Graham | Unheilvolle Schönheit | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Graham Unheilvolle Schönheit


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95530-750-9
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

ISBN: 978-3-95530-750-9
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Kaum kehrt Sean Black in seine Heimatstadt in Florida als bekannter Schriftsteller zurück, passiert wieder ein Mord, wie bereits fünfzehn Jahre zuvor. Ein Zufall? Als auch seine alte Liebe Lori, für die er immer noch eine große Leidenschaft empfindet, in Gefahr gerät, setzt er alles daran, den Mörder zu finden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt ...

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1
Wie eine Feuersirene schrillte das Telefon los und riss Sean Black brutal aus dem – zugegebenermaßen leicht betrunkenen – Schlaf. Er drehte sich auf die andere Seite, um nach dem Hörer zu greifen.
Während er umhertastete, stieß seine Hand auf Fleisch. Die Frau neben ihm brummelte etwas und schmiegte sich mit dem Hintern an ihn. Er starrte auf die weiblichen Rundungen neben sich unter der Decke. Dass sie noch bei ihm war, überraschte ihn. Er versuchte, die Ereignisse der vergangenen Nacht zu rekonstruieren. So viel hatte er schon lange nicht mehr getrunken, und dass er richtig betrunken gewesen war, war Jahre her.
Was daran lag, dass er in seine Heimatstadt zurückgekehrt war.
» Hallo?«, sagte er, ohne die Kurven der Frau, die sich unter der Decke abzeichneten, aus dem Auge zu lassen. Wie hieß sie noch mal? Maggie, Molly, jedenfalls irgendwas mit M. Eine hübsche Frau um die dreißig, mit glattem dunklem, kurz geschnittenem Haar, ansehnlichem Körper, attraktivem Gesicht und wunderbaren Lippen, die sie aufs Talentierteste einzusetzen verstand. Sie war freiberufliche Journalistin, schrieb Reiseartikel für verschiedene Zeitungen und machte Interviews für ein lokales literarisches Magazin. Molly, Maggie oder wie immer ihr Name lauten mochte, war amüsant und unterhaltsam gewesen und gehörte zu den Frauen, die sich nicht lange zierten, die Sex mochten, Sex wollten und beim Sex gut waren. Ja, doch … er mochte sie. Er konnte sich bloß nicht daran erinnern, dass er sie aufgefordert hatte, die ganze Nacht zu bleiben. Da sie zum Dinner nicht hatte ausgehen wollen, hatte er vom Zimmerservice etwas zu essen bringen lassen. Verflucht noch mal, wie viele Flaschen Wein hatten sie eigentlich getrunken? Es war wohl besser, bei Jack Daniel’s oder Bier zu bleiben, wenn er trank, überlegte er, während er sich mit den Fingern durchs Haar fuhr. Wein in kleinen Kristallgläsern war der reinste Killer. In seinem Schädel pochte und hämmerte es.
» Hallo?«, wiederholte er mit gepresster Stimme.
» Hey, Sean, hier ist Ricky. Hoffentlich habe ich dich jetzt nicht geweckt.«
Sean verzog das Gesicht. Vor ein paar Tagen war er Ricky Garcia wiederbegegnet, den er dreizehn Jahre lang nicht gesehen hatte. Offenbar versuchte Ricky jetzt, die verlorene Zeit nachzuholen. Trotzdem unterließ es Sean, seinem alten Freund mitzuteilen, dass er ihn, verdammt noch mal, in der Tat geweckt hatte. Ricky war bei der Mordkommission von Miami. Eigentlich hatte er wie sein Vater Anwalt werden sollen, doch irgendwie hatte es dafür nicht gereicht. Was ihn möglicherweise zu einem besseren Menschen gemacht hatte. Jedenfalls mochte Sean ihn heute mehr als damals, als Ricky ein Junge aus reichem Elternhaus gewesen war. Andererseits hatte er, als er vor Jahren die Stadt verlassen hatte, hier eigentlich kaum jemanden gemocht.
» Ist schon okay«, sagte er.
» Oje, ich hab dich also doch geweckt. Wie hat dir der Club gefallen?«
» Gut.«
» Hattest du einen schönen Abend?«
» Klar.«
» Jemand kennen gelernt?«
Sean warf einen Blick auf seine Bettgenossin. »Nein«, log er.
» Na gut. Ich hol dich in zwanzig Minuten ab.«
» Was? Wieso denn das?«
» Letzte Nacht ist hier ein Mord passiert.«
» Wenn man die Zeitungen liest, hat man den Eindruck, dass bei euch pro Woche ein halbes Dutzend Morde begangen werden«, murmelte Sean sarkastisch.
» In der letzten Zeit sind etliche Leute erschossen worden«, gab Ricky zu. »Und erstochen«, fügte er zögernd hinzu. »Gangs, Drogen, halt Sachen, wie sie in bestimmten Stadtteilen vorkommen. Na schön, häusliche Gewalt gibt es hier und da auch, und manchmal wird jemand von einer verirrten Kugel getroffen. Trotzdem ist diese Bemerkung von jemandem, der in L. A. wohnt, ein ziemlicher Schlag unter die Gürtellinie. Aber dieser Mord hier ist was anderes. Da geht es nicht um Bandenkriege oder darum, dass ein Typ ausgeflippt ist, weil seine Frau den Sportsender ausgestellt hat …«
» Sondern?«
