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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 4, 256 Seiten
Reihe: Die Kinder von D’Hara
Goodkind Der Bann der Hexe - Das Schwert der Wahrheit
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-641-26479-6
Verlag: Penhaligon
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Novelle
E-Book, Deutsch, Band 4, 256 Seiten
Reihe: Die Kinder von D’Hara
ISBN: 978-3-641-26479-6
Verlag: Penhaligon
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Richard Rahl und seine Gefährten müssen sich dem dunklen Zauberer Michec stellen, oder Richards geliebte Kahlan wird sterben – sie alle werden sterben! Um ihren Feind auch nur zu erreichen, müssen sie allerdings dem Bann einer Hexe folgen und zunächst freiwillig in das Reich der Toten eintreten. Zumindest glaubt Richard das – doch es ist eine tödliche Falle!
Die Kinder von D'Hara bei Penhaligon:
1. Die goldene Göttin
2. Die Vorboten des Todes
3. Im Labyrinth des Zauberers
4. Der Bann der Hexe
5. Das Tor zur Dunkelheit
Terry Goodkind (*1948; †2020) wurde in Omaha, USA, geboren und war nach seinem Studium zunächst als Rechtsanwalt tätig. 1994 erschien sein Roman »Das erste Gesetz der Magie«, der weltweit zu einem sensationellen Erfolg wurde und den Auftakt zu einer der erfolgreichsten Fantasy-Sagas aller Zeiten bildet. Er lebte bis zu seinem Tod in Maine, USA.
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Kahlans Schrei fühlte sich nicht nur so an, als würde er Richards Seele in Stücke reißen, nein, er war ein überwältigender, grauenhafter Schock für ihn. Er begriff weder, noch konnte er sich erinnern, wie es dazu gekommen war, dass er in einem Raum voller gehäuteter, ebenfalls an ihren Handgelenken unter der Decke hängender Leichen hing. Er verstand jedoch, dass es eine Art Bann sein musste, gewirkt vom Hexer Moravaska Michec. Und überhaupt, was geschehen war oder wie, das spielte eigentlich gar keine Rolle. Was zählte, war allein das Hier und Jetzt.
Ein kurzer Blick nach links zeigte ihm, dass Shale, Handschellen um die Handgelenke, ebenfalls an einer unter der Decke befestigten Kette hing und in dieselbe Richtung schaute wie er. Sie schien bewusstlos zu sein und konnte ihm daher nicht helfen.
In gleicher Entfernung rechts von ihm und in dieselbe Richtung, zu den hängenden Leichen hin schauend, wehrte sich eine panische Kahlan gegen das, was wohl jeden Augenblick geschehen würde. Der Gestank der toten Körper, die in einem Gittermuster überall im Raum hingen, war nicht nur widerlich, sondern geradezu übermächtig.
Sosehr Kahlan auch um sich schlug, was ihre Handgelenke wegen der ins Fleisch einschneidenden Handschellen nur umso stärker bluten ließ – Michec hatte ihr Fleisch fest im Griff. Seinen dicken Daumen außen, dazu zwei Finger in dem Schlitz, den er seitlich am Hals in ihre Haut geschnitten hatte, konnte er damit beginnen, sie bei lebendigem Leib zu häuten.
Richard erinnerte sich genau. Michec hatte davon gesprochen, dass er den Raum mit einem Bann belegt habe, um ihre Gabe zu blockieren. Das musste der Grund sein, weshalb sie ihre Kraft nicht gegen ihn eingesetzt hatte. Die Vorstellung, Michec könnte ihr bei lebendigem Leib die Haut abziehen, war mehr, als er ertragen konnte. Er versuchte selbst auf seine Gabe zuzugreifen, doch es war, als wäre da nichts. Er fühlte sich einfach leer.
Solange Michec ihrer aller Gabe mit seinem Bann blockierte, konnte sie ihm keine Hilfe sein.
Direkt ihm gegenüber hing Vika, nackt wie Kahlan, hilflos in Handschellen, das Gesicht ihm zugewandt. Trotz der Schmerzen, die sie litt, sowohl von der klaffenden Wunde im Unterleib, die Michec ihr zugefügt hatte, um ein Stück ihrer Eingeweide herauszuziehen, als auch von dem Strafer, den er in die offene Wunde gerammt hatte, um ihre Qualen noch zu vergrößern, war sie sichtlich bestürzt, Kahlan in der Gewalt dieses üblen Mannes zu sehen. Eines Mannes, der sie, Vika, einst besessen hatte.
