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Govinda | Das Geheimnis der 7 Lotosblüten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Govinda Das Geheimnis der 7 Lotosblüten

Geschichten über das spirituelle Erwachen - Mit Meditationen zur Aktivierung der Chakras
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-641-28061-1
Verlag: Irisiana
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Geschichten über das spirituelle Erwachen - Mit Meditationen zur Aktivierung der Chakras

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

ISBN: 978-3-641-28061-1
Verlag: Irisiana
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Weisheit des alten Indiens in sieben inspirierenden Geschichten

In Form von unterhaltsamen, mitreißenden und berührenden Erzählungen bringt Ihnen dieses Buch die Chakra-Lehre von den feinstofflichen Energiezentren nahe. Im alten Indien begegnen Sie der Prinzessin Majandra, die ihre Stimme verloren hat, dem armen Korbflechtersohn Ramesh auf der Suche nach Reichtum und weiteren Figuren, die die Qualitäten der Chakras repräsentieren. Auf ihrer abenteuerlichen Reise zu sich selbst lernen sie ihre wahre Begabung und Bestimmung kennen. Das abschließende Kapitel bietet Ihnen praktische Meditationen zu den einzelnen Chakras, um die Lektüre über den reinen Lesegenuss hinaus zu vertiefen.
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Ramesh und das Schwert


1 Der Korbflechter


Nicht weit vom großen Fluss, auf dem staubigen, unfruchtbaren Boden des kleinen Dorfes vor der alten Stadt, schmiegten sich die Hütten der armen Handwerker aneinander, als ob sie sich gegenseitig stützen wollten.

Die rote Morgensonne weckte die Menschen; schon früh herrschte geschäftiges Treiben. Sobald man die Hand vor Augen sehen konnte, begannen die Tagelöhner, Näher, Färber und Korbflechter ihre Arbeit, denn Kerzenlicht war teuer, nur das Sonnenlicht war umsonst. In der kleinen Hütte des Korbflechters Ravi gebar seine Frau Ajala ein Kind. Und als der erste Strahl der Sonne das Haus berührte, kam das Kind zur Welt und tat seinen ersten Schrei, so als ob es nur auf die Sonne gewartet hätte. Ajala und Ravi betrachteten das Neugeborene voller Stolz. Ramesh sollte das Kind heißen, dem Gott Vishnu zu Ehren.

Ravi küsste seine Frau zärtlich auf die Stirn und sah mit Staunen und Freude auf seinen Sohn. Welch Glück! Gleich das erste Kind ein Sohn, der seine Linie fortsetzen würde. Gesund und kräftig war das Kind, kräftig seine Stimme, rot die Bäckchen und rund die Glieder. »Ramesh, mein Sohn«, flüsterte er und dankte den Göttern für das Geschenk.

Ravi war arm, doch nun war er durch seinen Sohn reich geworden. Und von nun an würde er sich doppelt anstrengen, damit es sein Sohn einmal besser habe als er. Auch sein Ramesh würde natürlich Korbflechter werden, doch vielleicht würde er einst eine große Werkstatt mit vielen Lehrlingen und Gesellen haben. Ravi träumte von einer großen Zukunft für sein Kind, wie es wohl alle Eltern tun.

Und wirklich schien mit dem Kind das Glück in die ärmliche Hütte eingezogen zu sein. Die Arbeit ging dem Korbflechter leichter von der Hand, und seine Waren verkauften sich besser auf dem Markt. Vielleicht machte das glückliche Gesicht des Vaters auch die Kunden ein wenig glücklicher, und sie kauften gern, zumal die Körbe und anderen geflochtenen Waren von vollkommener Qualität waren.

Als Ramesh einen Monat alt war, gerade zum Neujahrsfest, zog ein blinder Wahrsager durch das kleine Dorf am Rande der großen Stadt. Und er kam direkt zum Hause Ravis, der vor seiner Hütte saß und Körbe flocht.

