E-Book, Deutsch, 140 Seiten
Gorman Der Trail der Teuflischen: Barry Gorman Western Edition 3
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7389-6406-6
Verlag: Uksak E-Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 140 Seiten
ISBN: 978-3-7389-6406-6
Verlag: Uksak E-Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
'Wen hast du einen Schwächling genannt?', knurrte der Schwarzbart gefährlich leise. 'Und wer soll lendenlahm sein? Ich etwa? Ha, ich werde deiner kleinen Freundin schon zeigen, was für ein elender Lügner ihr Sean ist!' 'Ich kenne das Luder überhaupt nicht - und ich bin kein verdammter Lügner. Das nimmst du zurück, kapiert?' Sean stieß den Schwarzbart vor die Brust. Dieser revanchierte sich mit einem Kinnhaken. Seine schmutzige vernarbte Faust krachte gegen den Unterkiefer des Rotschopfs. Dieser wurde nach hinten geschleudert und fiel in einen offenen Mehlsack. Eine riesige weiße Wolke wallte auf. Es sah aus, als wäre Sean mit einem wagenradgroßen Puderquast bearbeitet worden. Der Kerl mit den speckigen Chaps amüsierte sich königlich. Lachend schlug er sich auf die Oberschenkel.
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Der Trail der Teuflischen: Barry Gorman Western Edition 3
Barry Gorman
( Teuflische Schwestern)
Pit Hardwick hielt sich für einen Glückspilz, als die blonde Schönheit ihm zulächelte. Der junge Treiber hatte wochenlang im Sattel gesessen und wusste schon gar nicht mehr, wie eine Frau aussah. Nun stand er an der Theke in Shorty’s Saloon und wollte so richtig die Puppen tanzen lassen. „Ich bin schrecklich durstig, Mister.“ Die helle Stimme der Blonden ließ heiße Schauer der Vorfreude über Hardwicks Rücken laufen. Ob sie ein Freudenmädchen war? Oder eine Tänzerin? Der Rindermann wusste es nicht. Aber ihr Kleid hatte auf jeden Fall den tiefsten Ausschnitt, den Hardwick jemals gesehen hatte. Ihre apfelgroßen, aber steilen Brüste quollen beinahe aus der engen Korsage. Als Hardwick antwortete, war seine Kehle heiser vor Erregung. „Trinken Sie auf meine Rechnung, Miss. Ich kann es mir leisten.“ Der Treiber klopfte grinsend auf seine Jacke, in der sich ein dickes Bündel Dollarnoten befand. Die Löhnung für drei Monate Knochenarbeit. Ja, Hardwick hielt sich für einen Gewinner. Dabei war er an diesem Abend der größte Pechvogel in Shorty’s Saloon. Denn Hardwick war ins Visier der teuflischen Schwestern geraten. * Die Schönheit in dem engen Kleid bestellte bei dem glatzköpfigen Barkeeper einen grünlich schimmernden Likör. Ihr Lächeln wurde noch verführerischer, als sie Hardwick zuprostete. „Auf den edlen Spender! Ich kenne deinen Namen noch gar nicht. Ich heiße Sally.“ „Sally? Das ist aber ein schöner Name. Ich bin Pit Hardwick.“ Sallys Augenaufschlag sah hinreißend aus. „Bist du schon lange in Dodge City, Pit?“ „Nein, gerade erst angekommen. Wir haben eine Herde Longhorns für die Rolling-Dices-Ranch nordwärts getrieben. Ich war beim Frisör, habe ein Bad genommen und bin dann gleich an die Theke gestürzt.“ Das wusste Sally natürlich. Sie kannte diese halb verwilderten Kerle, die sich unter einem Rasiermesser und mit Hilfe von heißem Wasser und Seife wieder in vorzeigbare Männer verwandelten. Sally und ihre Schwester Liza wussten von den Wünschen der Treiber, die seit Monaten keine Frau mehr gehabt hatten. „Dann musst du ja einen gewaltigen Durst haben, Pit. Trink aus, ich könnte auch noch ein Glas vertragen.