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E-Book

E-Book, Deutsch, 340 Seiten

Gottschalk Seemädchen

Der Fantasy Roman aus dem Land der Engel
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7693-6042-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Fantasy Roman aus dem Land der Engel

E-Book, Deutsch, 340 Seiten

ISBN: 978-3-7693-6042-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wegen einer Straftat tritt Marcel Leclerc die Flucht von Düsseldorf nach Thailand an. Bei der Abreise entzieht er sich der Verhaftung, indem er Kommissar Malik in eine Falle lockt. Malik, der auf schwere Drogenkriminalität spezialisiert ist, fühlt sich in seiner Ehre gekränkt und reist dem Kleinganoven hinterher. In der ersten Nacht auf der Halbinsel Phuket wird Marcel von einer Prostituierten mit K.O. Tropfen betäubt und ausgeraubt. Er besitzt nichts mehr außer der Kleidung auf seiner Haut. Auf der Suche nach Erwerbsmöglichkeiten verdingt er sich als Tauchlehrer, Koch, Tellerwäscher und Fischer. Die Arbeitgeber beuten ihn schamlos aus. Sophie, die Freundin eines schwedischen Skippers, begegnet ihm mit Ablehnung. Zwei Fremde versuchen, die Niederländerin zu vergewaltigen. Marcel beweist Wagemut und bewahrt sie vor der Schändung. Das Verhältnis der beiden Europäer verbessert sich. Die Geldnot zwingt Marcel dazu, sich auf einen Drogendeal im Goldenen Dreieck einzulassen. Anstatt das Heroin in Empfang zu nehmen, brennt er mit dem Vorschuss durch. Aus Angst vor der Rache der chinesischen Mafia zieht er sich in ein Wat zurück, wo er sich mit dem Buddhismus auseinandersetzt. Nach ein paar Wochen fordert der Abt ihn auf, als Bettelmönch durch die Straßen von Phuket zu ziehen. Marcel verlässt den Orden und reist nach Ko Surin Tai, der Insel, auf der Seenomaden am Rande der thailändischen Gesellschaft leben. Eine Familie nimmt den Deutschen in ihre Pfahlhütte auf. Er verliebt sich in eine der Töchter und taucht ein in die Welt der Schamanen, Meergeister und Dämonen.

Der Autor, 1963 in Moers geboren, wuchs in Krefeld auf. Nach dem Abitur führte ihn das Studium in die Römerstadt Trier und nach Frankfurt a. M., wo er sich mit Fragen der Stadtentwicklung auseinandersetzte. Heute wohnt und arbeitet er gemeinsam mit seiner Ehefrau in Düsseldorf. Seine Stories sind in der realen Welt angesiedelt, in die plötzlich und unerwartet das Fantastische einbricht. Szenen aus dem Alltag oder dem privaten Umfeld der Protagonisten wechseln sich ab mit surrealen Episoden. Bisherige Veröffentlichungen Seine Erzählung Die Friedhofswärterin ist im November 2018 im Rahmen der Anthologie Versteckt liegende Friedhöfe und ihre Geheimnisse im Shadodex - Verlag der Schatten, erschienen. Vier Wochen später kam die Geschichte Liebe 2.0 in der Anthologie Vollkommenheit im Hybridverlag heraus. Weitere Veröffentlichungen u. a. Der Wassermann in der Anthologie Fantastische Welten von Silvia Klöpper und Das Porträt in der Anthologie Echo einer anderen Welt vom Sarturia Verlag. Seit Ende November des Jahres 2019 ist die Anthologie Zartbitter - Geschichten von Nachtschwärmern, Traumtänzern und Pechvögeln auf der Plattform von BoD auf dem Markt, seit April 2020 die Fantasy-Novelle Der Apfel des Todes. Die Anthologie Hartbitter - Geschichten von Phantasten, Vorkämpfern und Glückssuchern datiert von November 2020. Den Debutroman Die Jenseitsstürmerin hat er bei KDP unter dem Pseudonym Claire Dupont-Lagarde veröffentlicht. Die Fantasy Erzählung hat beim Wettbewerb Fun For Writing im Jahr 2017 in der Kategorie Roman den ersten Platz gewonnen. Der Ursprungstitel lautete Zwischen Himmel und Hölle. Der Roman Marathon in den Tod ist die letzte Veröffentlichung aus dem Jahr 2021, die sich auf allen Plattformen des Buchhandels befindet.
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Düsseldorf, Drogendezernat, Ende Januar 2024


Der Tag, an dem das Selbstbewusstsein des Kommissars Stephan Malik Schaden nahm, begann mit einem Seufzer, der an den Wänden des Polizeipräsidiums in Düsseldorf widerhallte. Schlaftrunken schob er um halb Zehn die Tür zu seinem Büro auf. Er verabscheute Hektik, nichts brachte ihn aus der Ruhe. Niemand würde die 60-minütige Verspätung bemerken oder ihn deswegen tadeln.

