Graf | Der Notarzt 430 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 430, 64 Seiten

Reihe: Der Notarzt

Graf Der Notarzt 430

Wie durch dunkles Glas
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-3541-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie durch dunkles Glas

E-Book, Deutsch, Band 430, 64 Seiten

Reihe: Der Notarzt

ISBN: 978-3-7517-3541-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Erschrocken blickt der Notarzt auf die Patientin, die der Rettungswagen gerade mit Blaulicht in die Sauerbruch-Klinik gebracht hat. Ihr Bauch ist hoch aufgewölbt und steinhart. Wie es aussieht, leidet sie unter einem Darmverschluss, der sie innerhalb der nächsten Minuten das Leben kosten kann.
Eilig wird eine Notoperation vorbereitet, denn hier zählt jede Sekunde!
Doch während des Eingriffs kommt es zu unerwarteten Komplikationen: Als das Abdomen geöffnet ist und sich Peters Kollegin Dr. Isabella Itzenbach tief über das Operationsgebiet beugt, keucht die Medizinerin plötzlich erschrocken auf. Wieso ist um sie herum auf einmal alles so dunkel? Es ist, als schaue sie durch dunkles Glas! Und dann herrscht schlagartig tiefste Finsternis, und sie sieht rein gar nichts mehr. Peter Kersten braucht nur einen Moment, um zu erkennen, was hier los ist.
'Alle vom OP-Tisch zurücktreten!', ruft er hektisch. Denn plötzlich geht es nicht nur für die Patientin um Leben und Tod, sondern für alle Anwesenden ...

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Wie durch dunkles Glas

Während einer Operation verliert die Ärztin plötzlich ihr Augenlicht

Karin Graf

Erschrocken blickt der Notarzt auf die Patientin, die der Rettungswagen gerade mit Blaulicht in die Sauerbruch-Klinik gebracht hat. Ihr Bauch ist hoch aufgewölbt und steinhart. Wie es aussieht, leidet sie unter einem Darmverschluss, der sie innerhalb der nächsten Minuten das Leben kosten kann.

Eilig wird eine Notoperation vorbereitet, denn hier zählt jede Sekunde!

Doch während des Eingriffs kommt es zu unerwarteten Komplikationen: Als das Abdomen geöffnet ist und sich Peters Kollegin Dr. Isabella Itzenbach tief über das Operationsgebiet beugt, keucht die Medizinerin plötzlich erschrocken auf. Wieso ist um sie herum auf einmal alles so dunkel? Es ist, als schaue sie durch dunkles Glas! Und dann herrscht schlagartig tiefste Finsternis, und sie sieht rein gar nichts mehr. Peter Kersten braucht nur einen Moment, um zu erkennen, was hier los ist.

»Alle vom OP-Tisch zurücktreten!«, ruft er hektisch. Denn plötzlich geht es nicht nur für die Patientin um Leben und Tod, sondern für alle Anwesenden ...

»Ach, Sie hat man also auch eingeladen, Kollege Kersten?«

Prof. Lutz Weidner, der Chefarzt der Frankfurter Sauerbruch-Klinik, schien sich sehr zu wundern, als er den großen Festsaal im Rathaus betrat und seinen Kollegen auf dem äußersten Stuhl in der letzten Reihe nahe der Ausgangstür sitzen sah.

Dr. Peter Kersten lachte.

»Das klingt ja fast so, als hielten Sie mich nicht für würdig genug, im gleichen Raum mit all diesen wichtigen Persönlichkeiten zu sein.«

»Wollen Sie eine ehrliche Antwort auf Ihre Frage?« Prof. Weidner wedelte schmunzelnd mit der Hand, um Peter von seinem Sitzplatz zu scheuchen. »Der Schleudersitz steht von Rechts wegen dem Älteren und Ranghöheren zu«, scherzte er.

»Schleudersitz?« Peter rutschte bereitwillig einen Platz weiter. Warum auch nicht? Er hatte die letzte Reihe ohnehin für sich alleine, während sich in den vorderen Reihen das festlich gekleidete Publikum drängte. Peter erkannte zwar keinen einzigen von ihnen, aber zweifellos waren sie allesamt sehr wichtig.

