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E-Book

E-Book, Deutsch, 178 Seiten

Grant Black Dog

Bannon's Gym 1
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96089-296-0
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Bannon's Gym 1

E-Book, Deutsch, 178 Seiten

ISBN: 978-3-96089-296-0
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Seit mehr als fünfzehn Jahren bekämpfen sich Danny Bannon und Eddie Roscoe innerhalb und außerhalb des Rings, zusammengehalten von gegenseitiger Anziehungskraft und durch die Kleinstadtbande und doch bleiben sie distanziert voneinander durch eine gemeinsame Tragödie, die sie noch immer verfolgt. Ihre ständige On-Off-Beziehung wird aufgerüttelt durch die Ankunft von Tom Delaney, einem jugendlichen Ausreißer, der versucht, seiner angespannten Situation zu Hause und seinem schlagfreudigen Vater zu entkommen. Der dürre Junge entpuppt sich als Box-Ausnahmetalent. Seine Ausbildung bringt Danny und Eddie näher, als sie es jahrelang waren. Es scheint, als würden die drei, und Eddies Mutter Gloria, eine neue Familie bilden, die viel enger ist als alles, was Tom aus seiner schwierigen Vergangenheit kennt. Doch nicht nur Danny und Eddie haben eine dunkle Vergangenheit, die sie wieder einholt ...

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Kapitel 2


Der Junge schob sich gegen neun durch die Doppeltüren. Sein Haar stand in alle Richtungen ab, als hätte er seinen Finger in eine Steckdose gesteckt. Ich unterdrückte ein Kichern. »Warum hast du mich so lange schlafen lassen? Ich hab die Frühstücksvorbereitungen verpasst.«

»Mach dir keine Sorgen, Schatz. Wir hatten nicht so viel zu tun.« Gloria lächelte, als sie an ihm vorbeiging und ihn ins Kinn zwickte. »Du Süßer.«

Er lief knallrot an. »Ich, äh, fange sofort an, das Geschirr zu spülen.«

»Das läuft nicht weg«, sagte ich. »Komm her und iss erst mal was.«

Er pflanzte seinen mageren Hintern auf den nächsten Hocker, sah sich um und ließ den Anblick der verbliebenen Frühstücksgäste mit Neugier auf sich wirken. Die rund zwölf Stunden Schlaf, die er bekommen hatte, hatten ihn munter gemacht.

Gloria schenkte ihm Kaffee ein, während ich ihm Bacon und Eier auftischte. Ich stellte seinen Teller ab, dann machte ich mich auf den Weg, um eine Bestellung am anderen Ende der Theke aufzunehmen. Als ich erneut an ihm vorbeilief, es konnten nicht mehr als drei Minuten vergangen sein, war sein Teller leer. »Willst du eine zweite Portion?«

Versuchung huschte über sein Gesicht, doch er schüttelte den Kopf. »Lieber nicht. Ich will nicht, dass du mich rausschmeißt.«

»Warum sollte ich das tun?«

»Na ja, ich hab den ganzen Morgen verschlafen und jetzt gibst du mir wieder was zu essen, das ich mir noch nicht einmal erarbeitet habe …«

»Betrachte es als Essen auf Rechnung.« Ich füllte seinen Kaffee auf, und während er ihn hinunterstürzte, musterte ich ihn. Das Veilchen zeigte sich nun in seiner ganzen Pracht. Sein Auge war zugeschwollen. Seine Hände sahen besser aus, waren eher pink als rot, aber er würde die Salbe noch ein paar Tage verwenden müssen, bevor er sich wirklich auf dem Weg der Besserung befand. »Lass es heute langsam angehen. Die Welt geht nicht unter, wenn du nicht jeden Topf hier schrubbst, bis er glänzt.«

Er sah weg und streifte mit seinem Daumen über den Griff seines Bechers. »Was kümmert es dich?«

Es war nicht das erste Mal, dass ich diese Frage hörte, doch sie ließ mich trotzdem zusammenzucken. »Warum sollte es nicht

»Sonst kümmert es niemanden. Die Leute sehen, wie ich versuche draußen zu schlafen, und gehen vorbei, als wäre ich unsichtbar. Selbst meine eigenen …« Er rieb sich das unverletzte Auge. »Ich bin es einfach nicht gewohnt, dass man ohne Grund nett zu mir ist.«

