E-Book, Deutsch, 202 Seiten
Gottschalk Die Bestie aus der Zukunft
2. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6951-6969-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tagebuch des Zeitreisenden Dr. Norman Greenwood
E-Book, Deutsch, 202 Seiten
ISBN: 978-3-6951-6969-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Autor, 1963 in Moers geboren, wuchs in Krefeld auf. Heute wohnt und arbeitet er gemeinsam mit seiner Ehefrau in Düsseldorf. Seine Stories sind in der realen Welt angesiedelt, in die plötzlich das Fantastische einbricht. Szenen aus dem Alltag oder dem privaten Umfeld der Protagonisten wechseln sich ab mit surrealen Episoden. Bisherige Veröffentlichungen Seine Erzählung -Die Friedhofswärterin- ist im November 2018 im Rahmen der Anthologie -Versteckt liegende Friedhöfe und ihre Geheimnisse- im Shadodex - Verlag der Schatten, erschienen. Vier Wochen später kam die Geschichte -Liebe 2.0- in der Anthologie -Vollkommenheit- des Hybridverlags heraus. Weitere Veröffentlichungen u. a. -Der Wassermann- in der Anthologie -Fantastische Welten- von Silvia Klöpper. Seit Ende November des Jahres 2019 ist die Anthologie -Zartbitter, Geschichten von Nachtschwärmern, Traumtänzern und Pechvögeln- auf dem Markt, seit April 2020 die Fantasy-Novelle -Der Apfel des Todes-. Die Anthologie -Hartbitter, Geschichten von Phantasten, Vorkämpfern und Glückssuchern- datiert von November 2020. Seinen Debutroman -Die Jenseitsstürmerin- hat er bei KDP unter dem Pseudonym Claire Dupont-Lagarde veröffentlicht. Die Fantasy Erzählung hat beim Wettbewerb -Fun For Writing- im Jahr 2017 in der Kategorie Roman den ersten Platz gewonnen. Der Roadtrip- Thriller -Marathon in den Tod- erschien im Jahr 2021. Der Roman -Seemädchen, der Fantasy Roman aus Thailand-, ist sein Highlight aus dem Jahr 2024.
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Kalifornien, Silicon Valley im Jahr 2048
Mein Berufsleben verbrachte ich im Forschungszentrum für „Künstliche Quantenintelligenz“ im Silicon Valley, im Süden des Wüstenstaats Kalifornien. Durch die Superrechner war zwar der Wohlstand auf der Welt insgesamt gewachsen, aber noch ungleicher verteilt als zuvor. Die Kluft zwischen Arm und Reich, gebildet und ungebildet, Krisengewinnern und -verlierern hatte sich vergrößert. Flüchtlinge, die durch den Verlust von Landflächen auf dem blauen Planeten ihre Heimat verloren hatten, trugen dazu bei, die Spannungen zu verschärfen. Deswegen verfolgte das Institut andere Ziele als der Professor, welcher technische Abläufe optimiert hatte. Uns ging es darum, den Menschen im Vordergrund der angewandten Forschung zu stellen. „Ich möchte, dass alle Männer und Frauen auf dieser Welt im gleichen Umfang von den Supercomputern profitieren. Die technischen Neuerungen der vergangenen Jahre müssen in eine humane Revolution münden“, hatte Bo Hansen, der Leiter des Forschungsinstituts, bei der letzten Betriebsversammlung gepredigt. Er hatte den Applaus der Belegschaft geerntet, obwohl ein jeder wusste, dass ein weiter Weg vor uns lag, um dieses Ziel zu erreichen.
Meine Abteilung war nur ein Rädchen im Getriebe des größten Forschungsinstituts der Welt. Meine Mitarbeiter und ich konzentrierten sich auf Anwendungen, die Möglichkeiten boten, die Arbeit auf fünf Stunden am Tag zu verkürzen. Dies war eine enorme Herausforderung für unsere auf vier Kontinente zusammengeschrumpfte Erde. Durch den Klimawandel gab es häufig Noteinsätze in Krisengebieten, die Manpower vor Ort banden. Um dennoch brauchbare Ergebnisse zu erzielen, nutzten wir eine experimentelle Version von Quantencomputern. Erste Ergebnisse waren vielversprechend, aber der Umgang mit den Rechnern stellte uns jeden Tag vor neue Probleme, denn sie waren alles andere als Befehlsempfänger. Es gab Tage, an denen sie sich weigerten, die von uns entwickelten Modelle durchzurechnen.
