Gracie | Das verlorene Herz der Lady | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2

Reihe: Die Merridew Ladies-Reihe

Gracie Das verlorene Herz der Lady


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96817-034-3
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 2

Reihe: Die Merridew Ladies-Reihe

ISBN: 978-3-96817-034-3
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein magischer Walzer, der ihr Leben für immer verändert ...
Der historische Liebesroman von Erfolgsautorin Anne Gracie

England, 1818: Seit ihrer Kindheit weiß Hope Merridew, dass sie nur einen perfekten Walzer von ihrem Traummann entfernt ist. Deswegen hält sie den letzten Tanz auf ihrer Tanzkarte immer frei. Als der attraktive Fremde Sebastian Reyne nach London kommt, scheint es sein einziges Ziel zu sein, all ihre Träume zunichte zu machen. Doch der unbändigen Anziehungskraft zwischen ihnen kann Hope jedes Mal weniger widerstehen ...
Um den Fängen der Vergangenheit endlich zu entkommen, sucht Sebastian Reyne eine angesehene Ehefrau, die wie eine Mutter für seine kleinen Schwestern sorgt. Darum muss er unbedingt seine leidenschaftlichen Gefühle für die verführerisch schöne Hope Merridew im Zaum halten - bloß wie?

Erste Leserstimmen
'Eine Liebesgeschichte voller Spannung und Gefühl. Klare Leseempfehlung!'
'mitreißend, romantisch und einfach zum dahinschmelzen'
'Anne Gracie hat es geschafft mich in eine andere Zeit zu entführen, aus der ich gar nicht mehr auftauchen wollte!'
'Wer wie ich gerne Autorinnen wie Patricia Cabot liest, ist hier bestens aufgehoben.'
'Wunderschöne, unterhaltsame Historical Romance mit viel Herz.'

Weitere Titel dieser Reihe
Spiel zweier Herzen (ISBN: 9783968171623)
Der verbotene Kuss des Lords (ISBN: 9783968171630)



Anne Gracie ist die preisgekrönte Autorin von 19 Werken, die bei Berkley USA, Penguin Australia und Harlequin International veröffentlicht wurden. Sie ist eine nationale Bestsellerautorin in den USA und ihre Regency-Liebesromane wurden in mehr als 18 Sprachen übersetzt, inklusive japanischer Manga-Editionen (was sie ziemlich cool findet). Als lebenslange Verfechterin weltumfassender Alphabetisierung schreibt sie auch Lese-Lern-Bücher für Erwachsene.
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1. Kapitel


London, England, April 1818

„Aber sie hat überhaupt keinen Busen! Du kannst doch keine Frau ohne Busen heiraten!“

Sebastian zuckte mit den Schultern. „Blacks Bericht zufolge passt sie am besten zu meinen Anforderungen. Außerdem hat Lady Elinore Whitelaw sehr wohl einen Busen. Sie ist schließlich eine Frau, oder?“

„Vielleicht nicht“, erklärte sein Freund Giles Bemerton düster. „Bedenkt man, was für unförmige Kleider sie bevorzugt, wie sie sich in Unmengen grauen Stoff hüllt, wer kann da schon sicher sein?“

„Du redest Unsinn“, entgegnete Sebastian fest. Die beiden Männer saßen in einem kleinen gemütlichen Raum, der zu Giles’ Junggesellenwohnung in London gehörte. Es war spät in der Nacht, und im Kamin flackerte lustig ein Feuer.

„Und sie ist mindestens zehn Jahre älter als du.“

„Nur sechs.“ Sebastian nahm einen Schluck von seinem Brandy. „Außerdem sucht ein Mann bei seiner Braut Reife.“

Giles warf ihm einen Blick zu, der vor Unglauben nur so triefte. „Sie hat die ganze Zeit nicht geheiratet, dabei muss sie trotz dieses Aussehens Anträge erhalten haben – ihr Vater hat sie gut versorgt zurückgelassen. Obwohl er von der Mutter entfremdet war. Warum sollte sie ausgerechnet jetzt ihre Meinung ändern?“

„Sie hat keine andere Wahl. Nach dem Tod ihrer Mutter letztes Jahr lebt sie in beengten Verhältnissen, und das Vermögen ihres Vaters erhält sie erst nach drei Jahren Ehe.“

Giles schürzte die Lippen. „Ach so. Aber du brauchst doch kein Vermögen, warum also solltest du dich an einen kalten Fisch wie Lady Elinore binden? Weißt du, ich habe einmal mit ihr getanzt. Sie hat überdeutlich klargemacht, dass sie mich abstoßend findet. Indigniert schaute Giles an seiner wohlgeformten Gestalt hinab.