“ Es war sehr voll in Shorty’s Saloon. Scheinbar unabsichtlich lehnte sich Sally gegen Pit, so dass er die Weichheit ihres Busens an seinem sehnigen Unterarm spürte. Sie sah die Gier in seinen Augen glimmen und wusste, dass sie ihn nun endgültig am Angelhaken hatte. Als der Barkeeper die Gläser neu gefüllt hatte, machte der Whisky den zurückhaltenden Pit mutiger. Er legte seinen Arm um Sallys Schultern. Sie grinste frech. Sally kannte die Männer. Und sie spürte, dass dieser Milchbart noch nicht viel Erfahrung mit Frauen hatte. Er mochte ein harter Sattelarbeiter sein, der große Strapazen auf sich nehmen konnte. Aber einige Lebensweisheiten kannte er noch nicht. Zum Beispiel, dass es auch böse Frauen gibt. Nun, in dieser Nacht würde er es lernen … „Ich bin die Nacht bei dir verbringen“, gestand Pit mit schwerer Zunge. „Ich habe genug Geld.“ „Geld?“, echote Sally. Obwohl es ihr nur darauf ankam, spielte sie nun die Empörte. „Hältst du mich etwa für eine Hure, Pit?“ Sally hätte am liebsten laut gelacht, als das Gesicht des jungen Treibers so rot wurde wie eine kalifornische Tomate. Doch sie tat so, als wäre sie empört und machte sich von ihm los. „D-das tut mir leid, Sally! Ich wollte … ich dachte …“ Das Luder spielte mit ihm wie eine Katze mit der Maus. „Ich mag dich wirklich, Pit. Du hast mir vom ersten Moment an gefallen. Aber ich bin ganz gewiss kein Freudenmädchen.“ Das war noch nicht einmal gelogen. Sally und ihre ältere Schwester Liza waren Diebinnen und Betrügerinnen. Sie schreckten auch vor Gewalt nicht zurück, um ihre Ziele zu erreichen. Und sie setzten ihre verführerischen Körper dort ein, wo es für ihre dunklen Ziele notwendig war. Doch in einem Bordell hatte bisher weder die eine noch die andere gearbeitet. „Können wir nicht einfach vergessen, was ich gesagt habe?“ Hardwick schaute Sally flehentlich an. Sie tat so, als würde sie zögern. „Also gut, Pit. Trinken wir noch ein Glas, dann sieht die Welt schon wieder anders aus.“ Erleichtert bestellte der junge Treiber eine neue Runde. Der Likör, den Sally bekam, war süß und enthielt nur wenig Alkohol. Das konnte man von Hardwicks Whisky nicht behaupten. Hinzu kam, dass der Hombre auf dem langen Viehtrieb seine staubige Kehle nur mit Wasser und Kaffee befeuchten konnte. Er vertrug schlicht und einfach nichts mehr. Entsprechend schnell bekam er eine gehörige Schlagseite. Nach einer Stunde an der Theke konnte er sich kaum noch auf den Beinen halten. Hardwick fummelte immer ungenierter an Sally herum. Sie heuchelte begeisterte Zustimmung. Bald hatte sie ihn da, wo sie ihn haben wollte. Sie fuhr mit ihrer flinken Zunge in seine Ohrmuschel. „Lass uns in dein Hotel gehen, Pit“, flüsterte sie. „Ich will dich jetzt endlich mit Haut und Haaren, mein Hengst.