»Mein Gebieter«, rief sie mit schwacher Stimme, einer Stimme allerdings, die zu Michec durchdrang.
In der Erwartung zu erfahren, warum sie ihn störte, wandte er sich gereizt herum und warf ihr über die Schulter einen bösen Blick zu.
»Mein Gebieter«, brachte Vika erneut mit zittriger Stimme hervor.
»Was!«, brüllte er, verärgert, dass man ihn störte, ehe er damit beginnen konnte, Kahlan bei lebendigem Leib zu häuten.
»Ich will Euch warnen. Ihr habt einen entsetzlichen Fehler gemacht.«
Die Miene des Hexers verfinsterte sich, trotzdem ließ ihn die Neugier einen Schritt von Kahlan zurücktreten. Seine kantigen Züge waren angespannt vor lauter Verdruss, dass man ihn von dem abhielt, was er so erpicht war, Kahlan anzutun.
Erleichtert sackte Richard in die Handschellen, denn Vika hatte ihn daran hindern können, was er im Begriff gewesen war zu tun, und wäre es auch nur für einen Augenblick gewesen. Kahlan verfolgte das Geschehen und sank in sich zusammen, denn sie fürchtete, er würde wiederkommen.
Michec trat näher, sodass er Vikas matte Stimme hören konnte. »Mich warnen, wovor?«
»Mein Gebieter, es ist meine Pflicht, Euch zu erklären, dass Ihr einen gefährlichen Fehler begangen habt.«
»Was denn für einen Fehler?« Als sie nicht augenblicklich antwortete, stieß er den Strafer ein wenig tiefer in die Wunde. Sie stöhnte auf und warf gequält den Kopf in den Nacken. »Was für einen Fehler!«
Richard sah, wie sich ihre Beinmuskeln anspannten. Sie biss die Zähne aufeinander, hielt einen Moment den Atem an und gab sich größte Mühe, die vermehrten Schmerzen, die der Strafer ihr bereitete, auszuhalten.
Keuchend versuchte Vika, Luft zu bekommen, ließ den Kopf schließlich wieder sinken. »Denselben Fehler, den Darken Rahl gemacht hat. Denselben wie auch Hannis Arc. Denselben Fehler wie einst Imperator Sulachan. Denselben Fehler wie schon so viele andere.«
Verärgert, dass man ihn eines Fehlers bezichtigte, trat Moravaska Michec etwas näher, packte ihren Strafer und drehte ihn, rührte damit in ihrer Bauchwunde herum, was sie unwillkürlich aufschreien ließ. Unfähig, es zu ertragen, und doch außerstande, es irgendwie abzuwenden, verdrehte sie vor Schmerzen die Augen. Ihre Beine zitterten, ihre Füße strampelten. Es peinigte Richard, sie so hilflos zu sehen.
Michec ließ den Strafer los und fasste mit Daumen und schmutzigem Zeigefinger einen seiner schmierigen Bartzöpfe. Über einem dunklen, zornigen Auge zuckte eine Braue hoch. »Und welcher Fehler wäre das?«
Die Qualen des aus der offenen Wunde ragenden Strafers ließen ihre Muskeln eisenhart hervortreten. Schließlich gelang es ihr, keuchend genug Luft einzuatmen, dass sie sprechen konnte. Sie starrte ihn aus feuchten, himmelblauen Augen an. »Der Fehler … Lord Rahl zu unterschätzen.«
Michec wies gereizt auf Richard. »Ihn hier? Er ist es nicht wert, Lord Rahl genannt zu werden.«
»Nennt ihn, wie Ihr wollt. Nennt ihn einen einfachen Waldarbeiter, wenn Ihr mögt. Trotzdem … ist es meine Pflicht, Euch zu warnen, mein Gebieter, dass Ihr einen … verhängnisvollen Fehler begangen habt.«
»Erst habe ich ihn unterschätzt und jetzt auch noch einen verhängnisvollen Fehler begangen?«
Als Vika nickte, zitterte ihr Kinn vor Schmerzen, und über ihre Wangen liefen Tränen.