»Nun, ich nenne ihn so, weil man von hier aus rasch und weitgehend unbemerkt flüchten kann.«

»Wenn es brennt?«

»Das auch. Aber vor allem dann, wenn sich die salbungsvollen Reden zu lange hinziehen. Als Arzt kann man in diesem Fall ja immer einen Notfall vorschützen. Sie wissen schon: Das Handy vibriert in der Hosentasche ...«

Prof. Weidner produzierte einen leisen Brummton, der ein bisschen wie eine Hummel klang, die voller Vorfreude auf eine besonders üppige Blüte zusteuerte.

»Man wirft einen genervten Blick auf das Telefon, seufzt tief, zuckt bedauernd mit den Schultern und geht. Dabei guckt man idealerweise schrecklich betrübt, so, als bedauerte man zutiefst, die wundervolle Ansprache nicht bis zum Ende mit anhören zu können.«

Peter lachte. »Sehr gut! Geben Sie mir bei Gelegenheit Unterricht im Vibrieren? Das klang täuschend echt. Aber jetzt zu Ihrer ehrlichen Antwort.«

»Auf welche Frage? Ich muss gestehen, dass ich sie schon wieder vergessen habe. Nichts für ungut, aber ehe ich eine solche Veranstaltung besuche, schalte ich meine Ohren in der Regel auf Durchzug.«

»Ob Sie mich nicht für würdig genug halten, mich unter die oberen Zehntausend zu mischen.«

»Ach ja!« Der Chefarzt tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. »Nein. Ich halte Sie nur noch nicht für verdorben genug, um sich den Reichen und Schönen anbiedern zu wollen.«

»Wollte ich auch gar nicht. Ich wollte eigentlich absagen, doch man hat mir zu verstehen gegeben, dass sich eine Absage negativ auf meine Karriere auswirken könnte.« Er lachte leise. »Und ich möchte doch unbedingt einmal ein so guter Arzt sein wie Sie, wenn ich groß bin.«

Prof. Weidner blinzelte dem Notarzt schmunzelnd zu.

»Wenn das so ist, dann haben Sie es geschafft.«

»Was denn geschafft?«

»Sich einen so klangvollen Namen zu erarbeiten, dass man sich von Ihrer Anwesenheit eine Aufwertung der betreffenden Zeremonie erwartet. Andernfalls hätte man Ihre Absage zur Kenntnis genommen und Ihnen keine Träne nachgeweint.«

Peter seufzte. »Da bin ich aber richtig stolz drauf. Und Sie, Professor? Sind Sie freiwillig hier?«

»In meiner Position muss man gelegentlich diverse Zugeständnisse machen. Ich bin ja nicht als Lutz Weidner, sondern als medizinischer Leiter der Sauerbruch-Klinik hier. Direktor Rohrmoser und ich, wir wechseln uns beim Besuch unumgänglicher Termine ab.«

Er lachte.

»Unser lieber Verwaltungsdirektor pickt sich jene heraus, bei denen es ein reichhaltiges Buffet gibt. Bei diesem hier werden anschließend nur Champagner und Kanapees gereicht. Direktor Rohrmoser meinte, diese winzigen Dingelchen, von denen nicht mal ein Gartenzwerg satt werden könne und die einem ja doch nur in den Zahnzwischenräumen steckenblieben, würden ihn bestimmt nicht über die einschläfernden Reden davor hinwegtrösten.«

»Das sieht ihm ähnlich.« Peter lachte. »Worum geht es denn hier überhaupt?«, erkundigte er sich. »Ich nehme an, irgendjemand wird mit einem Orden oder sonst was ausgezeichnet. Aber wer?«

»Das stand doch explizit auf der Einladung«, erwiderte Prof. Weidner kopfschüttelnd. »Haben Sie die denn nicht gelesen? Ich hätte Sie wirklich für gewissenhafter gehalten. Man geht doch nicht zu einer Veranstaltung, ohne zu wissen, was dort passiert.«

Peter senkte schuldbewusst den Kopf.

