E-Book, Deutsch, 228 Seiten
Grant Einmal ein Marine ...
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-96089-164-2
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 228 Seiten
ISBN: 978-3-96089-164-2
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nach seinem Abschied aus dem Marine Corps versucht Cole Hammond seinem Leben einen neuen Sinn zu geben. Doch der Wiedereintritt ins zivile Leben fällt ihm schwer - eine posttraumatische Belastungsstörung, die Ablehnung durch seinen homophoben Vater und ein schlechter Semesterabschluss seines Jurastudiums machen ihm zu schaffen. Da trifft er auf Marc Sullivan, tagsüber Kellner, nachts Schriftsteller. Marc steht auf sexy Kerle in Uniform und als Cole an einem regnerischen Nachmittag das Diner betritt, ziehen sein süßes Lächeln und der Carolina Akzent Marc sofort in ihren Bann. Allerdings hat Marc bereits Erfahrungen mit Marines gemacht - und die endeten immer schmerzhaft.
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Kapitel 1
November 2009
In der Sekunde, in der er das Diner betrat, ließ ich beinahe den Stapel Teller fallen, den ich trug. Mindestens eins neunzig groß, mit langen Beinen in Jeans, die über den muskulösen Schenkeln beinahe weiß waren. Er öffnete seine Regenjacke, die vom Novemberplatzregen tropfte, und schlug die Kapuze zurück. Oh, heiliger Himmel. Volle Lippen, breites Kinn, Wangenknochen, mit denen man ein rohes Steak schneiden konnte. Blond wie ein nordischer Gott und eine militärische Stoppelfrisur, die mir auf der Stelle meine Jeans zu eng werden ließ. Wie gut, dass ich meine Schürze anhatte. Ich schob mir die Brille zur Nasenwurzel hinauf und starrte weiter.
Ich war nicht der Einzige. Terrys Hand erstarrte augenblicklich über der Registrierkasse, als unser Neuankömmling ihr rasch zunickte, den Sportteil vom Tresen nahm und sich an den nächsten freien Tisch setzte. Er bemerkte nicht, dass wir ihn angafften, oder vielleicht interessierte es ihn auch einfach nicht. Derart umwerfend schöne Typen wie er waren wahrscheinlich daran gewöhnt.
„Das nenne ich einen großen, kühlen Schluck Wasser.“ Terry gab ihrem Kunden das Wechselgeld und schloss die Kasse mit einem Stoß ihrer ausladenden Hüfte. „Du glücklicher – er hat sich in deinen Bereich gesetzt. Oder willst du jetzt deine Pause machen?“ Sie grinste mich zähnefletschend an.
„Netter Versuch.“ Ich zwinkerte ihr zu, stellte meinen Tellerstapel in eine Wanne unter dem Tresen und nahm eine Tasse und die Kaffeekanne, ehe ich auf direktem Weg zu Mr. Groß-und-Schöns Tisch ging. Das Mistwetter hatte die meisten der üblichen Sonntagmorgen-Kunden abgeschreckt, deswegen lauerten mir keine Tassen auf, die nachgefüllt werden mussten.
Groß-und-Schön sah auf, als ich seinen Tisch erreichte. Ich schätzte ihn um die dreißig, mit tollen Augen – blasses Blau, aber nicht im Geringsten eisig. Lächelnd deutete ich mit der Tasse auf ihn. „Hi, ich bin Marc. Willst du Kaffee?“ Er nickte. „Möchtest du heute Morgen auch Saft oder vielleicht Wasser?“
„Kaffee reicht, danke.“ Für eine Sekunde hätte ich schwören können, dass ich das weiche Trällern eines Südstaatenakzents gehört hatte. Und nun bemerkte ich endgültig den Haarschnitt – an den Seiten und im Nacken fast bis auf die Kopfhaut geschoren und oben flach. Der traditionelle „High and tight“-Schnitt, der von Marines bevorzugt wurde. Süße, elende Erinnerungen, wie ich im Hinterzimmer einer Buchhandlung für Erwachsene in Oceanside auf die Knie ging, rasten mir durch den Kopf, während er sich ein wenig Zucker in den Kaffee löffelte und den ersten zaghaften Schluck trank.