Michec runzelte über seinen unbarmherzigen Augen die Stirn und hob dann den Arm zu einer prahlerischen Geste. »Und welch verhängnisvollen Fehler habe ich deiner Meinung nach begangen?«
Vika musste innehalten, um ihre Qualen zu unterdrücken. »Ihr habt ihn nicht getötet, als Ihr die Gelegenheit dazu hattet. Richard Rahl macht nicht den Fehler, seinen Feinden eine Lektion erteilen zu wollen. Er lässt sie nicht am Leben, um sie zu belehren und sich damit zu brüsten. Er bringt sie einfach um.«
Auch wenn sie Michec riet, ihn zu töten, vertraute Richard darauf, dass sie einen guten Grund hatte. Er begriff, dass es ein Ablenkungsmanöver war, ein Versuch, ihn zurückzuhalten, ehe es zu spät war und er Kahlan bei lebendigem Leib zu häuten begann – selbst wenn das bedeutete, dass er seinen grauenvollen Zorn gegen sie richtete. Er hatte Angst um Vika und war doch mehr als dankbar, dass sie sich eingemischt hatte.
Als er aus dem Augenwinkel eine Bewegung gewahrte, zeigte ihm ein kurzer Blick, dass Shale endlich bei Bewusstsein war. In diesem kurzen Blickwechsel wussten sie beide um die Verzweiflung ihrer Lage.
Michec starrte die Mord-Sith kurz an, so als denke er über ihre Worte nach oder vielleicht darüber, welche noch qualvollere Folter er ihr bereiten könnte, schnaubte dann kurz amüsiert. Seine schlangengleichen Bartzöpfe schwangen herum, als er sich abwandte und Richard einen Augenblick lang musterte. Die fettigen Spitzen seiner grau melierten Haare stachen vor dem blassen grünlichen Licht der Leuchtkugeln überall im Raum hervor. Michec machte eine wegwerfende Handbewegung in Richtung Richard und wandte sich dann wieder Vika zu.
»Ich weiß deine Loyalität zu schätzen, auch dass du mich vor einer Gefahr zu warnen versuchst, aber du unterschätzt mich. Der berühmte und mächtige Lord Rahl ist ziemlich machtlos gegen mich. Kein Mensch vermag einem Hexenbann zu entgehen.«
»Er hat die Gabe. Ich habe ihn mit der Gabe töten sehen.«
Ein spöttisches Grinsen entstellte seine derben Züge. »Die Gabe? Seine Gabe habe ich blockiert.« Er schlug sich mit der Faust auf seine großspurig gewölbte Brust. »Ganz so, wie ich deine Fähigkeit blockiert habe, deinen Strafer gegen mich zu benutzen, wie ich die Talente der anderen Mord-Sith blockiert habe, wie auch die Gabe dieser Zauberin und die Kraft der Mutter Konfessor. Außer mir kann in diesem Raum niemand von seiner Kraft Gebrauch machen. Du siehst also, du liegst ziemlich falsch. Er ist jetzt schwerlich eine Gefahr für mich. Seine fragwürdigen ›Kräfte‹ werden ihm nichts nützen. Er steht unter dem Machtwort eines Hexenbanns.«
»Und ich sage Euch, mein Gebieter, Ihr habt einen verhängnisvollen Fehler begangen. In Eurem Hochmut glaubt Ihr, ihm Eure Überlegenheit zu demonstrieren, aber aus eben diesem Hochmut habt Ihr die Gelegenheit verstreichen lassen, ihn zu töten. Noch einmal werdet Ihr diese Chance nicht bekommen.«
Michec bedachte Richard mit einem Blick aus blankem Hass. Langsam ging er das kurze Stück zu Vika hinüber, den zornerfüllten Blick die ganze Zeit auf Richard gerichtet. Er blieb kurz stehen, um voller Lust auf das, was eben gerade aufgeschoben wurde, zu Kahlan hinüberzuschauen. Sie erwiderte den Blick voller Abscheu und Trotz. Schließlich blieb er vor Richard stehen und sah zu seiner hilflosen Beute hoch.
»Ihr seid also gefährlich, ja?« Die Fäuste in die Hüfte gestemmt, starrte er voller Wut und Verachtung hoch zu Richard. »Dann sollte ich wohl den Rat meiner treuen Mord-Sith beherzigen und …«
So fest er konnte, trat Richard dem Hexer ins Gesicht. Sein Stiefel traf auf Knochen. Ob es der Schädel war oder der...




