Goodman | Meine letzten 40 Tage | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 140 Seiten

Goodman Meine letzten 40 Tage

Eine schamanische Visionsreise
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-7578-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine schamanische Visionsreise

E-Book, Deutsch, 140 Seiten

ISBN: 978-3-7534-7578-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine schamanische Visionsreise In einem außergewöhnlichen Bewusstseinszustand erlebt Felicitas Goodman die Vision ihres eigenen Todes. Dabei begibt sie sich auf eine spannende Reise in die Jenseitswelt des südwest-amerikanischen Pueblo-Volks der Tewa. Dort trifft sie Geistwesen wie den Büffelbruder, Großvater Bär, Grillengeist und Krähenmann, die sie beratend auf ihrer Reise begleiten. Eindrücklich schildert sie ihre Reise in die Welt der Mythen und Rituale der Prärievölker verwoben mit ihrer eigenen Nachtod-Vision. Mit sachkundiger Sensibilität, wissenschaftlicher Sorgfalt und literarischer Lebendigkeit führt sie die Leserinnen und Leser in die »andere Wirklichkeit« einer alten Kultur und Spiritualität ein und relativiert damit unsere vertrauten abendländischen Vorstellungen über das »Jenseits«.

Felicitas D. Goodman (1914-2005) war Doktor der Anthropologie, Linguistin, Professorin an der Universität in Columbus/Ohio (USA) mit dem Spezialgebiet »ekstatische Trancezustände«. Ihre Bücher wurden weltweit in mehreren Sprachen veröffentlicht. Über ihre Entdeckung der »Rituellen Körperhaltungen« schrieb sie den Klassiker Wo die Geister auf den Winden reiten. Die Praxis der »Rituellen Körperhaltungen und Ekstatische Trance« veröffentliche sie zusammen mit Nana Nauwald im Buch Ekstatische Trance - Das Arbeitsbuch.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Die „andere Wirklichkeit“
oder: Das verschlossene Paradies


Vorbemerkungen

Lee Irwin

Am 3. Februar 1578 saßen in einem verschneiten Tal des alpinen Hinterlandes zwei Rosshirten von Oberstdorf, Chonrad Stoeckhlin und sein Freund Jacob Walch, in der Gaststube beisammen und zechten. Sie unterhielten sich über dieses und jenes und kamen schließlich dazu, von wichtigen, von «letzten Dingen» zu sprechen, vom Sterben und wie es wohl mit dem Jenseits beschaffen sei. Keiner schien so Rechtes darüber zu wissen. Und so kamen die beiden Männer darauf, sich mit Handschlag feierlich zu versprechen, dass der, der als erster sterben würde, zurückkommen und dem anderen darüber Bescheid geben solle, wie es «drüben» sei. Völlig unerwartet starb Jacob Walch bereits acht Tage später - und hielt Wort: Er kehrte zurück und unterwies seinen Freund, wie er still auf der Seite liegen und auf seine Stimme horchen solle. Die Geisthelfer, die er mit sich brachte, geleiteten Chonrad in eine andere Wirklichkeit, unendlich älter als das Christentum, in eine Welt voller Guter Frauen, Feen und Heiler und einer Unzahl von Totengeistern. Als Chonrad Stoeckhlin dann aber der Umwelt von seinen herrlichen Abenteuern zu erzählen begann und von seinen neuen Geistfreunden wahrzusagen und zu heilen lernte, wurde die Inquisition auf ihn aufmerksam. Schließlich endete Stoeckhlin mitsamt vielen anderen auf dem Scheiterhaufen (Behringer, 1994).

Die Literatur über jene «finsteren» europäischen Jahrhunderte enthält eine Menge von Material darüber, aus welchen Beweggründen das entsetzliche Morden, das wir als die Schrecken der «Heiligen Inquisition» kennen, über die westliche Welt hereingebrochen ist. Es wird von der Angst vor Irrtümern im christlich beanspruchten Dogma und der damit verbundenen «ewigen Verdammnis» gesprochen. Es mag auch der Machthunger der der vom Sendungsauftrag besessenen welterobernden Kirche gewesen sein, die immer wieder verkündete, dass sie und nur sie allein im Besitz des Wissens um die «letzten Dinge» sei, über die Landkarte gewissermaßen jenes Reiches jenseits der Grenzen verfüge. Niemand anders, so wurde verfügt, habe das Recht, irgendetwas anderes darüber zu sagen. Alles, was sich in jenen einst paradiesischen Gefilden befand – die Geister, die sprechende Schlange und der magische Baum –, war nun befleckt. Es war alles Evas Schuld, ihre Sünde, sie hätte das Geheimnis der Äpfel entdeckt, des Ackerbaus, und das war gegen die göttliche Verfügung. So wurden sie und ihr Gefährte Adam aus dem Paradies ausgewiesen, unwiderruflich. Zurück in den Garten Eden konnten sie nicht, nicht einmal nach dem Tode. Hatten sie es immer noch nicht verstanden? Das Paradies gab es für die Menschen nicht mehr. Das Tor wurde zugeschlagen und mit einem doppelten Fluch versiegelt. Im Schweiße seines Angesichts würde von nun an der Mensch sein tägliches Brot erwerben, und die Wirklichkeit war auf immer gespalten in eine gute und eine böse Hälfte.