“ Sally musste den Treiber stützen, als sie gemeinsam mit ihm durch die Schwingtüren des Saloons trat. Die frische Luft haute Hardwick beinahe um. Es roch nach süßen Prärieblumen, die Weite der unendlichen Plains lockte hinter der nahe Stadtgrenze von Dodge City. Doch momentan wollte Sally nicht weiter als bis zu der schmalen Gasse neben dem Saloon. Sie packte Hardwick an den Revers seiner Wildlederjacke. Bevor er eine Frage stellen konnte, gab sie ihm einen heißen Kuss. Dem jungen Treiber kam es vor, als wäre er im siebten Himmel. Doch trotz seines Glücksgefühls und seiner Trunkenheit bemerkte er die Bewegung hinter sich. Das Leben in der freien Natur hatte seine Sinne für herannahende Gefahren geschärft. Hardwick wollte herumwirbeln, doch der Whisky hatte seine Reflexe zu sehr verlangsamt. Sallys ältere Schwester Liza schlug ihm eine leere Flasche über den Schädel. Es klirrte, als das Glas zerbrach. Mit einer blutenden Platzwunde am Hinterkopf ging der Treiber zu Boden. Die beiden Frauen knieten sich neben den Schwerverletzten. Sie beachteten sein schmerzerfülltes Stöhnen nicht, sondern leerten im Handumdrehen seine Taschen aus. Es war stockfinster in der schmalen Gasse, aber das störte Sally und Liza überhaupt nicht. Sie hatten Übung darin, wehrlose Männer auszuplündern. Hardwicks Sturmfeuerzeug, sein Tabaksbeutel, das Zigarettenpapier und sein Talisman landeten im Dreck. Auch die Photographie seiner Eltern war für die Verbrecherinnen nicht wertvoll. Sie hatte es nur auf das Bündel Dollarnoten abgesehen. „Sally“, stöhnte Hardwick leise. „Hilf mir, Sally …“ Die Blonde antwortete nicht. Der junge Treiber war für sie nur ein weiteres Opfer von vielen. Sie und ihre Schwester wollten sich aus dem Staub machen. Aber sie hatten nicht mit dem Überlebenswillen des Treibers gerechnet. Er war halb bewusstlos und blutete stark aus seiner Kopfwunde. Trotzdem schaffte er es, seinen Colt zu ziehen und den Revolverhahn zu spannen. Ein Schuss peitschte durch die Dodge-City-Nacht und übertönte für einen Moment den Rhythmus des hämmernden mechanischen Klaviers aus dem Saloon. Die Kugel jagte haarscharf an Sallys Kopf vorbei. Die junge Frau zerbiss einen obszönen Fluch auf ihren Lippen. Dann hatten sie und ihre Schwester endlich ihre gesattelten Reitpferde erreicht. Die beiden Stuten warteten vor dem General Store, wo ihre Zügel an einer Haltestange festgebunden waren. Sally und Liza stiegen in die Damensättel und ließen Dodge City hinter sich. * Drei Tage später war die Freude über den geglückten Raub schon wieder verflogen. Die Reittiere bewegten sich im leichten Trab unter einer sengenden Sonne Richtung Westen. „Diese verfluchten Damensättel!“, schimpfte Sally. „Ich spüre meinen Hintern schon gar nicht mehr. Warum kann ich nicht reiten wie ein Mann?“ „Das weißt du genau“, gab Liza zurück. „Die Kerle mögen Frauen in eleganten Kleidern. Ein Flintenweib in Männerkleidung ist ihnen meist keinen zweiten Blick wert. Was ist überhaupt los mit dir? Seit wir Dodge City verlassen haben, ist deine Laune auf dem Nullpunkt.“ „Wundert dich das etwa, große Schwester? Um ein Haar hätte dieser verlauste Treiber mir ein Loch in den Kopf geschossen.“ „Das ist eben Berufsrisiko. Ich beklage mich ja auch nicht, dass ich mir in der Gasse die Beine in den Bauch stehen musste, bevor du endlich mit dem Bastard aufgekreuzt bist.“ „Und gelohnt hat es sich auch nicht“, jammerte Sally weiter. „Die paar Kröten von diesem Hardwick - oder wie der hieß - bringen wir doch ganz schnell unter die Leute. Und dann? Dann müssen wir wieder einem lüsternen Kuhhirten das Fell über die Ohren ziehen.“ „Was ist denn plötzlich mit...




