E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Romana Herzensbrecher
Gordon Verlockung in Venedig
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0339-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Romana Herzensbrecher
ISBN: 978-3-7515-0339-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ist es der Zauber der Lagunenstadt oder der Charme Guido Calvanis, der Dulcie in Venedig die Sinne raubt? Dabei hat die hübsche Privatdetektivin rein beruflich mit Guido zu tun. Sie soll ihn der Hochstapelei überführen - und hofft inständig, dass ihr Auftraggeber irrt ...
Die populäre Schriftstellerin Lucy Gordon stammt aus Großbritannien, bekannt ist sie für ihre romantischen Liebesromane, von denen bisher über 75 veröffentlicht wurden. In den letzten Jahren gewann die Schriftstellerin zwei RITA Awards unter anderem für ihren Roman 'Das Kind des Bruders', der in Rom spielt. Mit dem Schreiben erfüllte sich Lucy Gordon einen großen Traum. Zuerst begann sie mit Artikeln für ein britisches Frauenmagazin. Einige der interessantesten sowie attraktivsten Männer der Welt unter anderem Richard Chamberlain, Charlton Heston, Sir Alec Guiness, Sir Roger Moore wurden von ihr interviewt. Nach 13 Jahren Schreibtätigkeit für diese Zeitschrift entschloss sie sich, im Jahr 1984 ihren ersten Roman zu schreiben. Dieser Liebesroman erschien unter dem Titel 'Ungezähmtes Verlangen' im Jahr 1992 bei CORA Love Affair. Ihr zweiter Roman 'Hand in Hand durch Venedig', der kurz danach herauskam, erschien unter der Nummer 212 im Jahr 2003 bei Julia Extra. Sie gab ihren Job beim Frauenmagazin auf und konzentrierte sich auf das Schreiben von Romances, die unter dem Pseudonym Lucy Gordon veröffentlicht werden. Mit richtigem Namen heißt sie Christine Sparks Fiorotto.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Guido Calvani lief auf dem Flur des Krankenhauses auf und ab und versuchte, nicht an seinen Onkel zu denken, der hinter der geschlossenen Tür lag und schwer krank war.
Er befand sich im obersten Stock des Gebäudes. Das Fenster am Ende des Flures ging hinaus auf das Herz von Venedig, auf die roten Dächer, die Kanäle, die Brücken. Am anderen Ende befand sich der Canal Grande. Guido blieb stehen und betrachtete das in der Sonne glitzernde Wasser, das sich den Weg durch die Stadt bis zum Palazzo Calvani bahnte, in dem die Calvanis seit Jahrhunderten lebten. Wenn ich Pech habe, erbe ich heute den Titel von meinem Onkel, überlegte Guido bestürzt.
Normalerweise war er ein fröhlicher und optimistischer Mensch. Seine blauen Augen strahlten fast immer, und das Lächeln schien ihm angeboren zu sein. Er war zweiunddreißig, reich, frei, sah gut aus und hatte keine Sorgen – außer der einen, die ihn jetzt quälte.
Guido liebte seinen Onkel. Er liebte aber auch seine Freiheit, und innerhalb der nächsten Stunden würde er möglicherweise beides verlieren.
Zwei junge Männer kamen die Treppe hinauf, und er drehte sich zu ihnen um.
„Endlich seid ihr da.“ Er umarmte seinen Halbbruder Leo und klopfte seinem Cousin Marco auf die Schulter. Marco war ein stolzer, reserviert wirkender Mann. Er zeigte nicht gern Gefühle, was Guido respektierte.
„Wie schlimm ist es mit unserem Onkel Francesco?“, fragte Marco.
„Sehr schlimm, befürchte ich. Er hatte gestern Abend Herzschmerzen, wollte jedoch keinen Arzt kommen lassen. Heute Morgen ist er dann zusammengebrochen, und ich habe sogleich den Krankenwagen gerufen. Seitdem bin ich hier. Er wird immer noch untersucht“, antwortete Guido.
„Es ist sicher kein Herzanfall“, sagte Leo. „Er hat noch nie einen gehabt. Bei dem Leben, das er geführt hat …“
„Hätte jeder normale Mensch mindestens ein Dutzend Herzanfälle gehabt“, unterbrach Marco ihn. „Frauen, Wein, schnelle Autos …“
„Und er hat gespielt, ist Ski gelaufen, auf die höchsten Berge geklettert …“
„Und immer wieder Frauen“, sagten alle drei gleichzeitig.