Etwas allerdings stimmt nicht bei der Geschichte; das war den Verfassern der alten biblischen Schriften, die das alles aufgeschrieben hatten, in ihrem Eifer entgangen: Zwar konnten Adam und Eva nicht wieder ins Paradies zurück, aber das bedeutete nicht, dass diese andere ursprüngliche «heile Welt» grundsätzlich verschwunden war. Im Gegenteil, sie schwebte auf immer in einer ewigen Nichtzeit als ein Teil der Gesamtwirklichkeit. Und wer noch ein Bruchstück des alten geheimen Wissens besaß, konnte trotz des furchterregenden Siegels ins Paradies hineinschlüpfen, wie es zum Beispiel jene Hexen taten, die die Inquisition mit hell lodernder Begeisterung verbrannte; oder jemand gelangte aus Versehen hinein wie der erwähnte bedauernswerte Chonrad Stoeckhlin. Außerdem gab es auch noch jene ungezählten kleinen indigenen Stämme, die nicht in den gleichen Spuren wandelten wie Adam und Eva und denen es nie eingefallen ist, der Erde im Ackerbau abzutrotzen, was sie nicht freiwillig hergab. Seit Anbeginn hatten sie im Rahmen bestimmter religiöser Rituale und Kulte freien Zugang zum Paradies, das indianische Mythen auch heute noch als die «andere Wirklichkeit» bezeichnen. Anthropologen nennen diese Stämme die und

Die Sammlerinnen und Jäger*innen stellen die älteste menschliche Kulturform dar. Nahtlos entsprangen sie unseren weisen tierischen Ahnen. «Dies geschah zu einer Zeit, als Mensch und Tier noch eins waren», so beginnen viele indigene Mythen. Die Gartenbauer mit ihren winzigen Pflanzungen sind ihre späten Nachkommen, sowohl Jäger wie auch Gärtner. Weder die einen noch die anderen scherten sich um jenes erschreckende, fest verrammelte Tor zum Paradies mit seinen Furcht erregenden Wächtern, den Engeln und dem sich magisch drehenden „flammenden Schwert“. Denn sie besaßen einen sicheren Zugang über zwei leicht zu öffnende «Seitentüren»: Für die Jäger war der Schlüssel zu ihrer Tür das oder die «Vision Quest», die Suche nach einer Vision, wie es die Pueblo-Völker der Prärie Nordamerikas nennen. Andere verwandte Völker wie auch die Gärtner schlüpfen durch die andere Tür mit Hilfe eines besonderen «Diebeshakens», der zum Erleben von visionären Trancezuständen (Goodman, 1989, 1992).

Die Erlebnisse der nordamerikanischen Ureinwohner sind uns deshalb bekannt, weil US-amerikanische Anthropologen sie jahrzehntelang in mühsamer Arbeit zu einer Zeit, als die indigene Spiritualität von den weißen Eroberern schwer bedrängt wurde, aufgeschrieben haben (Irwin, 1994). Hingegen ist aus nichtweißen Quellen praktisch nichts über den Kulturkomplex der rituellen Körperhaltungen bekannt, obgleich er in Ausgrabungsstätten von Jäger- und Gartenbauersiedlungen in der Kunst äußerst reich vertreten ist. Möglicherweise haben die Anthropologen bei ihrer Feldforschung nicht nach den ihnen unbekannten rituellen Körperhaltungen gefragt, oder sie haben sie überhaupt nicht als solche erkannt. Das spezifische visionäre Erlebnis, das in solchen alten Kunstwerken festgehalten ist, ist von solcher Kraft im Ausdruck, dass es bei der Hinzufügung einer rhythmischen Anregung, etwa durch eine Rassel oder eine Trommel, ohne weiteres zu neuem Leben erwacht. Das wusste man schon vor tausend Jahren, wie die hier abgebildete Felszeichnung nachweist, und sie teilt sich auch unmittelbar in erstaunlicher Weise dem modernen forschenden Städter mit (Goodman, 1989).

gehören zu dem Kostbarsten, was eine Kultur besitzt. Das in allen Kulturen grundlegend Charakteristische von religiösen Ritualen ist eine geschlossene Folge von Handlungen, deren explizite Aufgabe es ist, die Verbindung zu einer «anderen Wirklichkeit» herzustellen und auf diese Weise die Ausübenden zu einem religiösen Erlebnis zu führen. Jede rituelle Körperhaltung stellt ein vollständiges Ritual in obigem Sinne dar. Darüber, wie sie «erfunden» oder entwickelt worden sind, scheint es in der Mythologie keine Angaben zu geben. Uns „Modernen“ liegt es nahe, die Hypothese aufzustellen, dass man irgendwann einmal durch Experimentieren von Versuch und Irrtum auf sie gekommen sei: Man probierte alle möglichen Varianten durch, bis sich das gewünschte Ergebnis einstellte. Das aber ist eine uns eigene Betrachtungsweise, Neues zu entdecken, sie ist Teil unserer Weltanschauung, unserer Versuchen wir aber, nicht auf rationalistische Weise, sondern gewissermaßen die Herkunft der rituellen Körperhaltungen zu verstehen, dann gibt es sehr wohl einen Fingerzeig, nicht in Bezug auf einzelne Haltungen, wohl aber auf die Art und Weise des Entdeckens an sich. So wurde ein , wie die Navajo in Verbindung mit dem erzählen, von den den Gottheiten, in die andere Wirklichkeit entführt und erhielt dort das ganze Ritual als Geschenk. Es ist ein sich in den Mythen der ganzen Welt wiederholendes Motiv. Die Haltungen sind also «Geschenke» oder – mit einem gängigeren Ausdruck –

Im Folgenden möchte ich eine kurze Kosmologie nachzeichnen, ein Art Beschreibung der «anderen Wirklichkeit», wie sie sich darstellt bei einem Vergleich zwischen den rund 350 von Irwin zusammengestellten...



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