Neben meiner Kernaufgabe tüftelte ich, ohne Wissen der Mitarbeiter, an einem Algorithmus für Zeitreisen – an einem Abstecher in die Vergangenheit. Dazu entwickelte ich komplexe Programme zur Erzeugung von Lichtgeschwindigkeiten, wichtige Bausteine für dieses Vorhaben. Obwohl ich die Wochenenden sowie Teile der Arbeitszeit für dieses Ziel opferte, reichten meine Kenntnisse nicht aus, um das Vorhaben zum Erfolg zu führen. Vor allem fehlte mir der Baustein, der es mir ermöglichte, nach dem Zeitsprung in die Gegenwart zurückzukehren. Die Vorstellung, mich durch die Reise in die Vergangenheit für immer von meiner Familie zu trennen, raubte mir den Schlaf. Mir war klar, dass ich bis ins Detail ausgearbeitete Programme benötigte, bis das Risiko einigermaßen beherrschbar war.
In der Jugendzeit war die Geschichte mein Lieblingsfach in der Schule gewesen. Mein Interesse lag darin begründet, herauszufinden, welche Umstände dafür verantwortlich waren, dass die Welt aus den Fugen geraten war. Sind die Menschen nicht in der Lage, aus Fehlern zu lernen? Gab es in früheren Zeitepochen Glanzpunkte, die als Blaupause für die Gegenwart dienen konnten? Ich befürchtete, dass Hass, Rache, Machtmissbrauch und Naturzerstörung Triebfedern einer Entwicklung waren, an deren Ende die Auslöschung der menschlichen Spezies stand. »Wenn es einen Gott gibt, warum schreitet er nicht ein, um seine Welt vor der Zerstörung zu retten?“, fragte ich den Religionslehrer an meinem sechzehnten Geburtstag. Bis zum Ende der Schulzeit ist er mir die Antwort schuldig geblieben.
Nach dem „High School Diploma“ reifte in mir der Traum, die Geschichte an einem Kipppunkt, der die Menschheit ins Verderben geführt hatte, zu verändern. Das Ereignis in einer Kleinstadt im Kaiserreich Österreich-Ungarn im Frühling des Jahres 1889 motivierte mich dazu, die Zeitreise an dieses Datum und diesen Ort auszurichten. Das Land lag mir am Herzen, denn meine Vorfahren waren im 19. Jahrhundert von Linz an der Donau nach Amerika ausgewandert, wodurch sie meine Liebe für die Kultur und Lebensart ihres Heimatlandes geweckt hatten. An der Universität hatte ich Deutschkurse absolviert, sodass ich die Sprache der Dichter und Denker leidlich beherrschte. Zwei Tage vor meinem 48. Geburtstag, am 07.09.2048, fühlte ich ein Kribbeln im Bauch, ein Hochgefühl, das mir Mut einflößte.
Nach Dienstschluss verschanzte ich mich in einem Wandschrank des Instituts, bis alle Mitarbeiter, einschließlich der Reinigungsroboter, das Gebäude verlassen hatten. Ich kehrte zu meinem Arbeitsplatz zurück und fuhr die Computer hoch. Mit schweißnassen Händen startete ich das Programm zur Erzeugung von Lichtgeschwindigkeiten.
Mir war klar, welches Risiko ich einging, denn die künstlichen Intelligenzen hatten sich losgelöst von ihren Entwicklern, kommunizierten untereinander und waren die Herrscher einer Welt, die sich unserem Zugriff entzog. Es gab Tage, an denen ich mir die Frage stellte, wer wen kontrollierte. Die Superrechner verfolgten eigene Ziele, Projekte, die sich im Anfangsstadium befanden, wurden von ihnen eliminiert.
Ich überhörte den Radschlag von Angel, den Testlauf abzubrechen. Mit pochendem Herzen beobachtete ich die Abläufe auf den Bildschirmen. Die Fehlermeldungen nahmen kein Ende. Ich arbeitete sie der Reihe nach ab.