Als sie Schritte auf der Treppe hörten, verstummten sie. Wenige Sekunden später erschien Lizabetta, Francescos Haushälterin. Die ältere Frau war ziemlich dünn und hatte strenge Gesichtszüge. Die drei begrüßten sie mit größerem Respekt, als sie jemals ihrem Onkel gezollt hatten. Diese energische Frau hatte im Palazzo Calvani das Sagen.
Sie nickte ihnen zu. Liza, wie die Frau genannt wurde, verfügte über das seltene Talent, mit einem einzigen Blick ihre Verachtung für das männliche Geschlecht, zugleich aber auch Respekt vor ihren aristokratischen Arbeitgebern ausdrücken. Dann setzte sie sich hin und zog ihr Strickzeug hervor.
„Es gibt leider bis jetzt keine guten Nachrichten“, berichtete Guido und sah sie an.
In dem Moment wurde die Tür geöffnet, und der Arzt kam heraus. Der ältere Mann war seit vielen Jahren mit dem Conte befreundet. Seine ernste Miene konnte nichts Gutes bedeuten.
„Nehmen Sie den alten Dummkopf mit nach Hause, und verschwenden Sie nicht mehr meine Zeit“, forderte er die Wartenden auf.
„Aber er hatte doch einen Herzanfall“, protestierte Guido.
„Du liebe Zeit, er hat sich nur den Magen verdorben. Liza, Sie sollten ihm verbieten, Garnelen in Butter zu essen.“
„Glauben Sie etwa, er würde auf mich hören?“, fuhr Liza ihn an.
„Können wir jetzt zu ihm?“, fragte Guido.
Aus dem Zimmer ertönte lautes Geschimpfe, und die drei jungen Männer gingen hinein. Francesco saß aufrecht im Bett. Sein Gesicht war von seinem weißen Haar umrahmt, und in seinen blauen Augen blitzte es auf.
„Na, da habe ich euch aber erschreckt, stimmt’s?“, rief er aus.
„Ja. Leo und ich sind sogleich hergekommen, ich aus Rom, er aus der Toskana“, erwiderte Marco. „Und das alles nur, weil du zu viel gegessen hast!“
„So solltest du mit dem Familienoberhaupt nicht reden“, stieß Francesco hervor. „Außerdem ist es Lizas Schuld. Sie kocht viel zu gut.“
„Deshalb brauchst du dich nicht vollzustopfen“, wandte Marco ein. „Onkel, wann benimmst du dich endlich deinem Alter entsprechend?“
„Ich wäre nicht zweiundsiebzig geworden, wenn ich mich immer meinem Alter entsprechend verhalten hätte“, entgegnete Francesco und wies auf Marco. „Wenn du einmal so alt bist wie ich jetzt, bist du ein völlig vertrockneter Mann ohne Herz.“
Marco zuckte nur die Schultern.
Francesco wandte sich an Leo. „Und wenn du zweiundsiebzig bist, hast du jeden Kontakt zur Stadt verloren und hältst dich nur noch auf deinem Landgut auf.“
„Ah ja“, sagte Leo unbeeindruckt.
„Und was ist mit mir, wenn ich so alt bin?“, wollte Guido wissen.
„Du wirst erst gar nicht so alt. Irgendein eifersüchtiger Ehemann hat dich dann längst schon erschossen.“
Guido lächelte. „Du kennst dich mit eifersüchtigen Ehemännern bestens aus. Das habe ich erst kürzlich wieder …“
„Verschwindet“, unterbrach Francesco ihn. „Liza nimmt mich mit nach Hause.“
Nachdem die drei jungen Männer das Krankenhaus verlassen hatten, seufzten sie erleichtert.
„Ich brauche einen Drink“, erklärte Guido und eilte auf eine kleine Bar am Wasser zu. Die anderen folgten ihm, und sie setzten sich an einen Tisch in der Sonne.
Seit Guido in Venedig lebte, Leo in der Toskana und Marco in Rom, sahen sie sich nicht mehr so oft. Leo hatte sich kaum verändert. Er liebte das Leben auf dem Land, wie sein Onkel erwähnt hatte. Er war schlank, kräftig und hatte einen offenen, klaren Blick. Außerdem war er sehr geradlinig.