» Um eine hübsche junge Frau, die nach einer heißen Nacht in genau dem Club, den ich dir empfohlen habe, ermordet wurde.«
Na großartig, dachte Sean. Würde wahrscheinlich nicht lange dauern, bis sie ihm die Sache anzuhängen versuchten. Wie erstarrt saß er da, von einem eisigen Gefühl befallen.
Nein. Heute würde das wohl nicht mehr passieren. Heute gehörte er selbst zu den »reichen Leuten«.
Nie würde er vergessen, wie das damals gewesen war – wie die Bullen gekommen waren, ihn an den Haaren aus dem Haus gezerrt und ihn gegen den Streifenwagen geknallt hatten, um ihm Handschellen anzulegen. Sein weinender Vater, sein protestierender Bruder Michael, den die Bullen zurückgeschubst hatten. Er erinnerte sich noch, wie er zu seinem Vater gesagt hatte, dass er unschuldig sei, dass er und nichts verbrochen habe. Sein Vater hatte ihm geglaubt, doch das hatte letzten Endes keine Rolle gespielt. An jenem Tag hatte sein Dad angefangen zu sterben …
» Sie ist nicht im Club getötet worden, aus dem sie in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend verschwand. Gefunden wurde sie erst am heutigen Montag, in den frühen Morgenstunden. Laut Bericht um zwei Uhr dreiundzwanzig. Nach den ersten Schätzungen des Polizeiarztes war sie schon mindestens vierundzwanzig Stunden tot. Sie wurde also nicht letzte Nacht getötet«, sagte Ricky. »Ich dachte, bei den Sachen, die du schreibst … na ja, du hast mich ja neulich gefragt, ob du mal mitkommen könntest, wenn was Wichtiges passiert. Jedenfalls bearbeite ich den Fall und werde bei der Autopsie dabei sein. Irgendwas an der Sache bereitet mir im Augenblick ziemliches Kopfzerbrechen, obwohl ich nicht weiß, was es ist. Als ob ich sie gekannt hätte oder so. Als ob das Ganze irgendeinen vertrauten Aspekt hätte, den ich wiedererkennen müsste.«
Tief durchatmen, ermahnte sich Sean, entkrampf dich.
» Wie hieß sie denn?«, fragte er.
» Metz. Eleanor Metz.«
» Sagt mir nichts.«
» Ihr Gesicht konnte ich mir noch nicht genauer ansehen. Es war ziemlich zerschlagen und blutverkrustet. Und du weißt ja … in unserer Gegend setzt die Verwesung schnell ein. Jetzt ist sie jedenfalls im Leichenschauhaus. Die für den Fall zuständige Gerichtsmedizinerin ist eine Freundin von mir und ein großer Fan von dir. Beziehungsweise von Michael Shayne. Was hat dich eigentlich veranlasst, unter Pseudonym zu schreiben?«, fragte Ricky.
Ob es wohl die Tatsache gewesen war, dass er selbst mal unter Mordverdacht gestanden hatte, überlegte er.
» Als ich anfing zu schreiben, habe ich an der Universität unterrichtet«, teilte er Ricky mit. »Und was ich schreibe, ist Unterhaltungsliteratur – so was kommt bei Akademikern nicht immer gut an.«
» Ah, verstehe. Trotzdem, ich an deiner Stelle hätte Wert darauf gelegt, dass mein richtiger Name auf den Umschlägen steht. Wie dem auch sei, bring meiner Freundin – Dr. Kate Gillespie – einfach ein signiertes Buch mit, dann hat sie sicher nichts dagegen, dass du dabei bist.«
Sean schwieg eine Minute lang und kämpfte mit zusammengebissenen Zähnen gegen das schon wieder in ihm aufsteigende Kältegefühl an. Ein Polizist wollte ihn zu einer Autopsie mitnehmen. Das Leben war doch verdammt seltsam. In Südflorida der Autopsie einer schönen jungen Frau beizuwohnen – darauf konnte er nun weiß Gott verzichten. Die ganze verdammte Angelegenheit war ebenso lächerlich wie paradox.
Im ersten Augenblick wollte er ablehnen, tat es dann aber doch nicht.
Teufel noch mal, zurzeit fehlten ihm einfach die Ideen für ein neues Buch. Vor fünf Jahren hatte er seine Stelle an der Universität aufgegeben, weil ihm klar geworden war, dass er lieber schreiben wollte. Wahrscheinlich hätte er sich irgendeiner interessanten Exkursion anschließen können, doch dazu war er einfach zu ruhelos gewesen.
Und als er sich bereit erklärt hatte, zu einer Publicitytour herzukommen, hatte er ausgehandelt, dass Coconut Grove die letzte Station sein sollte. Dann hatte er sein Haus in Malibu Beach verriegelt und verrammelt, um ein paar zusätzliche Wochen in Florida zu verbringen. Mindestens einen Monat wollte er hier bleiben und arbeiten. Schon seit einiger Zeit hatte er vor, in seine Heimatstadt zurückzukehren, lange genug, um ein paar Gespenster aus der Vergangenheit zu bannen. Und jetzt war er hier. Um zu arbeiten.
Aus diesem Grund empfahl es sich auch, die Möglichkeit, der Autopsie eines Mordopfers beizuwohnen, zu nutzen. Wenn er es nicht täte, wäre er schön blöd. Oder ein verflucht schlechter Schriftsteller.
Bloß … ausgerechnet hier?
Miami war dazu fähig, jemandem zu vergeben. Offenbar konnte jedem vergeben werden. Trotzdem war es bitter. Verdammt bitter.
» Sean?«
Vielleicht war das endlich so...



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