zu viel kosten.
Im Grunde liebäugelte sie schon lange mit dem Gedanken an eine Veränderung. Mehr als ein bisschen Liebäugeln verband sie allerdings inzwischen mit Detective Chief Inspector Steve Doherty, dem unermüdlichen Liebhaber mit dem lässigen Kleidungsstil. Oh, und manchmal flirtete sie auch ein bisschen mit John Rees, der einmal in Los Angeles gelebt hatte und im Moment Besitzer eines Buchantiquariats in Bath war.
Zu dieser Party war sie jedoch ohne männliche Begleitung gekommen. Doherty war ja beim Rugbytraining. Beim bloßen Gedanken daran musste sie lächeln, denn sie fragte sich, ob er nach den Stunden mit ihr überhaupt noch die Energie hatte, sich mit den Jungs auf dem Spielfeld zu prügeln.
»Wer kommt denn alles zu dieser Party?«, hatte ihre Mutter gefragt, sobald sie gehört hatte, wohin Honey sich aufmachte.
»Ein Haufen Leute, die Champagner schlürfen.«
»Irgendwelche bekannten Namen?«
Ihre Mutter war ganz Ohr, die Adleraugen so blau wie das kleine Schneiderkostüm, das sie trug. Seit sie einen Laptop gekauft hatte, trug Honeys Mutter Gloria Cross diese Business-Kostümchen. Der Computer steckte natürlich in einer passenden Tasche von Louis Vuitton, und sie schleppte ihn überall mit hin.
Seit Gloria Cross ihre Online-Partnerbörse für die Generation sechzig plus gestartet hatte, hatte sich ihre Meinung zur modernen Technologie schlagartig geändert. Das Unternehmen hieß Schnee auf dem Dach, und Gloria Cross hatte ihre Absicht verkündet, ein paar alte Öfen wieder zum Lodern zu bringen, als sie sich mit dem Bath Chronicle in Verbindung gesetzt und darauf bestanden hatte, dass die Zeitung einen langen Artikel über ihr Unternehmen veröffentlichte.
»Die Leute brauchen doch was zu tun, wenn sie im Ruhestand sind«, hatte sie dem Milchgesicht von Reporter erklärt, der mit einem Diktiergerät und einer vorgefassten Meinung über die Generation sechzig plus bei ihr aufgetaucht war. Honeys Mutter war herumstolziert, als wäre sie ein Medienstar – bis sie die Schlagzeile las:
AUS ALT MACH NEU
Das Milchgesicht hatte die Sache als Bericht über ein neues Betätigungsfeld für alte Damen aufgezogen. Sonderlich beeindruckt war Gloria Cross nicht gewesen, nein, eher ziemlich wütend. Sie war sofort zur Zeitung marschiert, hatte dem Chefredakteur die Meinung gesagt und keinen Zweifel daran gelassen, dass sie von ihm erwartete, dass er dem Reporter eins auf den Deckel geben würde. Der war nirgends zu finden, sondern hielt sich bedeckt, bis die Luft wieder rein war.
»Nimm bloß dein Handy mit und mache ein Foto von allen, die berühmt sind. Aber nur von den Allerberühmtesten, hörst du. Keine von der zweiten Garnitur, den Leuten vom Lokalradio oder so.«
»Ich glaube nicht, dass ich …«
»Ach je!«, rief ihre Mutter, und ihre Augen glitzerten vor Aufregung wie Diamanten. »Ich wüsste zu gern, wer alles kommt. Bist du sicher, dass du mir nicht auch eine Einladung besorgen kannst?«
Nein, erwiderte ihr Honey, das würde nicht gehen. Ehrlich gesagt, sie wusste es nicht genau, aber sie würde bestimmt keinen ernsthaften Versuch unternehmen.
»Mutter, du weißt doch, dass ich nichts für diesen VIP-Kult übrighabe. Ich werde keine Fotos machen. Ich MÖCHTE keine Fotos machen.«
Da war sie nun. Sie machte keine Fotos, aber sie schaute sich um und suchte nach berühmten Gesichtern. Das Ergebnis war ziemlich überraschend. Alle, die in Bath irgendwer waren, hatten sich eingefunden, dazu noch ein paar ungeladene Gäste, die jemanden kannten, der ihnen Zutritt verschaffen konnte. Sie bemerkte, dass sie Leute anlächelte, die sie nur mal auf Fotos in Klatschzeitschriften, im Film oder im Fernsehen gesehen hatte oder – was für ein Wunder! – als entfernte Mitglieder der königlichen Familie identifizierte.