Lange Zeit galt er als der beste Fahnder des Drogendezernats im Polizeipräsidium, gefürchtet bei den Delinquenten wegen seiner Hartnäckigkeit und Intelligenz. Bei den Kollegen genoss er den Ruf des Unfehlbaren, dem kleinste Hinweise genügten, um Gesetzesbrecher auf die Spur zu kommen. Aufgrund seiner Fähigkeiten war er spezialisiert auf schwierige Fälle, wobei der Fokus in den letzten Jahren auf der Clankriminalität lag. Zum Leidwesen von Stephan tummelten sich die Bosse zunehmend im Drogengeschäft, weil dort die höchste Rendite winkte. Allerdings lagen die Fahndungserfolge des Kommissars sechs Monate zurück und manchmal beschlich ihn das Gefühl, als hätte er die besten Jahre hinter sich. Das Alter forderte seinen Tribut. Es mangelte ihm an Motivation, die schwindenden Körperkräfte durch Training wettzumachen. Aber er war davon überzeugt, auch ohne Fitnessstudio und Waldläufe in die Erfolgsspur zurückzukehren.

Mit triefend nasser Feldjacke schritt der Ermittler durch den Raum, der im Dachgeschoss des kasernenartigen Gebäudes lag. Der heutige Morgen diente der Vorbereitung des Einsatzes im Düsseldorfer Hafengebiet. Eine Stunde würde dem 53 - jährigen Haudegen reichen, denn er war ein Mann, der draußen, im Milieu, auf Verbrecherjagd ging. Für ihn rangierte die Intuition über den Dienstvorschriften, die aus einer Zeit stammten, als kriminelle Organisationen weder über Smartphones noch über Computer verfügten. Anstatt die Planung des Zugriffs in Angriff zu nehmen, warf er seine Jacke auf die Fensterbank und schlenderte zum Waschbecken, dessen bräunliche Färbung Zeugnis ablegte von der Nachlässigkeit, mit der die Reinigungskräfte ihre Arbeit verrichteten. Er schob den Hebel der Armatur nach oben, nahm das flüssige Nass mit beiden Händen auf und wusch sich das Gesicht. Stephan litt unter chronischen Schlafmangel, wälzte sich in den Nächten auf der Matratze, bis ihn der Wecker erlöste. Das Wasser aus dem Hahn spülte den Schrecken der Nacht fort. Die Erfrischung erzeugte ein Wohlgefühl, die Lebensgeister erwachten.

Er schaute in den Spiegel, der wie ein Mahnmal über dem Waschbecken hing. Ihm gefiel, was er sah. Das eckige Gesicht mit dem kantigen Kinn und dem Drei-Tage-Bart thronte auf einer untersetzten Figur. Mit 1,75 Metern gehörte er nicht zu den Größten der Kohorte aus dem Jahr 1971. Er glich dieses körperliche Manko durch Muskelpakete, die sich unter dem T-Shirt abzeichneten, aus. Die stahlblauen Augen verliehen ihm eine Kälte, die jedem Kontrahenten Angst einflößte. Die kurzen braunen Haare standen in verschiedene Richtungen ab, zumal er sie seit Tagen nicht gewaschen hatte. Die Arbeit verlangte ihm alles ab. Stephan sah sich mit einem Milieu konfrontiert, in dem ein Menschenleben nichts zählte. Seit dem Tod seiner Frau war der Alkohol ein treuer Begleiter an den Abenden aus Monotonie. Er verhalf dem Kommissar dazu, die Auseinandersetzung mit den Abgründen der menschlichen Psyche auszuhalten, Kraft zu schöpfen für den Kampf gegen das Verbrechen. Er achtete darauf, dass der Alkoholkonsum seine Leistungen nicht beeinträchtigte, trank während der Arbeit keinen Tropfen und versuchte, sich gesund zu ernähren. In den letzten Jahren gerieten die Vorsätze, ohne dass er es bemerkte, in Vergessenheit.

Erfrischt wandte sich der Gesetzeshüter vom Waschbecken ab, drehte sich um und nahm den Schreibtisch in Augenschein, auf dem der Personal Computer und das Telefon in einen Wust von Aktenbergen und Papierstapeln untergingen.

»Zum Teufel! Was ist denn das für ein Mist?«, brummte er und stemmte beide Hände in die Hüften. Mitten in der Tastatur steckte ein geknicktes DIN-A-4 Blatt, auf dem der Name „WIM“ aufgetragen war, der Spitzname seines Vorgesetzten. Der Kommissar hasste es, wenn der Chef ihm, ohne ein persönliches Gespräch, Aufgaben unterschob, denn es waren stets Vorgänge, die keinen Zeitaufschub duldeten. Stephan grapschte nach dem Papier und faltete es mit gerunzelter Stirn auseinander. Ein Foto trudelte auf den Boden. Er schenkte ihm keine Beachtung, sondern konzentrierte sich auf den Text. Seine Befürchtungen bestätigten sich. Ein „Eilt – Vorgang“, der am Vormittag zu erledigen war, erregte den Widerwillen des Kommissars. Er zwang sich dazu, das Gekritzel des Chefs zu entziffern: Fahr sofort nach Reisholz, um Marcel Leclerc mit dem Haftbefehl (findest du in der Cloud) in dessen gleichnamigem Reisebüro festzunehmen. Es gibt Hinweise darauf, dass der Subventionsbetrüger beabsichtigt, das Land zu verlassen. Ich setze volles Vertrauen in dich! Seine Mutter war ins Drogenmilieu abgerutscht. Vielleicht betreibt der Kerl in seinem Büro einen schwunghaften Handel. Wie ich dich kenne, wirst du es herausfinden!