Er hatte gestern Abend zu verstehen gegeben, was der übliche Grund war. Auch nicht das erste Mal, dass ich das hörte. »Du brauchst einen Job, ich brauche einen Tellerwäscher. Ich erwarte nichts von dir außer gute Arbeit. Okay?«

Er starrte mich an, als könnte er nicht glauben, was er gehört hatte. Himmel, welche Art Leben hatte der arme Junge geführt, dass es ihm so schwerfiel, zu glauben, dass es gute Menschen gab? »Wenn du das sagst …« Er leerte seinen Becher und stand auf. »Ähm, weißt du, wo ich hier in der Gegend duschen könnte? Ich trage seit drei Tagen die gleichen Klamotten.«

Er roch tatsächlich etwas unangenehm, und ich hatte zu meiner Zeit genug Schwammbäder auf der Herrentoilette gehabt, um zu wissen, wie schmuddelig er sich fühlte. Beinahe hätte ich ihm angeboten, ihn mit zu mir zu nehmen, aber … nein. Nicht, nachdem ich Antonio bei dem Versuch erwischte hatte, meinen Laptop zu stehlen. Dieser Junge wirkte nicht, als wäre er die Sorte Typ, die etwas stahl, doch ich war noch nicht bereit, dieses Risiko einzugehen. Ich könnte ihm das Geld für ein Motel geben, aber der einzige Ort auf dieser Seite der Stadt, der keine Absteige war, kostete mehr als hundert Dollar pro Nacht. Zu teuer für meinen Geldbeutel. Was mir keine andere Wahl ließ. Sie war keineswegs ideal, aber es musste genügen. »Bannons Fitnessstudio ist ein paar Häuser weiter«, sagte ich. »Da gibt es Duschen.«

»Und Nichtmitglieder dürfen die nutzen?«

»Wenn du mit einem Mitglied hingehst, ja.« Ich sah auf meine Uhr. Halb elf. Es war früh genug, um zu hoffen, dass Danny noch nicht da war. »Wir haben noch rund eine Stunde bis zur Mittagszeit. Schnapp dir deinen Kram, dann gehen wir sofort.«

Es regnete wieder. Nicht so stark wie gestern Abend, aber es war kühl und windig genug, dass wir uns die Kapuzen unserer Jacken überzogen. Wir liefen die Hauptstraße runter, an der Drogerie, der Bank und ein paar heruntergekommenen Ladenfronten vorbei. Die Rezession hatte diesen Teil von Lincoln Beach stark getroffen, doch jeder, den ich wiedererkannte, lächelte und winkte uns, so wie Mavis Bundy, der eine neue Auslage in dem Fenster seines Secondhandladens einrichtete, oder ein paar Stammgäste des Diners, die auf der anderen Straßenseite entlangschlenderten.

»Du bist beliebt hier in der Gegend«, stellte Tom fest.

Ich lachte. »Ich bin auf dieser Seite der Stadt aufgewachsen. Ich kenne die meisten dieser Leute, seit ich ein Kind war.«

»Du hast gesagt, du hast es nicht erwarten können, von hier zu verschwinden, als du in meinem Alter warst. Aber du bist zurückgekommen. Warum?«

Gute Frage. Ich schob meine Fäuste tiefer in meine Jackentaschen, während ich darüber nachdachte. »Nach ein paar Jahren woanders habe ich festgestellt, dass dieser Ort hier nicht so schlecht ist, wie ich dachte.« Jedenfalls nicht im Vergleich zum Irak. »Dann ist mein alter Herr gestorben und Gloria hat das Diner nicht alleine führen können, also …« Ich zuckte mit den Schultern.