Dann blickten diese großen blauen Augen in meine, stießen mich zurück in die Gegenwart. „Ähm, brauchst du noch ein bisschen für deine Bestellung?“
Er schnappte sich die Karte und warf einen raschen Blick darauf, wobei die mit „Café zur blauen Windmühle“ bedruckte Seite zu mir zeigte. „Ich nehme Bratkartoffeln mit zwei Eiern und Speck.“
Da war er, diesmal unzweifelhaft – dieser unüberhörbare zäh-wie-Honig Carolina Akzent. Genau wie bei Rob, erkannte ich mit plötzlichem Schmerz, während ich meinen Block und den Stift aus meiner Schürze zog, um seine Bestellung zu notieren. „Welche Art Toast?“
„Habt ihr Brötchen?“, fragte er schüchtern, ein Mundwinkel hob sich leicht.
„Ich fürchte, nicht. Wie wäre es mit einem englischen Muffin?“
„Das tut’s auch. Danke.“ Er trank von seinem Kaffee und wandte sich wieder dem Sportteil zu.
„Sieht aus, als hättet ihr euch nett unterhalten“, kommentierte Terry schelmisch, als ich um den Tresen herum kam und meine Bestellung in die Durchreiche zu Fernando legte. Der Geruch von verbranntem Toast und fettigem Frühstücksspeck flutete aus der Küche, unterstrichen von dem Geklapper des dreckigen Geschirrs, das Pedro, Fernandos Teenagersohn, nicht unbedingt vorsichtig in die Spülmaschine räumte. „Hast du mitbekommen, dass er deinen Arsch begutachtet hat?“
„Ja, genau.“ Noch vor sechs Monaten hätte sie mich damit treffen können. Terry liebte es, an meiner Kette zu zerren. Gutmütiges Zerren, aber immerhin.
„Ausnahmsweise verarsche ich dich nicht. Als du dich umgedreht hast, hat er direkt auf deine süßen kleinen Backen gesehen.“
Ich warf dem Militärtyp einen lässigen Blick zu. Er hatte sein Handy herausgeholt und hämmerte mit beiden Daumen auf der kleinen Tastatur herum. Es wirkte in seiner großen, langfingrigen Hand wie ein Spielzeug. Oh, gütiger Gott. Wenn es etwas gab, auf das ich total abfuhr, dann war es ein Kerl mit schönen Händen.
„Ich hab echt ein Glück.“ Terry schüttelte den Kopf, ihr brauner Pferdeschwanz schwang hin und her. „Alle heißen Kerle spielen in deinem Team.“
„Ich glaube, das muss sich erst noch herausstellen.“
„Warum überprüfen wir es nicht?“ Sie schnappte sich eine Kaffeekanne aus der Maschine. „Mal sehen, ob er nachgeschenkt haben will.“
Natürlich musste sich der mürrische alte Mr. Faber ausgerechnet diesen Moment aussuchen, zur Kasse zu humpeln, um seine Rechnung zu bezahlen. Während ich ihn abrechnete, versuchte ich über seine Schulter zu spähen, damit ich sehen konnte, was Terry machte.
Sie konnte wahnsinnig gut flirten, das musste ich ihr lassen. Ihre Hand lag verführerisch auf ihrer schräggestellten Hüfte, sie lächelte den Militärknaben breit an und klimperte mit den Wimpern. Er lächelte zurück, sein Blick lag auf ihrer beeindruckenden Oberweite. Das bedeutete jedoch noch gar nichts – Himmel, selbst ich starrte Terrys Titten ab und zu an, hauptsächlich weil sie die Schwerkraft zu verleugnen schienen. Sie unterhielten sich, aber ich konnte nicht hören, was sie sagten. Schließlich füllte sie seine Tasse auf und tänzelte zum Tresen zurück.