Sebastian unterdrückte ein Grinsen. Dank Giles’ angenehmen Äußeren geschah es nur sehr selten, dass ihn ein weibliches Wesen abstoßend fand. Trocken erwiderte er: „Ein weiterer Punkt, der für sie spricht. Damit beweist sie ein ausgezeichnetes Urteilsvermögen.“

„Pah! Sie ist eine Exzentrikerin! Ihre ganze Leidenschaft gilt guten Werken – Museen, Not leidenden Straßengören und wohltätigen Zwecken.“ Giles erschauerte beredt. „Das ist Wahnsinn, lass dir das sagen. Warum sollte irgendjemand freiwillig einen dürren Stock mit einer Wagenladung Probleme wie Lady Elinore Whitelaw zur Frau nehmen, wo doch genug hübschere und amüsantere Mädchen auf dem Heiratsmarkt zur Auswahl stehen?“

Sebastian war es gelungen, letzte Woche ein Treffen mit Lady Elinore zu bewerkstelligen; er fand sie ruhig und unauffällig. Sie hatten die wohltätigen Einrichtungen besprochen, in denen sie sich engagierte, und Lady Elinores Antworten hatten ihn in seinem Entschluss bestärkt. Einen großen Teil ihrer Zeit widmete sie der Arbeit mit Waisenmädchen. Sie würde bestens passen. „Hör auf, Giles. Ich habe mich entschieden. Hübschere und amüsantere junge Mädchen besitzen nicht die … die innere Stärke und Erfahrung, die eine Frau braucht, die mit meinen Schwestern zurechtkommen will.“

Giles unternahm einen letzten Versuch. „Aber du hast nichts mit ihr gemein, Bastian. Sie ist unscheinbar und uninteressant. Einer dieser ernsten Blaustrümpfe.“

„Das ist mir egal. Bei meiner zukünftigen Gattin suche ich keine Schönheit. Meine Schwestern brauchen Stabilität und Familiensinn. Ich kann ihnen das nicht geben, weil sie mir nicht trauen. Daher muss ich heiraten, und Lady Elinore ist genau die Sorte …“

„Was meinst du, sie können dir nicht trauen? Du bist der vertrauenswürdigste Mensch, den ich …“

„Danke“, unterbrach ihn Sebastian ruhig, „aber in solchen Dingen entscheidet nicht der Verstand. Ihre … Erfahrungen machen es ihnen unmöglich, mir zu trauen.“

„Das tut mir leid, Bastian. Ich weiß, wie sehr dir die Mädchen am Herzen liegen.“

Unbeholfen zuckte Sebastian die Schultern. Niemand würde je erfahren, wie sehr ihn das fehlende Vertrauen seiner kleinen Schwestern verletzte. Aber Klagen führten zu nichts. „Der Schaden wurde angerichtet, ehe ich sie wiedergefunden hatte. Dennoch werde ich sie nicht aufgeben. Lady Elinore ist eine Frau von Verstand, die viel Wert auf Pflichtbewusstsein legt, und ihre Erfahrungen mit armen Kindern bedeuten, dass sie vermutlich weniger leicht zu schockieren ist als die meisten anderen.“ Er seufzte. „Nicht weniger als sieben Gouvernanten haben mich davon unterrichtet, wie unmöglich Cassie ist.“

„Verstand und Pflichtbewusstsein!“ Giles schnaubte abfällig. „Was ist mit Liebe?“

„Liebe ist doch bloß ein Märchen.“

„Nein, es ist ein Spiel, ein höchst unterhaltsames Spiel.“

Sebastian verzog zynisch den Mund.

„Und dabei warst du früher immer so ein Romantiker.“ Giles ballte die Hände zu Fäusten. „Ich wünschte zu Gott, du hättest die verfluchten Iretons nie getroffen. Diese Hexe und ihr Vater …“

Sebastian fiel ihm ins Wort und entgegnete ruhig, aber bestimmt: „Wenn du von meinem verstorbenen Schwiegervater und meiner verstorbenen Frau sprichst, dann bitte mit dem gebotenen Respekt. Wären sie nicht gewesen, würde ich immer noch in Armut leben, meine Schwestern wären für immer verschollen und nichts von dem hier wäre möglich. Alles im Leben hat seinen Preis.“

„Ich weiß, aber trotzdem, was sie mit dir getan haben …“

„Ja, und man darf nicht vergessen, was für ein zartes Pflänzchen ich bin. Lass es, Giles.“

Ernüchtert schaute Giles ihn an. „Himmel, bist du stur.“

Sebastian lächelte. „Ich weiß. Und es ist sehr nett von dir, dich mit mir abzugeben. Kann ich mich jetzt darauf verlassen, dass du mir hilfst, die Klippen der guten Gesellschaft zu umschiffen?“