Nach drei Stunden gewann ich den Eindruck, als wären alle Mängel behoben. Eine innere Stimme flüsterte mir ins Ohr: „
Mit einem Stoßseufzer hauchte ich das Zauberwort „Enter“ in die Nacht. Die Quantencomputer stürzten ab, Geräusche, die mein Adrenalin in Wallung brachten, erfüllten den Raum. Eine gespenstische Stille folgte. Ich ignorierte die Warnsignale und bootete die Quantencomputer ein weiteres Mal, um mit noch komplexeren Zeitkurven zu experimentieren. Wie zuvor fungierte das Jahr 1889 mit dem Kaiserreich als Ziel. Es knisterte. Ich hielt den Atem an.
Nichts rührte sich, bis auf das Pochen des Herzens drang kein Ton an meine Ohren. Hinter schalldichten Fenstern wütete ein Sturm, der Sand aus der kalifornischen Wüste in das Silicon Valley trieb. Ein schlechtes Omen?
Ich übte mich in Geduld und testete alle Varianten, die ich in den letzten Jahren entwickelt hatte. Der erhoffte Erfolg stellte sich nicht ein. Stattdessen hagelte es Fehlermeldungen am laufenden Band.
»Finger weg von Prozessen, von denen du nicht die geringste Ahnung hast«, warnte Angel.
Anstelle einer Antwort setzte ich die Experimente fort und führte einen Versuch mit alternativen Treibern durch. Plötzlich öffnete sich die Büchse der Pandora und bestrafte sogleich meinen Wagemut. Wie auf Kommando verweigerte die im Institut versammelte KI den Dienst. Im Nachhinein vermute ich, dass sich die Quantencomputer vor einem Prozess geschützt haben, den sie selbst nicht beherrschten und der das Risiko in sich barg, die Systeme zu beschädigen. Das Licht im Gebäude erlosch, Warnsirenen erklangen, Türen fielen wie von Geisterhand gesteuert zu. Aus Furcht vor Sanktionen durch Bo Hansen mit seinen Direktoren, stand ich im Begriff, das Haus über den Notausgang zu verlassen. Mir gelang es nicht einmal, den Hintern vom Bürostuhl zu lösen. Hände und Unterarme klebten wie Magnete auf der Tischplatte. Mein Körper zuckte, von einer Sekunde zur anderen setzten Schmerzen ein, die sich ins Unerträgliche steigerten. Der Versuch, über die Sprachfunktion von Angel die Security Roboter zu alarmieren, scheiterte. Eine unsichtbare Macht flutete meinen Körper mit Stromstößen, die mich an den Rand der Ohnmacht katapultierten. Die Wände des Gebäudes wackelten wie bei einem Erdbeben. Ein Lärm, der das Trommelfell meines linken Ohrs zum Platzen brachte, ließ Fensterscheiben, Gläser und Tassen bersten. Der Wind trieb Wüstensand ins Innere des Gebäudes, Konturen verschwammen, meine Augen tränten. Eine Armee aus blauen Blitzen durchbohrte meinen Körper. Ich wurde in den Stuhl gepresst, der sich wie ein Gummiball verformte. Meine Sicht wurde unscharf und das Büro versank in einem Meer aus Nebelschwaden. Etwas zog mich in einen sich drehenden Tunnel hinein, der sich nach hinten verjüngte.
»Nein, lasst mich frei! Ich will zurück ins Leben«, schrie ich. Mein Wunsch verhallte ungehört. Der Weg zur Welt da draußen mit ihren Wasserstoffautos, den künstlichen Intelligenzen und der Quantenmedizin, die das Lebensalter der Neugeborenen in wohlhabenden Familien auf über 100 Jahre angehoben hatte, war versperrt. Es gab keine Rückfahrkarte zur Erde der Gegensätze, wo meine Frau mit den Kindern wartete, um mir die Angst von der Stirn zu küssen.
Immer schneller raste ich ins Nichts. Tunnelwände zerflossen zu Schemen, Raum und Zeit lösten sich auf, schwarz-weiß zerfloss zu Grau. Schwindel stellte sich ein, ich erbrach mich, bis die Gallenflüssigkeit im Hals brannte....