»Brahma segne dieses Haus!«, sprach der Blinde. »Hier ist ein Knabe geboren worden, und ich möchte euch sein Schicksal weissagen.«

Ravi sah den Alten mitleidig an und schüttelte den Kopf, denn er hielt nichts von der Wahrsagerei. Der Blinde sah seine ablehnende Geste nicht und trat näher. Und schon eilte Ajala mit dem Kind aus dem Haus und sprach zu ihrem Mann: »Ravi, mein Lieber, lass doch den Wahrsager sprechen – ich möchte das Schicksal meines Kindes erfahren!«

Ravi lächelte belustigt. »Nun gut, Alter. Was haben die Götter wohl mit meinem Sohn im Sinn?«

Auch der Blinde lächelte und trat näher. »Was die Götter planen, das weiß ich nicht. Doch im Herzen eines jeden Menschen steht sein Schicksal geschrieben. Und wenn meine Augen auch ihr Licht verloren haben, so sieht mein Herz umso klarer. Bringt mir den Knaben, auf dass ich ihn berühren kann.«

Eifrig hielt Ajala dem Wahrsager Ramesh entgegen, ein wenig ängstlich zwar, aber doch neugierig. Ramesh sah mit großen Augen den Alten an, doch er fürchtete sich nicht und lächelte. Als der Mann das Gesicht des Kindes berührte, strahlten seine blinden Augen.

»Großes Glück verheißt dieses Kind«, sprach er. »Zu Wohlstand und Ansehen wird er gelangen, doch all dies hat keine Bedeutung – denn Weisheit und Ruhm sind ihm bestimmt.«

Ravi verzog den Mund. »Übertreibst du nicht ein wenig, Alter? Du bist blind und siehst wohl nicht, wo du deine Kunst ausübst. Ich bin nur ein armer Korbflechter und werde dir gewiss keinen Vorschuss auf den künftigen Wohlstand meines Sohnes geben.«

Ajala drückte verstohlen den Arm ihres Mannes und flüsterte ihm ins Ohr: »Beleidige den weisen Mann nicht! Weißt du denn gewiss, dass unser Kind nicht tatsächlich zu Großem berufen ist?«

»Ach was!«, sagte Ravi zu seiner Frau und sprach zu dem Blinden: »Ja, gewiss, ein großer Korbflechter wird er werden, sich gar einen Palast flechten und eine Prinzessin heiraten, auf den Wolken fliegen und mit Lord Vishnu selbst beratschlagen …«

Der Blinde lächelte und hob die Hand. »Seid beruhigt, guter Mann. Ich will keine Belohnung. Nur sollt Ihr wissen, dass Eurem Sohn nicht bestimmt ist, Euch nachzufolgen. Er wird nicht den ehrbaren Beruf des Korbflechters ausüben, so sehr Ihr Euch das auch wünschen mögt.«

Bisher war Ravi eher belustigt, doch nun loderte die Flamme der Wut in ihm auf. »Du bist zu weit gegangen, Alter«, fauchte er. »Reichtum und Weisheit könnt ihr ihm gern voraussagen. Doch ich will nichts davon wissen, dass mein Sohn nicht mein Handwerk lernen soll, wie ich es von meinem Vater gelernt habe und wie dieser es schon von seinem Vater beigebracht bekam. So haben es die Götter bestimmt!«

Der Alte schüttelte den Kopf. »Nicht du oder ich entscheiden über das Schicksal oder den Willen der Götter. Ich möchte Euch nur ans Herz legen, dass Ihr Eurem Sohn seinen schweren Weg nicht schwerer machen möget. Denn auch wenn ihm Reichtum, Ansehen und Weisheit vorherbestimmt sind, so wird er doch viele Hindernisse überwinden müssen. Seht Euch vor, dass Ihr nicht selbst eines dieser Hindernisse seid; es wäre nur zu Eurem Schaden.«

Ravi wurde zornig und hob die Hand zum Schlag, doch der Blinde richtete seine erloschenen Augen auf ihn, sodass er unwillkürlich im Schlag innehielt.

»Geht nun, Alter«, presste er hervor und wandte sich ab. Doch Ajala trat zu dem Blinden, flüsterte einen leisen Dank und drückte ihm eine kleine Münze in die Hand.

»Danke, mein Kind«, sprach der Alte und legte Ajala die Hand auf die Stirn und berührte dann auch die Stirn des Kindes. »Lebe wohl und gib deinem Kind die Kraft deiner Liebe mit auf den Weg, dann wird sich alles zum Guten wenden.«

Und mit festem Schritt wandte sich der Blinde ab und wanderte weiter auf der staubigen Straße zur großen Stadt.