Giles lachte. „Das möchte ich auf keinen Fall missen!“

„Danke. Ich frage mich, warum mir diese Antwort so zu denken gibt.“ Sebastian stellte das leere Glas ab und reckte sich. „Ich muss jetzt gehen. Morgen habe ich in aller Frühe etwas vor.“ Er schnitt eine Grimasse. „Tanzstunden. Mit einem affektierten Franzosen, der Rouge trägt!“

Giles brach in Gelächter aus. „Ich hätte große Lust, vorbeizuschauen und mir das anzusehen.“

Sebastian warf ihm einen spöttischen Blick zu. „Aber auf eigene Gefahr, Bemerton.“

„Alle Welt ist hier“, versicherte ihm Giles, als sie etwa zehn Tage später gemeinsam den Ballsaal von Frampton House betraten. Unverzüglich begann er, den Freund auf wichtige Persönlichkeiten aufmerksam zu machen, doch Sebastian interessierte sich nicht für sie. Er war nur aus einem einzigen Grund heute Abend hier.

„Und Lady Elinore?“ Er hatte sich ausgerechnet, dass er sie sechs- bis achtmal treffen müsste, ehe es angemessen wäre, ihr einen Heiratsantrag zu machen.

„Jaja. Sie ist dort drüben“, antwortete Giles ungeduldig. „Obwohl ich nicht weiß, warum sie sich überhaupt die Mühe macht zu kommen, so wie sie sich anzieht.“

„Gut, dann lass uns nicht weiter Zeit verlieren.“ Er ging geradewegs auf sie zu.

„Mehr Raffinesse, mein lieber Bastian. Ich bitte dich, zeig etwas mehr Raffinesse“, beschwerte sich Giles, während er Sebastian durch die Menge folgte. „Ich stehe in dem Ruf, ein feinsinniger Mensch zu sein, denk daran. Nicht so schnell!“

Sebastian grinste, ohne an Tempo zu verlieren. Er wollte diese Brautwerbung so schnell wie möglich hinter sich bringen und sich wieder dem widmen, womit er sich am besten auskannte: Arbeit.

„Lady Elinore.“ Er machte eine Verbeugung. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Giles ihm einen Blick zuwarf, der ihn an ihre Unterhaltung neulich erinnerte. Unwillkürlich blickte er an ihr herab. Giles hatte recht, sie schien keinen Busen zu haben. Hastig erklärte er: „Sie sehen heute Abend ganz reizend aus, Lady Elinore.“

Sowohl sie als auch Giles schauten ihn zweifelnd an. Sie war eine kleine Frau, sehr blass und sehr dünn, mit mausbraunem Haar, das sie zu einem festen Knoten straff nach hinten frisiert und mit einer Art Haube bedeckt hatte. Heute hatte sie sich für ein schmuckloses Kleid aus dunkelgrauem Bombasin entschieden. Die Farbe ließ sie womöglich noch blasser erscheinen, und der strenge, hochgeschlossene Schnitt gab ihrer dürren Figur etwas Kantiges. Sie hatte keinen Schmuck angelegt.

Im Geiste zuckte Sebastian mit den Achseln. Es kam nicht darauf an, ob ihr das Kleid stand oder nicht. Frauen zogen Komplimente der Wahrheit vor. Wenigstens hatte Thea das. Außerdem hasste er solche Gesellschaften und fühlte sich in keiner Weise dem leichten Geplauder gewachsen, das Giles so mühelos beherrschte. Er fand, ein Kompliment war nie fehl am Platze.

„Wie geht es Ihnen, Mr. Reyne?“, murmelte Lady Elinore. „Ich habe mich schon gefragt, ob Sie heute hier sein würden.“ Mit einer leicht fragenden Miene schaute sie auf dem Platz links neben ihn.

„Ah, ja. Mein Freund, Mr. Giles Bemerton. Bemerton, ich glaube, du kennst Lady Elinore schon.“

Lady Elinore neigte ihren Kopf kaum merklich und sagte mit kühler Stimme: „Ich denke nicht, allerdings vermute ich, dass wir entfernt verwandt sind. Sie sind ein Staffordshire Bemerton, nicht wahr?“

Ganz offenkundig hatte Lady Elinore den Tanz, der sich derart in Giles’ Erinnerung eingebrannt hatte, völlig vergessen. Sebastian verfolgte, wie sein Freund seine Erbitterung meisterte und eine anmutige Verbeugung machte. „Ganz recht. Erfreut, Sie zu treffen, Lady Elinore.“

Aus Furcht vor weiteren Wortgefechten bat Sebastian Lady Elinore um den nächsten Ländler und den Tanz vor dem Supper. Auch Giles bat die Dame um einen Kotillon und einen...



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