Unter dem Text befanden sich die Anschrift des Beschuldigten sowie der Zeitpunkt, an dem Wim den Auftrag erteilt hatte: 07.05 Uhr. Der Kommissar wunderte sich nicht darüber, dass sein Chef das Schreiben zu so früher Zeit abgezeichnet hatte, denn Wim betrat stets als erster das Präsidium und verließ es als Letzter. Es stimmte Stephan ärgerlich, dass ihm der Vorgesetzte einen Fall unterschob, der vor Trivialität triefte und nicht zum Aufgabenprofil eines Top-Ermittlers passte. Einen Subventionsbetrüger festnehmen? Einen Reiseheini aufspüren, den Nobody, der wegen einer Lappalie mit dem Gesetz in Konflikt geraten war? Das rangierte unter der Würde des Haudegens, der sich mit Schwerkriminellen anlegte und keine Mühen scheute, sie ihrer Strafe zuzuführen. Es war Stephan klar, dass der Anlass für solche Feuerwehraufträge im Personalmangel des Polizeipräsidiums begründet lag. Es gab keine Abteilung, die nicht über Nachwuchssorgen klagte. Der Hinweis darauf, dass Leclerc im Drogengeschäft tätig war, hielt Stephan für einen Vorwand. In seinem Ressort gab es keine Erkenntnisse über diesbezügliche Aktivitäten in dem Ladenlokal.

Stephan kniete nieder und nahm das auf dem Boden liegende Foto des Gesuchten in die Hand. Ein Blick genügte, um sich die Merkmale der Augen, der Nasenpartie, des Haaransatzes und die Form des Mundes einzuprägen. Der Kommissar besaß die Gabe, Personen auch dann zu erkennen, wenn diese ihr Erscheinungsbild durch einen Bart oder eine andere Frisur verändert hatten. Mehr noch: Die Mimik des Gesuchten gab Stephan einen Hinweis auf dessen Psyche. Auf dem Foto hatte der Delinquent die Lippen etwas auseinandergezogen, als würde er versuchen, zu lächeln. Der Kommissar durchschaute die Fassade, war davon überzeugt, dass die Freude im Leben des Gesuchten ein Schattendasein fristete. Mit Wut im Bauch streifte der Gesetzeshüter die Feldjacke über und eilte aus dem Raum, raus aus dem Gebäude, in dem die Langeweile wohnte. Auf dem Hof stieg er in seinem W 124 ein, der Mercedes Diesel aus dem Jahr 1990, den Stephan seit dem Eintritt ins Kommissariat als Dienstwagen nutzte. Obwohl der Rost an den Kotflügeln des Vehikels nagte, verrichtete die Maschine, trotz 380.000 km Laufleistung, ordnungsgemäß ihren Dienst. Hatten sich Auto und Fahrer mit den Jahren aneinander angeglichen? Scheppernd sprang der Wagen an und trotzte der Kälteglocke, die über der Stadt klebte. Gedankenversunken tuckerte der Kommissar durch die Stadt. Er dachte an den Großeinsatz am kommenden Tag, an den Clanchef, der ihn seit Jahren mit dem Tod bedrohte, und an die Junkies vom Worringer Platz, wo ihm das Elend der Drogensüchtigen jeden Tag ins Auge sprang. Es fiel ihm leicht, die optimale Route zum Beschuldigten zu finden, denn Stephan kannte sich in den Industriestadtteilen der Rheinmetropole aus, war selbst in einem aufgewachsen und wohnte in Flingern, ein traditionelles Arbeiterwohnquartier östlich der Innenstadt.

Das Reisebüro lag an einer Hauptverkehrsstraße, in der sich eine nicht enden wollende Blechlawine über den Asphalt schob. Es bereitete Stephan Mühe, einen Parkplatz zu finden, denn in dem Quartier mischten sich Anwohner mit Beschäftigten. Nach zehn Minuten gab er auf und parkte in zweiter Reihe, unmittelbar gegenüber dem Gebäude. Beim Aussteigen gewann der Kommissar den Eindruck, als ob sich hinter der Glasscheibe des Reisebüros ein Schatten abzeichnete. Er verblasste genauso schnell, wie er gekommen war.

Ich werde die Angelegenheit im Handumdrehen erledigen. Es gibt Wichtigeres als Subventionsbetrüger.

Stephan zog den Kragen seiner grauen Feldjacke hoch, überquerte die Straße und steuerte auf den Eingang des Reisebüros zu. Die Kirchturmuhr schlug elf Mal, es hatte seit einer Stunde geöffnet. Mit einem Ruck riss der Ermittler die Tür auf und betrat den Raum, in dem unzählige Kataloge verstreut auf dem Boden lagen....



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