»Offen gestanden bin ich nicht über die Überschrift Einladung hinausgekommen und habe sofort angerufen, um wegen Zeitmangels abzusagen. Und nach dem Telefonat war ich so sauer, dass mich gar nicht mehr interessiert hat, um was es geht. Also: Wer wird denn nun ausgezeichnet?«

Lutz Weidner zuckte grinsend mit den Schultern.

»Einladung. Mehr habe ich ebenfalls nicht gelesen«, gestand er. »Aber ... Moment ...«

Er fischte einen zusammengefalteten Zettel aus der Innentasche seines Jacketts. Doch es lohnte sich nicht mehr, einen Blick darauf zu werfen, denn in diesem Augenblick betrat die Stellvertreterin des Bürgermeisters, gefolgt von einem bulligen älteren Herrn, das festlich geschmückte Podium.

»Grundgütiger!«, zischte der Chefarzt. »Der doch nicht!«

»Wer ist das?«, raunte Peter fragend zurück.

Prof. Weidner beugte sich näher zu seinem Kollegen, während er wie alle anderen scheinbar begeistert applaudierte.

»Kennen Sie ihn denn nicht? Das ist Hubertus Enslinger.«

»Noch nie gehört.«

»Ach, Sie gehören wohl zu jenen Männern, die immer nur den Sportteil lesen und den Rest der Zeitung wegwerfen. Enslinger taucht in regelmäßigen Abständen im Wirtschaftsteil auf.«

»Aha. Ein hochverdienter Ökonom also?«

»Von wegen hochverdient!« Lutz Weidner schnitt eine Grimasse. »Na ja, andererseits ... hoch verdient hat er im Laufe der Jahre wohl doch. Begonnen hat er in jüngeren Jahren mit einer Metzgerei. Die musste er schließen, weil in seinen Würsten wiederholt Dinge gefunden wurden, die dort nichts zu suchen hatten.«

»Bakterien? Chemikalien? So was in der Art?«

Der Chefarzt schmunzelte.

»Nein, es handelte sich eigentlich um rein natürliche und sogar biologische Zutaten. Einmal waren es Maden, einmal ein Rattenschwanz und einmal eine ganze Maus.«

»Igitt!« Peter schauderte. »Die arme Maus.«

Prof. Weidner nickte. »Was meinen Sie, wie die Leute sich gefühlt haben müssen, die regelmäßig bei ihm eingekauft haben? Ich wette, an dem Tag, als es groß in allen Zeitungen stand, hat die Zahl der Vegetarier sehr stark zugenommen.«

»Anzunehmen!« Peter lachte leise. »Und dann? Was hat er dann gemacht?«

»Danach hat er eine Bioladenkette eröffnet. Schon nach eineinhalb Jahren musste er diese wieder schließen.«

»War eine Maus mit im Spiel?«

»Nein. Man ist ihm auf die Schliche gekommen, wie er Obst und Gemüse billig im Großmarkt eingekauft, die Früchte in Erde gewälzt und in die Salate Blattläuse aus eigener Zucht gesetzt hat.«

»Ein Betrüger also?«

»Ha! Enslinger ist ein Gauner, wie er im Buche steht. Nach dem Bioladen hat er eine Vermögensberatungskanzlei eröffnet.«

Peter schüttelte schmunzelnd den Kopf.

»Ich kann mir schon so ungefähr zusammenreimen, wie das geendet hat.«

»Er hat es auf den damaligen Bankencrash geschoben. Verspekuliert, alles verloren. So ein Pech. Tut mir echt leid. Höhere Macht, nicht meine Schuld.«

»Viele haben damals alles verloren.«

»Ja, ja, ich weiß. Komisch war nur, dass er hinterher einen Rolls-Royce fuhr und eine Luxusjacht im Hafen von Madeira liegen hatte. Nur wenige Meter von der dazugehörigen Ferienvilla entfernt.«

»Und...



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