Ein berühmter Hollywood-Schauspieler nickte ihr freundlich lächelnd zu, als ginge er davon aus, sie zu kennen. Sobald ihm sein Irrtum klar geworden war, schaute er betreten weg.
Sie versuchte sich daran zu erinnern, wo sie ihn schon einmal gesehen hatte. Hatte er nicht in Corellis Mandoline mitgespielt? Wenn sie es recht bedachte, hatte sie ihn vielleicht im Zodiac Club bemerkt, wo die Leute aus dem Gastgewerbe sich in den späteren Abendstunden trafen, um sich zu entspannen und ihre Meinung über die Kundschaft kundzutun. Die schummrigen Ecken im Zodiac besaßen einen großen Reiz für eine ganze Menge Leute, wenn man bedachte, wie viele Einlass wollten und wie viele abgewiesen wurden.
Ja, auch ein Hollywood-Star würde dort gern hingehen, überlegte sie und schaute woanders hin.
Ein weiterer amerikanischer Schauspieler kam vorbeigeschlendert, der gleichfalls freundlich lächelte und bedeutend weniger blondes Haar hatte als in seiner Jugend. Er war die blonde Hälfte des Detektivduos Starsky & Hutch aus der Polizeiserie der siebziger Jahre, fiel Honey ein.
»Hi«, sagte er und hob grüßend die Hand.
Honey reagierte mit einem kleinen Winken. »Selber hi.«
Er ging weiter und sagte »Hi« zu jedermann, und alle Leute lächelten. Die berühmten Damen, die vorüberspazierten, schienen in weniger leutseliger Stimmung zu sein. Manche stammten aus alten Familien, besaßen ein noch älteres Vermögen und schauten mit ausdrucksloser Miene auf die Menge, als wären sie nicht ganz sicher, was sie hier unter all den Leuten aus dem Showbusiness verloren hatten.
Honey erkannte eine oder zwei Personen, die einmal zum Essen ins Hotel gekommen waren; sie wusste um ihre Lebensumstände. Das war eben Bath: Klatsch und Tratsch. Eins war gewiss: Dank der Erbschaftssteuer und anderer finanzieller Verpflichtungen für die liebe Familie standen heutzutage Anwesen zum Verkauf, die seit den Jugendtagen Heinrichs VIII. stets vom Vater auf den Sohn übergegangen waren, zusammen mit der gesamten Familiengeschichte, den feuchten Mauern und dem Hausschwamm.
Der andere Typ Frau, der heute zur Party gekommen war, war völlig anders. Das waren die Neureichen, die sich unverfrorener gaben. Diese Frauen hatten ein starres Lächeln auf den mit Botox aufgespritzten Lippen, ihre dank Silikonimplantaten und neuester Technologie verdächtig prallen Brüste quollen beinahe aus dem tiefen Ausschnitt ihrer Abendkleider, alles hatte seinen Preis. Diamanten waren einfach out, heute ging es um pralle Brüste. Am besten heiratete man einen Schönheitschirurgen. Wer das nicht schaffte, musste eben das Sparschwein schlachten.
Honey überlegte, wie viel wohl die Designerklamotten dieser Damen gekostet haben mochten, und dachte, dass sie sich für das Geld sicherlich lieber eine neue Badezimmerausstattung für das Kutscherhäuschen leisten würde. Falls sie das Hotel nicht verkaufen konnte. Denn den Traum vom Landhaushotel konnte sie nur wahr machen, wenn sie vorher das Green River versilberte. Aber es war ja noch viel Zeit. Außerdem hatte ihr ein gewisser Makler versichert, er hätte genau das richtige Anwesen für sie.
»Das richtige Haus zum richtigen Preis, wenn auch hier und da ein bisschen reparaturbedürftig.«
Sie hatte einen begrenzten Etat, und wenn das Haus, das er anbot, vier Wände und ein Dach hatte, musste sie es sich einfach ansehen.
»Die Zeit ist auf unserer Seite«, hatte sie ihrer Tochter Lindsey versichert. Lindsey hatte sich zurückgehalten. »Es ist dein Leben. Deine Entscheidung.«
»Hallo. Ich bin Clarissa Crump. Und wer sind Sie?«
Die Frau, die sich da plötzlich auf sie stürzte, war...