Auch Marco hatte sich nur wenig verändert. Er wirkte jedoch etwas angespannter, konzentrierter und schien die gewöhnlichen Sterblichen um sich her kaum wahrzunehmen. Seine Cousins hatten den Eindruck, dass er sich in der Welt der Hochfinanz, in der er lebte, ausgesprochen wohl fühlte.
Guido war eine Frohnatur und führte in gewisser Weise ein Doppelleben. Offiziell residierte er im Palazzo. Aber er besaß auch eine Junggesellenwohnung. Dort konnte er kommen und gehen, wie es ihm beliebte, ohne dass er kritisch beobachtet wurde. Er war noch charmanter als zuvor und noch entschlossener, sich seine Unabhängigkeit zu bewahren. Hinter seinem fröhlichen Lachen und seinem angenehmen Wesen verbargen sich Unbeugsamkeit und Willensstärke. Sein dunkles Haar war etwas zu lang und ließ ihn jünger erscheinen.
„Ich kann das nicht ertragen“, brach Guido das Schweigen nach dem zweiten Bier. „Mit dem Schlimmsten zu rechnen und dann noch einmal davonzukommen, zerrt viel zu sehr an meinen Nerven. Für wie lange bin ich davongekommen?“
„Worüber regst du dich auf?“, fragte Marco.
„Beachte ihn nicht.“ Leo verzog das Gesicht. „Ihm ist soeben ein Aufschub gewährt worden, deshalb redet er so wirres Zeug.“
„Spotte du ruhig“, sagte Guido. „Von Rechts wegen müsstest du an meiner Stelle sein.“
Leo war sein älterer Bruder, doch durch eine Tücke des Schicksals war Guido der Erbe des Titels. Bertrando, ihr Vater, hatte eine Frau geheiratet, deren vermeintlich verstorbener Mann nach ihrem Tod plötzlich wieder aufgetaucht war. Sie war bei Leos Geburt gestorben, und ihr Sohn galt wegen des Auftauchens ihres ersten Mannes als unehelich. Zwei Jahre später hatte Bertrando wieder geheiratet. Seine zweite Frau hatte ihren gemeinsamen Sohn Guido zur Welt gebracht.
Damals hatte sich niemand Gedanken über die ganze Sache gemacht. Alle hatten damit gerechnet, dass Conte Francesco heiraten und einen Erben bekommen würde. Doch als dies nicht geschah, sah man sich gezwungen, sich mit der Frage der Erbfolge auseinanderzusetzen. Obwohl er jünger war als Leo, war Guido nach allgemeiner Auffassung der gesetzliche Erbe des Titels.
Diese Aussicht missfiel ihm sehr. Es kam ihm vor wie eine Falle, die ihm die Freiheit rauben würde, zu tun und zu lassen, was er wollte. Guido hoffte auf ein Wunder. Vielleicht stellte sich doch noch heraus, dass Leo der rechtmäßige Erbe war. Aber Leo wollte den Titel auch nicht haben, er legte darauf genauso wenig Wert wie Guido. Ihn interessierte nur das Landgut, er liebte es, Wein, Weizen und Oliven anzubauen.
Den einzigen Streit zwischen ihnen hatte es gegeben, als Guido seinen Bruder hatte überreden wollen, sich für ehelich erklären zu lassen und aufzuhören, sich vor seiner Verantwortung zu drücken. Leo hatte barsch erwidert, wenn Guido glaube, er würde sich mit einem solchen Unsinn belasten, sei er ein Dummkopf. Guido hatte genauso barsch geantwortet. Schließlich hatte Marco eingegriffen und den unwürdigen Streit beendet. Als Sohn von Silvio, Francescos und Bertrandos jüngerem Bruder, kam er kaum als Erbe des Titels infrage. Deshalb konnte er es sich erlauben, belustigt zuzuhören, wenn seine Cousins erklärten, sie wollten den Titel nicht haben.
„Natürlich wird es eines Tages so weit sein“, sagte Marco jetzt etwas schadenfroh. „Ich sehe Guido schon vor mir als Conte und Vater von zehn Kindern. Und ich kann ihn mir gut vorstellen als vornehmen, dicken Mann mittleren Alters mit seiner Frau.“
„Ich finde das gar nicht lustig.“ Guido trank noch einen Schluck und seufzte. „Überhaupt nicht.“
Roscoe Harrisons Londoner Haus war mindestens so teuer eingerichtet wie der Palazzo der Calvanis. Doch im Gegensatz zu den Calvanis hatte Roscoe Harrison keinen Geschmack. Alles wirkte zu protzig.
...