Das Leben des Korbmachers ging seinen gewohnten Gang, und bald waren der Blinde und seine Prophezeiung vergessen. Nun, vielleicht nicht völlig: Ajala sah ihren Sohn von nun an möglicherweise noch ein wenig liebevoller an, und in ihrem Blick lag ein warmes Gefühl der freudigen Erwartung einer frohen Zukunft. Ravi hingegen begann ein wenig früher damit, seinen Sohn die Korbflechterei zu lehren, als er es ohne die Weissagung des Alten getan hätte.

Der kleine Ramesh stellte sich in allen Dingen geschickt an, war ein wenig neugieriger und wissensdurstiger als andere Kinder. Und so erlernte er die Anfänge des Handwerks seines Vaters spielend leicht. Von der großen Zukunft, die ihm vorausgesagt worden war, war bei dem dreijährigen Knaben nichts zu bemerken.

Die Geschäfte des Korbflechters liefen indes nicht sonderlich gut. Im Vergleich zu der Zeit gleich nach der Geburt seines Sohnes, die der Höhepunkt im Leben der armen Handwerkerfamilie gewesen war, liefen sie sogar außerordentlich schlecht. Damals war Ravi noch voller Hoffnungen gewesen; doch diese hatten sich zerschlagen. Er verkaufte immer weniger auf dem Markt. An der Qualität seiner Körbe lag es sicherlich nicht. Doch sei es, dass es zu viele Korbflechter oder nicht genug Bedarf nach den Waren des Korbflechters gab: Das Geld war knapp, und mitunter war das Essen kaum ausreichend, um die ganze Familie satt zu bekommen.

Ajala litt am meisten darunter. Zweimal schon war sie schwanger geworden, doch zweimal war das Kind in ihrem Bauch gestorben. Und als Ramesh fünf Jahre alt war, wurde Ajala krank.

Ravi machte sich große Sorgen. Er kramte das wenige Ersparte aus dem Versteck unter der Bettstatt und holte einen Arzt. Der kam nur unwillig und erst, als Ravi ihm das Geld gezeigt hatte. Der Arzt blieb nicht lang. Er fühlte den Puls, sah in Ajalas Augen und tastete ihren Bauch ab. Als er aufstand und sich an Ravi wandte, erschien ein Schimmer des Mitleids auf seinem Gesicht. Er legte Ravi eine Hand auf die Schulter und sprach: »Ravi, du musst nun Kraft haben. Leider kann ich nichts mehr tun. Deine Frau wird noch in dieser Woche sterben.« Und er nahm nur eine kleine Münze von Ravis Geld.

Ravi blieb am Bett seiner Frau, versuchte ihr Tee einzuflößen, trocknete ihren Schweiß, der dann und wann in Strömen floss. Der kleine Ramesh wollte helfen. Doch der Vater duldete es nicht und vertrieb ihn vom Lager seiner Mutter. Obwohl Ramesh nicht verstand, was geschah, so ahnte er es doch und war voller Angst.

Am dritten Tag erwachte Ajala aus ihrem tiefen Schlaf. Zum ersten Mal seit vielen Tagen sprach sie wieder, doch ihre Stimme war schwach, und es schien Ravi, als spräche seine Frau bereits aus der jenseitigen Welt. »Ravi, mein lieber Mann«, sprach die Sterbende. »Bete für mich, dass ich eine gute Wiedergeburt haben möge. Und achte auf unseren kleinen Ramesh. Vergiss nicht den Wahrsager. Unser Kind wird einen besonderen Weg gehen. Gib ihm all deine Liebe, da ich sie nun nicht mehr geben kann.«

Ravi liefen die Tränen wie Bäche die Wangen hinab. Ramesh klammerte sich an das Bein seines Vaters. »Pita, lass Maan nicht sterben!«

Ravi strich seinem Sohn über das Haar, ohne ihn richtig wahrzunehmen. Sein Herz war ganz bei seiner Frau. So saß er noch drei Stunden, dann öffnete Ajala ein letztes Mal ihre Augen; sie blickte umher, als würde sie nach etwas suchen. »Ramesh …«, flüsterte sie. Mit einem tiefen Stöhnen atmete sie aus, und ihre Seele verließ ihren Körper.

Ravi stürzte mit einem Aufschrei zu Boden und rollte sich in seinem...


Govinda, Kalashatra
Ausgebildet in der altindischen Yogaphilosophie hat sich Kalashatra Govinda besonders durch seine erfolgreichen Publikationen zu den Themen Chakras und Tantra einen Namen gemacht.



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