„Seine Mama hat ihn gut erzogen“, verkündete sie mit einem hingerissenen Seufzen. „So gute Manieren. Er nannte mich sogar Ma’am!“
Ich gluckste. „Vielleicht weil du ihn an seine Mutter erinnerst.“
„Pass auf, Bursche. Ich bin erst fünfunddreißig.“
Fernando zufolge hatte Terry ihren fünfunddreißigsten Geburtstag bereits zum sechsten Mal gefeiert. Aber weil ich keinen Tritt gegen das Schienbein wollte, hielt ich es für besser, das nicht zu erwähnen. Außerdem war meine Bestellung fertig.
Ich stapelte beide Teller auf meinen linken Arm wie ein Profikellner, nahm eine Flasche Ketchup und marschierte zurück zum Tisch von Mr. Militär. Er legte seine Zeitung zusammen und lehnte sich zurück, damit ich Platz hatte, alles auf den Tisch zu stellen. Als er seine Regenjacke von den Schultern streifte, wäre mir beinahe der Teller mit den Eiern und dem Schinken aus der Hand gerutscht. Ein echt enges schwarzes T-Shirt spannte sich über jeden harten, geschmeidigen Muskel in seiner Brust und den Schultern. Ich konnte mich gerade noch vom Sabbern abhalten.
„Ka-kann ich dir noch etwas bringen?“ Kaffee? Tee? Mich?
„Das ist alles für jetzt, danke.“ Sein rechter Ärmel schob sich nach oben, als er nach der Gabel griff und enthüllte ein kleines Tattoo mit einer Bulldogge, unter der „USMC“ stand. Nachdem ich in San Diego aufgewachsen war, hatte ich eine Menge Marine Corps Tattoos gesehen. Die meisten sahen auffällig und kitschig aus, aber dieses hier war richtig niedlich. War dieser Kerl ein echter Marine, oder wollte er nur so tun als ob?
Es gab nur einen Weg, das herauszufinden. „Wir haben nicht allzu viele Devildogs in der Gegend. Bist du hier, um Berkeley vor der Plage der Liberalen zu schützen?“
Sofort verblasste sein Lächeln. „Ich schätze, dafür bin ich zu spät dran. Außerdem bin ich nicht im aktiven Dienst.“
Autsch. Jetzt wünschte ich mir, ich hätte den Mund gehalten. „Na, sag einfach Bescheid, wenn du noch etwas brauchst, okay?“
„Mach ich.“
Binnen kurzem flaute der Regen zu einem Tröpfeln ab und das Geschäft ging los. Innerhalb einer halben Stunde war das Lokal voll und Terry und ich rannten uns die Hacken ab. Selbst Pedro kam nach vorne, um Tische abzuräumen und bei Gästen abzukassieren. Ich war so beschäftigt, dass ich nicht mitbekam, wie der Militärtyp ging. Als ich das nächste Mal zu seinem Tisch sah, war er weg.
Reichlich mies gelaunt stellte ich sein schmutziges Geschirr zusammen – und da war sein Telefon, unter dem Sportteil, den er gelesen hatte. Es war eines dieser Prepaid-Modelle in Taschengröße. Die Leute ließen sie ständig hier liegen. Sie waren billig genug, damit er sich eher ein neues kaufen würde als deswegen noch einmal zurückzukommen. Nun gut. Ich würde es ohnehin in den Fundsachenkarton werfen.
Dafür hatte er ein großzügiges Trinkgeld auf den Tisch gelegt: Fünf Dollar, obwohl das gesamte Frühstück weniger als zehn kostete. Eine nette Geste, vor allem nachdem ich vergessen hatte, noch einmal nach ihm zu sehen. Nicht nur verdammt süß, sondern auch ein Gentleman bis zur Sohle – und bei meinem Glück wahrscheinlich hetero bis zum Umfallen. Das Beste war, ihn sofort aus meinen Gedanken zu streichen. Ich schob das Handy in meine Tasche, stellte seine benutzten Teller auf meinen wachsenden Stapel und transportierte alles zum Tresen.
Gegen drei, als meine Schicht beendet war, fing die Sonne an, durch die restlichen Wolken zu spähen. Ich marschierte die drei Blocks bis zur Bushaltestelle und schloss dabei meine Jacke gegen die andauernde Kälte. Typisches...