»Hast du es je bereut, nicht weggeblieben zu sein?«

Er musste das ausgerechnet jetzt fragen, wo wir auf dem Weg zum Hintereingang des Fitnessstudios waren. Wieso war ich so nervös? Meine Mitgliedschaft war immer noch gültig, was bedeutete, dass ich jedes Recht hatte, hier zu sein. Ich zog meine Karte durch, um die Tür zu öffnen, und führte Tom in die Umkleide. Eine Doppelreihe verbeulter, dunkelblauer Spinde säumte die hintere Wand. Durch einen Vorhang abgetrennte Umkleidekabinen standen ihnen gegenüber. Dazwischen befanden sich eine lange Holzbank und Handtuchhalter an beiden Seiten. Der Gestank von Schweiß und “Icy Hot“-Salbe kroch in meine Nase und beschwor viel zu viele Erinnerungen, hauptsächlich an mich, wie ich auf meinem Hintern gelandet war, herauf. Ich schnappte mir ein sauberes Handtuch von dem nächsten Halter und reichte es dem Jungen. »Die Duschen sind gleich da drüben. Ich warte im Flur auf dich.«

Ich war eine Weile nicht mehr hier gewesen, aber es hatte sich alles nicht großartig verändert. Danny hatte die sterbende Leuchtstofflampe, die ständig aus- und wieder anging, noch immer nicht ausgetauscht. Fotos von Auszubildenden, die fortgegangen waren, um Wettkämpfe oder sogar wichtige Profikämpfe zu gewinnen, erstreckten sich mittlerweile von einem Ende des Flurs zum anderen. Keine große Überraschung. Danny wusste, wie er sich die Gewinner herauspickte.

Grunzen, Stöhnen und das Klatschen von nackten Füßen auf einer Übungsmatte zog mich in Richtung der Trainingshalle, doch der anschwellende Knoten einer dunklen Vorahnung in meinem Magen hielt mich von dem Durchgang fern. Ach, egal. Was sollte schon passieren, wenn ich kurz meinen Kopf hindurchsteckte?

Es war derselbe gut ausgeleuchtete, höhlenartige Raum, den ich in Erinnerung hatte, mit einer amerikanischen Flagge an der Wand und einem blau-weißen Banner mit dem Logo des Fitnessstudios daneben. Laufbänder, Fahrräder, Crosstrainer, Krafttrainingsgeräte und Freigewichte säumten die gegenüberliegende Wand. Ein Boxkäfig stand auf der linken Seite. Ein Mann trainierte gerade Kickboxen an einer Reihe schwerer Säcke, die knapp dahinter hingen. Es waren nur zwei weitere Männer im Raum, die sich ein paar Meter vor mir im Sparring übten.

»Hör auf, deine verdammte Schulter hängen zu lassen. Du verteilst deine Punches einen Kilometer daneben«, sagte der Typ mit Kopfschutz und Schlagpolster. Danny. Das rauchige Knurren würde ich immer erkennen. »Hör auf, meine Zeit zu verschwenden, und zeig mir, was du kannst.«

Der andere Mann, der Lehrling, hüpfte auf und ab, schwenkte zur Seite und lieferte dann eine schnelle Dreierkombination, die Danny nach hinten taumeln ließ.

»Genau das hab ich gemeint. Noch mal.«

Der Lehrling lieferte dieselbe Kombination ab, doch diesmal blockte Danny ihn mit Leichtigkeit und versetzte ihm einen Tritt, der ihn von den Beinen riss. Mit einem scharfen »Uff!« landete er auf der Matte.

»In einem echten Kampf kommst du nicht zweimal mit demselben Mist durch. Nur zu deiner Info.« Danny schüttelte die Polster von seinen Händen und half dem Trainee hoch. »Gute Arbeit.« Er klopfte dem Mann auf die Schulter. »Ab unter die Dusche.«

Zeit, zu verschwinden. Aber zu spät. Dannys klare grüne Augen fokussierten mich wie ein verdammter Laser.

»Nun«, sagte er leise. »Sieh an, was der Sturm hereingeweht hat.«

Hitze stieg in mein Gesicht. »Hi, Danny. Wie geht’s?«

Er grunzte, zog seinen Kopfschutz aus und rieb dann mit einem Handtuch über sein verschwitztes Haar. »Wem oder was verdanke ich dieses Vergnügen? Suchst du nach weiteren Seelen, die du retten kannst?«

Immer stichelnd, auch wenn er nicht im Ring war. Ich hatte mir antrainiert, den Köder nicht zu schlucken, doch das hielt meinen Kiefer nicht davon ab, zu verkrampfen. »Bin mit einem Freund hier, damit er die Dusche nutzen kann.« Ich hielt meine Mitgliedskarte hoch. »Mir steht nach wie vor ein Gast pro Monat zu.«

»Das ist der einzige Weg, dich dazu zu kriegen, dein Gesicht hier zu zeigen?«

»Das Diner...



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